Miteinander, sichtbar und solidarisch 

Gemeinsam Kirche sein: Claudia Müller-Bück wirbt für die Veränderung der Strukturen, hier im Mai 2025. Foto: Uta Garbisch

Die evangelische Kirche in Bad Godesberg und der Voreifel wird ihre Strukturen verändern. „Wir wollen miteinander Kirche gestalten und sichtbar machen, auch wenn wir weniger werden“, so Superintendentin Claudia Müller-Bück, die das Konzept vorstellte. Und die Abgeordneten aus Bad Godesberg und der Voreifel diskutieren intensiv.  Ob das so funktioniert oder ob zu große Einheiten entstehen, […]

Die evangelische Kirche in Bad Godesberg und der Voreifel wird ihre Strukturen verändern. „Wir wollen miteinander Kirche gestalten und sichtbar machen, auch wenn wir weniger werden“, so Superintendentin Claudia Müller-Bück, die das Konzept vorstellte. Und die Abgeordneten aus Bad Godesberg und der Voreifel diskutieren intensiv. 

Ob das so funktioniert oder ob zu große Einheiten entstehen, wurde gefragt. Ein anderer betonte, dies sei „längst überfällig“. Und eine junge Pfarrerin mit Einzelpfarrstelle unterstrich mit Blick auf die Nachbargemeinde: „Ich hab’ Bock, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“ 

Superintendentin Claudia Müller-Bück erläuterte die Notwendigkeit so: „Es gibt Kirchengemeinden, die aus finanziellen und personellen Gründen nicht allein bleiben können. Das ist eine Frage der Solidarität. Wir müssen insbesondere gewährleisten, dass Mernschen auch in Zukunft an allen Orten unseres Kirchenkreises seelersorgliche Begleitung erfahren können.“ Schließlich wurde der Zeitplan in offener Abstimmung mit großer Mehrheit angenommen. 54 Synodale stimmten dafür, zehn dagegen. 

Der Fahrplan für Strukturveränderungen steht

Die Synode hat viel abgestimmt. Foto: Uta Garbisch

Damit ist klar: Die Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises sollen bis 2028 oder 2029 fusionieren. Dann gäbe es jeweils eine große Kirchengemeinde in Bad Godesberg, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen. Zunächst werden die Presbyterien der 13, bald 12 Kirchengemeinden darüber beraten, einen Fragenkatalog entwickeln und die Gemeindemitglieder in Versammlungen einbeziehen. Auf der Frühjahrssynode 2026 folgt dann der eigentliche Grundsatzbeschluss, den Kirchenkreis in die Regionen einzuteilen und dort jeweils eine Gemeinde zu bilden. Bis Ende 2027 sollen die jeweils Beteiligten ihre Bereitschaft beschließen, um spätestens 2029 zu fusionieren. Parallel beraten die drei Kirchenkreise in der Region über ihre Struktur. Auch hier könnten 2030 Fusionen stattfinden. Für Bad Godesberg-Voreifel unterstrich Superintendentin Müller-Bück: „Wir als Kreissynodalvorstand halten das für den richtigen Weg.“

Die Juristin Cornelia Böhm vom Kirchenkreisdezernat der Rheinischen Landeskirche hatte bereits am Freitag über die verschiedenen rechtlichen Möglichkeiten informiert, wie Gemeinden kooperieren und fusionieren können. Als neue Form wird 2026 die sogenannte innerkirchliche Körperschaft hinzu kommen. Cornelia Böhm unterstrich: „Es braucht viel Transparenz und Kommunikation.“

Klares Bekenntnis zu Merzbach

Dutzende Jugendliche waren nach Euskirchen gekommen und machten sich für Merzbach stark. Foto: Uta Garbisch

Ob Konfitage, gemeinsame Wochenenden oder Schulungen, die Jugendbildungsstätte Merzbach ist seit 1985 ein wichtiger Bestandteil der kreiskirchlichen Jugendarbeit. Doch die Kosten sind fortlaufend gestiegen, zuletzt auf 175.000 bis 200.000 Euro jährlich. Trotz dieses strukturellen Defizites wird die Einrichtung weiterbetrieben. Allerdings soll dieser Zuschuss aus Kirchensteuermitteln auf 50.000 Euro begrenzt werden. Dafür sollen unter anderem Preiserhöhungen, neue Ideen und ein Förderverein sorgen. Der Kreissynodalvorstand wird bis zur Frühjahrssynode 2026 den Sanierungsstau erfassen und die Kosten zur Behebung beziffern. Außerdem soll er Modelle für eine Erweiterung der Bettenkapazität entwickeln und mit einer Kostenschätzung versehen. Das entschied die Synode mit großer Mehrheit. 

Darauf reagierten nicht nur die vielen jugendlichen und jungen Gäste mit tosendem Applaus. Fast 50 von ihnen waren zur Synode gekommen, um ihre „Jubi“ zu unterstützen. Das gemeinsame Motto: „Glaube – Hoffnung – Herzbach“, eine Anspielung auf den Namen der Jugendbildungsstätte in Merzbach. Ein berufener Synodaler der jüngeren Generation brachte es auf den Punkt: „Wir reden die ganze Zeit über Fusionen und in Merzbach findet das schon statt. Auf der Ebene der Jugendlichen. Und es funktioniert verdammt gut.“ Ein klares Votum für die Arbeit mit Jugendlichen, denn damit ist eine Schließung zunächst vom Tisch.

Gebäudebedarf schnell untersuchen

Zudem stand der konkrete Zeitplan für die Gebäudebedarfsanalyse auf der Tagesordnung. Das soll schneller gehen, als zunächst angedacht. Bis Ende Oktober diesen Jahres sollen alle noch ausstehenden Energieberatungen beauftragt sein. Bis zur Herbstsynode 2026 werden die Daten dann ausgewertet. Das übernimmt das Baubüro des Verwaltungsverbandes. Die Energieberatung wirkt mit. Auf dieser Grundlage sollen dann der Kirchenkreis und die Gemeinden über ihren jeweiligen Baubestand entscheiden. 

Antrag in Sachen Denkmalschutz

Einstimmig unterstützt die Synode einen Antrag der Kirchengemeinde Meckenheim in Sachen Denkmalschutz. Deren Vorhaben, die Christuskirche zu verkaufen, scheiterte, nachdem das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland beantragt hatte, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Die Stadt zog sich als Käuferin zurück. 

Recherchen der Kirchengemeinde ergaben ein grundsätzliches Problem. Das Amt für Denkmalpflege (LVR-ADR) hat eine sehr umfangreiche Liste erstellt, das eine große Zahl der nach 1945 erbauten Kirchen im Rheinland hinsichtlich ihrer Denkmalwürdig bewertet. Allein im Oberbergischen Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis und dem Rhein-Sieg-Kreis wurden fast 40 Prozent der insgesamt 157 evangelischen und katholischen Kirchen als „denkmalwürdig“ eingestuft. Weitere 20 Prozent als „möglicherweise denkmalwürdig“. 

Die Kirchengemeinde befürchtet vor diesem Hintergrund massive Probleme für alle betroffenen Kirchengemeinden, vor allem in finanzieller Hinsicht. Die Rheinische Kirchenleitung wird gebeten, das im politischen Raum zu thematisieren, die Liste zu veröffentlichen, eine Priorisierung vornehmen zu lassen und ein Moratorium, also einen Aufschub zu erwirken.

Konkret drohen in Meckenheim massive Einschränkungen. Denn die Unterschutzstellung schließt neben Altar, Taufstein und Glocken auch die Kanzel und die Kirchenbänke ein. Eine Umwidmung wäre da sehr schwierig.

Partnerschaft mit Südafrika

Das Projekt Online und eines zur Bearbeitung von Traumata sind aktuelle Bausteine der Partnerschaft mit der Rheinischen Kirche in Südafrika. Notfallseelsorger Albi Roebke und zwei Dozentinnen bilden dort ein Team aus. Ihr zentrales Anliegen ist Trauma-Prävention. Zudem fand im April in Kapstadt ein Frauencamp statt. Zu den rund 80 Teilnehmerinnen stießen mit Pfarrerin Judith Weichsel und Janine Fries, Vorsitzende des Fachausschusses für Frauenfragen, auch zwei Vertreterinnen des Kirchenkreises. Sie setzen auf eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe und Kontakte in Konfikursen, um die Verbindung auszubauen. Gemeinsamer Wunsch ist der Besuch junger Südafrikanerinnen beim kommenden Kirchentag in Düsseldorf.

Pläne, Personen, Grüße

Die Planungen für ein Pop-up-Trau- und Segensfest nehmen Fahrt auf. Es soll am Sonntag, 28. Juni 2026, in Flamersheim stattfinden. Arbeitstitel: „Liebe. Einfach. Segnen.“ Die Evangelische Beratungsstelle Bonn soll zur Diakonie Bonn und Region wechseln. Der Trägerübergang ist zum 1. Januar 2026 geplant. Die Aufgabe passt gut in die dortige Organisationsstruktur. Denn Fachkompetenz und das Potential für Synergien sind aufgrund der zahlreichen Beratungsangebote der Diakonie vorhanden. Dabei soll der Standtort im Haus der Kirche in Bonn bleiben.

Die Synodalen wählten Pfarrerin Judith Weichsel aus Euskirchen zur Vorsitzenden des Arbeitskreises Mission und Ökumene. Juliane Wächter aus Bad Godesberg wird ihre Stellvertreterin. Der Godesberger Pfarrer Johannes Nett übernimmt die Synodalbeauftragung für das Christlich-Muslimische Gespräch. Außerdem berief die Synode weitere Mitglieder in verschiedene Ausschüsse.

Die Synode tagte am Freitagabend, 23. Mai 2025, in Form  einer Videokonferenz. Weiter gingen die Beratungen am Samstag, 24. Mai, im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche Euskirchen.

Der neue Moderator der Rheinischen Kirche in Südafrika, Neil Engelbrecht, und der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius grüßten via Zoom. Leo Wolter, erster stellvertretender Landrat im Kreis Euskirchen, und Sacha Reichelt, Bürgermeister der Stadt Euskirchen, grüßen vor Ort.

Uta Garbisch