Landessynode 2020: Abgeordneten-Sicht

Die Vertreter aus Bad Godesberg und der Voreifel: Frank Bartholomeyczik, Siegfried Eckert, Mathias Mölleken, Irmela Richter, Schulreferentin Dr. Beate Sträter (als Gast) und Norman Rentrop (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Fünf Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei.

Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist in Bad Neuenahr vertreten durch Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg), Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach), Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim) sowie den berufenen Synodalen Norman Rentrop (Bad Godesberg) bzw. seine Vertreterin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg).

Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim):

Wie in jedem Jahr hat sich die Landessynode mit einer Vielzahl von Themen beschäftigt, die deutlich den Anspruch von „Relevanz und Resonanz“ als Kirche in der Gesellschaft erhebt und auch kenntlich macht.

Thematischer Schwerpunkt war das Verhältnis von Kirche und Diakonie – Grußworte, Andachten und Wortmeldungen bezogen sich sehr konkret auf diakonische Handlungsfelder und gaben Beispiele einer sich zuwendenden und damit diakonischen Kirche beziehungsweise Gemeinden. So verwundert es nicht, dass die Synode noch einmal bekundet hat, das Verhältnis zwischen Diakonie und Kirche zu intensivieren. Die Rheinische Kirche sieht eine besondere Stärke im diakonischen Handeln im jeweiligen Sozialraum.

Dazu passend wurde zum Beispiel die Forderung einer Kindergrundsicherung beschlossen, weil es nahezu unerträglich ist, dass in einem reichen Land wie Deutschland die Kinderarmut zunimmt. Wir konnten hier erkennen, dass wir auch mit unserer Kreissynode im vergangenen Jahr ein wichtiges Thema aufgenommen haben. Jetzt muss es aber um mehr als nur um Bekundungen gehen.

Eindrucksvoll war das Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der als Gast zum einen die bewusste Vertiefung des Synodalbeschlusses vor 40 Jahren zur „Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ begrüßte, zum anderen angesichts des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft eine deutlichere Positionierung gegenüber dem Staat Israel im Sinne einer solidarischen und sich zuwendenden Grundhaltung einforderte. Mit dem erneuerten Beschluss „Umkehr und Erneuerung“ bewege sich die Rheinische Kirche, freiwillig aus der Komfortzone, so Lehrer. Eine große Nachdenklichkeit war bei allen Synodalen wahrnehmbar – auch bei mir, wenn es denn heißt, wie setzen wir dieses Bewusstsein in Schule, Kirchlichem Unterricht, in unserer Gesellschaft deutlicher um?

Die Abgeordneten im Plenum. Foto: Uta Garbisch

Ein weiteres wichtiges Thema war die Diskussion um den Umgang zu den kritischen und sehr berechtigten Fragen zur Umstellung auf die neue Finanzsoftware Wilken P5. Die exorbitanten Kostenerhöhungen, die sich Verlauf des Prozesses ergeben haben, drohten das Vertrauen in die Kirchenleitung und ihr Prozessmanagement zu erschüttern. Wieder einmal – könnte man sagen, da sich die Mängel und Intransparenz bei der Einführung von NKF zu wiederholen scheinen. Schon im Bericht des Präses nahm dieser zu den Fehlern und der verspäteten Information der Synode ausführlich Stellung und bat eindringlich die Synode um Entschuldigung. Hier offenbare sich, so bestätigte der auch dafür bestellte Prüfer, eine Tragik, die darin bestehe, dass auch dieser Kirchenleitung ein Fehler und Vorgehen unterläuft, den sie gegenüber der Vorgänger-Kirchenleitung erklärterweise in jedem Falle verhindern wollte. Die Synode fand nach ausführlichen Beratungen zu einer Erklärung, die die weitere Aufklärung vorsieht, vor allem Konsequenzen und Vorgaben für zukünftige Prozesse macht. Nachvollziehbar war bei allem Verständnis aber doch auch eine deutliche Rüge gegenüber der Kirchenleitung, die die Synode viel zu spät über die Vorgänge informiert hat. Im Unterschied zu manch anderem Handeln in unserer Gesellschaft erwies sich hier aber auch unsere Verantwortung als Kirche, die sowohl kritisch prüft als aber auch zu seelsorglichem und vergebendem Handeln fähig bleibt.

Wie immer sind die Randgespräche oder auch das Ausklingen der Synodaltagung abends in der „Bayrischen Botschaft“ wichtige Gelegenheiten, um kirchliche Themen aber auch persönliches auszutauschen.

Bis zur nächsten Wahl – dann wird es insofern spannend, weil unter anderem eine beziehungsweise ein neuer Präses gewählt werden muss.

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg):

Was meine persönlichen Höhepunkte bei der diesjährigen Landessynode waren? Ganz klar der Einsatz für die Kindergrundsicherung und gegen die Armut von Kindern und Jugendlichen, ihre materielle Not, mangelnde Bildungschancen, gegen ihre gesundheitlichen Benachteiligungen und das, was man im sperrigen Behördendeutsch „die fehlende Teilhabe“ nennt. Also dass kein Kind aus welchen Gründen auch immer nicht gleichberechtigtes Mitglied unserer Gesellschaft sein kann. Darin ist die EKiR stark: Sie legt den Finger direkt in schwärende Wunden und benennt Möglichkeiten, sie zu heilen. Hoffentlich hilft`s.

Das tat die Landessynode dieses Jahr auch wieder in Bezug auf die traumatischen Zustände für Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen. Der den Beschluss für eine zivile Seenotrettung und den Beitritt zum entsprechenden Aktionsbündnis begleitende Analysetext liest sich so nervenaufreibend, dass er auch jedem Hassbürger empfohlen sei. Viel Freude machte mir auch, dass die mutige neue Ökumenekonzeption bei nur einer Gegenstimme verabschiedet wurde.

Zum Umgang mit dem „Softwaremurks“, wie mein Sitznachbar Siegfried Eckert das Thema nennt: Wie ergriffen Synodale sich schließlich gegenseitig dankten, mit den doch höchst blamablen Fehlplanungen so christlich umgegangen zu sein, befremdete mich dann doch. Sind wir uns eigentlich noch bewusst, wie eine solche Attitude „nach außen“ auf die Menschen wirkt, die hoffentlich noch weiter ihre Kirchensteuern zahlen?

Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim):

Die Landessynode stand unter dem Motto Diakonie. Nur blieb es bei einem Vortrag des Präsidenten der Diakonie, bei ohne Arbeitsauftrag tagenden Arbeitsgruppen und einem einen diese Ergebnisse zusammentragenden Vortag. Ein Abend der Begegnung wurde zu Begegnungen zwischen Diakonie und Synode nicht genutzt, es gab leider keine Anregungen. Leider eine verpasste Chance!

Die Synode stand unter dem Eindruck von Kostensteigerungen und mangelnder Information zur Einführung der neuen Finanzsoftware. Es wurde deutlich, dass Leitungshandeln und Projektmanagement in unserer Organisation Kirche nicht ausreichend Raum haben. Es stellt sich da die Frage, ob die Bitte um Entschuldigung ausreicht, aber auch, wie wir es als Kirche mit einer Fehlerkultur halten. Gerade weil diese Kirchenleitung mit einem hohen Anspruch an Transparenz angetreten ist, waren die persönlichen Erklärungen des Präses und des Finanzdezernenten bedrückend, erschütternd und hinterließen Stille im Plenum.

Nachdem die Synode erst langsam in Gang kam, war es doch eine sehr intensive Synode mit kontroversen Diskussionen besonders in den Ausschüssen und in den Pausen. Obwohl für mich doch ein irgendwie enttäuschendes Gefühl zurückbleibt, weil viele Fragestellungen nicht ausreichend oder nur oberflächlich besprochen wurden, bin ich mit den Entscheidungen im Finanzbereich sehr zufrieden. Auch ist es für mich sehr erfrischend, wie offen und kontrovers in Ausschüssen diskutiert werden kann und dann das Ergebnis gemeinschaftlich getragen wird.
Das wird den Gemeinde Luft geben, die ausstehenden und notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen in Ruhe und mit Augenmaß anzugehen.

Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg):

Komisches Schweigen

Kleiner Erfolg für den Initiativantrag unseres Synodalen Siegfried Eckert (Mitte) zur Klimagerechtigkeit: Bis zur nächsten Synode soll dem Thema in den Ständigen Ausschüssen der Rheinischen Landeskirche eine entscheidende Rolle zukommen. Foto: Uta Garbisch

Als Präses Rekowski eher beiläufig auf der Synode bekanntgab, nächstes Jahr nicht mehr als Präses zu kandidieren, herrschte ein „komisches Schweigen“. So beschrieb eine Mitsynodale dieses Momentum. Eher eigenartig war die ganze Synode. Unbefriedigend wurde das Synodenthema „Diakonie“ behandelt. Eigenartig war es, wie die Synode mit dem Softwaremurks verfuhr. Berührend war es, wie am Ende öffentlicher und nichtöffentlicher Debatten mit der Thematik umgegangen wurde. Eigenartig bleibt, wie wenig Raum für Theologisches ist. Bei ihrer Betriebsamkeit bemerkte die Synode es nicht, welch revolutionäre Ökumene-Konzeption beschlossen wurde.

Erstaunlich ist, wie viel Geld da ist für den Kirchentag, für höhere Ruhegehälter auf der mittleren Ebene und den Erhalt der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Erstmalig erlebte ich seit 2002, dass bei gefüllter Versorgungskasse 29 Euro pro Gemeindeglied an die Basis zurückfließen. Komisch war es, wie mit meinem Initiativantrag für mehr Klimagerechtigkeit verfahren wurde. Manche Ungeschicklichkeit erinnerte an frühere Synoden. Es bleibt zu hoffen, dass mit den Wahlen im nächsten Jahr frischer Wind in die rheinische Kirche kommt.

Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach):

Synode bedeutet dem Wortsinn nach gemeinsamer Weg. Als Ringen um einen gemeinsamen Weg habe ich die Synode in diesem Jahr erlebt. Mit Spannung habe ich auf die Diskussion um die Kostenentwicklung für die neue Finanzsoftware gewartet. Es gab einen Vorschlag der Kirchenleitung zur Aufarbeitung. Die Synode hat sich jedoch für einen anderen, einen eigenen Weg entschieden, der zuvor in den Tagungsausschüssen beraten wurde. Es geht um eine sorgfältige Analyse und darum, wie in Zukunft bestimmte Fehler vermieden werden können. Das alles geschah in einer sehr wertschätzenden, offenen Atmosphäre, in der der zuständige Finanzdezernent Bernd Baucks eine bewegende persönliche Erklärung abgab. Die Synodalen schienen alle miteinander den Atem anzuhalten, es war mucksmäuschenstill im Saal. Auch der Präses hat sich öffentlich entschuldigt. Einen solchen Umgang mit Fehlentscheidungen kann ich mir im politisch-öffentlichen Raum nicht vorstellen.

Ein weiteres Thema war die Umsetzung der im vergangenen Jahr beschlossenen Jugendpartizipation. Die Vertreterin der Evangelischen Studierendengemeinden berichtete mir von ihren Erfahrungen in der gemeindlichen Jugendarbeit. Nach Jahren als Kindergottesdiensthelferin verspürte sie den Wunsch nach weiteren, spannenden Angeboten, an denen sie vielleicht einfach nur teilnehmen konnte. So etwas gab es in ihrer Umgebung nicht. Sie verlor den Kontakt zur Gemeinde und damit zur Kirche. Im Studium entdeckte sie eher zufällig die Studierendengemeinde, wurde zu einer Tagung eingeladen und traf dort andere junge Menschen, die ähnlich dachten wie sie. So fing Kirche an, ihr wieder Spaß zu machen. Ich denke, wir müssen aus solchen Erfahrungen lernen, wenn wir für junge Menschen interessant bleiben wollen.

Über die Gunst der Massen und den Auftrag der Kirche

Wie umgehen mit dem Populismus? PROtestant, die Kirchenzeitung für Bonn und die Region,sucht nach Antworten und Wegen.

Den Kirchen kommt nach Ansicht des Bonner Politologen Dr. Manuel Becker eine besondere Aufgabe zu bei der Auseinandersetzung mit populistischen Positionen und Parteien.

„Christliche Nächstenliebe und Vergebung sind die stärkste Botschaft, um insbesondere den Rechtspopulisten das Wasser abzugraben“, erklärt der Geschäftsführer des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Bonner Universität in der aktuellen Weihnachts- und Neujahrsausgabe der Kirchenzeitung PROtestant.

Populisten setzten auf Angst, Hass und Wut. Becker rät anderen Parteien, gesellschaftlichen Gruppen und Kirchen daher, nicht nur die rationale, sondern „vermehrt auch die emotionale Ebene bei den Menschen ansprechen, das aber eben dezidiert mit positiven Emotionen“. Im Streit über den Umgang mit Populisten werben die beiden Bonner Pfarrer Siegfried Eckert aus Friesdorf und Michael Pues von der Studierendengemeinde dafür, „klare Haltung zu zeigen“, sich aber auch dem Gespräch zu stellen. Pfarrer Pues berichtet davon, wie es gelingt, eine Veranstaltung auch mit einem Vertreter der AfD zu gestalten. „Es muss aber klare Spielregeln geben“, fordert der Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein, Patrick Ehmann, in einem Kommentar zum Thema.

Große Worte an „alles Volk“: Der Geist der christlichen Weihnachtsbotschaft

Pfarrer Martin Engels, neuer Leiter des Evangelischen Forum Bonn, denkt kritisch darüber nach, welche Bildungsangebote bei der Auseinandersetzung mit dem Populismus helfen, dass Menschen „nicht pauschal und abwertend übereinander, sondern kontrovers miteinander sprechen“. Der Bonner Pfarrer Georg Schwikart schlägt die Brücke zur Weihnachtsbotschaft, die ja auch an „alles Volk“ gerichtet sei. Der bekannte Buchautor und Theologe macht deutlich, dass „das Volk“ aus christlicher Sicht ein „sehr differenziertes Gebilde ist“ und „das Evangelium der Menschenwerdung Gottes allen Erdenbürgern gilt“.

Superintendent Mathias Mölleken widerspricht deutlich der Kritik, Kirche spiele durch eigene Maßnahmen wie jüngst die Seenotrettung für Flüchtlinge im Mittelmeer kriminellen Handlangern zu und ließe sich instrumentalisieren. „Christen lassen sich zur Nächstenliebe und zur Rettung und Hilfe ohne Rücksicht auf politische und populistische Einwände instrumentalisieren“, betont der Superintendent des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel und Mitherausgeber des PROtestanten Mathias Mölleken.

Die Zeitung PROtestant erscheint drei Mal im Jahr mit einer Auflage von 6.300 Exemplaren, die aktuelle Ausgabe ab dem 14. Dezember und richtet sich an Multiplikatoren vor allem in Bonn und der Region. Sie kann kostenlos bezogen werden: Evangelischer Kirchenkreis Bonn, Adenauerallee 37, 53113 Bonn (Tel.: 0228 / 6880 300, presse@bonn-evangelisch.de). Herausgeber sind die Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bonn sowie Bad Godesberg-Voreifel.

Landessynode 2019: Abgeordneten-Sicht

Die Vertreter aus Bad Godesberg und der Voreifel: Frank Bartholomeyczik, Norman Rentrop, Irmela Richter, Mathias Mölleken und Siegfried Eckert (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Fünf Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei.

Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist in Bad Neuenahr vertreten durch Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg), Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach), Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim) sowie den berufenen Synodalen Norman Rentrop (Bad Godesberg) bzw. seine Vertreterin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg).

 

Superintendent Mathias Mölleken (Meckenheim):

Etliche Beschlüsse und Themen der diesjährigen Landessynode wurden von der vorangestellten Jugendsynode bestimmt, so z.B. die stärkere Partizipation von jungen Menschen bei der Gestaltung unserer Kirche. Eine neue Erfahrung, dass 50 Jugenddelegierte ihre Haltung und Erwartungen so unmittelbar und auch mit Wirkung auf Beschlüsse zur Jugendarbeit, wie aber auch zur Flüchtlingsarbeit, zur Jugend- und Familienarmut einbrachten. Ein konstruktiver Prozess, der auch wesentlich das allgemeine Motto Vertrauen stärkte und zu bewusstem Kirche-sein ermutigt.

Entsprechend hat der Präses seinen Jahresbericht theologisch konnotiert, indem er daran erinnerte, was Christen und uns als Kirche bewegt, nämlich die Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Geradezu als „Markenzeichen“, indem Kirche immer auch öffentliche Verantwortung wahrnimmt und zu tagesaktuellen Themen Stellung bezieht.

Ein für unseren Kirchenkreis ist die Entscheidung zu einer veränderten Kirchensteuerverteilung von Bedeutung. Hier werden wir als sogenannter abgebender Kirchenkreis in unserer Solidarbereitschaft zusätzlich gefordert. Dieses Thema hatte enorme Sprengkraft, weil eine nur mathematische Verteilung des Pro-Kopf-Garantiebetrages die Probleme in den finanzschwachen Regionen unserer Landeskirche nicht löst und zugleich zusätzliche, irreversible Einschränkungen in unserem Bereich bedeutet. Aber die sachliche und rücksichtsvolle Auseinandersetzung in Arbeitsgruppen, im Tagungsausschuss, dem ich auch angehörte, führte zu einem für die nächsten Jahre konsensualen Kompromiss. Durchaus ein geistliches Ergebnis. Darüber ist an anderer Stelle ausführlich zu informieren – siehe aber auch synode.info.

Insofern hat sich das Werben um Vertrauen konkret bei Lösungsfindungen schwerwiegender Themen bewährt. Schließlich äußerte sich diese Haltung auch in einer Landessynode, die ihre Tagesordnung schneller als ursprünglich vorgesehen abgearbeitet hatte.

Wie immer sind die Begegnungen und Gespräche am Rande der Synode wichtig. Der Austausch über den eigenen Tellerrand teilt gute Erfahrungen, manche Sorge und vergewissert die Wahrnehmung, dass unsere Kirchengemeinden und Kirchenkreise ein starkes presbyterial-synodales Bewusstsein haben.

Frank Bartholomeyczik (Meckenheim):

Diesmal war erstmalig eine Jugendsynode der Landessynode vorgeschaltet. 50 Vertreter der „Jugend“ und 50 Landessynodale trafen sich ab Freitagmittag um unter anderem über die Themen der Kinder-und Jugendarbeit, Partizipation, Kinderarmut, unbegleitete Flüchtlinge und Neue Gemeindeformen zu diskutieren. Leider bestanden die Vertreter der „Jugend“ hauptsächlich aus „Berufsjugendlichen“, das heißt Jugendpfarrer/Innen, Jugendleiter/Innen. Gemäß Aussage der Kirchenleitung war es nicht, gelungen mehr „richtige“ Jugendliche zu gewinnen. Die wenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen beteiligten sich teilweise doch sehr intensiv gerade in den kleinen Arbeitsgruppen. Aus einem Vortrag von Prof. Wolfgang Ilg (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) wurde deutlich, dass sich nur noch wenige Jugendliche (nur evangelische) (40%) der evangelischen Kirche verbunden fühlen. Bei der Relevanzfrage wird das Ergebnis noch schlechter. Hoffnung gibt, dass Befragte, die sich bereits in der Konfirmandenzeit engagiert bzw. positive Erfahrungen machten, später deutlich positiver äußerten.

Die Landessynode machte sich dann im Verlauf ihrer Beratungen alle Vorschläge aus der Jugendsynode zu Eigen. Das betrifft insbesondere die Partizipation in den Gremien.

Neben vielen administrativer Änderungen bei Kirchengesetzen waren die Hauptthemen die Verbesserungen bei der Besoldung von Pfarrer/innen und eine veränderte Kirchensteuerverteilung. Kirchenkreise mit einem über dem Durchschnitt liegenden Finanzaufkommen werden sich nun noch solidarischer zeigen. Gerade diese Diskussion wurde sehr sachlich, mit Augenmerk und Verständnis für die Anderen geführt.

Das war jetzt meine dritte Landessynode und ich merke, dass es sehr viel Zeit erfordert, in die teilweise sehr lange bestehenden Kreise und diese Art der Gremienarbeit einzutauchen. Insgesamt komme ich erfüllt mit dem Motto des diesjährigen Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ zurück.

Pfarrer Siegfried Eckert (Bad Godesberg): Wie viel Theologie verträgt die Kirche?

Als Mitglied des Theologischen Ausschusses war ich im Vorfeld der Synode irritiert, dass uns im Dezember mitgeteilt wurde, dem Ausschuss werde keine Drucksache federführend oder mitberatend zugewiesen. Laut Geschäftsordnung wäre die Ausschussarbeit damit einzustellen. Unter anderem die Ergebnisse einer Jugendsynode, die Frage neuer Gemeindeformen, der Streitfall „Kirchensteuerverteilung“, sowie die Besoldung von PfarrerInnen sollten ohne unsere Kompetenz dem Plenum beschlussreif zur Abstimmung vorgelegt werden. Mit ein paar Synodenkniffen wurde das Schlimmste abgewendet.

Der Eindruck bleibt dennoch, dass scheinbar rein organisatorische und finanzielle Fragen einer Kirche von Morgen keiner angemessenen theologischen Reflexion mehr bedürfen. Wo dies hinführt, wurde deutlich bei Drucksache 23 und ihrer mangelhaften theologisch-ekklesiologischen Begründung für eine neue Kirchensteuerverteilung. Wenn solche Art einseitiger, theologischer Rede zum Schmieröl für kirchenleitendes Handeln wird, hat sie ihren Ursprungssinn verloren, Salz der Erde zu sein. Wie gut, dass es auch auf dieser Synode wenige Sternstunden gab, die für Korrekturen sorgten. Beispielhaft war der Kompromiss bezüglich eines neuen Verfahrens, um zu wohlüberlegteren Ergebnissen bei der Kirchensteuerverteilung zu kommen. Immerhin ist der Ständige Theologische Ausschuss nun mitberatend an Bord auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt.

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg):

Wir waren kaum aus Bad Neuenahr zurück, da hatten sich der Superintendent und mit ihm wir anderen Landessynodalen schon den Vorwurf in der Mailbox eingefangen, „politische Statements und Beschlüsse“ gefasst zu haben. Die stünden dem Kirchenparlament und damit uns nicht zu. Die Schreiber stießen sich an Ausführungen der Synode zum Thema Seenotrettung von Geflüchteten.

Im Plenum: Ebba Hagenberg-Miliu (rechts) und Siegfried Eckert. Foto: Uta Garbisch

Offenbar scheint nicht genügend kommuniziert zu sein, dass synodales Arbeiten durch und durch demokratisch stattfindet. Zu keinem Thema gibt es ein Tabu. Letztlich jede einzelne Formulierung wird in mehreren Arbeitsgruppen kontrovers diskutiert. Dann im Plenum hat nochmals jeder Synodale das Recht, seine Ablehnung, seine Kritik vorzutragen und Gegenanträge zu formulieren – ein langwieriges und, ich gebe es zu, sehr anstrengendes Verfahren.

Genau dieser demokratische Prozess wurde nun auch beim Thema Flüchtlinge durchlaufen. Schließlich sahen sich die Synodalen nach christlichem Verständnis verpflichtet, sich für sichere Fluchtwege einzusetzen und damit auch für die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen. Das demokratische Prinzip wurde auch hier ohne gedankliche Sperre bis zum letzten durchdekliniert. Nicht mehr und nicht weniger.

Irmela Richter (Rheinbach):

Ich hatte im Vorfeld mit hitzigen Debatten gerechnet. Das Thema Kirchensteuer-Pro-Kopf-Verteilung wurde in kleinen, gut durchmischten Arbeitsgruppen diskutiert. Die gravierenden Unterschiede wurden mir hier sehr deutlich. Aber auch, dass mehr Geld den Handlungsspielraum der ärmeren Regionen nicht überall erhöht, während die abgebenden Regionen ihr Engagement unter Umständen massiv kürzen müssen. Im dazugehörigen Tagungsausschuss wurde ein Kompromiss gefunden, der Veränderungen in Gang setzt, aber auch den Auftrag enthält, nach anderen, kreativen Wegen zu suchen, die zu einer echten Verbesserung in den strukturschwachen Regionen führen.

Im Theologischen Ausschuss haben wir in Kleingruppen darüber nachgedacht, was unsere Kirche in Zukunft verstärkt in den Blick nehmen sollte. Die Arbeit in den kleineren Gruppen habe ich als sehr belebend empfunden im Gegensatz zu den teilweise ermüdenden Plenarsitzungen. Diese Form der Arbeit fördert gegenseitige Wahrnehmung und Verständnis füreinander.

Alle Infos und Beschlüsse zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland finden Sie hier: www.ekir.de

„Die protestantische Unruhe erhalten“: die Theologen Thomas Kaufmann und Jörg Lauster im Gespräch

Das "1. Bonner Festival der Begegnungen", kontrovers und mit scharfer Relevanz für Gesellschaft und Kirche: beeindruckend und inspirierend zugleich, wen und was Pfarrer Siegfried Eckert in seiner Kirche zusammengeführt hat (Foto: J. Gerhardt)

Sie zählen zu den bedeutendsten protestantischen Theologieprofessoren  der Gegenwart – der Göttinger Lutherforscher Thomas Kaufmann und der Münchener Dogmatiker Jörg Lauster. Nun sitzen sie in der Bonner Pauluskirche zusammen, zwischen ihnen der Kirchenjournalist Matthias Dobrinski von der Süddeutschen Zeitung als Moderator. Das Thema „1517 trifft 2017 – wie Reformation weiter geht?“  ist so brisant wie kaum ein anderes in der evangelischen Kirche und ist auch auf den Gastgeber des Abends, Gemeindepfarrer Siegfried Eckert wie zugeschnitten. Schließlich hat er kürzlich in Wittenberg das bundesweiter „Forum Reformation“ ins Leben gerufen.

Christlicher Glaube ist weltweit gefragt

Weit sind der Historiker und der Dogmatiker nicht weit auseinander. Vor allem nicht in der oft erhobenen Forderung eines „Zurück zu Martin Luther“. Denn dieser war ein „Mensch des 16. Jahrhundert“  (Lauster), für den eine „multireligiöse Gesellschaft“ (Kaufmann) undenkbar war. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde (vor allem von reformierter Seite) der Ruf nach einer „ecclesia semper reformanda“ (einer sich ständig erneuernden Kirche) laut. Für Lauster ist die Reformation ein ewiger Protest. Für Kaufmann ist die christliche Religion eine universelle, die keinen Mensch ausschließt und darum auch globalisierungsfähigste, weil im Mittelpunkt  nicht die Kirche, sondern Jesus Christus stehe. Auch heute stehe das reformatorische Christentum im Weltmaßstab die rasanteste Form dar. Leider habe das europäische Christentum Afrika, Asien und Lateinamerika weithin den Evangelikalen und den Pfingstkirchen (für Lauster „ein Universum für sich“) überlassen.

Einig sind sich die beiden prominenten Theologieprofessoren auch in diesem Punkt: Der Protestantismus ist auf eine „kritische Theologie“ angewiesen (Kaufmann) und Lauster fordert: „Die Zukunft der Kirche liegt in einer gut ausgebildeten Pfarrerschaft“. Da die Menschen zunehmend über eine gute bis akademische Ausbildung verfügen, wollen sie auch eine „Religion auf gutem Niveau“. Für Lauster dürfen die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht länger mit „einstürzenden Kirchengebäuden“  beschäftigt werden, zumal es schon mit der Reformation im 16. Jahrhundert, so Kaufmann, viele Wallfahrts- und Klosterkirchen sowie  Kapellen überflüssig wurden.

Sowohl Kaufmann als auch Luster können das Lamentieren über die abnehmenden Mitgliederzahlen und die Angst vor der Zukunft der Volkskirche nicht mehr hören. Schließlich stehen die Protestanten mit 22 Millionen Mitgliedern in Deutschland doch gut da. Selbst wenn diese Zahlen noch weiter zurückgehen, bleiben die Kirchen in Deutschland die größte gesellschaftliche Kraft. Das Jammern ist also nicht nur falsch, sondern bringt auch nichts.  Er kämpft gegen die Verlustangst und hält nichts davon, dass beispielsweise junge Menschen im Blick auf die Kirche wie auf der Titanic stehen und sich fragen, wie lange hält sie noch.

Zwar ist das „semper reformanda“ laut Luster „ungemein anstrengend“  und die Menschen brauchen auch in ihrer Kirche Verlässliches.  Doch das habe mit der Konservierung Luthers nichts zu tun. Doch immer wieder verweist er darauf, dass die „Kirche kein Selbstzweck“ ist und  ist in ihrer jetzigen Form auch „nicht für alle Zeiten festgeschrieben“: „Die Parochie wird nicht zu halten sein.“  Auch wenn der Kirchenhistoriker Kaufmann  freimütig bekennt: „Ich habe keinen Bock auf immer neues semper reformanda“, so besteht doch Einigkeit: Das Christentum (damit auch die Kirche) hat Zukunft, wenn es immer wieder neu fragt, wer Jesus Christus für die Menschen ist und überzeugende Antworten gibt.

Das ist nicht nur für Kaufmann das Zentrale der Reformation. Dazu komme, dass die evangelische Kirche die „Gemeinschaft der Verschiedenen“ sei und bleibe. Dem steht auch Lausters „Es gibt kein bloßes Zurück zu Luther“ nicht im Wege: „Jeder will authentisch leben, will anerkannt sein.“ Damals wie heute und morgen: „Die christliche Botschaft ist in unsere Zeit zu übersetzen und nicht alte Dinge immer wiederholen.“

Ökumenische Gemeinschaft praktizieren

Für die Ökumene bleibt in diesem spannenden Dialog nur wenig Zeit. Auch die römisch-katholische Kirche ist heute nicht mehr die, die sie zu Luthers Zeiten war. Auch sei anzuerkennen, dass Papst Franziskus versuche, „das Ruder herumzuwerfen“. Kaufmann, der in der „Kirche der Verschiedenen“ mit einer „kritischen Theologie“ leben möchte, fordert dazu auf, „ökumenischen Gemeinschaft zu praktizieren“: „“Endlich zu praktizieren.“  Seine Forderung: „“Friedliche Koexistenz“. Auch Luster ist für „ökumenische Freundschaft“ und bringt sieir unter dem schallenden Gelächter der Zuhörer auf die Formel: „Getrennt marschieren, vereint zuschlagen.“

Weitere Infos zum ganzen Programm des 1. Bonner Festival der Begegnungen vom 18.-25.112018 in der Friesdorfer Pauluskirche finden Sie hier.

 

K Rüdiger Durth / ger / 22.11.2018

„Liebe tut der Seele gut“ – Imamin Seyran Ates spricht im Gottesdienst

Sehr stimmiger musikalischer Auftakt des Festivals: ein berührend mitreißendes Konzert von Jean Faure & Orchestre abends am Volkstrauertag in der vollbesetzten Pauluskirche - Liebeserklärung an die deutsch-französische Freundschaft (Foto: J. Gerhardt)

Das hochrangig besetzte „1. Bonner Festival der Begegungen“ in der Friesdorfer Pauluskirche hat mit einer eindrucksvollen „Kanzelrede“ der Imanin Seyran Ates begonnen. Hier ein Bericht von K. Rüdiger Durth.

„Liebe tut der Seele gut“, stellt die bekannte Berliner Rechtsanwältin und Imamin Seyran Ates in ihrer Kanzelrede in der bis auf den letzten Platz besetzen Pauluskirche in Bonn fest. Der Gottesdienst zum Volkstrauertag 2018 steht unter dem Leitwort aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums: „Selig sind, die Frieden stiften.“  Die türkisch-kurdische Imamin, Gründerin der liberalen Ibn Rushd Goethe Moschee Berlin, die deutsch-iranische Altistin Schirin Patowi, die für ihre christlich, jüdischen und muslimischen Lieder bekannt ist, und als Gast der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP), das ist für einen evangelischen Sonntagsgottesdienst schon ungewöhnlich oder auch „vielleicht riskant“, wie der  Gemeindepfarrer und Vorsitzender des bundesweiten Forums Reformation , Siegfried Eckert, zur Begrüßung anmerkt.

Von Oliver Welke, Dirk Kaftan bis Gesine Schwan und Fulbert Steffensky: eine Woche lang Begegungen der ganz besonderen Art

Doch großer Beifall am Ende zeigt, dass die Bitte des Ministers um „mehr Einladung zum Dialog und mehr Begegnung mit denen, die noch große Vorurteile“ nicht ungehört geblieben ist. Zugleich bildet dieser Gottesdienst den Auftakt für das einwöchige 1. Bonner Festival der  Begegnungen mit so bekannten Teilnehmern wie Oliver Welke (ZDF), der unter  Leitung von Christiane Florin (DLF) mit dem Bonner Generalmusikdirektor  Dirk Kaftan über „Haltung im Beruf“) diskutiert oder unter Leitung von Matthias Dobrinski (SZ) gehen der Lutherforscher Thomas Kaufmann (Göttingen) und der  Kulturprotestant Jörg Lauster (München) der Frage nach, wie die Reformation weitergehen kann. Für den Buß- und Bettags-Gottesdienst hat Eckert ebenfalls eine überraschende Kanzelrednerin gewinnen können: Professorin Gesine Schwan (Berlin). Und für den Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag hat der in der Schweiz lebende 85jährige Fulbert Steffensky zugesagt.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Programm des 1. Bonner Festival der Begegnungen, das zugleich das Anliegen des kürzlich gegründeten  Forums Reformation für seinen Schwerpunkt Reformation und Gemeinde deutlich macht.   Der stellvertretende Ministerpräsident und zugleich im größten Bundesland Minister für Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp, für diese Veranstaltungsreihe die Schirmherrschaft übernommen: „Entzweiung, Streit oder Gegeneiner sind oft Folgen von Sprachlosigkeit, Versöhnung kann nur durch Kennenlernen, Dialog und Anerkennung des anderen gelingen. Solange Menschen miteinander sprechen, sind sie auf einem Weg der gegenseitigen Verständigung.“

Zurück zum Auftaktgottesdienst. Imamin Ates, die für ihr Eintreten für einen aufgeklärten Islam immer wieder großen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt ist, stellt die Liebe in den Mittelpunkt ihrer Kanzelrede: „Liebe ist doch so viel besser als zu hassen, Krieg zu führen.“ Aber die „große Waffenlobby“ stehe dem weltweiten Wunsch nach Frieden ebenso im Weg wie dem Streben nach Macht und Geld. Selbst in Europa, Träger des Friedensnobelpreises, herrsche nicht überall Frieden. Sie will sich nicht damit abfinden, dass selbst unter gläubigen Menschen oft Hass und Terror herrscht: „Wir Gläubigen sind doch Brüder und Schwestern.“

Nach dem Koran ist den Gläubigen nach ihrer Überzeugung der Frieden geboten und „üble Nachrede schlimmer als Ehebruch“ und „das gute Wort ist besser als eine üble Nachrede.“ Doch leider halte man sich in den Sozialen Medien nicht an diese grundlegende Forderung der Religionen, die dadurch eine „große Gefahr“ darstellten. Imamin Ates würdigte die Forderung des Christentums nach Nächsten- und Feindesliebe. Immer wieder appellierte sie an Christen, Juden, Muslime: „Stiftet Frieden.“ Und wer den Koran richtig liest, so ihre Botschaft, kann zu keinem anderen Schluss kommen: „Liebe tut der Seele gut.“

Weitere Infos und das ganze Festival-Programm auf einen Blick hier.

 

Kirchenkreis Bonn / 19.11.2018

Premiere

Pfarrer Siegfried Eckert

Erstmalig hält Pfarrer Siegfried Eckert Morgenandachten auf WDR 2. „Einsamkeit“ und „Gastfreundschaft“ heißen die Titel seiner ersten beiden Beiträge. Sie sind am Dienstag und Mittwoch, 22. und 23. Mai 2018 in aller Frühe (5.55 Uhr) zu hören. Eckert freut sich über Rückmeldungen: „Hören Sie rein, sprechen Sie mich an oder mailen Sie, wie es Ihnen gefallen hat. Denn Radio geht durchs Ohr und hoffentlich mitten ins Herz.“

Der Pfarrer der Thomas-Kirchengemeinde zählt damit zum Team von „Kirche zum Hören“. Das sind Theologinnen und Theologen, die Andachten für den WDR Rundfunk schreiben und produzieren.

Siegfried Eckert, geboren 1963 in München, studierte in Neuendettelsau, Bonn und Tübingen Theologie. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach zehn Jahren als Gemeindepfarrer in Essen wechselte er 2005 nach Bonn. Aktuell ist er Synodalbeauftragter für den Kirchentag, evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bonn e. V., Landessynodaler der Evangelischen Kirche im Rheinland, Autor von Predigtstudien, Aufsätzen und Büchern.

Mehr Informationen finden Sie unter:

Kirche im WDR

Autorenporträt

 

„Der sympathische Gott“

Altistin Schirin Partowi singt am Karfreitag in der Pauluskirche. Das Foto (Meike Böschemeyer) entstand während der Reformationsgala 2017.

Der diesjährige Karfreitagsgottesdienst im Radio kommt aus Bad Godesberg. WDR 5 überträgt live aus der Pauluskirche. Liturgie und Predigt hält Pfarrer Siegfried Eckert von der dortigen Thomas-Kirchengemeinde. Er wird sich der Passionsgeschichte des Lukasevangeliums widmen, die einen „sympathischen Gott und leidenden Gerechten“ beschreibt. So lautet das Motto dieses Gottesdienstes am Karfreitag „Der sympathische Gott“. Für die Musik sorgen der Chor unter der Leitung von Angelika Buch, Shirin Partowi (Gesang), Markus Schinkel (Klavier) und Sue Schlotte (Cello).

Der Gottesdienst am Karfreitag, 30. März 2018, beginnt um 10 Uhr in der Pauluskirche, In der Maar 7. Parallel ist er auf WDR 5 zu hören. Wer dabei sein möchte, ist gebeten, seinen Platz bis 9.45 Uhr einzunehmen.

Gottesdienste auf WDR 5 sind sonn- und feiertags stets von 10 bis 11 Uhr zu hören:

www.kirche-im-wdr.de

EB/gar

Unterwegs in Berlin

Für viele der Einstieg in den (Kirchen)Tag. Jeden morgen 9.30 Uhr gibt es eine Reihe von Bibelarbeiten. Hier mit Eddi Hüneke 2015 in Stuttgart. Foto: kirchentag.de

Weit über 1.000 Menschen aus Bonn und der Region machen sich seit dem heutigen Mittwoch auf den Weg nach Berlin zum Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Vom 24. Mai bis zum Abschlussgottesdienst am Sonntag, 28. Mai, am Elbufer in Wittenberg werden dort mehr als 100.000 Dauerteilnehmer erwartet. Nahezu 3.000 rheinische Mitwirkende verzeichnet das Programm und knapp 700 in der Organisation des Kirchentags.

Ganz früh am Mittwochmorgen, 6 Uhr, haben sich sich etwa 100 überwiegend Jugendliche in Sonderbussen im Rahmen der zentralen Fahrt des Jugendreferats des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel in die Hauptstadt aufgemacht. Ihre Route: Wachtberg – Rheinbach – Swisttal. In Berlin werden sie gemeinsam ein Gemeinschaftsquartier beziehen. „Reiseleiter“ und Jugendreferent Rainer Steinbrecher gibt ihnen eine besondere Aufgabe für die Tage in Berlin auf den Weg. Möglichst viele „Promis“, denen die Jugendlichen begegnen, sollen folgenden Satz vervollständigen: „Ich bin gerne evangelisch, weil …“. Festgehalten wird die Antwort in Bild und Ton auf dem Smartphone. Um solche O-Töne will sich auch Mathias Mölleken kümmern. Der Superintendent und Pfarrer reist mit einer Gruppe seiner Meckenheimer Gemeinde zum Kirchentag. Etliche andere Kirchengemeinden manchen es ebenso. Viele Besucher und Besucherinnen aller Generationen reisen zudem auf eigene Faust vom Rhein an die Spree.

Chöre, Posaunen und mehr – viele wirken mit

Viele Menschen aus Bonn und der Region gestalten den Kirchentag auch aktiv mit: als Sänger und Sängerin, mit Posaunen, als Pfadfinder beim Ordnerdienst oder mit eigenen, besonderen Veranstaltungen im Programm. Gleich zwei mal kommt das „Festival der Reformatorinnen“ auf die Bühne. Das Schauspiel über die besondere Rolle von 13 Frauen in der Reformationszeit entstand unter der Leitung von Sabine Cornelissen, Frauenbeauftragte im Kirchenkreis, und Pfarrerin Dagmar Gruß aus Bonn. Christoph Nicolai aus Bad Godesberg ist im Zentrum Bibliodrama/Bibliolog dabei. „Gunst finden – reicht das? Versöhnung brauche ich … “ lautet das Thema seiner Veranstaltung.

Der Friesdorfer Pfarrer Siegfried Eckert lädt zum feiern, diskutieren und träumen ein

In guter Tradition ist auch der Godesberger Pfarrer Siegfried Eckert mit herausragenden Veranstaltungen wieder auf dem Kirchentag präsent. Donnerstagabend hat er in der Berliner Messe einen „Feierabend“ mit dem bekannten Theologen und Autor Fulbert Steffensky und dem Jazz-Pianisten Michael Wollny organisiert zu dem Lutherlied „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Freitagnachmittag diskutiert der Friesdorfer Pfarrer unter dem provokanten Motto „An einem Tisch!?“ bereits in Wittenberg mit anderen Theologen über ökumenische Träume und „Visionen für eine Ökumene nach 2017“.

Poetisches und Tanz mit Gotthard Fermor

Der Bonner Theologe Gotthard Fermor, auch seit Jahren ein beliebter Kirchentagsaktiver, präsentiert in Berlin sein einzigartiges, poetisch-musikalisches Rilke-Projekt zusammen mit dem Troisdorfer Saxofonisten Jürgen Hiekel und dem Pianisten Josef Marschall aus Remagen. Zudem lädt Fermor, Direktor des rheinischen PTIs in Godesberg, am Freitagmorgen in der Berliner Messe zu einer Bibelandacht zum Mittanzen.

#Fluchtgedenken: Schweigeminute für mehr als 10.000 Tote

Mit einer Gedenkveranstaltung am Berliner Hauptbahnhof und einer großen Plakatkampagne protestiert ein breites Bündnis von kirchlichen und nichtkirchlichen Organisationen gegen das Sterben im Mittelmeer. Sie schließen sich damit der Schweigeminute beim 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin an. Sie erinnern unter dem Motto ,Du siehst mich – Siehst du mich?‘ mit einer Schweigeminute in allen Kirchentagsveranstaltungen an mehr als 10.000 Menschen, die in den vergangenen drei Jahren auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. Der Kirchentag unterbricht dafür sein gesamtes Programm für die Toten der europäischen Außengrenzen am Freitag, 26. Mai 2017, um 12 Uhr. Mit dabei im Programm von #Fluchtgedenken sind Präses Manfred Rekowski, Fulbert Steffensky, Eddi Hüneke, Judy Bailey und Christel Neudeck.

Viele Infos auch: https://www.kirchentag.de

ger/gar

Kooperation als Schlüssel

Hatte die Lutherbibel im Gepäck: Mathias Mölleken übergab jeder Teilnehmerin ein Exemplar. Foto: privat

Für die evangelischen Büchereien des Kirchenkreises Bad Godesberg – Voreifel ist eine gute Kooperation mit den Grundschulen und Kindergärten heute ein Schlüssel zum Erfolg. „Wo die Kooperation gut funktioniert, wie zum Beispiel in Friesdorf zwischen der Bücherei der Pauluskirche und der Bodelschwingh- Schule gibt es stabile Nutzerzahlen“, erklärte Birgit Drosten-Vater. Die Synodalbeauftragte für die Büchereien des Kirchenkreises hatte zusammen mit Helga Schwarze von der Landeskirchlichen Büchereifachstelle zur jährlichen Regionaltagung eingeladen.

Die Vertreterinnen und Vertreter des Kirchenkreises mit zehn Gemeinde- und zwei Krankenhaus- Büchereien hatten sich Mitte März in der Bad Godesberger Pauluskirche zu ihrer jährlichen Fortbildung getroffen. In diesem Jahr diskutierten die Teilnehmenden über neue und bewährte Formen, wie Erwachsene, Kinder und Jugendliche auf pfiffige Weise interessiert werden können: Zum Beispiel über den Bookslam, bei dem sich durch Jugendliche organisierte Büchervorstellungen einen Wettbewerb liefern. Denn das diesjährige Motto der Regionaltagung lautete: „Auf ins Leseabenteuer – Arbeit mit Literatur in der Kirche“.

Helga Schwarze (Mitte) zusammen mit Mathias Mölleken und Gastgeber Pfarrer Siegfried Eckert (links). Foto: privat

Begonnen hatte die Tagung mit einer kurzen Andacht in der Pauluskirche. Eröffnet wurde sie schließlich von Superintendent Matthias Mölleken. Er überreichte die anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums neu revidierte Lutherbibel allen teilnehmenden Büchereivertreterinnen.

Das Büchereiwesen des Kirchenkreises wird von knapp 150 Ehrenamtlichen getragen, jährlich suchen rund 53.000 alte wie junge Menschen die Büchereien auf, um Lesestoff, CDs oder DVDs auszuleihen.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist weit gespannt: Sie reicht von der „Bücherkutsche“ im Drachenfelser Ländchen über Vorlesestunden in Kindergärten, Sommerleseclubs und Leseangebote für die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen, Literaturkreise , Buchvorstellungen, Medienboxen und Literaturcafés für Flüchtlinge, Literaturgottesdienste bis hin zum Erwerb eines Lese- Führerscheins.

EB/gar

Büchereien im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

Erleichterung setzt Kräfte frei

Ein Gebet kann so befreiend sein, wenn es den innersten Sorgen und Ängste Ausdruck verleiht. Doch manchmal fehlt es den Betenden an Worten. Moderne Gebete für den täglichen Gebrauch hat der Bonner Pfarrer Siegfried Eckert in seinem neuen Gebetsbuch „Neulich küsste ich Gott“ veröffentlicht.

„Beten hilft mir, meine Sorgen loszulassen und sie in die Hände dessen zu legen, der alles in den Händen hält“, schreibt Siegfried Eckert im Vorwort zu seinem Buch. „Solche Erleichterung setzt Kräfte frei für einen tätigen Glauben.“ Wer Schwierigkeiten hat, seine Sorgen in Worte zu fassen oder wer sich durch poetische Gebete inspirieren lassen möchte, findet in Eckerts Gebetsband einen reichen Schatz.

Die Gebete heißen „halbleere gläser“, „scherbenhaufen“ oder „brutkasten“  und  haben eine klare, kraftvolle und vor allem lebensnahe Sprache. In vielen von ihnen greift Eckert die Gefühle von Angst, Verzweiflung und Resignation auf, die Menschen in den verschiedensten Situationen empfinden. Daneben finden sich Abend- und Morgengebete, Segensgebete und Gebete, die gut in die Weihnachts- oder Osterzeit passen.

Siegfried Eckert, geboren 1963, arbeitet als Gemeindepfarrer in Bonn. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Predigtstudien. Seit vielen Jahren ist er Synodalbeauftragter für den Kirchentag, Landessynodaler der Evangelischen Kirche im Rheinland und Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. in Bonn.

Siegfried Eckert: „Neulich küsste ich Gott“, edition chrismon 2017, 112 Seiten, ISBN: 978-3-96038-048-1, 13 Euro

Mehr Informationen: Verlag edition chrismon: „Neulich küsste ich Gott“

 

ekir.de / cs, Foto; Anna Siggelkow / 22.03.2017

Kollekte „hebeln“

Kinder mit den ökologischen Lebensmittel, die von der Kooperative Cooperativa Uniao angeliefert wurden, Kindergarten der Gemeinde Cangucu "Branca de Neve" (Schneewittchen), Cangucu, Rio Grande do Sul, Brasilien; Foto: Florian Kopp / Brot für die Welt

Erneut will ein großzügiger Spender die Weihnachtskollekten „hebeln“. Jeder Euro, der an Heiligabend, 24. Dezember, in der Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg für Brot für die Welt gespendet wird, wird in gleicher Höhe von einem ungenannten Spender für die Evangelische Thomasstiftung Bad Godesberg gegeben, konkret für die Flüchtlingsarbeit. „Wirklich eine sehr schöne, weihnachtliche Nachricht“, freut sich Gemeindepfarrer Siegfried Eckert. Vor vier Jahren Jahr hatte seine Gemeinde auf diese Weise in insgesamt sieben Gottesdiensten als Kollekte und Spende je 24.000 Euro erhalten.

Satt ist nicht genug

„Satt ist nicht genug!“ so lautet das Motto der 56., 57. und 58. Aktion von Brot für die Welt. Über drei Jahre beschäftigt sich da Hilfswerk auf vielfältige Weise mit dem Thema Mangelernährung. Dieses Jahr ist der Schwerpunkt Ernährung in der Stadt. Mehr als zwei Milliarden Menschen leiden unter Mangelernährung. Besonders betroffen sind Menschen in den Slums und Elendsvierteln der großen Metropolen. Sie leben von dem, was sie im Müll finden oder für wenig Geld kaufen können: Fettes, Süßes, Junkfood, Konserven oder Essensreste.

Brot für die Welt gibt auch diesen Menschen eine Chance, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Deshalb fördert Brot für die Welt eine nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft und die Vermarktung regional produzierter Lebensmittel. Zum Beispiel im Süden Brasiliens: Kinder aus armen Familien bekommen in Schulen und Kindergärten eine nahrhafte Mahlzeit. Kleinbauern aus dem Umland liefern die frischen Zutaten. Kinder profitieren von einer ausgewogenen Ernährung und Bauern erhalten ein regelmäßiges Einkommen.

Für Brot für die Welt wird traditionell in allen Heiligabend-Gottesdiensten gesammelt: www.brot-fuer-die-welt.de

Weihnachtsgottesdienste der Thomas-Kirchengemeinde

„Was würde Taizé dazu sagen?“

Frère Alois Löser ist Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé. Mit dem Bonner Pfarrer Siegfried Eckert tauschte er sich über das Christentum aus.

Der Protestantismus feiert 500. Geburtstag, und damit ist auch die Spaltung der Kirche ein halbes Jahrtausend alt. Über das, was Christinnen und Christen verbindet, sprechen im Buch „Mehr Ökumene wagen“ der Bonner Pfarrer Siegfried Eckert und Frère Alois von der ökumenischen Kommunität Taizé in Frankreich.

Einen „Skandal“ hatte Frère Roger, der Begründer der ökumenischen Bruderschaft Taizé im französischen Burgund, die Trennung der Kirche genannt. Als Jugendlichen hatte Siegfried Eckert diese Aussage ebenso tief beeindruckt wie das gemeinschaftliche Leben in Taizé, das er als 17-Jähriger zum ersten Mal kennenlernte. Heute ist Siegfried Eckert Gemeindepfarrer der Evangelischen Thomas-Kirchengemeinde im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg und macht sich Gedanken darüber, ob seine Kirche den Menschen noch etwas zu sagen hat, ob sie die reformatorischen Grundsätze bewahrt und weiterentwickelt und ob überhaupt noch ein Feuer in ihr brennt.

„Was würde Taizé dazu sagen?“ – das frage er sich oft, sagt der Theologe. Und darum hat er Frère Alois Löser, seit 2005 Leiter der Kommunität, einfach mal um Antworten gebeten. 95 Fragen stellte der evangelische Pfarrer dem katholischen Ordensbruder, das Gespräch der beiden ist in dem Buch „Mehr Ökumene wagen – Über Taizé, die Reformation und gelebte Gemeinschaft“ nachzulesen.

Ökumene ist keine Kür, sondern Pflicht

Über Gott und die Welt, vor allem aber über das Wirken der Gläubigen in der Welt sprechen der Prior und der Gemeindepfarrer. Sie erzählen vom Kreidestrich auf dem Schulhof, der katholische und evangelische Kinder trennte, sie sprechen unter anderem über den Einfluss Dietrich Bonhoeffers auf die ökumenische Kommunität in Taizé, über die Erweckungsbewegung der Pfingstkirche, die lateinamerikanische Befreiungstheologie und den Dialog mit Muslimen. Vieles wird abgeklopft, Sichtweisen werden verglichen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch – etwa die über die Position der Frau, die im Männerorden von Taizé in Pfarrer Eckerts Augen eher dienend als gleichberechtigt ist. Einig ist er sich mit Frère Alois in dem, was auch Anne Schneider und ihr Mann Nikolaus Schneider, Präses i.R. und ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, in ihrem Vorwort zum Buch betonen: „Ökumene ist keine Kür, sie ist Pflicht.“ Am Ende des Buches fasst es Prior Alois Löser so zusammen: „Christus Gesicht wird in der Gemeinschaft der Kirche sichtbar, und dieses Gesicht kann nicht gespalten sein.“

Frère Alois, Siegfried Eckert: „Mehr Ökumene wagen – Über Taizé, die Reformation und gelebte Gemeinschaft“, Verlag edition chrismon, 17 Euro, ISBN: 978-3-96038-011-5