Oikocredit: Junge Menschen gewinnen

Erstmals tagte die Mitgliederversammlung des Westdeutschen Förderkreises von Oikocredit digital. Foto: W. Hübner-Stauf

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hat der Westdeutsche Förderkreis der internationalen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit im vorigen Jahr neue Mitglieder gewinnen können.

Das wurde bei der ersten digitalen Mitgliederversammlung von Oikocredit bekannt. Fast 200 Mitglieder nahmen an der per Video übertragenen Versammlung teil. Via digitale Stimmabgabe wählten sie auch ihren Vorstand: Vorsitzender bleibt Dietmar Blümer. Zu seinem Stellvertreter wurde Jean-Gottfried Mutombo, Regionalpfarrer für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in der Evangelischen Kirche von Westfalen, gewählt. Neu im Vorstand ist Annette Flinterman. Die Niederländerin lebt seit 2009 in Deutschland und engagiert sich besonders für Nachhaltigkeitsthemen.

7.200 Mitglieder legen über den in Bonn ansässigen Westdeutschen Förderkreis derzeit rund 163 Millionen Euro bei Oikocredit an. Auch der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel und viele Kirchengemeinden sind Anleger beim Westdeutschen Förderkreis. Oikocredit finanziert mit dem Kapital der Anleger*innen Partnerorganisationen, vor allem Kooperativen im globalen Süden. Von deren Arbeit in den Bereichen inklusives Finanzwesen, Landwirtschaft und erneuerbare Energien profitieren insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Menschen und Gemeinschaften.

Mehr jüngere Menschen über eine solche sozial und ökologisch nachhaltige Geldanlage zu informieren, ist eins der Ziele für die nächsten Jahre, so Geschäftsführer Helmut Pojunke. Das Interesse daran sei da. Eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien und ein zunehmend digitales Bildungs- und Informationsangebot sei ein Schritt auf dem Weg zu dieser Zielgruppe. Das habe sich im vergangenen Jahr gezeigt.

Link: westdeutsch.oikocredit.de

Text: ekasur.de

Wie entsteht Geld?

Das Filmplakat Ausschnitt) ©Neue Visionen Filmverleih

Oikocredit Westdeutscher Förderkreis zeigt am 19. Oktober den Dokumentarfilm „Oeconomia“.  Regisseurin Carmen Losmann thematisiert darin die Komplexität unseres Finanzsystems und untersucht den Zusammenhang von Verschuldung und gleichzeitig steigendem Wirtschaftswachstum. In 90 Minuten veranschaulicht die Filmemacherin mit Interviews, nachgesprochenen Telefonaten, computergenerierten Bildern und Aufnahmen einer fassadenförmigen Welt die Komplexität unseres Wirtschaftssystems und verdeutlicht die ungleiche Verteilung von Reichtum.

„Oeconomia“ wurde zuerst auf der diesjährigen Berlinale im Februar gezeigt, die Premierentour startet am 15. Oktober. Der Westdeutsche Förderkreis von Oikocredit nimmt an der Filmtour teil und zeigt den Film in Anwesenheit der Regisseurin im Rex Lichtspieltheater Bonn. Im Anschluss diskutiert die Filmemacherin das bestehende Finanzsystem und mögliche Alternativen mit dem Publikum.

Die Filmvorführung beginnt am Montag, 19. Oktober 2020, um 17.30 Uhr, im Rex Lichtspieltheater Bonn, Frongasse 9. Tickets können Sie über das Online-Portal des Kinos oder an der Abendkasse erwerben.

 

 

EB

7.000stes Mitglied

Jeanne Kalié ist Mitglied Nr. 7.000. Foto: Oikocredit

Mitgliederzahl des Oikocredit Westdeutschen Förderkreises wächst: Grund zur Freude für den Westdeutschen Förderkreis: Das siebentausendste Mitglied ist im Januar dem Verein beigetreten. Die 32-jährige Bonnerin Jeanne Kalié, die von Geschäftsführer Helmut Pojunke mit Blumen und Geschenken willkommen geheißen wurde, verdankt ihre Mitgliedschaft und Anteile an der Entwicklungsgenossenschaft einem Geschenk ihrer Mutter. Annegret Schemmer, selbst seit mehreren Jahren Anlegerin bei Oikocredit und engagierte Umweltschützerin, hat ihre drei Töchter damit überrascht. Sie selber sei auf der Suche nach einer nachhaltigen Anlagemöglichkeit durch den Tipp einer Finanzberaterin auf die Entwicklungsgenossenschaft aufmerksam geworden, sagt sie.

Mitgliedsnummer 7.000 entfiel auf Jeanne Kalié. Sie arbeitet bei einem bekannten Gummibärchenhersteller in Bonn, hat ethisches Investment bisher nicht auf ihrer Agenda gehabt, sich aber inzwischen mit der Arbeit von Oikocredit vertraut gemacht. „Was mir besonders gefällt“, sagt sie beim Besuch in der Förderkreis-Geschäftsstelle in Bonn, „ist die gezielte Förderung von Frauen. Sie dabei zu unterstützen, wirtschaftlich unabhängiger zu werden, ist wichtig und nötig“.

Kurzinfo: Oikocredit

Bei Oikocredit machen wir seit 1975 aus dem Geld unserer Anleger*innen GUTES GELD. Wir vergeben Kredite und Kapitalbeteiligungen an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und andere sozial orientierte Unternehmen in Entwicklungs-

und Schwellenländern. Als globale genossenschaftliche Bewegung haben wir die Vision einer gerechten Weltgemeinschaft, in der alle Menschen ihr Leben in Würde gestalten können. So eröffnet das Geld unserer Mitglieder Menschen die Chance, ihre Welt selbst ein bisschen besser zu machen. Und darum ist es GUTES GELD.

www.westdeutsch.oikocredit.de

EB

Alle reden, Oikocredit handelt

Vânia Lucia Pereira da Silva ist Vizepräsidentin der Kaffeegenossenschaft Coopfam in Brasilien, Mitglied der Coopfam-Frauenorganisation MOBI und Kaffeeproduzentin von „Café Feminino“. Seit 1998 ist sie Mitglied von Coopfam und besitzt gemeinsam mit ihrem Mann 12 Hektar Land. © Opmeer Reports

„Das, worüber alle reden, macht Oikocredit seit über 40 Jahren – privates Kapital sozial wirksam und ökologisch nachhaltig in den Ländern des Globalen Südens investieren“, sagte Helmut Pojunke, Geschäftsführer des „Oikocredit Westdeutscher Förderkreis e.V.“ am Freitag bei einem Pressegespräch zum 40-jährigen Bestehen des Förderkreises in Bonn.

Im April 1979 wurde er gegründet, um Privatpersonen in der Region die Möglichkeiten zu geben, sich an der internationalen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit zu beteiligen. Sie können ab 200 Euro Genossenschaftsanteile erwerben. Die evangelischen Kirchenkreise in Bonn und der Region sowie viele Kirchengemeinden haben ebenfalls ein Konto bei Oikocredit. Mit ihrem Kapital finanzieren sie Sozialunternehmen und Kooperativen in Afrika, Lateinamerika und Asien im Inklusiven Finanzwesen, in der Landwirtschaft und im Sektor Erneuerbare Energien. Im Vordergrund steht der soziale Nutzen, nicht die größtmögliche Rendite.

„Es ist ein Grundprinzip unserer Arbeit, die eigene Initiative und die breit vorhandenen Problemlösungskompetenzen vor Ort zu fördern“, betonte Pojunke. Die enge Zusammenarbeit mit den 700 Partnerorganisationen gewährleisten lokale Fachkräfte in weltweit 21 Länder- und Regionalbüros, „60 Prozent der Mitarbeitenden von Oikocredit arbeiten außerhalb von Europa“, so Pojunke weiter.

Basisnah und dezentral

Das alles geschieht mit breiter Unterstützung von aktuell 57.000 engagierten Anleger*innen weltweit, die über eine Milliarde Euro in Projekten investieren. Das Konzept der Basisnähe und dezentralen Organisation ist auch für den Westdeutschen Förderkreis aufgegangen. Seit den Anfängen 1979 ist aus ihm ein Verein mit 6.900 Mitgliedern in NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland geworden, der über 153 Millionen Euro in Oikocredit treuhänderisch investiert hat.

Beseitigung der Armut, Klimaschutz, Zugang zu Finanzierungen und Versicherungen, Ernährungssicherheit, Verbesserung von Bildung und Gesundheit, gleiche Rechte für Frauen: Das ist nur ein Ausschnitt an Zielen, für die sich die Genossenschaft über die Zusammenarbeit mit ihren Partnern in aller Welt engagiert.

Sauberer Kochen in Ruanda

Als Beispiele nachhaltiger Projekte führte Pojunke die Zusammenarbeit mit dem ruandischen Unternehmen Inyenyeri an, in das Oikocredit eine Million Dollar als Darlehen investiert. Inyenyeri will damit bis zum Jahr 2020 insgesamt 150.000 Haushalte mit sauberer und günstiger Koch-Technologie versorgen. Im Südosten Brasiliens arbeitet Oikocredit mit der Bio- und Fairtrade-zertifizierten Kaffee-Kooperative Coopfam zusammen, die gezielt Frauen für den Kaffee-Anbau und die Mitarbeit im Management gewinnt. Die Frauen produzieren ihre eigene Kaffee-Marke und betreiben ein Projekt, das ihnen mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht und der Landflucht entgegen wirkt.

Der Westdeutsche Förderkreis eröffnet das Jubiläumsjahr am 6. April mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Ende der Wachstumsökonomie“ aus den unterschiedlichen Perspektiven des globalen Nordens und des globalen Südens und wird das ganze Jahr über zu Veranstaltungen in der gesamten Region einladen.

www.westdeutsch.oikocredit.de

EB/gar