Erstmals eine Frau an der Spitze

Die neue Superintendentin des Kirchenkreises, Pfarrerin Claudia Müller-Bück (rechts), und ihr Gegenkandidat, Pfarrer Knut Dahl-Ruddies, vor der Jungholz-Halle in Meckenheim, des Tagungsortes der Kirchenkreissynode. Foto: Wolfgang Thielmann

Der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel hat sein höchstes Führungsamt neu besetzt. Seine Synode wählte Pfarrerin Claudia Müller-Bück aus Swisttal am 2. April 2022 in Meckenheim mit 38 von 71 Stimmen zur neuen Superintendentin und damit zur ersten Frau an der Spitze des Kirchenkreises seit seiner Gründung 1968. Die 47-jährige folgt auf Pfarrer Mathias Mölleken (Meckenheim), der Ende Mai in den Ruhestand geht. Am 20. Mai wird sie in ihre sechsjährige Amtszeit eingeführt. Schon bisher war Müller-Bück als Skriba (Schriftführerin) zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Ihr Gegenkandidat, der Euskirchener Gefängnispfarrer Knut-Dahl-Ruddies, erhielt 33 Stimmen.

Vor der Synode rief Müller-Bück zur Zuversicht auch bei zurückgehenden Zahlen auf. Es gelte, aufzubrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Theologen und Nichttheologen zu finden. „Unser Glaube ist von Anfang an mit Aufbruch und Neubeginn verbunden“, sagte sie. Zudem müsse sich die Kirche an die Seite der Leidenden und Schwachen stellen. Bei der Flut im Juli 2021 habe sie erfahren, wie viel Kraft ihr die Hoffnung gegeben habe. Müller-Bück hatte in der Katastrophe Hilfsangebote aufgebaut und gehört seither zum Mobilen Fluthilfeteam ihrer Region. Sie sehe ihre Aufgabe darin, Menschen zu gewinnen und zu verbinden.

Frisch gewählt: Kathrin Müller (2.v.l.) und Gregor Weichsel (5.v.r.) mit Claudia Müller-Bück und Mitgliedern des KSV, darunter rechts Superintendent Mathias Mölleken. Foto: Wolfgang Thielmann

Als neuer Skriba wurde der Euskirchener Pfarrer Gregor Weichsel gewählt. Auf die Stelle der zweiten Stellvertretung des oder der Skriba wählte die Synode die Wachtberger Pfarrerin Kathrin Müller. Der bisherige zweite Stellvertreter, Pfarrer Edgar Hoffmann aus Euskirchen, gibt das Amt wegen seines Ruhestandes auf.

Als eine der 37 Superintendentinnen und Superintendenten der Evangelischen Kirche im Rheinland repräsentiert Müller-Bück die mittlere Ebene zwischen der Landeskirche und den Gemeinden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel umfasst 13 Gemeinden zwischen Zülpich und Bonn-Bad Godesberg mit knapp 50.000 Mitgliedern.

Krieg in der Ukraine: Ein „menschenverachtender Gewaltakt“

Einstimmig verurteilte die Synode in einer Stellungnahme den „russischen Angriffskrieg auf die Ukraine“ als einen „menschenverachtender Gewaltakt“. Sie bekundete Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und äußerte sich beeindruckt von Menschen in Russland, die sich trotz Verhaftungen und Misshandlungen gegen den Krieg stellten. Sie hieß Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland willkommen. Die Kirchengemeinden setzten sich ein „für ein friedliches Miteinander von russischen und ukrainischen Menschen in unserer Gesellschaft.“

Sexuelle Gewalt: Flächendeckendes Schutzkonzept kommt

Die 71 Synodalen beschlossen zudem ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt. Darin werden der Kirchenkreis, seine 13 Gemeinden und seine Einrichtungen verpflichtet, Schutzkonzepte zu erstellen und alle Mitarbeitenden zu schulen. Als Vertrauenspersonen wurden die Frauenbeauftragte des Kirchenkreises, Sabine Cornelissen, und der Jugendreferent Rainer Steinbrecher berufen. Der Beschluss geht auf ein Gesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2021 zurück, nach dem der Schutz flächendeckend sichergestellt werden muss. Der Kirchenkreis hatte schon 2014 ein Vorbeugekonzept unter dem Titel „Klarer sehen“ verabschiedet. Vor der Synode erklärte Kirchenrätin Iris Döring (Düsseldorf), neben der Aufklärung von Taten müssten überall klare Verfahren und Zuständigkeiten aufgebaut werden. Nach dem Konzept sollen die Leitungen aller Kirchengemeinden Arbeitsgruppen berufen, die eine Risikoanalyse sowie eine Liste aller Beteiligten erstellen, sodass der Kirchenkreis den Schulungsbedarf einschätzen kann.

Das Klima schonen: Kirchen werden treibhausgasneutral umgerüstet

Im Rahmen eines Klimaschutzprogramms beauftragten die Synodalen den Kreissynodalvorstand, eine Bedarfsplanung für Gebäude im Kirchenkreis vorzubereiten. Nach einem Beschluss der Landeskirche soll in den nächsten fünf Jahren in allen Gemeinden entschieden werden, welche Gebäude langfristig nötig sind. Diese sollen treibhausgasneutral modernisiert werden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel will die Gemeinden dabei unterstützen. Zudem sind alle Ebenen verpflichtet, Heizungen zu optimieren und Ökostrom zu beziehen. Der Bonner Verbraucherberater Reinhard Loch zeigte auf der Synode Wege zu einem Energiemanagement für Kirchengemeinden. Er plädierte dafür, nicht die Wirtschaftlichkeit zum Maßstab zu machen, sondern „die erzielte Wegstrecke zum Ziel der Klimaneutralität“. Das habe Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Der landeskirchliche Klimamananager Waldemar Schutzki (Altenkirchen) stellte Vorzeigeprojekte auf dem Gebiet der rheinischen Kirche vor. Eins davon liegt im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel: Die Evangelische Friedenskirche in Meckenheim wird seit 2010 mit Erdwärme beheizt.

Wolfgang Thielmann

Den Krieg verurteilt

Foto: unsplash/Tina Hartung

Einstimmig hat die Synode den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verurteilt. Hier der Wortlaut:

Stellungnahme der Synode des
Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg – Voreifel
zum Angriffskrieg in der Ukraine

Wir verurteilen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine; es ist ein grausamer und menschenverachtender Gewaltakt.

Dieser Krieg stellt die Friedensordnung in Europa radikal in Frage.

Wir unterstützen Demonstrationen für den Frieden und rufen zu Friedensgebeten auf.

Wir bekunden unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und wir fühlen mit den verängstigten Menschen in unseren Nachbarländern.

Wir sind beeindruckt von den Menschen in Russland, die sich trotz Verhaftung und Misshandlung gegen den Krieg stellen.

Wir heißen die Menschen aus der Ukraine, die bei uns Schutz suchen, willkommen.

Wir setzen uns ein für ein friedliches Miteinander von russischen und ukrainischen Menschen in unserer Kirche und Gesellschaft.

 Meckenheim, den 2. April 2022

 Pfarrer Mathias Mölleken

-Superintendent-

Synode wählt neue Leitung

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken zum 1. Juni in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Sein:e Nachfolger:in übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028.
Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen.

Neben den Wahlen sind für die Synode die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit geplant.

Die Synode beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel.

Zur Wahl: Knut Dahl-Ruddies

Knut Dahl-Ruddies an seinem Arbeitsplatz: der Gefängniskirche Euskirchen. Foto: privat

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Knut Dahl-Ruddies, Jahrgang 1967, verheiratet, drei Kinder, seit 2015 Gefängnisseelsorger in Euskirchen, 2006 bis 2015 Pfarrer in Meckenheim, geteilte Stelle mit Pfarrerin Ingeborg Dahl, davor weitere Stationen als Vollzeitvater, Ausbildung zum Change Agent und in der Kirchengemeinde Euskirchen, seit 2020 Landessynodaler, kandidiert als Superintendent.

Ist das Amt des Superintendenten eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Auf den ersten Blick scheint es etwas vollkommen anderes zu sein als die Arbeit im Gefängnis. Gefangene stehen sich oft selbst im Weg. Die Folgen davon haben meist größere Auswirkungen, als wenn ein Presbyterium Handlungsunfähigkeit anmelden muss. Gefangene stehen also nicht allein da. Meine Arbeit als Landessynodaler würde intensiviert werden.

Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Je nach Profession der Leute sage ich entweder:
a) Ein Superintendent muss ständig mit der Fettpresse herumlaufen, um Lager und Gelenke zu schmieren.
b) Der Superintendent achtet darauf, dass Updates rechtzeitig eingespielt werden und die Stromversorgung ständig gewährleistet ist.
c) Als Superintendent sorgt man für Nutella, Chips und Eis und dafür, dass keiner den anderen haut.
d) #grumpycat

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Wir müssen Kirche konsequent vom Kontakt zu den Menschen her denken und nicht von unserem Struktur-Organigramm.  Es bedarf möglichst unkonventioneller Ideen, um Kontaktpflege – oder wie man heute sagt – „Bindungsmanagement“ zu gestalten.

Was wären Sie für ein Chef?

Wenn man immer darauf wartet, dass der Chef (m/w/d) sagt, was zu tun ist, bleiben notwendige Veränderungen aus. In unserer Kirche haben wir zum Glück eine sehr flache Hierarchie. Deswegen eher Coach als Chef!  So wie ich meinen Kindern das Radfahren ohne Stützräder beigebracht habe: „Du fährst jetzt einfach los, treten nicht vergessen; ich bin hinter dir und halte das Rad.“ Nach fünf Metern konnten alle alleine fahren.

Ihre Mitbewerberin Claudia Müller-Bück wäre die erste Frau bei uns. Bedeutet das etwas?

Ich bin zwar keine Frau … Meine berufliche Biografie gleicht durch überwiegend reduzierte Stellen und Vollzeit-Vaterschaft eher der meiner Kolleginnen als der meiner Kollegen. Daher würde ich mir eine überdurchschnittliche Gendersensibilität bescheinigen.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Von Segelbooten erzählen, die hart an den Wind gehen. Nicht von Einbäumen, U-Booten oder Galeeren.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Die berühmte „Was-machen-wir-aber-wenn-Frage“, nachdem unter großen Mühen gerade ein tauglicher Beschluss gefasst worden ist, mit dem alle in der Runde leben können. Statt Szenarien für B und C zu entwerfen, muss sorgfältiger darauf geachtet werden, ob eine Frage Lösungen ermöglichen oder eher verhindern will.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

„Christ ist erstanden“ kann man nur am Ostermorgen in einer Kirche und nicht in der Veltins-Arena singen.

Das erste, was ich mache, wenn ich Superintendent bin, ist:

Zum Friseur gehen, neue Anzüge und Schuhe kaufen, damit niemand böse Briefe schreiben muss.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin seit 26 Jahren in unterschiedlichen Pfarrstellen und Funktionen im Kirchenkreis unterwegs. Da besteht überhaupt keine Gefahr, an kirchlicher Bodenhaftung zu verlieren. Für gesellschaftliche Bodenhaftung zu sorgen, indem man ÖPNV benutzt, ins Café, die Kneipe oder Fußballstadion geht, halte ich für ebenso wichtig. Einen 25-Prozent-Anteil hierfür finde ich allerdings zu hoch angesetzt.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Sicher werden wir auch in Zukunft noch gut und auskömmlich Kirche sein können.
Was wir aber nicht tun dürfen, ist uns dabei am Status Quo zu orientieren. Es wird nicht mehr funktionieren, aus Angst vor Veränderung in einer Schockstarre zu verharren.

Es braucht frische Blicke, neue Einsichten und Aussichten, um unserer grundsätzlichen Beharrungstendenz entgegen zu treten. Das gilt nicht nur für einzelne Arbeitsfelder des Kirchenkreises, sondern auch für den Kirchenkreis selbst.

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Zur Wahl: Claudia Müller-Bück

Claudia Müller-Bück. Foto: Jurate Jablonskyte

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Claudia Müller-Bück, Jahrgang 1975, verheiratet, ein Kind, seit 2009 Pfarrerin in Swisttal mit 75-Prozent-Pfarrstelle, 2017 bis 2021 Religionsunterricht an einem Berufskolleg, seit 2021 mit 25 Prozent Teil des Mobilen Fluthilfeteams für Swisttal, Rheinbach und Meckenheim, seit 2015 Skriba, kandidiert als Superintendentin.

Ist das Amt der Superintendentineine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Seit sieben Jahren bin ich als Skriba mit der Arbeit im Kreissynodalvorstand (KSV) vertraut. Zum Beispiel vertrete ich den KSV im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes Bonn und Region und im Vorstand des Evangelischen Verwaltungsverbandes in Bonn. Ich begleite Gemeinden in besonderen Situationen und habe in Vertretung des Superintendenten auch schon ordiniert oder in einen Dienst eingeführt.

Insofern wäre das Amt der Superintendentin teilweise eine Fortführung meiner bisherigen Tätigkeit; es brächte aber auch sehr viel Neues mit sich, mehr Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten. Darauf freue ich mich.

Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel gibt es 13 Kirchengemeinden, dazu Schul-, Krankenhaus- und Gefängnispfarrstellen, zwei Diakonische Werke, eine Jugendbildungsstätte und verschiedene andere Aufgabenbereiche. Jede Gemeinde ist selbstständig und entscheidet im Rahmen der Kirchenordnung über ihre Angelegenheiten, zugleich sind sie miteinander verbunden, ergänzen und unterstützen sich gegenseitig.

Entscheidungen, die alle angehen, trifft die Kreissynode, dazu werden aus allen Bereichen des Kirchenkreises Menschen entsandt. Sie tagt ein bis zweimal im Jahr.

Dazwischen wird der Kirchenkreis vom Kreissynodalvorstand geleitet. Die Superintendentin ist eine Pfarrerin, sie leitet den KSV und die Kreissynode, sie ist Seelsorgerin und Beraterin für Einzelne und Gemeinden und auch Dienstvorgesetzte für die Pfarrer:innen.

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Zuversichtlich in die Zukunft – mit unserer gemeinsamen Aufgabe im Blick: Dass möglichst viele Menschen von der Liebe Gottes in Jesus erfahren.

Das geschieht in der Verkündigung, die auch neue Wege findet und im Handeln, da, wo Hilfe und Zuwendung gebraucht wird. Dazu wünsche ich mir noch mehr Vernetzung und Mut, auch Außergewöhnliches auszuprobieren. Wir werden als Evangelische Kirche kleiner, dennoch bleiben wir eine wichtige Stimme und Partnerin in gesellschaftlichen Themen und Herausforderungen.

Was wären Sie für eine Chefin?

Ich arbeite sehr gern in einem Team, in dem jede Person sich mit ihren Gaben und ihrer besonderen Rolle einbringen kann. Dabei ist mir gegenseitige Wertschätzung und Offenheit wichtig. Ziele und Aufgaben werden gemeinsam besprochen und es wird klar miteinander vereinbart, wer für was zuständig ist. Mit haupt- und nebenamtlich Mitarbeitenden meiner Gemeinde haben wir Anfang des Jahres einen „Oasentag“ in Merzbach verbracht, an dem wir Zeit hatten miteinander zu reden, auf das letzte Jahr zu blicken, uns über unsere Werte auszutauschen und Ideen für die Zukunft der Kirchengemeinde zu entwickeln. Das hat uns allen gutgetan.

Sie wären die erste Frau bei uns. Bedeutet das etwas?

Seit 1975 sind die Pfarrerinnen der Evangelischen Kirche im Rheinland ihren männlichen Kollegen rechtlich in allem gleichgestellt. In diesem Jahr wurde ich geboren.

Obwohl es mittlerweile etwas mehr Frauen als Männer im Pfarrberuf gibt, ist der Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsämtern deutlich niedriger, je höher die Ebene ist.

Ich trage gern dazu bei, das zu ändern.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Indem ich sie mit ihren Themen ernst nehme, ihnen echte Verantwortung zugestehe und mich von ihren Ideen inspirieren lasse. Die Beteiligung junger Menschen in Leitungsgremien unserer Kirche, wie sie jetzt umgesetzt wird, ist gut. Jugendliche und junge Erwachsene sollen erfahren, dass sie Kirche gestalten können und auch Ältere sich auf Neues einlassen.

In meinem Gemeindepfarramt habe ich einen Schwerpunkt in der Konfirmand:innen- und Jugendarbeit. Teamerinnen und Teamer übernehmen Verantwortung, auch in der Verkündigung. Ich freue mich immer über die Abendandachten auf Konfi-Freizeiten, die vom Team gestaltet werden – und über die theologische Sprachfähigkeit dieser jungen Menschen.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Ach, ich finde, in der Evangelischen Kirche läuft auch vieles richtig. Ich bin gern evangelisch und Rheinländerin. Es gab Fehler in der Personalplanung, begabte junge Theolog:innen wurden Anfang der 2000er entlassen, heute fehlen sie. Wir sind in manchen Veränderungsprozessen zu zögerlich und die presbyterial-synodale Ordnung, die ich grundsätzlich sehr schätze, verlangsamt auch manche Entscheidungen.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

Mein Glaube, der die Gemeinschaft braucht und sie in der Evangelischen Kirche findet.
Die Freiheit und Individualität, in der Gemeinden ihr Gemeindeleben gestalten können.
Die vielen Menschen, die gemeinsam Gemeinde und Kirche sind, sich vielfältig ehrenamtlich engagieren und andere unterstützen.
Die Freude, diese sich immer verändernde Kirche Jesu Christi, mitzugestalten.
Und die Überzeugung, dass das meine Berufung ist.

Das erste, was ich mache, wenn ich Superintendentin / Superintendent bin, ist:

Um Kraft und Beistand für dieses Amt beten.
Und: mich auf den Weg machen kreuz und quer durch den Kirchenkreis, Menschen treffen und ins Gespräch kommen.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Wenn ich gewählt werde, bliebe ich nach dem Beschluss der Synode weiterhin Pfarrerin in meiner Kirchengemeinde. Auch, wenn es dann eine volle Entlastungspfarrstelle gäbe. Ich hätte also immer noch ein Stück Heimat in Swisttal – und würde diesen Begriff auf den Kirchenkreis ausweiten.

Sicher würde mir manche liebgewonnene Tätigkeit fehlen, dennoch halte ich für die anstehenden Aufgaben die neue Regelung für sinnvoll, sie bedeutet, dass ich mich mit voller Arbeitszeit ganz auf die Leitungsaufgaben im Kirchenkreis konzentrieren könnte.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Wir sollten diese drei Arbeitsfelder mit den jetzt begonnen Strukturveränderungen und der sinkenden Pfarrstellenzahl zusammendenken und in Teilen verstärken.

Das synodale Jugendreferat und die JuBi Merzbach sind der zentrale Anlaufpunkt für Konfi- und Jugendarbeit. Hier sehe ich großes Potential, zum Beispiel Angebote für die Konfiarbeit auszubauen, die Gemeinden und Pfarrer:innen unterstützen können. Vor Augen habe ich dabei die vom Jugendreferat organisierte Fahrt zum Konficamp in Wittenberg 2017 oder den gemeinsamen Konfitag 2019 in Merzbach.

Die Corona-Epidemie hatte große Auswirkungen für Familien und besonders für Frauen im Blick auf ihre Berufstätigkeit und ihre seelische Gesundheit. Ich weiß, dass Unterstützung und Beratung durch das Frauenreferat stark angefragt sind. In der Erarbeitung und Umsetzung des Konzeptes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt spielt das Frauenreferat eine wichtige Rolle. Darüber hinaus nimmt das Referat auch einen Bildungsauftrag war, das war zum Beispiel 2017 zum Thema „Frauen der Reformation“ sehr deutlich. Vielleicht werden wir das Frauenreferat noch stärker als bisher in andere Arbeitsfelder des Kirchenkreises mit einbeziehen. Das werden wir gemeinsame überlegen und planen.

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit nimmt an Bedeutung zu, auch im digitalen Bereich. Sie macht uns als Kirche sichtbar, über Gemeindegrenzen und Kirchenmitgliedschaften hinaus, sie übernimmt in Teilen die Kommunikation des Evangeliums und hat einen wichtigen Anteil daran, wie wir als evangelische Kirche mit Themen des Glaubens, der Seelsorge und der Ethik in der Öffentlichkeit weiterhin präsent sind.

Zur Wahl: Kathrin Müller

Kathrin Müller. Foto: privat.

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Kathrin Müller, Jahrgang 1980, verheiratet, ein Kind, seit 2014 Pfarrerin in Wachtberg mit 75 Prozent Dienstumfang, zuvor dort im Probedienst, kandidiert als zweite Stellvertreterin der Skriba.

Ist ein Amt im Kreissynodalvorstand (KSV) eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Ich kandidiere zum ersten Mal für ein Amt im KSV. Der Posten der zweiten Stellvertretung der Skriba ist dabei meines Erachtens ein guter Einstieg.

Wie erklären Sie den KSV Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Der KSV ist die Leitung des Kirchenkreises. Er sorgt dafür, dass alle Gemeinden des Kirchenkreises im Blick bleiben. Auch wenn die drei theologischen Mitglieder des KSV in der Öffentlichkeit meist stärker wahrgenommen werden, sind die nicht-theologischen Mitglieder gut evangelisch in der Mehrheit.

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Die Kirche von morgen wird ganz anders aussehen (müssen), als wir das kennen und liebgewonnen haben. Wir müssen es schaffen, dass die Kirche trotz geringer werdender Ressourcen nahe bei den Menschen bleibt. Wenn Menschen gute Erfahrungen in ihrer Gemeinde und den Mitarbeitenden vor Ort machen, sind sie auch eher bereit, sich zu engagieren bzw. in der Institution Kirche zu bleiben.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Kirchenmitgliedschaft ist immer weniger selbstverständlich. Wenn Kinder und Jugendliche gute Erfahrungen mit Kirche machen, sei es in Kindergarten, Schule, Jugendtreff … fühlen sie sich der Gemeinde verbunden. Persönliche Beziehungsarbeit vor Ort ist dabei entscheidend.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Aus Angst vor Bedeutungsverlust verfällt die Evangelische Kirche gerne in Aktionismus. Da werden Papiere verfasst und viel Geld in Leuchtturmprojekte gesteckt, die doch nur wenige Menschen erreichen. Der Anteil der Verwaltung ist viel zu hoch. Das ist ein echter Zeit- und Ressourcenfresser.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

Dass es bei allem Ärger und Frust über Strukturen, zurückgehende Ressourcen und steigende Kirchenaustrittszahlen immer wieder schöne menschliche Erfahrungen gibt. Ein Taufkind, das mir quer über die Straße ein „Hallo, Frau Müller!“ zuruft. Ein herzliches Dankeschön nach einem intensiv begleiteten Sterbefall. Eine spontane Umarmung nach Monaten der Coronapause des Seniorenkreises.

Das erste, was ich mache, wenn ich im KSV bin, ist:

Die tollen anderen Mitglieder des KSV näher kennenlernen, Zuhören und mir einen Überblick verschaffen, wo mein Engagement gebraucht wird.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich war lange Zeit eine große Befürworterin dieses Modells. Aber in den letzten Jahren habe ich, auch im Gespräch mit Kolleg*innen anderer Kirchenkreises gesehen, dass dieses Modell heute so nicht mehr zu halten ist. Was sind 25 Prozent, wo doch die 100 Prozent nicht geklärt sind – ein Problem, das es so auch im Gemeindepfarramt gibt. Nicht so „richtig“ in einer Gemeinde zu sein, kann für beide Seiten frustrierend sein. Und ich habe sehr großes Vertrauen, dass ein*e 100-Prozent-Superintent*in auf dem Boden bleibt. Da sind wir als Kolleg*innen und Gemeinden mit in der Verantwortung.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Die Jugendbildungsstätte in Merzbach ist ein großer Schatz, den wir uns auf jeden Fall so lange wie möglich erhalten sollten. Wie oft erzählen mir Taufeltern mit strahlenden Augen von den Konfifreizeiten dort. Und diese traumhafte Kapelle ist ein Lieblingsort von mir. Beim Frauen- und Pressereferat bin ich skeptisch, ob wir die zukünftig in dieser Form halten können. Da kann ich mir gut Kooperationen mit dem Kirchenkreis Bonn vorstellen – womöglich als erste Schritte auf dem Weg zu einer Fusion der Kirchenkreise.

Zur Wahl: Gregor Weichsel

Gregor Weichsel. Foto: privat.

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Gregor Weichsel, Jahrgang 1976, verheiratet, drei Kinder, seit 2011 Pfarrer in Euskirchen, kandidiert als zweiter Stellvertreter der Skriba.

Ist ein Amt im Kreissynodalvorstand (KSV) eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Struktur- und Zukunftsfragen gehören auch zur Arbeit in der Gemeinde, aber im Kern bin ich dort Seelsorger und Prediger. Im KSV erwarte ich deutlich mehr Aufgaben aus jenen Feldern, also: schon etwas Neues.

Wie erklären Sie den KSV Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Meinen Kindern (10, 13 und 15 Jahre alt) habe ich gesagt: „Das ist sowas wie das Presbyterium für die Gemeinschaft von 13 Kirchengemeinden. Und die sind verantwortlich für gemeinsame Aufgaben der Kirche wie die Jugendbildungsstätte, Öffentlichkeitsarbeit, Frauenreferat, Pfarrstellen in Berufsschulen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Notfallseelsorge und so weiter.“ Für Menschen, die auch nicht wissen, was ein Presbyterium ist, käme an diese Stelle „das Gremium, das die Verantwortung hat, für …“

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Zu den Menschen.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Ich versuche, digitale Formen der Kommunikation ernst zu nehmen und zu erlernen, dort mitzulesen und zuzuhören, ohne mich anzubiedern. Ich bin überzeugt: die nächste Generation bleibt an Bord oder kommt an Bord, wenn sie nicht 30 Jahre warten muss, ehe sie über den Kurs mitentscheiden darf.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

… ein Bauantrag, der von der Landeskirche dreimal zurückgeschickt wird mit einer ganzen DIN A4-Seite Checkliste. Alle Punkte sind aber erfüllt. Im Beschluss des Presbyteriums ist festgelegt, aus welchem Budget und mit welchem Kostenrahmen gebaut werden soll usw… Aber es fehlt der Satz innerhalb des Beschlusstextes „Die Durchführung der Baumaßnahme wird beschlossen.“ – Dass ein Baukirchmeister mit Erfahrung im öffentlichen Dienst, eine Gemeindesekretärin, ein Pfarrer und damals Frau Barnikol hierüber verzweifeln und erst nach zwei Wochen Daueranrufen im Landeskirchenamt die verantwortliche Person ans Telefon bekommen – da läuft etwas falsch, denn eine Mail mit dem, was fehlt, hätte schnell zum Ziel geführt.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

… wenn ich in der Gemeinschaft im Gebet spüre, dass nicht wir, sondern Gott selbst die Kirche trägt und führt: mit den Konfis bei der Feier des Abendmahls in der Kapelle in Merzbach genauso wie in Taizé, beim Abschlussgottesdienst eines Kirchentages genauso wie bei der Musik zum Eingang des Gottesdienstes zur Eröffnung unserer letzten Herbstsynode durch die Jugendband 7Heaven mit Schlagzeug, Orgel und viel Gefühl.

Das erste, was ich mache, wenn ich im KSV bin, ist:

… die nicht unbekannten Gesichter freundlich anschauen und das Meine dazu tun, dass auch das neue Gremium schnell in eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit findet, in der es auch sachlich kontrovers zugehen kann und vielleicht manchmal auch muss, um die beste Lösung zu finden.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich selbst habe 2014/15 ähnlich argumentiert und damals für das bislang gültige Modell gestimmt. Die Mehrheit der Kirchenkreise entscheidet sich nun für Modelle, in denen kein Stellenanteil in der Gemeinde verbleibt. Auch der scheidende Superintendent hat sich klar geäußert und begründet, warum er es für sinnvoll erachtet, sich ganz dem Amt der Superintendentin, des Superintendenten zu widmen. Das waren die ausschlaggebenden Gründe für mich, meine Meinung zu ändern.
Ich kenne beide Personen, die nun zur Wahl stehen, gut genug, um mir sicher zu sein, dass sie bodenständig bleiben und die Realität des Gemeindelebens nicht nur nicht vergessen, sondern dass sie Wege finden werden, Gemeindeleben, aber auch die Situationen in den Funktionspfarrstellen mitzuerleben, wahrzunehmen und angemessen zu teilen.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Ich habe in der Synode deutlich Stimmen gehört, die eine Aufgabenkritik und damit implizit die Reduktion dieser Stellen fordern. Bei einer Aufgabenkritik stehen alle Bereiche auf dem Prüfstand. Aus meiner jetzigen Sicht leistet jeder dieser Bereiche hervorragende Arbeit: die Jugendbildungsstätte wurde vor nicht langer Zeit ertüchtigt und ohne Jugendreferat ist Merzbach und die Jugendarbeit im Kreis schwer vorstellbar. Ebenso beim Frauenreferat: Wenn ich daran denke, wie hoch die Nachfrage alleine in Euskirchen für die Kurse für Wiedereinsteigerinnen in den Beruf war, wenn ich an das Reformatorinnenprojekt denke, dann wird deutlich, dass das Arbeitsfeld gesellschaftlich von Bedeutung ist und kreativ und profiliert mit einem evangelischen Profil gefüllt wird. Und nicht erst unter den Herausforderungen der Pandemie hat sich gezeigt, dass neben den klassischen Formen digitale Öffentlichkeitsarbeit große Chancen bietet und den Gemeinden Unterstützung gut tut – schon dieser Fragebogen mit kreativen und pointierten Fragen beweist die Qualität der Arbeit, die hier geleistet wird.

Würde ich als Teil des KSV vor die Aufgabe gestellt, diese ohnehin knapp bemessenen Stellen zu kürzen, dann wären für mich zwei Grundsätze gesetzt: Erstens müsste geklärt werden, wie die wichtigen Aufgaben dann in Zukunft erfüllt werden, etwa in Kooperationen mit dem Bonner Kirchenkreis. Zweitens sehe ich uns den Stelleninhaber:innen gegenüber in der Verantwortung, für sie gangbare Wege zu finden.

Jahresbericht, Haushalt und die Folgen der Flut

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Wenn neben den üblichen Themen einer Herbstsynode wie Haushalt und Finanzen etwas immer wieder zur Sprache kam, dann war es die Flutkatastrophe mit ihren Folgen für die Region. Acht der 13 Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel sind direkt betroffen. Die Swisttaler Pfarrerin und Skriba Claudia Müller-Bück beschrieb in ihrem Teil des Synodenberichts eindrücklich die Situation vor Ort. Denn schon in den ersten Tagen wurden die zumeist nicht betroffenen Kirchengebäude zu wichtigen Anlaufpunkten für tatkräftige Hilfe, Versorgung mit Lebensmitteln und Strom für das Aufladen von Handys sowie Seelsorge. Aktuell gehe es vor allem darum, dass die Betroffenen gut durch den Winter kommen. Ganz praktisch haben die Kirchengemeinden ihre Sozialberatung aufgestockt, ebenso die Seelsorge, zwei mobile Fluthilfeteams der Diakonie Katastrophenhilfe wurden gerade aufgebaut.

Vor diesem Hintergrund regte Norbert Waschk, der die Synode als stellvertretender Superintendent leitete, die Bildung eines neuen Forums im Kirchenkreis an. Darin sollten „wir unsere christliche Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung angesichts der massiven Klimakrise und ihrer sichtbaren

Norbert Waschk beim Superintendentenbericht, den er sich mit Claudia Müller-Bück teilte. Foto: Uta Garbisch

Folgen neu bedenken und nicht zuletzt gegenüber Politik und Öffentlichkeit deutlich hörbar artikulieren“, so der Bad Godesberger Pfarrer.

Waschk warb für eine Kirche, „die nicht nur grundsätzlich für die Menschen da ist, sondern sich Zeit für das Wesentliche nimmt, nämlich auf diese Menschen aktiv zuzugehen“. Den Kirchengemeinden empfahl er in seinem Berichtsteil, finanzielle Spielräume, wenn diese noch vorhanden sind, zur Konsolidierung zu nutzen. Konkret gehe es besonders im Blick auf kirchliche Gebäude darum, klar zu entscheiden, was davon unbedingt gebraucht werde. Nur so könne vermieden werden, dass größere Sanierungen die Haushalte in Zukunft belasten.

Finanzen und ausgeglichener Haushalt

Für die Beseitigung von Flutschäden an kirchlichen Gebäuden hat der Kirchenkreis zwei Kredite beantragt, um die Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Dabei handelt es sich um 700.000 Euro für die kreiskirchliche Jugendbildungsstätte in Rheinbach-Merzbach und um 500.000 Euro für die Kirchengemeinde Rheinbach. Dort wurden die Gnadenkirche, ein Pfarrhaus und das Jugendzentrum beschädigt.

Das Kirchenparlament mit 69 stimmberechtigten Mitgliedern verabschiedete den Doppelhaushalt für die Jahre 2022/23 mit einem Gesamtvolumen von 6,65 Millionen Euro. Unter den insgesamt sieben Handlungsfeldern bilden Erziehung und Bildung mit 1,81 Millionen Euro den größten Posten. Gut 1,6 Millionen Euro fließen in diakonische und soziale Arbeit, 994.000 Euro in Gemeindearbeit und Seelsorge. Dabei werden zweckgebundene Rücklagen in Höhe von rund 24.000 Euro eingesetzt. Der synodale Haushalt benötigt erneut keine freien Rücklagenmittel zur Defizitdeckung.

Die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist mittlerweile bei den beiden Diakonischen Werken in Bonn und Euskirchen angesiedelt. Für die Finanzierung stellt die Synode in den beiden kommenden Jahren jeweils 30.000 Euro auf Abruf bereit, falls Einnahmen und Fördermittel dafür nicht ausreichen. Bereits seit 2016 engagiert sich der Kirchenkreis in diesem Bereich.

Superintendentenamt

Foto: Uta Garbisch

Mehrheitlich beschlossen die Abgeordneten aus Bad Godesberg, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen, dass sie in Zukunft eine Erhöhung des Stellenumfangs des Superintendenten oder der Superintendentin von 75 auf 100 Prozent beabsichtigen. Zwar kann das Amt grundsätzlich nur als volle Pfarrstelle ausgeübt werden. Die Frage, ob ein Teil des Dienstes im gemeindlichen Pfarrdienst oder in der ursprünglichen Pfarrstelle geleistet wird und wie groß dieser Anteil ist, wird über den Dienstumfang der Entlastungspfarrstelle geregelt. Eine verbindliche Festlegung erfolgt jedoch erst im Zusammenhang mit einer Wahl.

Gegrüßt und gewählt

In seinem Grußwort dankte der Meckenheimer Bürgermeister Holger Jung den Kirchengemeinden für ihre Unterstützung der Flutopfer, insbesondere auch mit ihren Seelsorgeangeboten. Allein in Meckenheim seien über 500 Haushalte betro

Virtuos und kompetent: Norbert Waschk verabschiedet Hans Assenmacher (rechts). Der Leiter des Verwaltungsamtes in Bonn geht nach 43 Jahren im kirchlichen Verwaltungsdienst bald in Ruhestand. Foto: Uta Garbisch

ffen. Auch der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius sprach seinen Dank und seine Anerkennung aus. Die vielen engagierten Menschen hätten der Kirche ein Gesicht verliehen, die für andere da ist.

Zur Vorsitzenden des Arbeitskreises Mission und Ökumene wählte die Synode Pfarrerin Judith Weichsel (Bad Münstereifel), ihre Stellvertreterin wird Juliane Wächter (Bad Godesberg). Neu im Fachausschuss für Kinder und Jugend sind für die Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg Joachim Roscher und als sein Stellvertreter Pfarrer Tobias Mölleken.

Die Synode traf sich am Samstag, 6. November 2021, in der Jungholzhalle in Meckenheim unter 3G-Regel und mit Abstand. Die Tagung begann mit einem Gottesdienst in der dortigen Friedenskirche, die übrigens schon seit über zehn Jahren mit Erdwärme und damit klimaneutral beheizt wird. Pfarrerin Franziska Hageloch hielt die Predigt, ihre Kollegin Cordula Siebert sorgte für die Liturgie. Die Kollekte in Höhe von 636 Euro geht zu gleichen Teilen an Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind und an die Jugendbildungsstätte für deren Wiederaufbau.

Herbstsynode in Meckenheimer Jungholzhalle

Wieder präsent, aber mit viel Abstand: Die Synode tagt diesmal in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Screenshot

Der Jahresbericht des Superintendenten, der künftige Umfang dieses Amtes sowie Finanzen und Haushalt sind die Hauptthemen der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Die Synode trifft sich am Samstag, 6. November, in Meckenheim unter 3G-Regeln.

Die Synode beginnt mit dem jährlichen Bericht des Superintendenten, den diesmal sein Stellvertreter Norbert Waschk für den erkrankten Mathias Mölleken halten wird. Danach folgt eine Aussprache. Nach der Mittagspause geht es weiter mit dem Haushaltsplan für die Jahre 2022/23, Wahlen und dem Thema Superintendentenamt.

Die letzte Synode hatte die Beschlussfassung über den Dienstumfang des weiterhin nebenamtlichen Superintendentenamtes vertagt. Zwar kann das Amt grundsätzlich nur als 100-prozentige Pfarrstelle ausgeübt werden. Die Frage, ob ein Teil des Dienstes im gemeindlichen Pfarrdienst oder in der ursprünglichen Pfarrstelle geleistet wird und wie groß dieser Anteil ist, wird jedoch über den Dienstumfang der Entlastungspfarrstelle geregelt. Eine verbindliche Festlegung über deren Umfang wird erst im Zusammenhang mit einer Wahl entschieden, da diese auch vom bisherigen Dienstumfang der zu wählenden Person abhängt. Nun werden die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden jedoch entscheiden, ob sie eine Erhöhung von 75 auf 100 Prozent beabsichtigen.

Die Tagung beginnt am Samstag, 6. November 2021, um 9 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Friedenskirche Meckenheim, Kurt-Schumacher-Straße 22.

Um 10.25 Uhr beginnen die Verhandlungen der Kreissynode in der Meckenheimer Jungholzhalle, Siebengebirgsring 4. Das Ende ist gegen 16 Uhr geplant.

Für die Synode gilt die 3G-Regel: Zugang erhält nur, wer vollständig geimpft, genesen oder getestet ist. Entsprechende Nachweise werden beim Einlass zusammen mit einem Ausweis kontrolliert. Ein Zugang ohne Nachweis ist aufgrund der Pflicht zur Nachverfolgbarkeit nicht möglich.

Viele Impulse und eine Vertagung

Kirche als Teamplayerin, Lobbyistin und Agentin: Beate Sträter stellt das Impulspapier vor. Foto: Uta Garbisch

Eine interne Debatte über Professionalisierung, Qualität und parochiale Strukturen zu initiieren, so beschrieb Beate Sträter das Ziel des Impulspapiers „Lobbyistin der GOTT-Offenheit“ auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Es plädiert dafür, dass sich die Evangelische Kirche im Rheinland vom Selbstverständnis als Volkskirche verabschiedet und ein neues Leitbild entwickelt. „Und es geht darum, das zu fördern, was zum Samenkorn einer anderen Kirche werden könnte“, so Sträter, die das Papier als Mitglied im Ständigen Theologischen Ausschuss der Landeskirche mitentwickelt hat.

Zentrale Begriffe sind dabei auch eine Kirche als „Teamplayerin“ und „Agentin des Wandels“. Im Mittelpunkt stehen dabei öffentliches Reden und Handeln, das in zwei Kapiteln beschrieben wird. Religionsunterricht und religiöse Schulfeiern, Telefon- und Notfallseelsorge oder diakonisches Handeln sind Beispiele dafür. Kasualien von der Taufe bis zur Trauerfeier sind wichtige Kontaktflächen zwischen binnenkirchlichem und öffentlichem Raum.

Mittlerweile ein gewohntes Bild: Synoden als Videokonferenz. Foto: Uta Garbisch

Nach dem Impulsreferat der Bonner Schulreferentin, Theologin und promovierten Sozialwissenschaftlerin tauschten sich die 70 stimmberechtigten Synodalen und ihre Gäste in zehn Arbeitsgruppen weiter aus. Von allem der Begriff „Minderheitskirche“ wurde kritisiert. Andere lobten, dass das Papier eine notwendige Diskussion anstoße und begrüßten die Haltung, sich als Teil der Gesellschaft einzubringen. „Hingehen und zum Nächsten werden“ oder „Kirche als Seelsorgebewegung stärken“ formulierten Teilnehmende ihre Vision von Kirche, für die sie sich engagieren möchten.

Entschieden wird im Herbst

Die Entscheidung, ob der Superintendent / die Superintendentin ihr Amt in Zukunft mit 75 oder 100 Prozent ausüben, wurde auf den Herbst vertagt. Ursprünglich hatten die im letzten Jahr eingerichtete Arbeitsgruppe und auch der Kreissynodalvorstand mit Blick auf den Umfang 100 Prozent im Nebenamt als Beschluss vorgelegt. Ihre Hauptargumente waren die Struktur des Kirchenkreises und die Flexibilität dieser Lösung. Diese könne auch wieder zurückgefahren werden, weil keine neue kreiskirchliche Pfarrstelle errichtet wird. Daran entzündete sich eine intensive Diskussion über Haupt- und Nebenamt, die höheren Kosten und weitere Details.

Bei der Arbeit: Superintendent Mathias Mölleken leitet die Synode. Foto: Uta Garbisch

Zwar lehnten die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden das Hauptamt mit großer Mehrheit ab. Angesichts der vielen gestellten Fragen und durchaus kontrovers ausgetauschten Argumenten plädierte Superintendent Mathias Mölleken schließlich für die Vertagung. Das befürwortete die Synode mit großer Mehrheit. Aktuell arbeitet Mölleken, der 2022 in Ruhestand geht, auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Unabhängig vom Umfang gilt dies als Nebenamt.

 Zwischen Selbstständigkeit und Fusion

Über die begonnenen Regionalgespräche zum Pfarrstellenrahmenplan gab es Berichte aus den drei Räumen des Kirchenkreises. Das sogenannte „Mittelland“ mit Meckenheim, Rheinbach und Swisttal ist mit den direkten Nachbargemeinden Wachtberg und Weilerswist im Austausch. Die Swisttaler Pfarrerin und Skriba Claudia Müller-Bück berichtete von vier grundsätzlichen Optionen für diese Gemeinden: Selbstständig bleiben, Gemeindegrenzen verändern, kooperieren oder fusionieren. Die dortigen Presbyterien werden nun bis Oktober entscheiden, welche Variante für sie Priorität hat. Dann folgt ein weiteres Treffen. Für das „Oberland“ mit den hiesigen Kirchengemeinden im Kreis Euskirchen sind im Juni und September Treffen vorgesehen, wie der Zülpicher Pfarrer Ulrich Zumbusch darlegte. Im Godesberger Raum hat bereits im letzten Jahr ein erstes Gespräch stattgefunden, an dem Wachtberg ebenfalls beteiligt war. Da hier präsentische Treffen bevorzugt werden, ist der nächste Termin für Oktober geplant. Dann stellen sich die Kirchengemeinden mit Kurzprofilen vor und formulieren, wofür sie offen sind, so Pfarrer Klaus Merkes.

Foto für die Zeitung: Claudia Müller-Bück und Mathias Mölleken mit der Karte des Kirchenkreises. Foto: Uta Garbisch

Hintergrund der Gespräche ist der von der Landeskirche vorgegebene Plan, bis 2030 anstelle der heutigen 21,5 Gemeindepfarrstellen nur noch 14,17 vorzusehen, dazu 8,6 Pfarrstellen in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Durch mehr Kooperation und Zusammenarbeit in den drei Regionen des Kirchenkreises sollen attraktive Pfarrstellen und Personalmix erhalten sowie innovative Konzepte entwickelt werden. Das hatte die Synode schon im letzten Jahr verabredet.

Einstimmig wählte die Synode Rainer Steinbrecher zum Vorsitzenden des Fachausschusses für Kinder und Jugend und Katrin Bochannek zu seiner Stellvertreterin. Beide sind Jugendreferenten auf synodaler Ebene beziehungsweise in Bad Godesberg. Die virtuelle Synode fand am Samstag, 12. Juni 2021, statt. Grußworte sprachen Superintendent Dietmar Pistorius von Nachbar-Kirchenkreis Bonn und Landeskirchenrätin Iris Döring, die so auch von der Kirchenleitung grüßte.

Weichen für die Zukunft

So sieht Synode digital aus: Einige der Teilnehmenden der ersten digitalen Synode 2020. Foto: Uta Garbisch

Wie wird die Kirche in Zukunft aussehen? Das Selbstverständnis von Kirche, die Struktur des Superintendentenamts und neue Kooperationen zwischen Kirchengemeinden sind die drei Hauptthemen der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Die Versammlung findet am Samstag, 12. Juni, als reine Video-Konferenz statt.

Am Vormittag geht es um das Impulspapier „Lobbyistin der GOTT-Offenheit“. Es plädiert dafür, dass sich die Evangelische Kirche im Rheinland vom Selbstverständnis als Volkskirche verabschiedet und neu definiert. Das Papier schlägt vor, das „Minderheitskirche-Werden“ als theologische Aufgabe anzunehmen und die Suche nach leitenden Bildern, Begriffen und Metaphern zu beginnen. Hintergrund ist die in der Freiburger Studie 2019 prognostizierte Halbierung der Zahl der Kirchenmitglieder in den nächsten 40 Jahren. Schulreferentin Beate Sträter wird in das Thema einführen. Die Theologin und promovierte Sozialwissenschaftlerin aus Bonn hat als Mitglied im Ständigen Theologischen Ausschuss der Landeskirche das Impulspapier mitentwickelt. Nach ihrem Referat diskutieren die Synodalen in Gruppen weiter.

Weiter nebenamtlich, aber mit 100 Prozent: Das schlägt die im letzten Jahr eingerichtete Arbeitsgruppe mit Blick auf die Struktur im Amt des Superintendenten / der Superintendentin der Synode zur Beschlussfassung vor. In diesem Fall würde die Pfarrstelle zur Entlastung auf 100 Prozent erhöht. Aktuell arbeitet Superintendent Mathias Mölleken auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde – in Möllekens Fall Meckenheim – verwendet werden. Unabhängig vom Umfang gilt dies als Nebenamt. Die Erhöhung würde ab 2023 greifen. Mölleken selbst geht 2022 in Ruhestand.

Über die begonnenen Regionalgespräche zum Pfarrstellenrahmenplan wird den Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden berichtet. Dieser von der Landeskirche vorgegebene Plan bedeutet, dass es bis 2030 anstelle der heutigen 21,5 Gemeindepfarrstellen nur noch 14,17 geben soll, dazu 8,6 Pfarrstellen in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Durch mehr Kooperation und Zusammenarbeit in den drei Regionen des Kirchenkreises sollen attraktive Pfarrstellen und Personalmix erhalten sowie innovative Konzepte entwickelt werden. Das hatte die Synode schon im letzten Jahr verabredet.

Die virtuelle Synode findet am Samstag, 12. Juni 2021, von 9 bis etwa 14.30 Uhr statt.

Wer als Gast an der Video-Konferenz teilnehmen möchte, wendet sich unter superintendentur@ekbgv.de an die Verwaltung des Kirchenkreises, um Informationen zum Anmeldemodus zu erhalten. Allerdings ist die Zahl der Gäste aufgrund technischer Vorgaben begrenzt.

Tendenz hauptamtlich

Superintendent und Moderator: Mathias Mölleken sitzt konzentriert am Rechner. Foto: Uta Garbisch

Es ist kein Beschluss, aber eine wichtige Momentaufnahme: Bei der Synodalversammlung im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel tendierten 65 Prozent der Befragten für die künftige Hauptamtlichkeit im Superintendentenamt. Und selbst, wenn es nebenamtlich weiter gehen sollte, dann in Vollzeit. Haupt- oder nebenamtlich, mit 75 oder 100 Prozent als Superintendent bzw. Superintendentin den Kirchenkreis leiten, das war das zentrale Thema der heutigen Versammlung. Sie fand erstmals in Form einer Video-Konferenz statt.

Mit dabei: Anne Rempel und Holger Ziesmer aus der Superintendentur. Foto: Uta Garbisch

Es war eine lebhafte Debatte, wie die Leitungsaufgabe am besten zu erfüllen ist und welche Leitung sich die Gemeinden wünschen. Da geht es um die zunehmende Verdichtung von Aufgaben, um die Frage, wie kirchliche Veränderungsprozesse am besten begleitet werden können und die Sorge, ob es künftig noch genügend Pfarrerinnen und Pfarrer zur Entlastung gibt, die den Dienst in der Gemeinde des Superintendenten übernehmen. Aktuell arbeitet Superintendent Mathias Mölleken auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde – in Möllekens Fall Meckenheim – verwendet werden. Trotz dieser Gewichtung der Dienstpflichten gilt dies als Nebenamt. Ein Hauptamt würde bundesweit ausgeschrieben und als volle Pfarrstelle 25 Prozent teurer. Es wäre an keine der 13 Kirchengemeinden mehr direkt angebunden.

Strukturen zukunftssicher machen

Ist selbst für das Hauptamt, auch wenn es ihn nicht mehr betrifft: Mathias Mölleken. Foto: Uta Garbisch

Eine endgültige Endscheidung soll die Frühjahrssynode im kommenden Jahr treffen. Bis dahin verabredeten die Synodalen aus Bad Godesberg, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen einen Fahrplan. Der Nominierungsausschuss wird eine Aufgabenbeschreibung für alle drei theologischen Mitglieder des Kreissynodalvorstandes vorbereiten, also für Superintendent und dessen Stellvertreter, Synodalassessor und Skriba. Außerdem sortiert er Vorüberlegungen und Argumente für die endgültige Entscheidung. „Es geht darum, Strukturen zu klären und zukunftssicher zu machen“, betonte Superintendent Mölleken, der persönlich für eine hauptamtliche Struktur ist und den Synodalen für die intensive Diskussion dankte. Er selbst stellt sich im November diesen Jahres erneut als nebenamtlicher Superintendent zur Wahl. Da er 2022 in den Ruhestand geht, wäre im Fall seiner Wiederwahl ausreichend Zeit, die Hauptamtlichkeit vorzubereiten.

Gottesdienstjahr mit neuen Formaten, aber verschoben

Das Gottesdienstjahr wird kommen: Claudia Müller-Bück informiert. Foto: Uta Garbisch

Die übrigen Punkte der Tagesordnung waren von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Das für dieses Jahr geplante Gottesdienstjahr wird auf unbestimmte Zeit verschoben: „Bis wir wieder Gottesdienste feiern können wie vor Corona“, hofft Skriba Claudia Müller-Bück. Die Swisttaler Pfarrerin hat die Federführung in diesem Projekt, das auf gegenseitige Besuche, Kennenlernen und Vernetzung in den Gemeinden setzt. Gleichzeitig soll die große Bandbreite von neuen Formaten wie Video- und Online-Gottesdienste oder Andachen für Zuhause dann auch Teil des Angebots sein.

Hybrid-Synode im November

Die nächste Synode am 6. und 7. November wird voraussichtlich als „Hybrid-Synode“ stattfinden: Nach einer Videokonferenz am Freitagabend folgt am Samstag für die Wahlen ein kurzer Präsenzteil in einer ausreichend großen Räumlichkeit. Neben dem Superintendenten sind dann auch Skriba, zwei Synodalälteste und deren Stellvertretung zu wählen.

Gewählt

Neben der heutigen Synodalversammlung ersetzten Briefwahlen die ursprünglich für Juni vorgesehene Kreissynode. Daher hatten die Delegierten vorher per Brief gewählt: Die Wachtbergerin Melina Wolf und der Euskirchener JVA-Pfarrer Knut Dahl-Ruddies sind die beiden neuen Abgeordneten zur Landessynode. Wolf wurde als nicht-theologische Delegierte gewählt, Dahl-Ruddies als theologischer Abgesandter. Sie vertreten den Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel neben Superintendent Mathias Mölleken als Landessynodale auf der jährlichen Tagung im Januar. Außerdem bestimmten die Abgeordneten Frank Bartholomeyczik (Meckenheim) erneut zum zweiten nicht-theologischen Abgeordneten.

Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen wird Delegierter für den Evangelischen Fachverband Kindertagesstätten in Rheinland, Westfalen und Lippe. Elke Cäsar aus Wachtberg vertritt den Kirchenkreis im Rechnungsprüfungsvorstand der Prüfungsstelle Köln Bonn-Hessen für die Amtszeit 2020-2024. Zudem wurden alle von den Kirchengemeinden vorgeschlagenen Mitglieder in die zu besetzenden Ausschüsse, Synodalbeauftragungen, den Arbeitskreis Mission und Ökumene sowie das Kuratorium des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene berufen.