Landessynode 2019: Abgeordneten-Sicht

Die Vertreter aus Bad Godesberg und der Voreifel: Frank Bartholomeyczik, Norman Rentrop, Irmela Richter, Mathias Mölleken und Siegfried Eckert (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Fünf Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei.

Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist in Bad Neuenahr vertreten durch Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg), Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach), Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim) sowie den berufenen Synodalen Norman Rentrop (Bad Godesberg) bzw. seine Vertreterin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg).

 

Superintendent Mathias Mölleken (Meckenheim):

Etliche Beschlüsse und Themen der diesjährigen Landessynode wurden von der vorangestellten Jugendsynode bestimmt, so z.B. die stärkere Partizipation von jungen Menschen bei der Gestaltung unserer Kirche. Eine neue Erfahrung, dass 50 Jugenddelegierte ihre Haltung und Erwartungen so unmittelbar und auch mit Wirkung auf Beschlüsse zur Jugendarbeit, wie aber auch zur Flüchtlingsarbeit, zur Jugend- und Familienarmut einbrachten. Ein konstruktiver Prozess, der auch wesentlich das allgemeine Motto Vertrauen stärkte und zu bewusstem Kirche-sein ermutigt.

Entsprechend hat der Präses seinen Jahresbericht theologisch konnotiert, indem er daran erinnerte, was Christen und uns als Kirche bewegt, nämlich die Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Geradezu als „Markenzeichen“, indem Kirche immer auch öffentliche Verantwortung wahrnimmt und zu tagesaktuellen Themen Stellung bezieht.

Ein für unseren Kirchenkreis ist die Entscheidung zu einer veränderten Kirchensteuerverteilung von Bedeutung. Hier werden wir als sogenannter abgebender Kirchenkreis in unserer Solidarbereitschaft zusätzlich gefordert. Dieses Thema hatte enorme Sprengkraft, weil eine nur mathematische Verteilung des Pro-Kopf-Garantiebetrages die Probleme in den finanzschwachen Regionen unserer Landeskirche nicht löst und zugleich zusätzliche, irreversible Einschränkungen in unserem Bereich bedeutet. Aber die sachliche und rücksichtsvolle Auseinandersetzung in Arbeitsgruppen, im Tagungsausschuss, dem ich auch angehörte, führte zu einem für die nächsten Jahre konsensualen Kompromiss. Durchaus ein geistliches Ergebnis. Darüber ist an anderer Stelle ausführlich zu informieren – siehe aber auch synode.info.

Insofern hat sich das Werben um Vertrauen konkret bei Lösungsfindungen schwerwiegender Themen bewährt. Schließlich äußerte sich diese Haltung auch in einer Landessynode, die ihre Tagesordnung schneller als ursprünglich vorgesehen abgearbeitet hatte.

Wie immer sind die Begegnungen und Gespräche am Rande der Synode wichtig. Der Austausch über den eigenen Tellerrand teilt gute Erfahrungen, manche Sorge und vergewissert die Wahrnehmung, dass unsere Kirchengemeinden und Kirchenkreise ein starkes presbyterial-synodales Bewusstsein haben.

Frank Bartholomeyczik (Meckenheim):

Diesmal war erstmalig eine Jugendsynode der Landessynode vorgeschaltet. 50 Vertreter der „Jugend“ und 50 Landessynodale trafen sich ab Freitagmittag um unter anderem über die Themen der Kinder-und Jugendarbeit, Partizipation, Kinderarmut, unbegleitete Flüchtlinge und Neue Gemeindeformen zu diskutieren. Leider bestanden die Vertreter der „Jugend“ hauptsächlich aus „Berufsjugendlichen“, das heißt Jugendpfarrer/Innen, Jugendleiter/Innen. Gemäß Aussage der Kirchenleitung war es nicht, gelungen mehr „richtige“ Jugendliche zu gewinnen. Die wenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen beteiligten sich teilweise doch sehr intensiv gerade in den kleinen Arbeitsgruppen. Aus einem Vortrag von Prof. Wolfgang Ilg (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) wurde deutlich, dass sich nur noch wenige Jugendliche (nur evangelische) (40%) der evangelischen Kirche verbunden fühlen. Bei der Relevanzfrage wird das Ergebnis noch schlechter. Hoffnung gibt, dass Befragte, die sich bereits in der Konfirmandenzeit engagiert bzw. positive Erfahrungen machten, später deutlich positiver äußerten.

Die Landessynode machte sich dann im Verlauf ihrer Beratungen alle Vorschläge aus der Jugendsynode zu Eigen. Das betrifft insbesondere die Partizipation in den Gremien.

Neben vielen administrativer Änderungen bei Kirchengesetzen waren die Hauptthemen die Verbesserungen bei der Besoldung von Pfarrer/innen und eine veränderte Kirchensteuerverteilung. Kirchenkreise mit einem über dem Durchschnitt liegenden Finanzaufkommen werden sich nun noch solidarischer zeigen. Gerade diese Diskussion wurde sehr sachlich, mit Augenmerk und Verständnis für die Anderen geführt.

Das war jetzt meine dritte Landessynode und ich merke, dass es sehr viel Zeit erfordert, in die teilweise sehr lange bestehenden Kreise und diese Art der Gremienarbeit einzutauchen. Insgesamt komme ich erfüllt mit dem Motto des diesjährigen Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ zurück.

Pfarrer Siegfried Eckert (Bad Godesberg): Wie viel Theologie verträgt die Kirche?

Als Mitglied des Theologischen Ausschusses war ich im Vorfeld der Synode irritiert, dass uns im Dezember mitgeteilt wurde, dem Ausschuss werde keine Drucksache federführend oder mitberatend zugewiesen. Laut Geschäftsordnung wäre die Ausschussarbeit damit einzustellen. Unter anderem die Ergebnisse einer Jugendsynode, die Frage neuer Gemeindeformen, der Streitfall „Kirchensteuerverteilung“, sowie die Besoldung von PfarrerInnen sollten ohne unsere Kompetenz dem Plenum beschlussreif zur Abstimmung vorgelegt werden. Mit ein paar Synodenkniffen wurde das Schlimmste abgewendet.

Der Eindruck bleibt dennoch, dass scheinbar rein organisatorische und finanzielle Fragen einer Kirche von Morgen keiner angemessenen theologischen Reflexion mehr bedürfen. Wo dies hinführt, wurde deutlich bei Drucksache 23 und ihrer mangelhaften theologisch-ekklesiologischen Begründung für eine neue Kirchensteuerverteilung. Wenn solche Art einseitiger, theologischer Rede zum Schmieröl für kirchenleitendes Handeln wird, hat sie ihren Ursprungssinn verloren, Salz der Erde zu sein. Wie gut, dass es auch auf dieser Synode wenige Sternstunden gab, die für Korrekturen sorgten. Beispielhaft war der Kompromiss bezüglich eines neuen Verfahrens, um zu wohlüberlegteren Ergebnissen bei der Kirchensteuerverteilung zu kommen. Immerhin ist der Ständige Theologische Ausschuss nun mitberatend an Bord auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt.

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg):

Wir waren kaum aus Bad Neuenahr zurück, da hatten sich der Superintendent und mit ihm wir anderen Landessynodalen schon den Vorwurf in der Mailbox eingefangen, „politische Statements und Beschlüsse“ gefasst zu haben. Die stünden dem Kirchenparlament und damit uns nicht zu. Die Schreiber stießen sich an Ausführungen der Synode zum Thema Seenotrettung von Geflüchteten.

Im Plenum: Ebba Hagenberg-Miliu (rechts) und Siegfried Eckert. Foto: Uta Garbisch

Offenbar scheint nicht genügend kommuniziert zu sein, dass synodales Arbeiten durch und durch demokratisch stattfindet. Zu keinem Thema gibt es ein Tabu. Letztlich jede einzelne Formulierung wird in mehreren Arbeitsgruppen kontrovers diskutiert. Dann im Plenum hat nochmals jeder Synodale das Recht, seine Ablehnung, seine Kritik vorzutragen und Gegenanträge zu formulieren – ein langwieriges und, ich gebe es zu, sehr anstrengendes Verfahren.

Genau dieser demokratische Prozess wurde nun auch beim Thema Flüchtlinge durchlaufen. Schließlich sahen sich die Synodalen nach christlichem Verständnis verpflichtet, sich für sichere Fluchtwege einzusetzen und damit auch für die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen. Das demokratische Prinzip wurde auch hier ohne gedankliche Sperre bis zum letzten durchdekliniert. Nicht mehr und nicht weniger.

Irmela Richter (Rheinbach):

Ich hatte im Vorfeld mit hitzigen Debatten gerechnet. Das Thema Kirchensteuer-Pro-Kopf-Verteilung wurde in kleinen, gut durchmischten Arbeitsgruppen diskutiert. Die gravierenden Unterschiede wurden mir hier sehr deutlich. Aber auch, dass mehr Geld den Handlungsspielraum der ärmeren Regionen nicht überall erhöht, während die abgebenden Regionen ihr Engagement unter Umständen massiv kürzen müssen. Im dazugehörigen Tagungsausschuss wurde ein Kompromiss gefunden, der Veränderungen in Gang setzt, aber auch den Auftrag enthält, nach anderen, kreativen Wegen zu suchen, die zu einer echten Verbesserung in den strukturschwachen Regionen führen.

Im Theologischen Ausschuss haben wir in Kleingruppen darüber nachgedacht, was unsere Kirche in Zukunft verstärkt in den Blick nehmen sollte. Die Arbeit in den kleineren Gruppen habe ich als sehr belebend empfunden im Gegensatz zu den teilweise ermüdenden Plenarsitzungen. Diese Form der Arbeit fördert gegenseitige Wahrnehmung und Verständnis füreinander.

Alle Infos und Beschlüsse zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland finden Sie hier: www.ekir.de

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 14. Januar 2019