Hij`s opgestan

Superintendent Mathias Mölleken. Foto: Meike Böschemeyer

Noch immer Ostern – aber wieder so!?, fragt Superintendent Mathias Mölleken in seinem Ostergruß.
Hier seine österliche Botschaft im Wortlaut:

Noch immer Ostern – aber wieder so!? Im vergangenen Jahr hätten wir vermutlich nicht damit gerechnet, in diesem Jahr noch immer durch Corona derart eingeschränkt zu sein. Die Herausforderungen sind in vielfältiger Weise größer geworden: Lockdown – hin und her, Wirrwarr bei Test- und Impfstrategien, Existenzbedrohung, Vereinsamung und immer drängender die Sehnsucht nach Begegnung und Erlösung.

Versunken in Gedanken sprachen mich dieser Tage meine Enkel an: Opa – singen wir zu Ostern wieder das Lied? Sie meinen das Flämische Osterlied: Hij`s opgestan. Ein musikalischer Klassiker im Oster-Familiengottesdienst – ich zögere, aber die Kinder sagen: Sing es doch – das gehört zu Ostern…

Hij`s opgestan – Hij leeft – Hij left in mij – Hij komt terug (Er ist auferstanden, Er lebt, Er lebt in mir, Er kommt zurück) – mit einem einfachen La-la-la-Refrain, einer Melodie, nicht mehr aus dem Kopf geht. Das Anstimmen der Harmonie reicht bereits aus, um Freude und Hoffnung, Lebendigkeit in Gang zu setzen und begleitet den ganzen Tag.

Es stimmt – gerade jetzt trägt und braucht es diese Vergewisserung des Osterevangeliums –das Aufstehen und Vertrauen ins Leben, das Gott schenkt! Es gilt unser österliches Glaubensbekenntnis nicht zu unterschätzen, sondern als Weckruf zu hören und weiterzutragen: Christus, der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Keineswegs fällt Ostern aus – als Christenmenschen gehen wir mit dieser Perspektive des Lebens auch in und durch schwierige Leiderfahrungen um, nehmen sie ernst und an, stellen uns zueinander und widersprechen dem Tod und einer lähmenden Hoffnungslosigkeit.

In unseren Kirchengemeinden wird auch in diesem Jahr ein so vielfältiges Angebot an Gottesdiensten, Kreuzweg- und Osterstationen gemacht, an Osterfeuer und Abendmahl to go, offenen Kirchen und vielem mehr – digital und präsentisch in der gebotenen Verantwortung – ein Tun, das nicht unbemerkt bleibt.

Ihnen und Euch allen, die unterwegs sind und jetzt zu Ostern ein starkes Glaubenszeichen setzen – für alle guten Ideen und Anregungen, für jede Arbeit, für das Besuchen und Beten – ein großes Dankeschön!

Hij`s opgestan – Gott schenkt und aller Welt Leben.

Frohe Ostern!

 

Jugendarbeit und Kirchenmusik standen im Zentrum

Lokalhistorisch bedeutsam begann die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Denn erstmals überbrachte Haluk Yildiz als Sprecher des Bonner Rats der Muslime den Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden Grüße.

Wichtige Themen des Kirchenparlaments in der Bad Godesberger Christuskirche waren die zukünftige Gestalt der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendarbeit, Kirchenmusik und das Ende der Mbandaka-Partnerschaft.
In seinem Grußwort setzte sich Haluk Yildiz dafür ein, dass islamischer Religionsunterricht für muslimische Kinder an allen Schulen eingeführt wird. Sprache sei nicht das einzige Mittel, um Integration zu leisten, so Yildiz. „Nach 40 Jahren Migrationsgeschichte müssen wir uns alle einzeln fragen, was er oder sie für den Dialog getan hat.“
Nahezu einstimmig beschlossen die 76 stimmberechtigten Mitglieder der Synode die Umwandlung des bisherigen Jugendpfarramtes in ein Jugendreferat. Der Kreissynodalvorstand wird der Synode nun zum nächsten Treffen im Mai 2007 einen Beschlussvorschlag für eine Stelle dort vorlegen. „Das ist ein wichtiges Zeichen“, unterstrich Superintendent Dr. Eberhard Kenntner. „In Zeiten, in denen viel über die Chancenlosigkeit der Jugend geredet wird, nehmen wir unsere Verantwortung für Jugendliche wahr und werden unserer diakonischen Verantwortung gerecht.“

 

Fachausschuss soll Zusammenarbeit fördern

Als erster Kirchenkreis im Rheinland richteten die Synodalen einen Fachausschuss für Kirchenmusik ein. Er soll die Aktivitäten in den Gemeinden koordinieren und gemeindeübergreifende Projekte fördern. Das ist auch das Ziel von Kreiskantor Hans-Peter Glimpf: „Ich wünsche mir ein Mehr an Zusammenarbeit an der Basis.“ Das neue Gremium berät zudem die Kirchengemeinden, die Kreissynode und den Kreissynodalvorstand in Fragen der kirchenmusikalischen Arbeit.
Die seit 1985 bestehende Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Mbandaka im Kongo wurde beendet. Gründe sind der „Verlust an lebendiger Kommunikation“ und der „Vertrauensschwund zwischen den beiden Kirchenkreisen“. Selbstkritisch bekannte die Synode: „Wir müssen uns eingestehen, dass unsere Motivation nicht ausreicht, die Partnerschaft weiter zu führen.“ Die vorhandenen Rücklagen sollen für vergleichbare Projekte im Kongo, wie etwa der Aids-Prävention, eingesetzt werden.
Als Vorbote des Kirchentags in Köln 2007 überreichte Pfarrer Siegfried Eckert Superintendent Dr. Eberhard Kenntner ein großes blaues Fass mit dem Haifisch-Logo. Es wird beim Kirchentags-PreEvent am Himmelfahrtstag 2007 in der Bonner Rheinaue mit 30 Litern Wasser befüllt werden. Denn der Rhein und seine Zuflüsse prägen das Gesicht der Rheinischen Landeskirche. Beim Kirchentag wird dann das Wasser aus allen 44 rheinischen Kirchenkreisen unter dem Motto „Das Rheinland strömt zusammen“ symbolisch zusammenfließen.

 

Haushalt, Wahlen und ein Kompliment

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden beschlossen den Haushaltsplan für das Jahr 2007 mit einem Gesamtvolumen von 2,48 Millionen Euro. Damit liegen die geplanten Ausgaben rund 150.000 Euro über dem Ansatz des Vorjahres. In den Fachausschuss für Kinder- und Jugendarbeit wählten die Synodalen Daniela Dirks, Zülpich, und Sabine Liebchen, Swisttal. Neu im Arbeitskreis für Mission und Ökumene ist Bärbel Pohla aus Zülpich. Melanie van Bebber aus Weilerswist war als neue stimmberechtigte Abgeordnete zugegen. Die 19-Jährige ist damit die zweite Vertreterin der jüngeren Generation.
Grußworte sprachen zudem Dechant Helmut Powalla von der Katholischen Kirche, der ACK-Vorsitzende Herwig Mauschitz und Bezirksvorsteherin Annette Schwolen-Flümann. Sie dankte besonders für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit in Bad Godesberg.
Ein großes Kompliment machte Dr. Eberhard Kenntner der Synode für ihre Gesprächskultur. „Wir sind ans Eingemachte gegangen, haben aber nicht gestritten“, so der Superintendent. Die Voraussetzung für einen gelingenden Dialog sei das eigene Profil. Und so „ein wichtiger Schritt für eine zukunftsfähige Synode“. Besonders freute er sich über das Kommen von Haluk Yildiz vom Rat der Muslime. „Der Islam ist kein Block von gewaltbereiten Menschen, sondern von Menschen, die ihr Leben vor ihrem Gott verantworten“, betonte Kenntner.

Hinweis an die Redaktionen: Aufnahmen von der Kreissynode können Sie hochauflösend von unserer Website herunterladen, wenn Sie die Lupe unter den eingestellten Fotos anklicken.

 
 

 

Uta Garbisch / 04.11.2006

 

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Auf der Suche nach dem Schatz

Trotz aller Spar- und Umstrukturierungsdebatten: Zunehmend treten Menschen – wieder – in die Kirche ein. Aus diesem Grund lud die EKD zu einem Symposium zum Thema (Wieder-) Eintritt ein. Das Motto: „Einfach eintreten?!“

„Wiedereingetretene sind ein besonderer Schatz der Kirche“, betonte Dr. Christoph Kähler, Landesbischof und stellvertretender Ratsvorsitzende der EKD, anlässlich des Symposiums zum (Wieder-)Eintritt in Düsseldorf. Doch wie wird man zum „Schatz“?

Normalerweise ist das (Wieder-)Eintreten in die Kirche bei jeder Gemeindepfarrerin, bei jedem Gemeindepfarrer möglich. Für manche Menschen ist der Gang in eine bestimmte Gemeinde zu einem speziell vereinbarten Gespräch eine zu große Hürde – auch wenn der Wunsch, wieder dazu zu gehören, vorhanden ist.

2001 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) deshalb das Konzept der „Eintrittstellen“ beschlossen. Im Zuge dessen wurden – in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der EKD – bestimmte inhaltliche und rechtliche Fragen neu bedacht. Mit dem Ergebnis: das EKD-Kirchengesetz über die Kirchenmitgliedschaft wurde geändert.

Eintreten – dafür ist nun in erster Linie der so genannte ernsthafte Wille nötig. Dieser wird in einem seelsorglichen Gespräch mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer bekundet. Ohne Termin, nicht in einer bestimmten Gemeinde, in mitunter ganz anderem Ambiente als einem offiziellen kirchlichen Dienstraum. So gibt es zum Beispiel in Hannover eine Wieder-Eintrittsstelle in einem christlichen Buchladen. In Köln befindet sich die Eintrittsstelle in einem zur City-Kirche gehörigen Café. Und im weitläufigen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist man mobil: der Wiedereintritts-Bus fährt vor, je nach Ort, Anlass und Gelegenheit – ganz einfach.

Das Symposium – Wichtige Fragen bleiben

Ist es wirklich so einfach? Einfach eintreten?! Das Fragezeichen im Titel war dabei bewusst gesetzt. Auch wenn sich vieles vereinfacht hat, bleiben Fragen oder stellen sich neu. Grundsätzlich ist zu bedenken: Wie niederschwellig darf es sein, das Eintritts-Angebot – damit es nicht zu einem „Billig-Angebot“ verkommt?

Die veränderten Gegebenheiten sind also auch eine Herausforderung – an die Kirche. „Es geht um eine Begegnung mit Kirche, die hoffentlich gelingt“, fasste Oberkirchenrat Rolf Sturm von der EKD die Bedeutung des Themas zusammen.

 

 

Aus der Taufe kann man nicht austreten

Nicht zu vergessen: Die Arbeit der Eintrittsstellen „schärft unsere Wahrnehmung derjenigen Menschen, die ausgetreten sind, die aber das Zeichen der Taufe als unverlierbares Zeichen der Verbundenheit mit uns tragen“, betonte Präses Schneider. „Aus der Taufe kann man nicht austreten.“ Deshalb „brauchen wir ein gezieltes Zugehen auf diese Menschen“.

Es gilt, „eine Kirche mit klarem Profil“ zu sein – denn dies findet Aufmerksamkeit bei den Menschen, die den Zugang zur Kirche neu suchen.

Ein klares Profil benötigt auch eine klare Verständigung – zum Beispiel im Gottesdienst: „Wiedereintrittsgottesdienstaufklärung“ forderte Renate Schmidt. Damit meinte sie: „Die Liturgie macht den meisten kirchenfernen Menschen eher Angst, sie wissen nicht, was sie antworten sollen, was sie singen. Die Bibel verstehen sie nicht und genauso wenig den Inhalt der Predigten.“

Zum Teil findet eine solche Aufklärung bereits statt – aber es bleibt ein weiter zu bedenkendes Beispiel dafür, wie sehr feste Gemeinschaften nur dann offen sein können, wenn sie sich immer wieder neu erklären.

Quereinsteiger-Einmisch-Möglichkeiten

Renate Schmidt wies auf einen zweiten Punkt hin: „Quereinsteigereinmischmöglichkeiten“ wünschte sie sich – und meinte damit Angebote und Mitmachmöglichkeiten für Menschen, die nicht (mehr) so viel Ahnung und deshalb Berührungsängste haben.

 

 

Ganz konkret – was ist einfach wichtig?

Die Ergebnisse der Workshops am Nachmittag regen zur Weiterarbeit an:
Ein seelsorgliches Gespräch – das sollte als Bedingung bleiben.
Auch ein Gespräch am Telefon oder ein Austausch über das Internet – zum Beispiel im Chat – könne den Charakter eines intensiven seelsorglichen Gespräches haben.

Weiter wurde im abschließenden Plenum gesagt: Der Wahl des Gespräch-Raumes sind fast keine Grenzen gesetzt. Ob Pastors-Biergarten oder mobiler Bus – Hauptsache, die Bedingungen sind vertraulich und angemessen.

Dann ist die Kontaktaufnahme der zuständigen Ortsgemeinde ein weiterer Schritt – ohne den Wiedereingetretenen direkt zu vereinnahmen.
Mehr Mut zur Information sei gefragt: entweder ganz praktisch in Form von Informationsmaterialien im Sinne von „Evangelisch auf 5 Seiten“ oder in Form von Glaubenskursen oder Gottesdiensten mit Tauferneuerung.

Juristisch bleibt zu überlegen, ob es nicht EKD-weite Standards geben müsse, nicht zuletzt was das seelsorgliche Gespräch angeht.
Für Internet- und Telefonangebote ist außerdem die Frage der Identifikation zu klären.

Eindeutige Tendenz

Der Saldo sei zwar noch negativ, aber die Tendenz sei eindeutig, erklärte Präses Schneider. Von 2001 bis 2005 ist die jährliche Zahl der Aufnahmen in der rheinischen Landeskirche von 6.600 auf 7.700 gestiegen. Im gleichen Zeitraum fiel die Zahl der Austritte pro Jahr von 20.000 auf 14.000. 18 Eintrittsstellen gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland, 120 im Raum der EKD.

 

 
18 Eintrittsstellen zwischen Aachen und Wuppertal
Im Wortlaut: die Rede von Renate Schmidt
Im Wortlaut: die Begrüßung von Präses Schneider
evangelisch.info
 

 

mai / 02.11.2006

 

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Schon vor Erscheinen bejubelt und verrissen

Seit Projektbeginn im Jahr 2001 wird die „Bibel in gerechter Sprache“ diskutiert. Nun ist das 2400 Seiten starke Buch erschienen. Auch durch Unterstützung aus der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Ist die Bibel „gerecht“ geworden?

Von Gott wird in der neuen Übersetzung weiblich und männlich gesprochen. Jesus sammelt Apostelinnen und Apostel um sich. Die 54 Übersetzerinnen und Übersetzer hatten sich viel vorgenommen: Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse sollten aufgenommen werden.

Erfahrungen aus dem jüdisch-christlichen Dialog sollten helfen, antijüdische Formulierungen zu vermeiden. Hinter die gesellschaftlichen Veränderungen durch die Diskussionen einer „inklusiven Sprache“ wollten sie nicht zurück.

 

 

Herausgekommen ist ein Werk, das schon vor seiner Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse bejubelt und zerrissen wurde. So hält es beispielsweise der Schriftsteller und Übersetzer Gisbert Haefs für überflüssig und misslungen. Der Bonner Theologieprofessor und Bibelwissenschaftler Günter Röhser lobt hingegen die Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnis. Trotzdem ist aus seiner Sicht Kritik an vielen einzelnen Stellen nötig.

 

 

Die Übertragung solle vor allem dem Urtext gegenüber gerecht werden, sagte bei einem Bonner Streitgespräch Co-Herausgeber Professor Dr. Frank Crüsemann (Bethel). Jede Übersetzung müsse zwischen Ausgangstext und heutiger Sprache balancieren, so Mitherausgeberin und Theologie-Professorin Dr. Helga Kuhlmann (Paderborn).

Die Wurzeln der „Bibel in gerechter Sprache“ gehen bis in die achtziger Jahre zurück. Zu Kirchentagen entstanden erste Textalternativen zur üblichen Luther-Übersetzung. Seit 2001 wurde an den endgültigen Übersetzungen für die neue Bibel gearbeitet.

Die Entstehungskosten von rund 400.000 Euro wurden über Spendenmittel finanziert, auch aus dem Rheinland. Neben Einzelpersonen haben beispielsweise die Evangelische Frauenhilfe im Rheinland das Buch Exodus mitfinanziert. Der Kirchenkreis Gladbach-Neuss engagierte sich für die Übersetzung des Buchs „Über die Zeit Josuas“. „Frauen Leben im Pfarrhaus“ förderte den Abschnitt „Über die Zeit der Apostelinnen und Apostel“.

Südwind und Oikocredit finanzierten die Übertragung des Buchs Deuteronomium. Auf der Liste stehen weiter: die Landeskirche, der Synodalausschuss Frauenfragen des Kirchenkreises An der Agger, die Evangelische Frauenarbeit im Rheinland (efir), die Solidarische Kirche im Rheinland, das Frauenreferat, die Matthäikirchengemeinde Düsseldorf.

Außerdem wurden die Texte über mehrere Jahre von Gemeinden erprobt und diskutiert. So konnten Anregungen der über 300 Gruppen und Einzelpersonen in den Übersetzungsprozess einfließen. Nach fünf jähriger Arbeit ist nun ein Werk entstanden, das mit seinem besonderen Profil positive und negative Kritik auslöst.

 

 
im Detail: die Bibel in gerechter Sprache
zum Hören: Kommentare zur Bibel in gerechter Sprache
 

 

Sven Waske / 31.10.2006

 

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Kirchengemeinden sollen Vorrang behalten

„Ich finde wir haben ein Talent zum Konsens“, bemerkte Ernst Jochum aus Bad Godesberg in seinem Schlusswort als dienstältester Pfarrer.

Denn einstimmig hatten die fast 60 stimmberechtigten Synodalen der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel in Zülpich ihre Stellungnahme zur Reform der presbyterial-synodalen Ordnung und des Arbeits- und Dienstrechtes verabschiedet.

Zwei Arbeitsgruppen der Landeskirche hatten im Frühjahr dieses Jahres Reformvorschläge vorgelegt und alle 44 rheinischen Kirchenkreise verpflichtet, dazu Stellungnahmen und gegebenenfalls Veränderungsvorschläge zu erarbeiten, die dann wiederum in die Beratungen der Landessynode 2007 einfließen werden. Die Empfehlungen der landeskirchlichen Arbeitsgruppen sehen in vielen Bereichen die Erweiterung der kreiskirchlichen Kompetenzen und eine Einschränkung der Entscheidungsbefugnisse der Kirchengemeinden vor.

Dem folgten die Abgeordneten der Kreissynode in einem  Abstimmungsmarathon nur zum Teil. Sie wollen viele Entscheidungen weiterhin auf Gemeindeebene verantworten, wie es auch die kreiskirchliche Arbeitsgruppe „Grundversorgung“ zur Vorbereitung der Sondersynode vorgeschlagen hatte. Dazu zählen zum Beispiel die Festlegung von Gemeindegrenzen, die Abstimmung von Gemeindekonzeptionen oder der Vorschlag, alle Pfarrerinnen und Pfarrer in Zukunft beim Kirchenkreis anzustellen. Ein Vetorecht bei der Besetzung von Pfarrstellen befürworteten die Synodalen, wenn sowohl der Vorstand des Kirchenkreises als auch die Landeskirche einvernehmlich Bedenken anmelden. Gleichzeitig setzten sie sich aber auch für ein Einspruchsrecht gegenüber der Landeskirche ein, wenn sich die Kirchengemeinde und der Kreissynodalvorstand (KSV) einig sind. Positiv bewerteten die Abgeordneten die Pflicht der Pfarrerinnen und Pfarrer zur Fortbildung in Gremienleitung und Personalführung. Gleiches soll für Mitglieder des KSV und die Superintendenten gelten.

 

Zufrieden zeigte sich Superintendent Dr. Eberhard Kenntner über das Ergebnis: „Die Synode ist den Vorschlägen der Arbeitsgruppe Grundversorgung gefolgt, keinen Umbau unserer Kirche vorzunehmen und das presbyterial-synodale System auch in der Verteilung seiner Gewichte beizubehalten.“ Gleichzeitig habe sie Wege aufgezeigt, durch die Präzisierung von Steuerungsmöglichkeiten vor allem im Personalbereich die finanzielle Zukunft zu sichern. „Dabei wird der konkreten Arbeit in den Kirchengemeinden vor Ort der unbedingte Vorrang vor der Ebene des Kirchenkreises und der Landeskirche eingeräumt.“ Diese Entscheidung der Synode spiegele damit die Strukturen des Kirchenkreises mit städtisch und ländlich geprägten Regionen. „Es ist erforderlich, die Gemeinde-Erfahrungen vor Ort jeweils zu bedenken und festzuschreiben“, so Kenntner.

In seinem Grußwort würdigte der Zülpicher Bürgermeister Albert Bergmann die positive Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Zülpich. Mit Blick auf die Tagesordnung der Synode warnte er vor einer rein betriebswirtschaftlichen Sicht: „Es dürfen auch Werte wie Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und  Hilfe zur Selbsthilfe nicht aus dem Blick geraten.“ Als „Ehrensynodalgast“ begrüßte Superintendent Kenntner Kreisdechant Bernhard Auel. Er unterstrich wie ähnlich die Themen und Probleme in katholischer und evangelischer Kirche in den letzten Jahren seien.

 

Mit großer Mehrheit beschloss die Synode die Bildung eines Fachausschusses für Kirchenmusik. Bis zur Herbstsynode soll nun eine Satzung erarbeitet werden. Hintergrund ist die allgemein angespannte Finanzsituation in den Kirchengemeinden. „Die Kirchenmusik ist in eine Krise geraten, aber sie darf nicht völlig weg brechen“, betonte Pfarrer Christian Werner als stellvertretender Superintendent.  Bislang verfügt noch kein rheinischer Kirchenkreis über ein solches Gremium.

Konkretes Zahlenwerk zum neuen System für den innersynodalen Finanzausgleich im Kirchenkreis für das Jahr 2007 versprach Dr. Wolfgang Osterhage für die Herbstsynode im November. Dabei geht es um den Ausgleich zwischen finanzschwächeren und finanzstärkeren Kirchengemeinden. Bislang stehen nur die Prozentsätze fest. Demnach wird für den Ausgleich für 2006 ein Betrag von bis zu 50 Prozent von der Summe erhoben, die den Durchschnittsbetrag am Netto-Kirchensteueraufkommen je Gemeindeglied im Kirchenkreis übersteigt. Für 2007 hat der KSV 50 Prozent festgesetzt. 

Mit einem großen Blumenstrauß verabschiedete Superintendent Eberhard Kenntner Bärbel Büttner, die der Synode seit 1988 als berufenes Mitglied angehört hatte. „Sie sind wie eine lebendige Bibel immer glaubwürdig gewesen. Wir werden sie vermissen“, würdigte er die langjährige Leiterin des Bonner Amos-Comenius-Gymnasiums. Dank ging auch an Paul Schuster von der Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg. Mit Erreichen des 75. Lebensjahres nahm er letztmalig an einer Kreissynode teil. Als stellvertretendes Mitglied im  Kreissynodalrechnungsausschuss und stellvertretender Landessynodaler hatte er die Geschicke des Kirchenkreises lange begleitet.

Mit Wahlen schloss die Synode ab. Ursula Heger vertritt die Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg im Arbeitskreis Mission und Ökumene. Als stellvertretendes Mitglied gehört Reinhard Burkhard aus Weilerswist ebenfalls diesem Ausschuss sowie dem Nominierungsausschuss an.

 
 

 

Uta Garbisch / 26.08.2006

 

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Zülpich holt Konfi-Cup „kampflos“

Da kurzfristig drei Mannschaften für das Qualifikationsturnier zum Konfi-Cup abgemeldet wurden, findet dieses nicht statt. Die Mannschaft der verbliebenen Kirchengemeinde Zülpich fährt daher als Vertreterin des Kirchenkreises zum Endturnier nach Köln.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden treten am 25. März in der Kölner Sporthochschule in der Endrunde aller 44 Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland an.

 



 



 

 
Mehr zum Konfi-Cup
 

 

gar / 16.03.2006

 

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regional erschienen

Wie reagieren Kirchengemeinden, wenn das Geld knapp wird? Regional stellt den Sparprozess in der Johannes-Kirchengemeinde vor und berichtet über das freiwillige Kirchgeld in Bad Münstereifel.

Dazu passt auch der „Standpunkt“ zum Thema „Kirchen schließen, ja oder nein?“. Weiteres Thema des Newsletters für Haupt- und Ehrenamtliche ist die Geschichte der Weihnachtskrippen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht die Redaktion.

 

 

 

 
regional-bgv Dezember 2006
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gar /

 

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Petra Bosse-Huber predigt

Mit einem Festgottesdienst wird das 50. Jubiläum der evangelischen Kirche gefeiert. Die Predigt hält Vizepräses Petra Bosse-Huber am Sonntag, 17. Dezember.

 Die musikalische Gestaltung haben Chöre aus Flamersheim übernommen, denn bis 1977 gehörte die Gemeinde zu Flamersheim. Die dortige Pfarrerin Christina Fersing wird zusammen mit Pfarrer Frank Raschke aus Bad Münstereifel die Liturgie des Gottesdienstes gestalten. Zum Jubiläum ist zudem eine Festschrift erschienen. Der Gottesdienst beginnt am dritten Adventssonntag, 17. Dezember, um 10 Uhr in der Evangelischen Kirche, Langenhecke.                                        

 

 

 
 

 

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Evangelischen Neujahrsgruß verschickt

Pünktlich zum Beginn des neuen Kirchenjahres am Ersten Advent hat der Superintendent des Evange¬lischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel rund fünfhundert Karten verschickt.

Dr. Eberhard Kenntner nimmt den kirchlichen Jahreswechsel zum Anlass, den Empfän¬gern für die gute Zusammenarbeit und Mitarbeit zu danken. Dort heißt es: „An der Schwelle zum neuen Kirchenjahr soll der Dank laut werden an Sie, die geholfen haben, dass das Evangelium vom menschenfreundlichen Gott in vielfältiger Gestalt den Menschen begegnete.“

Das neue Kirchenjahr beginnt nicht wie das Kalenderjahr am ersten Januar, sondern stets am ersten Advent. Schließlich folgen die christlichen Sonn- und Feiertage im Jahreskreis einem immer gleichen Rhythmus. Der erste Adventsonntag thematisiert die erwartete Wiederkunft Christi am Letzten Tag.

 

 

 
 

 

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Pfarrer Robert Wachowsky nimmt Abschied

Nach 28 Jahren Dienst in der Heiland-Kirchengemeinde Bad Godesberg tritt Pfarrer Robert Wachowsky mit Ablauf des Jahres in den Ruhestand. Seine offizielle Verabschiedung findet am 1. Adventssonntag, 3. Dezember, statt.

Der gebürtige Gütersloher war zunächst Pfarrer in Westfalen, bevor er 1978 ins Rheinland wechselte. Zwei Jahre später erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues, vergrößertes Gemeindezentrum in Mehlem. Seit 1990 war Wachowsky zusätzlich Schwesternschafts- Pfarrer der Frauenhilfs-Diakonieschwesternschaft im Rheinland, bis er im Jahr 2000 den Vorsitz im Aufsichtsrat des Evangelischen Waldkrankenhauses Bad Godesberg übernahm. Dieses Amt hatte er bis 2005 inne.

In der Heiland-Kirchengemeinde initiierte Robert Wachowsky die adventliche Bescherung der Rheinschiffer und die Königsberg-Hilfe. Als Vorstandsvorsitzender bleibt er dem mittlerweile selbständigen Verein treu. Der Radiosender RPR I hatte den Seelsorger 2003 zum „Superpfarrer“ gewählt. Für die Auszeichnung schlug ihn damals eine Hörerin aus Mehlem vor.

Robert Wachowsky ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Kinder und Enkelkinder haben feste Pläne mit ihm in der Zeit seines Ruhestandes. Auch die vielen bisher betreuten Straßen- und Waisenkinder in Königsberg haben ihn eingeladen. „Ganz sicher bleibt gute Zeit zum Schwimmen und Wandern mit meiner Frau Margret“, so Wachowsky. Und wenn die Gesundheit es erlaubt, will der 64-Jährige Freunde in Afrika und Australien besuchen.

Der Abschiedsgottesdienst mit Pfarrer Robert Wachowsky beginnt am Sonntag, 3. Dezember, um 10 Uhr in der Heilandkirche, Domhofstraße. Im Anschluss lädt die Kirchengemeinde zu einem Empfang ein.

 

 

 
 

 

gar /

 

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Menschen bei Krankheit und Tod begleiten

Der Abschluss der diesjährigen Fortbildungen des Netzwerkes Offene Altenarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Euskirchen (NOA) wird am Donnerstag, 23. November 2006, ab 17 Uhr in der Kölner Straße 41 gefeiert.

27 Frauen und Männer haben sich in den vergangenen Monaten in drei verschiedenen Kursen zu den Themen Demenz, Tod und Sterben fortgebildet, um betroffene Menschen zukünftig ehrenamtlich zu begleiten. Koordiniert wurde das Angebot durch den Euskirchener Senioren-Diakon der Evangelischen Kirchengemeinde, Karl-Heinz Beck. Nach dem Grußwort des stellvertretenden Bürgermeister Horst Belter werden die Teilnahme-Zertifikate verliehen.
Die zehn Teilnehmer des Kurses „Sterbende begleiten lernen – Wegbegleiter sein“ qualifizierten sich für den Dienst in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen. Durch die Vertreterinnen des Altenzentrums Tuchmacherweg, Edith Jordans und Ulrike Monschau, werden sie ihre Zertifikate über die Teilnahme an der Fortbildung erhalten.

Der erste Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Euskirchen, Dr. med. Michael Münchmeyer, wird gemeinsam mit Monika Kronenberg, Diakonisches Werk Euskirchen, die Teilnehmer des „HUFA“-Kurse auszeichnen. Neun Männer und Frauen haben an dieser Fortbildung zur „Häusliche Unterstützung für Familien von Demenz- und Alzheimerkranken“ teilgenommen.

Die Sterbebegleitung Demenzkranker stand im Mittelpunkt der Fortbildung „Ansehen“. Die 14 Teilnehmer erhalten ihr Zertifikat durch die Leiterin des Projekts, die Theologin und Diplom-Pädagogin Claudia Hartmann, und den Leiter des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Nordrhein, Gerrit Heetderks.

Im Anschluss an die Zertifikatsverleihungen besteht die Möglichkeit zur Begegnung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kurse.

 

 

 

 
 

 

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Vom „gerechten Krieg“ zum „gerechten Frieden“

Gedanken zum Volktrauertag am 12. November 2006 am Ehrenmal Rheinbach von Pfarrer Dr. Eberhard Kenntner

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir haben uns versammelt, um gemeinsam der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir schauen dabei vor allem zurück ins letzte Jahrhundert zu den Weltkriegen und den Gräueln der Naziherrschaft. Damals gab es eine Eskalation der Kriegsgräuel, wie sie bis dahin unvorstellbar waren. Vom Einsatz chemischer Waffen durch die kaiserliche Armee an der Marnefront  bis hin zur Taktik der verbrannten Erde auf den Rückzügen im II.Weltkrieg im Osten, Norden und Südosten Europas, vom totalen Luftkrieg bis hin zur Vernichtungsmaschinerie in den Konzentrationslagern, vor allem gegen die jüdische Bevölkerung – der Schrecken des Krieges, gegen das eigene Volk wie gegen die Nachbarvölker hat alles übertroffen, was bis dahin Menschen Menschen angetan hatten.

So gedenken wir heute der unzähligen Kriegsopfer und fragen nach dem Warum ihres Sterbens. Und weder Gott, Kaiser, noch Vaterland können dem, was auf den Schlachtfeldern hüben und drüben, was in den KZs und Gulags geschehen ist, einen Sinn geben. Denn der gewaltsame Tod eines Menschen hat keinen Sinn. Der Mensch soll leben, das ist seine Bestimmung, „und Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“. So hat es die erste ökumenische Vollversammlung der Kirchen nach den Schrecken des II. Weltkrieges 1948 in Amsterdam formuliert. Bürgermeister Mahlberg sagte bei der Einweihung dieses Ehrenmals 1964: „Dies soll ein Mahnmal des Friedens sein, für den kein Opfer zu groß ist.“ Dies immer wieder ins Gedächtnis zu rufen ist für mich bleibender Auftrag des Volkstrauertages, den wir heute begehen.

Und dieser Auftrag scheint in unserer Zeit wieder wichtiger zu werden denn je. Sind doch durch den 11. September 2001 neue Dimensionen weltweiter Gewaltanwendung deutlich geworden. Und fast unmerklich haben wir uns angesichts terroristischer Bedrohungen wieder daran gewöhnt, kriegerische Auseinandersetzungen und Gott und Religion zusammen zu denken oder kritiklos zuzulassen, dass solches Zusammendenken fast selbstverständlich geschieht.

So sind bekanntermaßen weite Teile der Politik des amerikanischen Präsidenten religiös motiviert; die Einteilung der Welt in ein Reich des Bösen und des Guten und der Kampf gegen das Böse wurden folgerichtig als „just and limited war“ als „gerechter Krieg“ gekennzeichnet. Fundamentalistische christliche Positionen und politischer Selbstbehauptungswillen einer Großmacht – eine gefährliche Konstellation.

Nicht anders ist es im Nahen Osten. Der Sieg der Hamas in den Palästinensergebieten hat fundamentalistische religiöse Gruppen an die Macht gebracht; nach jahrzehntelanger politischer Unterdrückung durch den Staat Israel paart sich auch hier politischer Selbstbehauptungswille mit religiösem, diesmal islamistischem Fundamentalismus.

Und Israels Antwort ist besorgniserregend. Nun sitzen auch dort religiöse Fundamentalisten von äußerst Rechts, von denen man bisher glaubte, niemand würde mit ihnen koalieren, in der Regierung. Und ein angesichts der Geschichte der Judenheit sicherlich verständlicher politischer Selbstbehauptungswille paart sich mit jüdischem Fundamentalismus.

Auch der christliche Glaube orthodoxer Prägung erlebt auf dem Balkan und im Osten eine Renaissance; er ist traditionell nationalkirchlich ausgerichtet. Wir haben erleben müssen, wie die Serbisch-orthodoxe Kirche das Morden Milosevics  auf dem Balkan legitimierte; und wir erleben zur Zeit, wie die russisch-orthodoxe Kirche die Wiedergeburt Russlands forciert, u.a. mit einer eigenen Definition der Menschenrechte. Politischer Selbstbehauptungswille eines durch den Zusammenbruch des Ostblocks gedemütigten Volkes paart sich mit orthodox-christlichem Fundamentalismus.

Unendlich könnte man diese Reihe fortsetzen, und käme vom Iran über Pakistan, Afghanistan, Darfur und den Kongo überall zu ähnlichen Ergebnissen: Statt den Weg der Aufklärung weiter zu beschreiten und Staat und Religion zu trennen, ist weltweit eine gegenläufige Tendenz zu spüren. Religiöse Legitimierung von kriegerischen Auseinandersetzungen ist schon fast die Regel geworden. Jeder spricht auf seine Weise vom „gerechten Krieg“. Für mich ein Rückfall ins Mittelalter.

Diese Tendenz geht einher mit einer anderen, die die Voraussetzung dafür ist. Nach langen Jahrzehnten, in denen auch unsere deutsche Gesellschaft weithin lebte, als ob es Gott nicht gäbe, und in denen es chic war, aus der Kirche auszutreten, erleben wir eine Renaissance des Religiösen. Der Konsum als Gott hat ausgedient, denn mehr als Alles kann es nicht geben, und die Menschen fragen neu nach Werten. Vertrauen, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit sind hoch im Kurs, auch bei jungen Menschen, wie die letzte Shell-Studie belegt. Und damit boomt auch die Nachfrage nach Religion.

Diese Entwicklung ist erfreulich, und ich wäre ein merkwürdiger Vertreter der Kirche, wenn ich darüber nicht froh wäre. Natürlich erlebe ich dankbar diese noch vor Jahren kaum für möglich gehaltene Wende im Denken der Menschen. Doch zusammen mit den anfangs beschriebenen Entwicklungen hin zur Verquickung von politischem Selbstbehauptungswillen und Religion gleich welcher Couleur gilt es auch wachsam zu sein.

Mehr noch: Der Renaissance der Rede vom „gerechten Krieg“, ursprünglich einmal erfunden zur Eindämmung von Kriegen, muss in einer weltweiten Anstrengung der Boden entzogen werden. Nicht nur, weil deutsche Soldaten rund um den Globus mitten in den genannten Krisenherden präsent sind und die Situation über Nacht eskalieren kann. Sondern vor allem, weil die ganze Welt, wenn sich nichts ändert, in eine gewalttätige globale Auseinandersetzung gerät, an deren Rand wir nach Meinung vieler ja schon stehen.

Wenn das Wort des Ökumenischen Rates von 1948 stimmt, dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein soll, dann ist es unser Auftrag, uns hierfür mit aller Kraft einzusetzen. Solcher Einsatz hat nach meinem Dafürhalten eine doppelte Zielrichtung:

Erstens: Die Religion in all ihren Spielarten muss wieder entpolitisiert werden und die Politik muss entmythologisiert, von falscher religiöser Bindung befreit werden. “Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Jesus Christus hat klare Vorgaben einer Trennung von Staat und Politik gemacht. Alle christlichen Konfessionen hatten und haben in dieser Frage große Sündenfälle zu verantworten. Umso mehr müssen sie sich heute dafür einsetzen, in erster Linie der Politik die Vernunft und der Religion den Glauben  zuzuweisen. Und zwar rund um den Erdball. Weder der Kampf gegen das Böse, gleich ob russischer, amerikanischer oder iranischer Provenienz noch erst recht der Aufruf zum Dschihad dürfen mehr politisch geduldet werden.
 
Und zweitens müssen wir endlich anfangen, statt den „gerechten Krieg“ hinzunehmen, uns um einen „gerechten Frieden“ zu bemühen. Der berühmte Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud hatte bereits vor 70 Jahren ganz klar benannt, was offenkundig zum Krieg führt: Nämlich die Ungerechtigkeit der Verteilung der Güter dieser Welt, der Teilhabe an Macht, des Zugriffs auf die Ressourcen dieser Erde.

Ein „gerechter Friede“, um den wir uns zu bemühen haben, wäre also mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg. Es wäre der Versuch, umfassend Hunger und Armut zu bekämpfen, Gesundheit und Bildung allen Menschen zugänglich zu machen, Menschenrechte nicht mehr nach Belieben machtpolitischen Interessen unterzuordnen und die gottgegebene Würde eines jeden Menschen zu achten, unabhängig von seiner Hautfarbe, Rasse oder Religion. 

Und wir müssten die Einsicht fördern, dass der Umgang mit Konflikten gelernt werden kann und Gewalt als Austragungsform von Konflikten geächtet wird. Die derzeit diskutierten und zum Teil auch in NATO-Einsätzen praktizierten Strategien von Friedenssicherung, Friedensherstellung und Friedensbewahrung – peacekeeping, peacemaking, peacebuilding – sind sinnvolle Schritte in die richtige Richtung. Aber bei weitem noch nicht genug.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Sicherlich sind wir vom Ziel eines „gerechten Friedens“ noch weit entfernt, und mancher mag den  Einsatz hierfür als Träumerei oder Utopie bezeichnen. Doch wenn wir wollen, dass unser Gedenken am Volkstrauertag einen Sinn für die Zukunft unserer Kinder haben soll, auch wenn wir wollen, dass das Heer der Toten, derer wir heute gedenken, nicht umsonst gestorben ist, dann muss uns der Volkstrauertag zur bleibenden Mahnung werden:
wir haben unsere Verantwortung gegenüber den Kriegstoten der Geschichte erst wahrgenommen, wenn wir durch Friedensarbeit eine Wiederholung der blutigen Geschichte des zwanzigsten und der übrigen Jahrhunderte verhindern und so der Menschlichkeit auf dieser Erde eine bleibende Chance geben.

Bei dem Einsatz für dieses Ziel mag uns das Wort des großen Amerikaners Benjamin Franklin eine Hilfe sein; er hat einmal gesagt, und dem ist nichts hinzuzufügen: „Es hat niemals einen guten Krieg und niemals einen schlechten Frieden gegeben.“

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Pfr. Dr. Eberhard Kenntner, Rheinbach
Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel
 

 

 

 
 

 

 

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