Vielfalt und Gemeinschaft stärken

Im Gottesdienst eingeführt: Claudia Müller-Bück. Foto: Uta Garbisch

Das Staffelholz ist übergeben: In einem festlichen Gottesdienst übernahm Claudia Müller-Bück das Amt der Superintendentin von ihrem Vorgänger Mathias Mölleken. Der rheinische Präses Thorsten Latzel führte die Theologin Christi Himmelfahrt in ihr Amt ein, nachdem er Mölleken entpflichtet hatte.

In ihrer Predigt über das Petrusbekenntnis erinnerte Claudia Müller-Bück daran, dass alle Christinnen und Christen befähigt sind, „die Worte ewigen Lebens in die Welt weiterzugeben auf unsere je eigene Weise“. Dies geschehe in Schule, Krankenhaus, Notfallseelsorge, in Gemeinden, Gesprächen oder digitalen Kontexten. Die Kirche sei mitten in Veränderungen, viele wendeten sich ab. „Wir müssen neue Wege finden, Menschen zu erreichen.“ Als Superintendentin ist es ihr wichtig, die Vielfalt und die Gemeinschaft zu stärken. Dazu gehöre auch auszuhalten, dass andere die Botschaft anders unter die Leute bringen als sie. „Denn wir brauche einander: Für das Leben – gegen den Tod.“

Claudia Müller-Bück mit „ihrem“ Staffelstab, Präses Thorsten Latzel (links, im geliehenen Talar), Mathias Mölleken und Gregor Weichsel. Foto: Uta Garbisch

Präses Thorsten Latzel hatte zwar seinen Talar vergessen, dafür aber ein Staffelholz mitgebracht. Der Wechsel im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel geschehe quasi „in vollem Lauf“, da Müller-Bück bereits Skriba sei. Latzel erinnerte daran, dass er unter anderem im Kontext der Flutkatastrophe mehrfach in Swisttal war. Die Seelsorgerin könne nun ihre besondere Arbeit in neuer Form fortsetzen.

Als erste Amtshandlung übernahm Claudia Müller-Bück die Einführung von Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen. Er ist nun als Skriba zweiter Stellvertreter der Superintendentin. Entpflichtet wurde der Euskirchener Pfarrer Edgar Hoffmann als zweiter stellvertretender Skriba.

Gregor Weichsel ist der neue Skriba. Foto: Uta Garbisch

Claudia Müller-Bück (47) ist die erste Frau an der Spitze des Kirchenkreises und steht für einen Generationenwechsel im Kreissynodalvorstand. Die Theologin seit 2015 Skriba und gehört dem Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes Bonn und Region an. Seit 13 Jahren arbeitet sie als Pfarrerin in Swisttal.

Nach dem Gottesdienst, der trotz seiner kurzfristigen Verlegung sehr gut besucht war, fand auf dem Gelände vor der Maria-Magdalena-Kirche ein Empfang statt. In einem kurzen Grußwort dankte Mathias Mölleken sich für die Solidarität und das Miteinander im Kirchenkreis. Seiner Nachfolgerin wünschte er „die Unterstützung und Wertschätzung, die ich erlebt habe“.

Weitere Grußworte kamen von Leo Wolter, stellvertretener Landrat in Euskirchen, und in schriftlicher Form von der Swisttaler Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner. An Sieg und Rhein – Superintendentin Almut van Niekerk und der Bonner Assessor Uwe Grieser sprachen im Namen der Nachbarkirchenkreise. Glückwünsche und Dank überbrachten außerdem Pfarrer Ulrich Zumbusch (Zülpich) im Namen der der dortigen „Oberland“-Gemeinden, Andrea Effelsberg vom Swisttaler Presbyterium, der Bonner Diakonie-Chef Ulrich Hamacher, Elisabeth Bockhorst vom Förderverein der Maria-Magdalena-Kirche und Gerlinde Habenicht im Namen des Kreissynodalvorstandes.

Ein Teamplayer mit Profil

Geht in Ruhestand: Mathias Mölleken. Foto: Meike Böschemeyer

Gut sieben Jahre Superintendent, 22 Jahre Pfarrer in Meckenheim: zum 1. Juni geht Mathias Mölleken in Ruhestand. Seine Pläne? „Kirchlich werde ich mich jetzt für ein Jahr asketisch verhalten“, schmunzelt der Theologe. Das war lange Zeit ganz anders.

Die große Reformationsgala „Luther teuflisch gut“ im Telekom Dome mit jahrelanger Vorbereitung und die Sanierung der kreiskirchlichen Jugendbildungsstätte Merzbach fallen in seine Amtszeit als Superintendent. „Das war nur möglich, weil es viele gemacht haben“, sagt der Teamplayer. Und es freut Mölleken, dass Bad Godesberg-Voreifel auch deswegen als lebendiger Kirchenkreis wahrgenommen werde. Ein Kirchenkreis, der den Gemeinden vieles ermöglicht, Freiräume lässt und wo die Solidarität zwischen finanziell gebenden und nehmenden Gemeinden gewachsen ist. Seiner Nachfolgerin Claudia Müller-Bück wünscht er die Unterstützung und das Wohlwollen, das er selbst erfahren hat.

Profil zeigen, Stachel bleiben

Natürlich erzeugen manche Prozesse wie die Diskussion um die landeskirchenweite Kirchensteuerverteilung auch „Reibungsverluste“. Corona, die Flut und schließlich der Ukrainekrieg seien Ereignisse, die „uns auch als Kirche herausfordern“. Aber Profil zeigen, Stachel bleiben, gegen den Strom schwimmen müsse der Auftrag von Kirche sein. „Ein Satz, den ich auch am Anfang meines Berufslebens hätte sagen können.“

„Du gehst jetzt mal da rein“

Der Anfang, der war 1987 in Duisburg-Rheinhausen. Als junger Pfarrer war Mathias Mölleken mittendrin im Arbeitskampf um die Schließung eines dortigen Krupp-Stahlwerks. „Du gehst jetzt mal da rein“, gab ihm der spätere Präses Nikolaus Schneider auf, damals Diakoniepfarrer und Superintendent. „Das war eine völlig neue Herausforderung, aber auch sehr beeindruckend“, erinnert sich Mölleken.

Ökumenisch und mit fantasievollen Aktionsformen stemmte sich der Duisburger Westen gegen den Stellenabbau des Konzerns. Zusammen mit nicht-kirchlichen Partnern entstand dort ein Kriseninterventionszentrum, das soziale Hilfe unabhängig von der Religion anbot und auch Kulturangebote verantwortete. In der Kirchengemeinde etablierte sich eine ehrenamtlich verantwortete Jugendarbeit und eine große Kindermusical-Aktion, zu der Gitarrenspieler Mölleken bis heute Kontakt pflegt. So wurden aus dem eigentlichen Plan, fünf Jahre in Duisburg zu bleiben, 13. „Aber es tut mal ganz gut wegzugehen“.

Wechsel in ein junges Pfarrteam

Der Wechsel kam 2000 nach Meckenheim. Innerhalb eines Jahres wurden dort alle drei Pfarrstellen neu besetzt. Das junge Pfarrteam mit Angelika Zädow und Ingeborg Dahl verstand sich wirklich gut als eine Kirchengemeinde mit bezirksübergreifenden Projekten, so Mölleken. An „seiner“ Christuskirche waren Kinder und Jugendliche als Schwerpunkt angedockt. In guter Erinnerung sind viele Konfi-Projekte oder auch Musicals und Rockkonzerte, die im Rahmen der Meckenheimer Kulturtage organisiert wurden. Ein weiterer Schwerpunkt war die Partnerschaftsarbeit mit Saldus in Lettland mit vielen persönlichen Kontakten und Besuchen.

„Du hast doch jetzt mehr Zeit“

Dass Musik in diesem Werdegang eine Rolle spielt, wird sich sicher auch im Ruhestand zeigen. Mathias Mölleken besitzt aktuell 13 Gitarren. Von einigen will er sich trennen, aber eine neue ist schon im Blick. Mit Hilfe eines Kölner Gitarrenbauers will er diese selbst bauen. Und sein Gitarrenspiel weiterentwickeln. Mit seiner Frau Gertrud steht „ein bisschen mehr Reisen“ auf dem Programm. Seinen Sohn Tobias, Pfarrer in Bad Godesberg, will er unter anderem bei Kleinkunst-Projekten im technischen Bereich unterstützen. Überhaupt, die Familie. Die drei erwachsenen Kinder leben mit ihren Familien mit insgesamt neun Enkeln alle in Meckenheim. „Du hast doch jetzt mehr Zeit“, heißt es gerne, wenn Erledigungen an den Ruheständler delegiert werden sollen.

Zwei Termine zum Abschied

Mathias Mölleken, geboren 1957, stammt vom Niederrhein. Er studierte in Bonn und Göttingen. Sein Vikariat absolvierte der Seelsorger in Bad Honnef, den Probedienst in Siegburg. Bevor er 2015 Superintendent wurde, war er als Assessor vier Jahre stellvertretender Superintendent.

Der Gottesdienst mit der Entpflichtung des Superintendenten durch Präses Thorsten Latzel beginnt am Donnerstag, 26. Mai 2022, um 16 Uhr in der Maria-Magdalena-Kirche, Sebastianusweg 5-7, in Swisttal-Heimerzheim.

Als Gemeindepfarrer verabschiedet sich Mölleken im Gottesdienst am Pfingstsonntag, 5. Juni 2022. Beginn ist um 10 Uhr in der Christuskirche, Dechant-Kreiten-Straße 35.

Erstmals eine Frau an der Spitze

Die neue Superintendentin des Kirchenkreises, Pfarrerin Claudia Müller-Bück (rechts), und ihr Gegenkandidat, Pfarrer Knut Dahl-Ruddies, vor der Jungholz-Halle in Meckenheim, des Tagungsortes der Kirchenkreissynode. Foto: Wolfgang Thielmann

Der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel hat sein höchstes Führungsamt neu besetzt. Seine Synode wählte Pfarrerin Claudia Müller-Bück aus Swisttal am 2. April 2022 in Meckenheim mit 38 von 71 Stimmen zur neuen Superintendentin und damit zur ersten Frau an der Spitze des Kirchenkreises seit seiner Gründung 1968. Die 47-jährige folgt auf Pfarrer Mathias Mölleken (Meckenheim), der Ende Mai in den Ruhestand geht. Am 20. Mai wird sie in ihre sechsjährige Amtszeit eingeführt. Schon bisher war Müller-Bück als Skriba (Schriftführerin) zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Ihr Gegenkandidat, der Euskirchener Gefängnispfarrer Knut-Dahl-Ruddies, erhielt 33 Stimmen.

Vor der Synode rief Müller-Bück zur Zuversicht auch bei zurückgehenden Zahlen auf. Es gelte, aufzubrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Theologen und Nichttheologen zu finden. „Unser Glaube ist von Anfang an mit Aufbruch und Neubeginn verbunden“, sagte sie. Zudem müsse sich die Kirche an die Seite der Leidenden und Schwachen stellen. Bei der Flut im Juli 2021 habe sie erfahren, wie viel Kraft ihr die Hoffnung gegeben habe. Müller-Bück hatte in der Katastrophe Hilfsangebote aufgebaut und gehört seither zum Mobilen Fluthilfeteam ihrer Region. Sie sehe ihre Aufgabe darin, Menschen zu gewinnen und zu verbinden.

Frisch gewählt: Kathrin Müller (2.v.l.) und Gregor Weichsel (5.v.r.) mit Claudia Müller-Bück und Mitgliedern des KSV, darunter rechts Superintendent Mathias Mölleken. Foto: Wolfgang Thielmann

Als neuer Skriba wurde der Euskirchener Pfarrer Gregor Weichsel gewählt. Auf die Stelle der zweiten Stellvertretung des oder der Skriba wählte die Synode die Wachtberger Pfarrerin Kathrin Müller. Der bisherige zweite Stellvertreter, Pfarrer Edgar Hoffmann aus Euskirchen, gibt das Amt wegen seines Ruhestandes auf.

Als eine der 37 Superintendentinnen und Superintendenten der Evangelischen Kirche im Rheinland repräsentiert Müller-Bück die mittlere Ebene zwischen der Landeskirche und den Gemeinden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel umfasst 13 Gemeinden zwischen Zülpich und Bonn-Bad Godesberg mit knapp 50.000 Mitgliedern.

Krieg in der Ukraine: Ein „menschenverachtender Gewaltakt“

Einstimmig verurteilte die Synode in einer Stellungnahme den „russischen Angriffskrieg auf die Ukraine“ als einen „menschenverachtender Gewaltakt“. Sie bekundete Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und äußerte sich beeindruckt von Menschen in Russland, die sich trotz Verhaftungen und Misshandlungen gegen den Krieg stellten. Sie hieß Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland willkommen. Die Kirchengemeinden setzten sich ein „für ein friedliches Miteinander von russischen und ukrainischen Menschen in unserer Gesellschaft.“

Sexuelle Gewalt: Flächendeckendes Schutzkonzept kommt

Die 71 Synodalen beschlossen zudem ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt. Darin werden der Kirchenkreis, seine 13 Gemeinden und seine Einrichtungen verpflichtet, Schutzkonzepte zu erstellen und alle Mitarbeitenden zu schulen. Als Vertrauenspersonen wurden die Frauenbeauftragte des Kirchenkreises, Sabine Cornelissen, und der Jugendreferent Rainer Steinbrecher berufen. Der Beschluss geht auf ein Gesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2021 zurück, nach dem der Schutz flächendeckend sichergestellt werden muss. Der Kirchenkreis hatte schon 2014 ein Vorbeugekonzept unter dem Titel „Klarer sehen“ verabschiedet. Vor der Synode erklärte Kirchenrätin Iris Döring (Düsseldorf), neben der Aufklärung von Taten müssten überall klare Verfahren und Zuständigkeiten aufgebaut werden. Nach dem Konzept sollen die Leitungen aller Kirchengemeinden Arbeitsgruppen berufen, die eine Risikoanalyse sowie eine Liste aller Beteiligten erstellen, sodass der Kirchenkreis den Schulungsbedarf einschätzen kann.

Das Klima schonen: Kirchen werden treibhausgasneutral umgerüstet

Im Rahmen eines Klimaschutzprogramms beauftragten die Synodalen den Kreissynodalvorstand, eine Bedarfsplanung für Gebäude im Kirchenkreis vorzubereiten. Nach einem Beschluss der Landeskirche soll in den nächsten fünf Jahren in allen Gemeinden entschieden werden, welche Gebäude langfristig nötig sind. Diese sollen treibhausgasneutral modernisiert werden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel will die Gemeinden dabei unterstützen. Zudem sind alle Ebenen verpflichtet, Heizungen zu optimieren und Ökostrom zu beziehen. Der Bonner Verbraucherberater Reinhard Loch zeigte auf der Synode Wege zu einem Energiemanagement für Kirchengemeinden. Er plädierte dafür, nicht die Wirtschaftlichkeit zum Maßstab zu machen, sondern „die erzielte Wegstrecke zum Ziel der Klimaneutralität“. Das habe Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Der landeskirchliche Klimamananager Waldemar Schutzki (Altenkirchen) stellte Vorzeigeprojekte auf dem Gebiet der rheinischen Kirche vor. Eins davon liegt im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel: Die Evangelische Friedenskirche in Meckenheim wird seit 2010 mit Erdwärme beheizt.

Wolfgang Thielmann

Den Krieg verurteilt

Foto: unsplash/Tina Hartung

Einstimmig hat die Synode den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verurteilt. Hier der Wortlaut:

Stellungnahme der Synode des
Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg – Voreifel
zum Angriffskrieg in der Ukraine

Wir verurteilen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine; es ist ein grausamer und menschenverachtender Gewaltakt.

Dieser Krieg stellt die Friedensordnung in Europa radikal in Frage.

Wir unterstützen Demonstrationen für den Frieden und rufen zu Friedensgebeten auf.

Wir bekunden unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und wir fühlen mit den verängstigten Menschen in unseren Nachbarländern.

Wir sind beeindruckt von den Menschen in Russland, die sich trotz Verhaftung und Misshandlung gegen den Krieg stellen.

Wir heißen die Menschen aus der Ukraine, die bei uns Schutz suchen, willkommen.

Wir setzen uns ein für ein friedliches Miteinander von russischen und ukrainischen Menschen in unserer Kirche und Gesellschaft.

 Meckenheim, den 2. April 2022

 Pfarrer Mathias Mölleken

-Superintendent-

Kann ich vergeben?

Aktuelle Ausgabe des PROtestant erschienen: Können Menschen vergeben? Wo sind die Grenzen? Wo sind die Chancen? Das fragt die aktuelle Ausgabe der Zeitung PROtestant im Blick auf Ostern nach zwei Jahren Pandemie und den Krieg in der Ukraine vor Augen.

Therapeuten, Pfarrerinnen und Pfarrer, Menschen mit bedrückenden Erfahrungen kommen zu Wort und zeigen: Vergebung lässt sich nicht erzwingen. Vergebung ist immer ein Geschenk. Sie kann dem, der vergibt, Freiheit und lebenswichtigen Abstand schenken, sie kann aber nie eingefordert werden. Und manchmal ist sie gar nicht möglich. Zum Beispiel nach sexuellem Missbrauch.

PROtestant zeigt auch: Vergebung ist nicht nur ein privates Thema. Die Gesellschaft, die politische Kultur braucht neue Räume für Vergebung. Denn keiner ist perfekt und viele Entscheidungen sind zunehmend komplexer. Voraussetzung sind aber „schonungslose Aufklärung und dass wir Tat und Täter klar benennen“, erklärt Superintendent Mathias Mölleken und warnt: „Es darf nicht um billige Vertröstung gehen.“ Wie vielschichtig das Thema ist, zeigt auch ein Besuch im Gefängnis und das Gespräch mit dem Pfarrer in der Rheinbacher JVA Hans-Christian Heine über ein Leben ohne die Aussicht auf Vergebung und Täter, die sich selbst auch als Opfer fühlen.

Bonner Astronautin Insa Thiele-Eich im Prominenten-Fragebogen: Meine Mission

Neben dem Schwerpunktthema gibt die angehende Astronautin, die Bonnerin Insa Thiele-Eich, im PROtestant-Fragebogen sehr persönlich Einblick in ihre Vorstellungen von Gott und der Welt und ihre „Weltraummission“ – und sie ist überzeigt, dass Jesus heute Klimaaktivist wäre. Auch sehr berührend erzählt PROtestant neun Monate nach der Hochwasserkatastrophe die Geschichte eines Helfers über Leben und Tod und wie sie bis heute nachwirkt.

Die Zeitung PROtestant erscheint drei Mal im Jahr mit einer Auflage von 6.300 Exemplaren und richtet sich an Multiplikatoren vor allem in Bonn und der Region. Sie kann kostenlos bezogen werden: Evangelischer Kirchenkreis Bonn, Adenauerallee 37, 53113 Bonn (Tel.: 0228 / 6880 300, presse@bonn-evangelisch.de). Herausgeber sind die Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bonn sowie Bad Godesberg-Voreifel.

Die Printausgabe erscheint in der Woche ab dem 4. April 2022.

PROtestant online zum Nachlesen hier: PRO_74_Layout_klein

und immer auf: www.protestant-bonn.de

Text: J. Gerhardt

Superintendentenwahl, Schutzkonzept und Klimaschutz

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken am 31. Mai in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, ist also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mathias Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Seine Nachfolgerin beziehungsweise sein Nachfolger übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028. Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen. Die Wahlen sind nach der Mittagspause ab 13.15 Uhr vorgesehen.

Neues Konzept gegen sexualisierte Gewalt

Am Vormittag stehen die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit im Vordergrund. Kirchenkreise, Gemeinden und Einrichtungen sind verpflichtet, Schutzkonzepte zu erstellen und Mitarbeitende flächendeckend zu schulen. Ein seit 2021 geltendes Kirchengesetz erweitert die bisherigen Bemühungen, sexualisierter Gewalt präventiv konzeptionell entgegenzuwirken. Hierzu hatte die Kreissynode bereits 2014 das Präventionskonzept „Klarer sehen“ für den Kinder- und Jugendbereich beschlossen. Das neue Konzept schafft eine Grundlage für das Erkennen dieser Gewaltform und eine systematische Prävention, die Kinder und Jugendliche, aber auch alle anderen Menschen innerhalb der Kirche vor der Verletzung ihrer sexuellen Selbstbestimmung schützen soll. Landeskirchenrätin Iris Döring wird in das Thema einführen. Als Vertrauenspersonen im Sinne des Konzeptes schlägt der KSV die Frauenbeauftragte und den Jugendreferenten des Kirchenkreises, Sabine Cornelissen und Rainer Steinbrecher, vor.

Viel weniger Treibhausgase

Die rheinische Landessynode 2022 hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche bis spätestens 2027 entscheiden sollen, welche ihrer Gebäude sie langfristig noch benötigen. Diese Gebäude sollen bis 2035 „treibhausgasneutral“ ertüchtigt werden. Um Treibhausgasemissionen kurzfristig zu senken, sind alle kirchlichen Ebenen verpflichtet, ihre Heizungen zu optimieren und auf zertifizierten Öko-Strom umzustellen. Dr. Reinhard Loch, Physiker und langjähriger Energieberater, und der landeskirchliche Klimaschutzmanager Waldemar Schutzki werden dazu einen Impulsvorträge halten. Ihr gemeinsames Thema: Was machen wir mit den Liegenschaften im Hinblick auf Stromverbrauch und Wärmeverbrauch?

Die Synode ist öffentlich und beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Das Ende ist gegen 16.30 Uhr geplant. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel. Zugang erhält nur, wer vollständig geimpft, genesen oder getestet ist. Alle müssen zusätzlich einen aktuellen, maximal 24 Stunden alten Testnachweis vorlegen. Alle Nachweise werden beim Einlass zusammen mit einem Ausweis kontrolliert.

Synode wählt neue Leitung

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken zum 1. Juni in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Sein:e Nachfolger:in übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028.
Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen.

Neben den Wahlen sind für die Synode die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit geplant.

Die Synode beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel.

Nach der Flut

Engagiert für Betroffene: Das Mobile Fluthilfe-Team Voreifel mit Claudia Müller-Bück, Marion Schäfer und Ulrich T. Christenn (links). Foto: Uta Garbisch

Diakonische Konferenz am 2. März 2022: Gemeinsam diakonisch wirken vor Ort ist das Thema. Für die Menschen im Gebiet der Hochwasserkatastrophe vom 14. Juli  2021 war nach dieser Nacht nichts mehr so, wie es vorher war. Seitdem sind Ehrenamtliche, Kirchen- und Kommunalgemeinden, Diakonie und ihre Katastrophenhilfe und etliche andere Akteure vor Ort aktiv, um den Wiederaufbau – den baulichen, den seelsorglichen und den psychisch-sozialen Wiederaufbau – gemeinsam zu leisten.

In der 21. Diakonischen Konferenz, traditionell an Aschermittwoch, nehmen sich die Veranstalter Zeit, zu reflektieren und die aktuelle Situation sowie die Zusammenarbeit vor Ort genau anzuschauen. Pfarrer Ulrich T. Christenn von der Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe wird in seinem Impulsvortrag aus der Perspektive einer großen Hilfsorganisation, die vor Ort aktiv ist, auf das Thema blicken. Er betrachtet diese Flutkatastrophe auch im Kontext mit anderen Krisen und bezieht den Klimawandel in seine Erörterungen ein. Anschließend besteht Gelegenheit, ebenfalls virtuell, an einer Arbeitsgruppe teilzunehmen, um das Thema zu vertiefen.

Zurück im Plenum spricht Superintendent Mathias Mölleken und leitet über in den informellen Teil des Abends. Hier ist der digitale Austausch in kleinen Räumen möglich.

Die Diakonische Konferenz am Mittwoch, 2. März 2022, beginnt ab 17 Uhr per Zoom.

Eine Anmeldung ist per E-Mail für die Konferenz (und bei Bedarf für eine Technik-Probe am 1. März um 17 Uhr) ist erforderlich und ist zu richten an: veranstaltung@dw-bonn.de.

EB

Landessynode 2022: Eindrücke

Die Landessynodalen Melina Wolf (von rechts), Mathias Mölleken, Knut Dahl-Ruddies und Frank Bartholomeyczik. Foto: Ingeborg Dahl

Superintendent Mathias Mölleken schildert Eindrücke und Ergebnisse:

Digital, die zweite!

Auch die 75. Synode unserer rheinischen Landeskirche musste ausschließlich online stattfinden. Dabei wäre besonders zum Schwerpunktthema „Seelsorge“ der persönliche Austausch naheliegend gewesen. Doch Corona ließ nicht zu, dass sich über 200 Menschen über fünf Tage direkt begegnen. Aus der Not eine Tugend zu machen, hieß für die vier Godesberg-Voreifler Landessynodalen, dass wir uns zeitweise – natürlich coronagerecht – im Gemeindehaus in Meckenheim getroffen haben, um im Austausch an der Synode teilzunehmen.

Im kleinsten Kreis und doch zugleich live verbunden, haben wir Gottesdienst gefeiert und uns auf das große Handlungs- und Aufgabenfeld kirchlicher und gemeindlicher Seelsorge einstimmen zu lassen: Seelsorge ist „Muttersprache der Kirche“. Über alle Tage wurde über die vielfältige Arbeit eindrücklich berichtet. Es führte zu einer erneuten Vergewisserung der Seelsorgearbeit als wesentliche Kernaufgabe. Dies bestätigten vor allem auch die vielen Einsätze der Notfallseelsorge und anderer Dienste, die durch die Flutkatastrophe nötig, aber auch möglich wurden.

Besonders hat mich das sehr persönliche Grußwort des NRW-Innenministers Herbert Reul bewegt, der durch seine Nähe zur Polizei und ihren Aufgaben die enorme Unterstützung durch die Polizeiseelsorge bestätigte. Ich mache auf acht Videoclips aufmerksam, die die verschiedenen Handlungsfelder durch Erfahrungsberichte nachhaltig ins Bewusstsein bringen: #seelsorgeistda – Video-Playlist: Facetten der Seelsorge.

Ein Weckruf

Der neue Präses Thorsten Latzel leitete souverän die Synode und machte deutlich, dass sich die Kirchenleitung nicht als Verwaltungsapparat versteht, sondern sich auch inhaltlich und steuernd im Sinne einer Kirche der Zukunft einbringt. Das Zukunftspapier E.K.I.R. – 2030 lädt die Gemeinden mit zugespitzten Impulsen zur intensiven Neuausrichtung kirchlicher und gemeindlicher Arbeit ein. Thorsten Latzel formuliert die Grundzüge protestantischen Lebens in Zeiten des Umbruchs wie folgt: Menschen offen, liebevoll begegnen. Trotzig und getrost auf Gott hoffen und unsere Zukunftsaufgaben mutig gestalten.

Ein Weckruf, der zum Innehalten, dann aber zum wirksamen Handeln aufruft, was sehr eng an die biblische Tradition und christliches Bekenntnis gebunden sein muss.

Ich erwarte hier durchaus kontroverse Diskussionen!

Bis 2035 treibhausgasneutral

Die intensive Ausschussarbeit ist für alle Synodalen anstrengend, führt mit den Diskussionen im Plenum als presbyterial-synodale Kirche zu gemeinsam getragenen Beschlüssen und Äußerungen als Rheinische Kirche.

Gerungen wurde um die Zielfestlegung bis 2035 treibhausgasneutral in allen Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und der Landeskirche zu werden. Damit werden Entscheidungen über tatsächlich noch benötigte Gebäude fällig, eine kritische Analyse der Energieversorgung und Umstellungen und Verhaltensveränderungen, die eine Akzeptanz für alle nötigen Anstrengungen erfordert. Und entsprechende Finanzplanung, denn unsere Kirche wird in diesen Jahren deutlich kleiner. Aus einem Finanzüberschuss des landeskirchlichen Haushalts sollen zunächst drei Millionen Euro für die Umsetzung erster Maßnahmen aufgebracht werden. Strittig und (noch) abgewendet wurde die Einführung einer neuen Finanzumlage auf alle Gemeinden. Allerdings ist allen klar, hier glaubwürdig Position zu beziehen, wird nur mit entsprechender Bereitschaft und Bereitstellung von finanziellen Mitteln funktionieren. Eine große Aufgabe steht hier zusätzlich bevor! Doch es eilt – entsprechend des Aufrufes der EKD-Synode zum Klimaschutzkonzept: „Die Zeit ist jetzt!“

Solidarität und Frieden

Wiederholt wurde die Position der Landessynode zum Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen sowie die Forderung nach Aufnahme von Geflüchteten eindringlich bestätigt.

Ein Statement der Besorgnis, verbunden mit dem dringenden Aufruf zum Frieden und zur Versöhnung wurde von der Landessynode im Blick auf den aktuellen Russland-Ukraine-Konflikt verabschiedet. Entsprechend fand die Synode nach Behandlung des Themas zu einem eindrücklichen Friedensgebet von der Kölner Pfarrerin Miriam Haseleu zusammen.

Dazu passte auch eine deutliche Solidaritätsnote der rheinischen Kirche zugunsten der westfälischen Pfarrerin Melanie Jansen, gegen die mehrere Morddrohungen bekannt wurden. Sie organisiert wöchentliche Friedengebete und gedenkt dabei der Opfer der Corona-Pandemie.

In Zukunft auch digital wählen

Eine wichtige Veränderung der Kirchenordnung wurde entschieden. Ab der nächsten Presbyteriumswahl 2024 besteht endlich eine digitale Möglichkeit, an der Wahl des gemeindlichen Leitungsgremiums teilzunehmen.

Glückwünsche an Wibke Janssen

Dr. Wibke Janssen wurde zum hauptamtlichen Mitglied der Kirchenleitung gewählt. Foto: Moritz Helpap/ekir.de

Zum Schluss: Im Namen unseres Kirchenkreises gratuliere ich der Bonner Skriba, Pfarrerin Dr. Wibke Janssen, herzlich. Sie wurde mit großer Mehrheit zur Oberkirchenrätin und Leiterin der Abteilung 1 „Theologie und Ökumene“ gewählt. Sie folgt im August Pfarrerin Barbara Rudolph, die in den Ruhestand geht. Verantwortung für unsere Kirche braucht immer das Gesicht von Menschen – am besten derjenigen, die man bereits näher kennt und regional vertraut sind.

Alles Gute, Gottes Segen und auf gute Zusammenarbeit, liebe Wibke Janssen!

Tatsächlich – „Protestantisch leben in Zeiten des Umbruchs“. Aber sicher nicht ohne die Bitte um Gottes Segen, der uns Wege zeigt und erkennen lässt!

Weitere Themen und Einschätzungen finden sich im Netz auf der EKiR-Seite unter synode.info.

Herbstsynode in Meckenheimer Jungholzhalle

Wieder präsent, aber mit viel Abstand: Die Synode tagt diesmal in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Screenshot

Der Jahresbericht des Superintendenten, der künftige Umfang dieses Amtes sowie Finanzen und Haushalt sind die Hauptthemen der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Die Synode trifft sich am Samstag, 6. November, in Meckenheim unter 3G-Regeln.

Die Synode beginnt mit dem jährlichen Bericht des Superintendenten, den diesmal sein Stellvertreter Norbert Waschk für den erkrankten Mathias Mölleken halten wird. Danach folgt eine Aussprache. Nach der Mittagspause geht es weiter mit dem Haushaltsplan für die Jahre 2022/23, Wahlen und dem Thema Superintendentenamt.

Die letzte Synode hatte die Beschlussfassung über den Dienstumfang des weiterhin nebenamtlichen Superintendentenamtes vertagt. Zwar kann das Amt grundsätzlich nur als 100-prozentige Pfarrstelle ausgeübt werden. Die Frage, ob ein Teil des Dienstes im gemeindlichen Pfarrdienst oder in der ursprünglichen Pfarrstelle geleistet wird und wie groß dieser Anteil ist, wird jedoch über den Dienstumfang der Entlastungspfarrstelle geregelt. Eine verbindliche Festlegung über deren Umfang wird erst im Zusammenhang mit einer Wahl entschieden, da diese auch vom bisherigen Dienstumfang der zu wählenden Person abhängt. Nun werden die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden jedoch entscheiden, ob sie eine Erhöhung von 75 auf 100 Prozent beabsichtigen.

Die Tagung beginnt am Samstag, 6. November 2021, um 9 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Friedenskirche Meckenheim, Kurt-Schumacher-Straße 22.

Um 10.25 Uhr beginnen die Verhandlungen der Kreissynode in der Meckenheimer Jungholzhalle, Siebengebirgsring 4. Das Ende ist gegen 16 Uhr geplant.

Für die Synode gilt die 3G-Regel: Zugang erhält nur, wer vollständig geimpft, genesen oder getestet ist. Entsprechende Nachweise werden beim Einlass zusammen mit einem Ausweis kontrolliert. Ein Zugang ohne Nachweis ist aufgrund der Pflicht zur Nachverfolgbarkeit nicht möglich.

Viele Spenden von überall

Unter angespültem Kies fast begraben: eine Rose in Euskirchen. Für Pfarrer Gregor Weichsel (Foto) auch Sinnbild für Hoffnung.

Sofort-Hilfe Unwetterkatastrophe im Kirchenkreis zieht erste Bilanz: Mal sind es Gefangene der JVA Rheinbach, eine evangelische Grundschule in Magdeburg, dann wieder die Elternschaft des Amos-Comenius-Gymnasiums in Bad Godesberg: Alle sind sie dem Spendenaufruf des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel für besonders von der Unwetterkatastrophe Betroffene gefolgt. Am 16. Juli hatten Superintendent Mathias Mölleken und sein Stellvertreter Norbert Waschk zu Spenden aufgerufen. Ihr Tenor: „Die Not ist riesig“.

Auch der Kirchenkreis selbst stattete den Soforthilfe-Fonds mit 30.000 Euro aus eigenen Mitteln aus. Kurz darauf fuhr Mölleken, der auch Meckenheimer Pfarrer ist, persönlich in die betroffenen Kirchengemeinden. Im Gepäck hatte er einen Umschlag mit 16.000 Euro Bargeld, damit die Pfarrerinnen und Pfarrer in Orten wie Swisttal, Rheinbach oder Meckenheim den Betroffenen schnell und unbürokratisch mit Geld helfen konnten. Wo Banken noch funktionierten, wurde überweisen.

„Viel Kraft“ und „Wir beten für Euch“

Nach aktuellem Stand sind zusätzliche 70.000 Euro Spenden zusammengekommen. Einige der Spenderinnen und Spender vermerkten im Verwendungszweck noch gute Wünsche: „Viel Kraft“ oder „Wir beten für Euch“ steht dort. Auch wenn die meisten Spenden aus der Region kommen, gespendet wurde bundesweit – von Hamburg bis Bayern. Die Zahlstelle der Justizvollzugsanstalt Rheinbach tätigte Überweisungen für etliche ihrer Insassen. Darunter sind viele, die selbst über Erfahrungen mit Flucht, Migration oder Obdachlosigkeit verfügen, so JVA-Pfarrer Hans-Christian Heine. Schulen haben in ihren Abschlussgottesdiensten gesammelt. Oder der hiesige evangelische Posaunenchor. Selbst in Tansania, der North-Western Diocese der ELCT, Bukoba, und dem Krankenhaus Ndolage wurde die Kollekte umgewidmet. Groß ist die Unterstützung aus Potsdam. Der Evangelische Kirchenkreis überwies allein 10.000 Euro. Die dortige Superintendentin Angelika Zädow, selbst viele Jahre Pfarrerin in Meckenheim, hatte überdies zu weiteren Spenden aufgerufen.

„Aber egal, ob ein kleiner oder großer Betrag, jede Hilfe ist willkommen. Wir sind sehr dankbar dafür“, unterstreicht Superintendent Mathias Mölleken. Diese Hilfsbereitschaft sei ebenso wie die tatkräftige Unterstützung der vielen Helferinnen und Helfer vor Ort ein Zeichen großartiger Solidarität und praktischer Nächstenliebe. „Diese Unterstützung lässt mich hoffen, dass wir als Gesellschaft auch andere Probleme wie die Klimakrise bewältigen können – wenn wir nur wollen.“

Besondere Härtefälle werden weiterhin unterstützt. Dafür stehen auch die Diakonie und die Kirchengemeinden bereit. Das noch übrige Geld aus dem Hilfsfonds Unwetterkatastrophe soll in ein Gesamtkonzept einfließen. Wo Versicherungen und staatliche Hilfen nicht greifen, will der Kirchenkreis einspringen, auch in Zusammenarbeit mit der Diakonie. Dabei gehe es schließlich auch um eine gerechte Verteilung, so Mölleken. Er ist gewiss: „Unterstützung wird in den betroffenen Gemeinden noch auf Jahre notwendig sein.“

Das Spendenkonto des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel lautet:
IBAN DE61 3705 0198 0020 0391 29, Sparkasse KölnBonn
Stichwort: Sofort-Hilfe Unwetterkatastrophe

Spendenaufruf – Die Not ist riesig

Fluten in Meckenheim. Foto: privat

Spendenaufruf für besonders von der Unwetterkatastrophe Betroffene: Auch in unserem Kirchenkreis Bad Godesberg – Voreifel haben die sintflutartigen Regenfälle von Mittwochnacht unendliches Leid über unzählige Menschen gebracht. Er herrscht tiefe Betroffenheit und Fassungslosigkeit darüber, dass so viele Menschen –etwa in Euskirchen oder Rheinbach ums Leben gekommen sind, viele weitere verletzt wurden und Tausende ihr Hab und Gut, nicht selten auch ihre Wohnung oder ihr Haus verloren haben. In Gedanken und im Gebet sind wir bei den Betroffenen und dabei besonders bei denen, die um einen Angehörigen trauern.

Zugleich gibt es nun auch eine immense Anstrengung der Hilfskräfte sowie eine beeindruckende Bereitschaft zur Nachbarschaftshilfe. Die Gemeinden in den betroffenen Gebieten sind nun auch unsere Nachbarn und Geschwister, die wir nach Kräften unterstützen sollten. Dazu richtet der Kirchenkreis einen Sofort-Hilfe-Fondsein, den wir mit Mitteln aus Rücklagen des Kirchenkreises bestücken werden.

Im Blick auf diese Soforthilfe bitten wir auch die Gemeinden im Kirchenkreis, ab dem kommenden Sonntag die Klingelbeutelkollekte umzuwidmen und dies nicht nur einmalig, sondern in den nächsten Wochen zu tun, da die Not der Menschen riesig ist. Genauso sind Einzelspenden von Gemeindegliedern sehr willkommen.

Das Spendenkonto des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel lautet:
IBAN DE61 3705 0198 0020 0391 29, Sparkasse KölnBonn
Stichwort: Sofort-Hilfe Unwetterkatastrophe

 

Ebenso unterstützt der Kirchenkreis den Spendenaufruf des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Überweisungen sind zu richten an das Spendenkonto der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, KD-Bank, IBAN DE79 3506 0190 1014 1550 20, Stichwort: Hochwasser-Hilfe.

Es ist das Gebot der Stunde, in dieser so für so viele Menschen existentiell bedrohlichen Lage zu helfen, sei es durch praktische Hilfe, wo dies möglich ist, und genauso durch Sach- oder Geldspenden, vielleicht auch das Angebot, Menschen aufzunehmen, die ihr Zuhause verloren haben.

Herzlich möchten wir Ihnen schon jetzt für alle Hilfe und Unterstützung danken.

Mathias Mölleken, Superintendent           Norbert Waschk, Assessor