Auf der Suche nach dem Schatz

Trotz aller Spar- und Umstrukturierungsdebatten: Zunehmend treten Menschen – wieder – in die Kirche ein. Aus diesem Grund lud die EKD zu einem Symposium zum Thema (Wieder-) Eintritt ein. Das Motto: „Einfach eintreten?!“

„Wiedereingetretene sind ein besonderer Schatz der Kirche“, betonte Dr. Christoph Kähler, Landesbischof und stellvertretender Ratsvorsitzende der EKD, anlässlich des Symposiums zum (Wieder-)Eintritt in Düsseldorf. Doch wie wird man zum „Schatz“?

Normalerweise ist das (Wieder-)Eintreten in die Kirche bei jeder Gemeindepfarrerin, bei jedem Gemeindepfarrer möglich. Für manche Menschen ist der Gang in eine bestimmte Gemeinde zu einem speziell vereinbarten Gespräch eine zu große Hürde – auch wenn der Wunsch, wieder dazu zu gehören, vorhanden ist.

2001 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) deshalb das Konzept der „Eintrittstellen“ beschlossen. Im Zuge dessen wurden – in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der EKD – bestimmte inhaltliche und rechtliche Fragen neu bedacht. Mit dem Ergebnis: das EKD-Kirchengesetz über die Kirchenmitgliedschaft wurde geändert.

Eintreten – dafür ist nun in erster Linie der so genannte ernsthafte Wille nötig. Dieser wird in einem seelsorglichen Gespräch mit einer Pfarrerin oder einem Pfarrer bekundet. Ohne Termin, nicht in einer bestimmten Gemeinde, in mitunter ganz anderem Ambiente als einem offiziellen kirchlichen Dienstraum. So gibt es zum Beispiel in Hannover eine Wieder-Eintrittsstelle in einem christlichen Buchladen. In Köln befindet sich die Eintrittsstelle in einem zur City-Kirche gehörigen Café. Und im weitläufigen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist man mobil: der Wiedereintritts-Bus fährt vor, je nach Ort, Anlass und Gelegenheit – ganz einfach.

Das Symposium – Wichtige Fragen bleiben

Ist es wirklich so einfach? Einfach eintreten?! Das Fragezeichen im Titel war dabei bewusst gesetzt. Auch wenn sich vieles vereinfacht hat, bleiben Fragen oder stellen sich neu. Grundsätzlich ist zu bedenken: Wie niederschwellig darf es sein, das Eintritts-Angebot – damit es nicht zu einem „Billig-Angebot“ verkommt?

Die veränderten Gegebenheiten sind also auch eine Herausforderung – an die Kirche. „Es geht um eine Begegnung mit Kirche, die hoffentlich gelingt“, fasste Oberkirchenrat Rolf Sturm von der EKD die Bedeutung des Themas zusammen.

 

 

Aus der Taufe kann man nicht austreten

Nicht zu vergessen: Die Arbeit der Eintrittsstellen „schärft unsere Wahrnehmung derjenigen Menschen, die ausgetreten sind, die aber das Zeichen der Taufe als unverlierbares Zeichen der Verbundenheit mit uns tragen“, betonte Präses Schneider. „Aus der Taufe kann man nicht austreten.“ Deshalb „brauchen wir ein gezieltes Zugehen auf diese Menschen“.

Es gilt, „eine Kirche mit klarem Profil“ zu sein – denn dies findet Aufmerksamkeit bei den Menschen, die den Zugang zur Kirche neu suchen.

Ein klares Profil benötigt auch eine klare Verständigung – zum Beispiel im Gottesdienst: „Wiedereintrittsgottesdienstaufklärung“ forderte Renate Schmidt. Damit meinte sie: „Die Liturgie macht den meisten kirchenfernen Menschen eher Angst, sie wissen nicht, was sie antworten sollen, was sie singen. Die Bibel verstehen sie nicht und genauso wenig den Inhalt der Predigten.“

Zum Teil findet eine solche Aufklärung bereits statt – aber es bleibt ein weiter zu bedenkendes Beispiel dafür, wie sehr feste Gemeinschaften nur dann offen sein können, wenn sie sich immer wieder neu erklären.

Quereinsteiger-Einmisch-Möglichkeiten

Renate Schmidt wies auf einen zweiten Punkt hin: „Quereinsteigereinmischmöglichkeiten“ wünschte sie sich – und meinte damit Angebote und Mitmachmöglichkeiten für Menschen, die nicht (mehr) so viel Ahnung und deshalb Berührungsängste haben.

 

 

Ganz konkret – was ist einfach wichtig?

Die Ergebnisse der Workshops am Nachmittag regen zur Weiterarbeit an:
Ein seelsorgliches Gespräch – das sollte als Bedingung bleiben.
Auch ein Gespräch am Telefon oder ein Austausch über das Internet – zum Beispiel im Chat – könne den Charakter eines intensiven seelsorglichen Gespräches haben.

Weiter wurde im abschließenden Plenum gesagt: Der Wahl des Gespräch-Raumes sind fast keine Grenzen gesetzt. Ob Pastors-Biergarten oder mobiler Bus – Hauptsache, die Bedingungen sind vertraulich und angemessen.

Dann ist die Kontaktaufnahme der zuständigen Ortsgemeinde ein weiterer Schritt – ohne den Wiedereingetretenen direkt zu vereinnahmen.
Mehr Mut zur Information sei gefragt: entweder ganz praktisch in Form von Informationsmaterialien im Sinne von „Evangelisch auf 5 Seiten“ oder in Form von Glaubenskursen oder Gottesdiensten mit Tauferneuerung.

Juristisch bleibt zu überlegen, ob es nicht EKD-weite Standards geben müsse, nicht zuletzt was das seelsorgliche Gespräch angeht.
Für Internet- und Telefonangebote ist außerdem die Frage der Identifikation zu klären.

Eindeutige Tendenz

Der Saldo sei zwar noch negativ, aber die Tendenz sei eindeutig, erklärte Präses Schneider. Von 2001 bis 2005 ist die jährliche Zahl der Aufnahmen in der rheinischen Landeskirche von 6.600 auf 7.700 gestiegen. Im gleichen Zeitraum fiel die Zahl der Austritte pro Jahr von 20.000 auf 14.000. 18 Eintrittsstellen gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland, 120 im Raum der EKD.

 

 
18 Eintrittsstellen zwischen Aachen und Wuppertal
Im Wortlaut: die Rede von Renate Schmidt
Im Wortlaut: die Begrüßung von Präses Schneider
evangelisch.info
 

 

mai / 02.11.2006

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 02. November 2006