Erstmals eine Frau an der Spitze

Die neue Superintendentin des Kirchenkreises, Pfarrerin Claudia Müller-Bück (rechts), und ihr Gegenkandidat, Pfarrer Knut Dahl-Ruddies, vor der Jungholz-Halle in Meckenheim, des Tagungsortes der Kirchenkreissynode. Foto: Wolfgang Thielmann

Der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel hat sein höchstes Führungsamt neu besetzt. Seine Synode wählte Pfarrerin Claudia Müller-Bück aus Swisttal am 2. April 2022 in Meckenheim mit 38 von 71 Stimmen zur neuen Superintendentin und damit zur ersten Frau an der Spitze des Kirchenkreises seit seiner Gründung 1968. Die 47-jährige folgt auf Pfarrer Mathias Mölleken (Meckenheim), der Ende Mai in den Ruhestand geht. Am 20. Mai wird sie in ihre sechsjährige Amtszeit eingeführt. Schon bisher war Müller-Bück als Skriba (Schriftführerin) zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Ihr Gegenkandidat, der Euskirchener Gefängnispfarrer Knut-Dahl-Ruddies, erhielt 33 Stimmen.

Vor der Synode rief Müller-Bück zur Zuversicht auch bei zurückgehenden Zahlen auf. Es gelte, aufzubrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Theologen und Nichttheologen zu finden. „Unser Glaube ist von Anfang an mit Aufbruch und Neubeginn verbunden“, sagte sie. Zudem müsse sich die Kirche an die Seite der Leidenden und Schwachen stellen. Bei der Flut im Juli 2021 habe sie erfahren, wie viel Kraft ihr die Hoffnung gegeben habe. Müller-Bück hatte in der Katastrophe Hilfsangebote aufgebaut und gehört seither zum Mobilen Fluthilfeteam ihrer Region. Sie sehe ihre Aufgabe darin, Menschen zu gewinnen und zu verbinden.

Frisch gewählt: Kathrin Müller (2.v.l.) und Gregor Weichsel (5.v.r.) mit Claudia Müller-Bück und Mitgliedern des KSV, darunter rechts Superintendent Mathias Mölleken. Foto: Wolfgang Thielmann

Als neuer Skriba wurde der Euskirchener Pfarrer Gregor Weichsel gewählt. Auf die Stelle der zweiten Stellvertretung des oder der Skriba wählte die Synode die Wachtberger Pfarrerin Kathrin Müller. Der bisherige zweite Stellvertreter, Pfarrer Edgar Hoffmann aus Euskirchen, gibt das Amt wegen seines Ruhestandes auf.

Als eine der 37 Superintendentinnen und Superintendenten der Evangelischen Kirche im Rheinland repräsentiert Müller-Bück die mittlere Ebene zwischen der Landeskirche und den Gemeinden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel umfasst 13 Gemeinden zwischen Zülpich und Bonn-Bad Godesberg mit knapp 50.000 Mitgliedern.

Krieg in der Ukraine: Ein „menschenverachtender Gewaltakt“

Einstimmig verurteilte die Synode in einer Stellungnahme den „russischen Angriffskrieg auf die Ukraine“ als einen „menschenverachtender Gewaltakt“. Sie bekundete Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und äußerte sich beeindruckt von Menschen in Russland, die sich trotz Verhaftungen und Misshandlungen gegen den Krieg stellten. Sie hieß Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland willkommen. Die Kirchengemeinden setzten sich ein „für ein friedliches Miteinander von russischen und ukrainischen Menschen in unserer Gesellschaft.“

Sexuelle Gewalt: Flächendeckendes Schutzkonzept kommt

Die 71 Synodalen beschlossen zudem ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt. Darin werden der Kirchenkreis, seine 13 Gemeinden und seine Einrichtungen verpflichtet, Schutzkonzepte zu erstellen und alle Mitarbeitenden zu schulen. Als Vertrauenspersonen wurden die Frauenbeauftragte des Kirchenkreises, Sabine Cornelissen, und der Jugendreferent Rainer Steinbrecher berufen. Der Beschluss geht auf ein Gesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland von 2021 zurück, nach dem der Schutz flächendeckend sichergestellt werden muss. Der Kirchenkreis hatte schon 2014 ein Vorbeugekonzept unter dem Titel „Klarer sehen“ verabschiedet. Vor der Synode erklärte Kirchenrätin Iris Döring (Düsseldorf), neben der Aufklärung von Taten müssten überall klare Verfahren und Zuständigkeiten aufgebaut werden. Nach dem Konzept sollen die Leitungen aller Kirchengemeinden Arbeitsgruppen berufen, die eine Risikoanalyse sowie eine Liste aller Beteiligten erstellen, sodass der Kirchenkreis den Schulungsbedarf einschätzen kann.

Das Klima schonen: Kirchen werden treibhausgasneutral umgerüstet

Im Rahmen eines Klimaschutzprogramms beauftragten die Synodalen den Kreissynodalvorstand, eine Bedarfsplanung für Gebäude im Kirchenkreis vorzubereiten. Nach einem Beschluss der Landeskirche soll in den nächsten fünf Jahren in allen Gemeinden entschieden werden, welche Gebäude langfristig nötig sind. Diese sollen treibhausgasneutral modernisiert werden. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel will die Gemeinden dabei unterstützen. Zudem sind alle Ebenen verpflichtet, Heizungen zu optimieren und Ökostrom zu beziehen. Der Bonner Verbraucherberater Reinhard Loch zeigte auf der Synode Wege zu einem Energiemanagement für Kirchengemeinden. Er plädierte dafür, nicht die Wirtschaftlichkeit zum Maßstab zu machen, sondern „die erzielte Wegstrecke zum Ziel der Klimaneutralität“. Das habe Vorbildfunktion in der Gesellschaft. Der landeskirchliche Klimamananager Waldemar Schutzki (Altenkirchen) stellte Vorzeigeprojekte auf dem Gebiet der rheinischen Kirche vor. Eins davon liegt im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel: Die Evangelische Friedenskirche in Meckenheim wird seit 2010 mit Erdwärme beheizt.

Wolfgang Thielmann

Superintendentenwahl, Schutzkonzept und Klimaschutz

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken am 31. Mai in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, ist also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mathias Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Seine Nachfolgerin beziehungsweise sein Nachfolger übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028. Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen. Die Wahlen sind nach der Mittagspause ab 13.15 Uhr vorgesehen.

Neues Konzept gegen sexualisierte Gewalt

Am Vormittag stehen die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit im Vordergrund. Kirchenkreise, Gemeinden und Einrichtungen sind verpflichtet, Schutzkonzepte zu erstellen und Mitarbeitende flächendeckend zu schulen. Ein seit 2021 geltendes Kirchengesetz erweitert die bisherigen Bemühungen, sexualisierter Gewalt präventiv konzeptionell entgegenzuwirken. Hierzu hatte die Kreissynode bereits 2014 das Präventionskonzept „Klarer sehen“ für den Kinder- und Jugendbereich beschlossen. Das neue Konzept schafft eine Grundlage für das Erkennen dieser Gewaltform und eine systematische Prävention, die Kinder und Jugendliche, aber auch alle anderen Menschen innerhalb der Kirche vor der Verletzung ihrer sexuellen Selbstbestimmung schützen soll. Landeskirchenrätin Iris Döring wird in das Thema einführen. Als Vertrauenspersonen im Sinne des Konzeptes schlägt der KSV die Frauenbeauftragte und den Jugendreferenten des Kirchenkreises, Sabine Cornelissen und Rainer Steinbrecher, vor.

Viel weniger Treibhausgase

Die rheinische Landessynode 2022 hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass Kirchengemeinden, Kirchenkreise und die Landeskirche bis spätestens 2027 entscheiden sollen, welche ihrer Gebäude sie langfristig noch benötigen. Diese Gebäude sollen bis 2035 „treibhausgasneutral“ ertüchtigt werden. Um Treibhausgasemissionen kurzfristig zu senken, sind alle kirchlichen Ebenen verpflichtet, ihre Heizungen zu optimieren und auf zertifizierten Öko-Strom umzustellen. Dr. Reinhard Loch, Physiker und langjähriger Energieberater, und der landeskirchliche Klimaschutzmanager Waldemar Schutzki werden dazu einen Impulsvorträge halten. Ihr gemeinsames Thema: Was machen wir mit den Liegenschaften im Hinblick auf Stromverbrauch und Wärmeverbrauch?

Die Synode ist öffentlich und beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Das Ende ist gegen 16.30 Uhr geplant. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel. Zugang erhält nur, wer vollständig geimpft, genesen oder getestet ist. Alle müssen zusätzlich einen aktuellen, maximal 24 Stunden alten Testnachweis vorlegen. Alle Nachweise werden beim Einlass zusammen mit einem Ausweis kontrolliert.

Synode wählt neue Leitung

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken zum 1. Juni in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Sein:e Nachfolger:in übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028.
Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen.

Neben den Wahlen sind für die Synode die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit geplant.

Die Synode beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel.

Keiner soll alleine bleiben

Auch der Baum ist ein Geschenk: Bastian Feuser hilft mit, die Geschenke zu sortieren. Foto: Frank Schultze

Eine Kirche voller Geschenke: Damit es auch für die Menschen in den Flutgebieten Weihnachten wird, haben sich Kirche und Diakonie in Swisttal-Heimerzheim eine Menge einfallen lassen. Denn gerade jetzt soll niemand alleine feiern müssen.

365, 366, 367 – Natalie Kallas zählt die bunt verpackten Pakete, die sich direkt vorm Weihnachtsbaum mit den großen, roten Christbaumkugeln der Maria-Magdalena-Kirche in Heimerzheim stapeln. Viele sind mit Weihnachtsgrüßen, Sternchen oder kleinen Weihnachtsbären behängt. Auf dem Boden grinst Mr. Bean von einer hellgelben DVD-Hülle, daneben schaut ein Stoffhund aus seiner Verpackung.

„Eine schöne Handtasche – nicht für ältere Damen“: ein Wunsch von vielen wird erfüllt- Foto: Frank Schultze

Ein buntes Durcheinander, in das Gemeindemitglied Natalie Kallas gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen und Elke Feuser-Kohler, mobile Fluthelferin des Diakonischen Werks Bonn und Region, Ordnung bringt. Feuser-Kohlers Sohn Bastian spielt derweil auf dem Keyboard. Dann setzt er sich wieder in Bewegung und hilft mit, die Pädcken zu sortieren.

Natalie Kallas sortiert mit Felix Schmitz (links) und Bastian Feuser die Geschenke, damit alle an die richtigen Adressaten kommen.

400 Weihnachtswünsche erfüllt

400 Geschenke für Flutbetroffene sind zusammengekommen bei einer Gemeinschaftsaktion der Diakonie und der örtlichen AWO für die Gemeinden des Swisttals. Alle haben einen bestimmten Adressaten, dem damit ein persönlicher Weihnachtswunsch erfüllt wird.

Da ist ordentlich etwas zusammen gekommen. Foto: Frank Schultze

„Oft ist ein kleiner Gruß beigelegt“, erzählt Pfarrerin Claudia Müller-Bück, deren Stelle um 25 Prozent für die Fluthilfe aufgestockt und aus Spendenmitteln für die Diakonie Katastrophenhilfe bezahlt wird. „Völlig fremde Menschen haben so eine Verbindung. Und dass jemand an einen denkt, ist vielleicht viel wichtiger als das Geschenk selbst.“

Die Päckchen werden an Heiligabend nach der Christvesper in der Maria-Magdalena-Kirche verteilt. Wer nicht da ist, erhält sein Geschenk später. Die Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsgottesdienstes sind zudem zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier mit Braten, Rotkohl und Knödeln eingeladen. Die Feier hat der Seniorenbeirat Swisttal mitorganisiert.

Text: Jörg Stroisch/Redaktion: Sabine Damaschke, Fotos: Frank Schultze

„Raum in der Herberge“

Anlaufstelle für Betroffene der Flut: die Maria-Magdalena-Kirche in Heimerzheim. Foto: Meike Böschemeyer

Eine festliche Weihnachtsfeier in der Kirche für alle, die Heiligabend nicht zuhause feiern können oder möchten. Das ist das Angebot der Evangelischen Kirchengemeinde Swisttal in ihrer Maria- Magdalena-Kirche. Nicht nur in Swisttal sind Flutbetroffene in ihre teils noch entkernten Häuser zurückgekehrt. Aber noch fehlt vielen die Heizung. „Wir finden: Es geht nicht, dass sie eine schöne Christvesper in der warmen Kirche erleben und dann in ihre kalten Häuser zurückkehren“, sagt Pfarrerin Claudia Müller-Bück. Deshalb sollen die Besucherinnen und Besucher nach dem Gottesdienst bleiben können. Oder auch erst zur Feier kommen. Das Motto ist „Raum in der Herberge“.

Das Menü steht bereits fest. Es gibt klassischen Rinder- oder Rehbraten mit Rotkohl und Klößen. Für die Zubereitung sorgt das benachbarte, ebenfalls flutbeschädigte Sterne-Hotel von Elisabeth Weidenbrück. Eine vegetarische Variante sowie Vorspeise und Dessert bereitet Köchin Melanie Kümpel von der Evangelischen Jugendbildungsstätte Merzbach vor.

Die Christvesper mit Pfarrer Christoph Pistorius, Vizepräses der rheinischen Landeskirche, beginnt an Heiligabend, 24. Dezember 2021, um 16.30 Uhr, in der Maria- Magdalena-Kirche in Swisttal-Heimerzheim, Sebastianusweg 5-7. Sie wird auch gestreamt. Danach wird umgeräumt, damit möglichst viele Menschen mit Abstand in der Kirche Platz finden. Wer mag, kann dabei gerne mithelfen, damit die Weihnachtsfeier um 18 Uhr beginnen kann. Es gilt die 2G-Plus-Regel.

Anmeldung bei Claudia Müller-Bück unter claudia.mueller-bueck@ekir.de oder im Gemeindebüro, Telefon 02254 1717.

Die Menschen fürchten sich vor dem Winter

Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und Seelsorgerin im Fluthilfe-Team des Diakonischen Werks Bonn und Region. Foto: Jurate Jablonskyte

Viele Menschen in den Hochwassergebieten haben nach den Worten der Fluthilfe-Seelsorgerin Claudia Müller-Bück große Sorge vor dem Winter. „Viele merken, dass ihre Häuser und Wohnungen nicht rechtzeitig vor dem Winter fertigwerden“, sagt die Pfarrerin aus Swisttal. Bis vor ein paar Wochen seien viele Hochwassergeschädigte noch optimistisch gewesen, an Weihnachten wieder zuhause im Warmen sitzen zu können. Doch für viele habe sich diese Hoffnung nun zerschlagen.

„Ich merke, dass bei vielen langsam die Kraft nachlässt“, erläuterte Müller-Bück, die dem Fluthilfe-Team des Diakonischen Werks Bonn und Region angehört, das in den Hochwassergebieten der Voreifel unterwegs ist. Nachdem die gröbsten Aufräumarbeiten bei den meisten abgeschlossen seien, stehe nun das Warten auf Hilfsgelder und Handwerker im Vordergrund. Viele Menschen hätten in den Wochen nach der Katastrophe zunächst funktioniert und angepackt. Auch die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer hätten den Menschen Kraft gegeben. „Jetzt kommen viele zum Nachdenken und es wird ihnen bewusst, welche Auswirkungen die Ereignisse auf ihr Leben haben, beobachtet die Seelsorgerin.  „Da ist eine ganz große Ermüdung und auch ein bisschen Depression.“

Viele ältere Menschen wollen nicht um Hilfe bitten

Vor allem viele ältere Menschen täten sich schwer mit der Situation, weil ihnen oft die Kraft zum Wiederaufbau fehle, sagte Müller-Bück. Einige seien weggezogen in betreute Wohneinrichtungen. „Aber es gibt auch viele, die alleine in ihren großen Häusern wohnen, in denen unten alles ausgeräumt ist. Die wissen oft nicht, wie es weitergeht.“ Immer wieder erfahre das Fluthilfe-Team von Seniorinnen oder Senioren, deren Lebenssituation prekär sei, weil sie sich keine Unterstützung geholt und keinerlei Hilfsgelder beantragt hätten. Viele ältere Menschen scheuten davor zurück, um Hilfe zu bitten. „Da müssen wir teilweise sehr darum kämpfen, dass diese Menschen Unterstützung annehmen und Vertrauen fassen.“

Für Kinder ist es besonders schwer

Familien kämen mit der Situation meist besser zurecht, weil sie Hilfsangebote annähmen, sagte die Seelsorgerin. Allerdings litten viele unter beengten Wohnsituationen. Vor allem Kinder hätten mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen. „Wir haben es hier mit Kindern zu tun, die um ihr Leben gefürchtet haben.“ Zudem sei durch Schäden an einigen Schulen auch ein normaler Unterricht nicht möglich. Ebenso seien viele Sportanlagen zerstört. Das Fluthilfe-Team der Diakonie versuche, mit Freizeitangeboten für Familien zu helfen.

Fluthilfe-Team: vier Vollzeitstellen für zwei Jahre

Das Fluthilfe-Team arbeitet nach Angaben des Diakonischen Werks Bonn und Region in den kommenden zwei Jahren mit vier Vollzeitstellen in Swisttal, Rheinbach und Meckenheim. Zum Team gehören Fachkräfte für die psychosoziale Betreuung sowie eine Verwaltungskraft, die bei Hilfsgelder-Anträgen unterstützt. Zudem soll das Team noch durch eine Bausachverständigenstelle ergänzt werden. Finanziert wird dies aus Spendengeldern. Eine fünfte Stelle für Seelsorge und psychologische Betreuung werde zusätzlich von der Evangelischen Kirche im Rheinland bereitgestellt.

© Evangelischer Pressedienst (epd)/Claudia Rometsch – mit freundlicher Genehmigung von www.epd-west.de

Lieber sicher und solidarisch

Die Tanne war schon ausgesucht: Mit Wehmut hat die Kirchengemeinde Euskirchen ihre großen Open Air - Gottesdienste abgesagt. Foto: Michael Bork

Immer wieder anders. Das ist in diesen Tagen und Wochen auch bei Kirche so. Jetzt haben die Presbyterien entschieden, wie sie ab sofort mit den Gottesdiensten vor allem an Weihnachten umgehen. Das Ergebnis: Ganz überwiegend werden die Präsenzgottesdienste drinnen wie draußen bis zum 10. Januar ausgesetzt. Stattdessen setzen die Protestanten auf Online-, Video- und andere bewährte Angebote. Also heißt es trotz allem: Frohe Weihnachten!

Achten Sie am besten aktuell auf die Informationen Ihrer Kirche und Gemeinde vor Ort, da weitere Veränderungen nicht ausgeschlossen sind.

Analyse und Mut gefragt

Superintendent Mathias Mölleken hatte sich am Mittwoch an die Gemeinden gewandt. Mit Blick auf die hohen Inzidenzzahlen in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen betont er:
„Auch wenn die Kirchenordnung die Versammlung der Gemeinde zum Gottesdienst vorsieht, gebietet die Vernunft die genaue Analyse der Situation vor Ort und auch gegebenenfalls den Mut, an diesen hohen Feiertagen zum Schutz von Menschenleben auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Auch ich möchte Sie dazu ermutigen, alternative Formen der Weihnachtsgottesdienste zu feiern, wenn Sie der Überzeugung sind, dass die Lage vor Ort keine Präsenzgottesdienste zulässt.“ Die Erfahrungen der letzten Monate habe gezeigt, dass auch Gottesdienste im Internet, Podcasts, Küchentisch-Andachten oder alternative Zusammenkünfte der Gemeinde, etwa in Form einer Videozusammenkunft, insbesondere in dieser Situation sehr wertgeschätzt werden.

Sicherheit und Solidarität gehen vor

Vor diesem Hintergrund haben die Presbyterien beraten und entschieden. Sicherheit und Solidarität sind dabei entscheidende Kriterien. Folgende Kirchengemeinden verzichten bis mindestens 10. Januar 2021 auf Präsenzgottesdienste in ihren Kirchen: Erlöser-, Heiland-, Johannes- und Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg, Euskirchen, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal, Wachtberg, Weilerswist und Zülpich.

Die  Kirchengemeinde Weilerswist hat ihren Heiligabendgottesdienst draußen auf der Pfarrwiese abgesagt, feiert an den Weihnachtstagen aber mehrere Gottesdienste. Flamersheim und Bad Münstereifel halten an ihren Angeboten fest. Wo Gottesdienste gefeiert werden, ist in jedem Fall eine Anmeldung erforderlich.

Das bedeutet für die Gottesdienste in den einzelnen Gemeinden (wird fortlaufend ergänzt):

Bad Godesberg und Wachtberg

Alle evangelischen Kirchengemeinden in Bad Godesberg und Wachtberg sagen ab sofort ihre Gottesdienste ab. Dies gilt für Feiern in den Kirchen, also Präsenz-Gottesdienste ebenso wie für Open Air-Gottesdienste. Sie verlegen ihre Verkündigung bis mindestens 10. Januar auf andere Formate wie Video-Gottesdienste, Anleitungen für Andachten zu Hause und ähnliches. Nähere Informationen dazu finden sich jetzt oder in den nächsten Tagen auf den Homepages der Kirchengemeinden.

„Es ist ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen noch grundsätzlicher zu verzichten und Gefährdungen in weitgehenstem Maße zu vermeiden. Darin erkennt die Kirche, wie es in einer Verlautbarung der westfälischen Kirche heißt, ‚den Auftrag der Liebe Gottes zu den Menschen zu entsprechen'“, erklärt Pfarrer Daniel Post, Vorsitzender des Evangelischen Godesberger Konvents.

www.erloeser-kirchengemeinde.de

heilandkirche.de

www.johannes-kirchengemeinde.de

www.thomas-kirchengemeinde.de

www.wachtberg-evangelisch.de

Evangelische Kirchengemeinde Meckenheim
meckenheim-evangelisch.de

Die Kirchengemeinde wird ab sofort auf alle Präsenzgottesdienste Kirchen verzichten. Ab dem 4. Advent bis zum 10. Januar werden alle Gottesdienste live im Internet übertragen, ohne Besucher*innen. Auch die geplanten Open Air-Gottesdienste an Heiligabend fallen aus.

Evangelische Kirchengemeinde Rheinbach
www.ev-kircherheinbach.de

Auch in Rheinbach finden vorerst keine Präsenzgottesdienste mehr statt. Das Presybterium: „Gerne hätten wir mit Ihnen Gottesdienste in der Gnadenkirche oder draußen gefeiert, halten aber angesichts der gegenwärtigen Lage unsere gestern getroffene Entscheidung für verantwortungsvoller.“

Evangelische Kirchengemeinde Swisttal
ev-kirche-swisttal.de

Bis zum 10. Januar werden keine Gottesdienste in Präsenz gefeiert werden. Die Versöhnungskirche und die Maria-Magdalena-Kirche sind tagsüber für persönliche Einkehr und Gebet Einzelner geöffnet.  Zu Weihnachten und zu Silvester sind Streaminggottesdienste aus der Maria-Magdalena-Kirche geplant, die über die Homepage abrufbar sind. Hier gibt es  auch weitere Andachten in Schriftform, sowie Hinweise auf Fernsehgottesdienste und Angebote für Kinder.

In den Tagen zwischen dem vierten Advent und Heiligabend wird an alle Haushalte der Kirchengemeinde ein Weihnachtsgruß mit Anregungen für eine Feier zu Hause verteilt.

„Weihnachten 2020 wird ohne Gottesdienste mit Gemeinde und lautem Gesang von „O du fröhliche …“ in unseren Kirchen völlig anders werden, als wir es gewohnt sind. Auch auf Besuche und gemeinsames Feiern müssen wir größtenteils verzichten. Wir tun das, um andere und uns selbst zu schützen“, erläurtet Pfarrerin Claudia Müller-Bück.

Evangelische Kirchengemeinde Euskirchen
ev-kirche-euskirchen.de

Für die Zeit des „harten Lockdowns“ verzichtet die Kirchengemeinde auf Gottesdienste: „Die sich weiter zuspitzende Lage hat uns veranlasst, nun alle Gottesdienste für die Zeit des harten Lockdowns abzusagen und so auf Nummer sicher zu gehen. Damit stellen wir uns auch an die Seite der Gastronomen, Kulturschaffenden, Einzelhändler und vieler anderer, die vergleichbare Hygienekonzepte haben. Wir verzichten auf unser Privileg.“ begründet Pfarrer Weichsel die Entscheidung des Presbyteriums.

Stattdessen: Zwei Gottesdienste sind am Heiligen Abend als Streaming-Angebot über die Homepage zu sehen und können zu Hause mitgefeiert werden: Ab 16.30 Uhr eine Familien-Christvesper für Groß und Klein und ab 18.15 Uhr die Christmette mit dem Vokal-Ensemble TON-ART. Außerdem erscheint ein Heft mit einer Hausandacht, das zum Beispiel in der Adventskerze vor der Kirche abgeholt, auf der Homepage heruntergeladen oder auf Wunsch zugeschickt werden kann. Am 1. und 2. Weihnachtstag wird ein Gottesdienst live aus der Kirche übertragen ohne dort anwesende Gemeinde. In den vergangenen Wochen nutzten rund 70 Haushalte bereits dieses Angebot aufgrund der stark reduzierten Plätze in der Kirche. Aktuelle Informationen erscheinen auf der Homepage.

Evangelische Kirchengemeinde Flamersheim
www.kirchengemeinde-flamersheim.de

Präsenz-Gottesdienste werden an Heiligabend und Weihnachten angeboten. Die Gottesdienste sind höchstens 30 Minuten lang.  Außerdem gibt es einen Online-Gottesdienst.

Evangelische Kirchengemeinde Bad Münstereifel
www.badmuenstereifel.ekir.de

Der angekündigte Familiengottesdienst am 24. Dezember um 15 Uhr im Gemeindegarten in Arloff findet nicht statt. Stattdessen gibt es einen Videogottesdienst auf dem Youtubekanal.

Evangelische Kirchengemeinde Weilerswist
www.mlkw.de

Nun sind auch in Weilerswist alle Präsenz-Gottesdienst bis zum 10. Januar abgesagt (Stand Montag). Die Kirchengemeinde wird einen Videogottesdienst für den Heiligen Abend auf ihrer Homepage einstellen. Familien mit Kindern empfiehlt sie die Angebote im Fernsehen.

Evangelische Christus-Kirchengemeinde Zülpich
www.ev-christuskirche-zuelpich.de

Ab sofort bis einschließlich 10. Januar werden keine Präsenzgottesdienste gefeiert. Diese werden durch Livestream oder vorherige Aufzeichnungen ersetzt. „Wir hoffen, durch diesen Verzicht die allgemeinen Bemühungen zu unterstützen und so ein Zeichen der Solidarität zu setzen“, so Pfarrer Ulrich Zumbusch.

24 x Weihnachten

Screenshot: www.24x-weihnachten-neu-erleben.de

Erst das Buch lesen und dann gemeinsam austauschen. Das geht in diesem Advent per Videokonferenz. Wer mitmacht, liest „24x Weihnachten neu erleben“ von Autor Oskar König mit 24 Weihnachtsimpulsen.

Auf dieser Basis will Pfarrerin Claudia Müller-Bück von der Kirchengemeinde Swisttal mit Interessierten ins Gespräch kommen und so die Adventszeit bewusst erleben. Immer dienstags um 19.30 Uhr bietet sie ein gemeinsames Treffen per Videokonferenz oder Telefon an. Termine sind der 1., 8., 15. und 22. Dezember 2020. Außerdem gibt es eine WhatsApp-Gruppe dazu.

Anmeldung unter Telefon 02254 8070139 oder per Mail claudia.mueller-bueck@ekir.de.

EB/gar

Fällt leider aus: „Behalt doch deinen blöden Hammer!“

Wie Kommunikation gelingen kann, vermittelt ein Seminar am 29. September in Swisttal. Wer kennt das nicht: Zwei Menschen reden aneinander vorbei und kommen auf keinen grünen Zweig. Wer sich bessere Gespräche wünscht, in denen es gelingt zu sagen, was man wirklich sagen will, und dabei auch verstanden zu werden, kann dies lernen. Pfarrerin Claudia Müller-Bück und die Heilpraktikerin und Therapeutin Sabine Schröder arbeiten mit Interessierten an deren Reden und Hören.

Der Tag rund ums Miteinander-Reden findet statt am Samstag, 29. September 2018, von 10 bis 17 Uhr, im Familienzentrum Maria Magdalena in Swisttal-Heimerzheim, Schützenstraße 43. Außer einem Unkostenbeitrag für Verpflegung kostet die Teilnahme nichts.

Anmeldung im Gemeindebüro unter Telefon (0 22 54) 17 17 oder per Email swisttal@ekir.de.

EB/gar