Jugendbildungsstätte Merzbach schließt
50 Jahre gleichgestellt: Pfarrerinnen aus drei Generationen. Links vorne Claudia Müller Bück, erste Superintendentin im Kirchenkreis. Foto: Uta Garbisch
Es ist entschieden: Die Jugendbildungsstätte Merzbach schließt Ende März. Das beschlossen die Abgeordneten der 13 Kirchengemeinden aus Bad Godesberg und der Voreifel mit sehr großer Mehrheit. Superintendentin Claudia Müller-Bück: „Der Kirchenkreis hat über viele Jahre diesen besonderen Ort der Begegnung, Vernetzung und Spiritualität für junge Menschen erhalten, während um uns herum immer mehr Kirchenkreise und auch die Landeskirche Gebäude bereits aufgeben mussten. Unsere finanziellen Mittel gehen zurück. Die Jugendbildungsstätte jetzt zu schließen ist traurig, aber es wird nicht anders gehen.“
Erst im Frühjahr hatte die Synode der Einrichtung noch eine Chance gegeben, sofern deren jährlicher Zuschussbedarf den Betrag von 50.000 Euro nicht übersteigt. Die Planungen für den kommenden Doppelhaushalt hatten jedoch gezeigt, dass dies nicht möglich ist. In den zurückliegenden Jahren hatte das Defizit jährlich bis zu 180.000 Euro betragen. Stornierungen und Buchungsausfälle aufgrund von Preisanhebungen verschärfen die Situation. Der Sanierungsbedarf der 40 Jahre alten Einrichtung wird auf mindestens 2,4 Millionen Euro geschätzt – ohne umfassende energetische Maßnahmen. Außerdem mangelt es an Personal. Der Kreissynodalvorstand wird Vorschläge über die weitere Verwendung der Gebäude erarbeiten.
Für die kreiskirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird ein neues Konzept entwickelt. „Wir wollen die weitreichende Vernetzung und das vielfältige Schulungsangebot erhalten“, unterstrich Gregor Weichsel, stellvertretender Superintendent. Auf Antrag zweier Synodaler der jungen Generation wurde der ursprüngliche Beschlussvorschlag ergänzt: Der Kreissynodalvorstand wird beauftragt, einen Standort für die kreiskirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Ort für Begegnung und Spiritualität zu suchen. Finanzielle Mittel des Kirchenkreises, die durch die Einstellung des Betriebs langfristig frei werden, sollen in bisherigem Umfang in diese Arbeit fließen. Außerdem stellte die Kreissynode fest, dass zur fachlichen und konzeptionellen Begleitung der Veränderungsprozesse in der kreiskirchlichen und gemeindlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine Erhöhung des Stellenumfangs der Jugendreferentin von 75 auf 100 Prozent notwendig ist. Der Kreissynodalvorstand wurde beauftragt, zur nächsten Frühjahrssynode 2026 einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorzubereiten.
Kirche für unsere Mitmenschen – Bericht der Superintendentin
„Wir sind gemeinsam unterwegs in schwierigen Zeiten“, bekannte Superintendentin Claudia Müller-Bück in ihrem Bericht am Vormittag. Aber es gibt auch positive Nachrichten. In Vorbereitung der Gebäudebedarfsanalyse haben alle Kirchengemeinden eine Energieberatung beauftragt. In der Region Oberland liegen die Ergebnisse bereits vor und werden jetzt für die Gebäudebedarfsanalyse aufbereitet. Klaus Ranke aus Euskirchen wurde zum Klimaschutzbeauftragten berufen. Er wird ein wichtiges Bindeglied zwischen Landeskirche und Kirchenkreis sein.

Im Oktober begann ein umfassendes Screening von Personalakten zur weiteren Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt. Müller-Bück ermutigte erneut Betroffene, sich zu melden. „Wir wollen alles tun, um Fehlverhalten als solches klar zu erkennen, wo angezeigt auch strafrechtliche Untersuchungen in die Wege zu leiten und für die Zukunft weiter zu lernen.“
Mit Blick auf die bevorstehenden Einsparungen auf landeskirchlicher Ebene (mindestens 33 Millionen Euro bis 2030) zeigte sich die Superintendentin nachdenklich. „Mich persönlich beschäftigt darüber hinaus sehr, dass im diakonischen Bereich zum Teil weitreichende Einsparungen vorgeschlagen werden.“ Wie bei den Haushaltsmitteln für die Arbeit mit geflüchteten Menschen oder dem Arbeitslosenfonds. „Bei den notwendigen Einsparmaßnahmen auf allen Ebenen müssen wir im Blick haben, dass wir Kirche für andere, für unsere Mitmenschen sind.“
Haushalt und Fusionen
Der vorgelegte Doppelhaushalt 2026/2027 sieht für die beiden Jahre Defizite von knapp 350.000 beziehungsweise gut 23.000 Euro vor, die aus Rücklagen gedeckt werden. Die Aufwendungen für das Jahr 2026 umfassen gut 2,8 Millionen Euro. Dem stehen Erträge von gut 2,5 Millionen Euro gegenüber. Ein großer Teil der Aufwendungen fließt mit gut 970.000 Euro in die Diakonie. Ein wichtiger Baustein bleibt die kreiskirchliche Jugendarbeit mit dem Jugendreferat, in das der Kirchenkreis gut 100.000 Euro investiert. Ähnlich sieht es 2027 aus.
Außerdem wurde der Zeitplan zu Fusionen im Kirchenkreis noch einmal angepasst und konkretisiert. Ziel bleibt, dass sich die Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises zum 1. Januar 2028 zusammenschließen. Notfalls auch ein Jahr später, was aber aufgrund der Planung in Doppelhaushalten komplizierter wäre. Zur Fusion auf Kirchenkreisebene sagte Superintendentin Claudia Müller-Bück, sie hoffe, „dass wir uns aber bald mit dem Bonner Kirchenkreis gemeinsam auf den Weg machen können“.
Lass uns einfach heiraten!: Erste Pop-Up-Hochzeit im Kirchenkreis
Pfarrerin und Skriba Kathrin Müller berichtete der Synode über die erste Pop-Up-Hochzeit des Kirchenkreises am Sonntag, 28. Juni 2026, in Euskirchen-Flamersheim. Das Motto: „Lass uns einfach heiraten!“. Kathrin Müller lud alle Interessierten zu diesem Segensfest ein: „Ob verheiratet, unverheiratet, queer, schon lang verheiratet oder frisch verliebt.“
In Flamersheim können Menschen ihre Liebe ganz ungezwungen, ohne jeglichen Planungsstress oder Kosten segnen lassen. Von 12 bis 17 Uhr stehen Pfarrer:innen und andere Ordinierte an vier Standorten bereit. Interessierte können sich entweder in der 250 Jahre alten Kirche, am See, im Garten der Burg Flamersheim oder vor einem Oldtimer segnen lassen.
Dazu ist nicht notwendig, dass man standesamtlich getraut oder evangelisch ist. Man kann auch konfessionslos oder einer anderen Religion angehören. Die Segnung kann aber nachträglich als kirchliche Trauung eingetragen werden, wenn man evangelisch und standesamtlich getraut ist.
Pfarrerinnen erinnern an Gleichstellung vor 50 Jahren
Frauen auf der Kanzel? Heute völlig normal. Und doch ist es erst 50 Jahre her, dass die Evangelische Kirche im Rheinland die volle rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst beschloss. Daran erinnerten aktive und pensionierte Pfarrerinnen des Kirchenkreises mit einem Gruppenfoto im Talar.
Bis 1975 hatten Theologinnen gegen eine ganze Reihe von Widerständen und Vorurteilen in der Kirche und bei ihren männlichen Kollegen zu kämpfen. Und auch dann dauerte es noch, bis Pfarrerinnen Leitungsfunktionen übernahmen.
Heute gibt es im Kirchenkreis 15 aktive Pfarrerinnen und genauso viele Männer im Amt. Der Kirchenkreis wird von einer Frau geleitet. Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus. 15 Frauen und 26 Männer waren im Pfarrdienst. Und erst recht 2003: Neun Frauen standen 28 Männern gegenüber.

Neues aus Südafrika
Assessor Gregor Weichsel informierte die Synode über Neuigkeiten aus der Partnerschaft mit der Rhenish Church in South Africa. Der Austausch zur Generation der 20- bis 50-Jährigen wurde intensiviert. So hat sich eine Chatgruppe mit Mitgliedern aus beiden Kirchen gegründet. Dabei sind die Pfarrerinnen Elisabeth Berg (Swisttal) und Dorothee Lindenbaum (Flamersheim) sowie Diakon Jan Simons (Euskirchen und Weilerswist). In knapp zwei Wochen beginnt ein zweiter Trauma-Workshop vor Ort, unter anderem mit Notfallseelsorger Albi Roebke. Im Januar wird Weichsel im Rahmen einer Fortbildung ohnehin in Kapstadt sein und im Anschluss zusammen mit Edna Li mehrere Gemeinden der Partnerkirche besuchen.
Berufungen und Grußworte
Die Synode berief Ansgar Neuenhofer (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg) in den Finanzausschuss. Christian Kolmer (Heiland-Kirchengemeinde Bad Godesberg) und Olaf Kohnert (Bad Münstereifel) werden stellvertretende Mitglieder. Jugendreferentin Micha Bauch übernimmt die Synodalbeauftragung für den Kirchentag. Ein Grußwort sprach Landeskirchenrätin Iris Döring von der Rheinischen Landeskirche. Die Kreissynode traf sich am Samstag, 8. November 2025, erstmals im Amos-Comenius-Gymnasium in Bonn-Bad Godesberg. Hausherr und Schulleiter Christoph Weigelt hielt das Schlusswort.
Uta Garbisch