Die Menschen fürchten sich vor dem Winter

Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und Seelsorgerin im Fluthilfe-Team des Diakonischen Werks Bonn und Region. Foto: Jurate Jablonskyte

Viele Menschen in den Hochwassergebieten haben nach den Worten der Fluthilfe-Seelsorgerin Claudia Müller-Bück große Sorge vor dem Winter. „Viele merken, dass ihre Häuser und Wohnungen nicht rechtzeitig vor dem Winter fertigwerden“, sagt die Pfarrerin aus Swisttal. Bis vor ein paar Wochen seien viele Hochwassergeschädigte noch optimistisch gewesen, an Weihnachten wieder zuhause im Warmen sitzen zu können. Doch für viele habe sich diese Hoffnung nun zerschlagen.

„Ich merke, dass bei vielen langsam die Kraft nachlässt“, erläuterte Müller-Bück, die dem Fluthilfe-Team des Diakonischen Werks Bonn und Region angehört, das in den Hochwassergebieten der Voreifel unterwegs ist. Nachdem die gröbsten Aufräumarbeiten bei den meisten abgeschlossen seien, stehe nun das Warten auf Hilfsgelder und Handwerker im Vordergrund. Viele Menschen hätten in den Wochen nach der Katastrophe zunächst funktioniert und angepackt. Auch die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer hätten den Menschen Kraft gegeben. „Jetzt kommen viele zum Nachdenken und es wird ihnen bewusst, welche Auswirkungen die Ereignisse auf ihr Leben haben, beobachtet die Seelsorgerin.  „Da ist eine ganz große Ermüdung und auch ein bisschen Depression.“

Viele ältere Menschen wollen nicht um Hilfe bitten

Vor allem viele ältere Menschen täten sich schwer mit der Situation, weil ihnen oft die Kraft zum Wiederaufbau fehle, sagte Müller-Bück. Einige seien weggezogen in betreute Wohneinrichtungen. „Aber es gibt auch viele, die alleine in ihren großen Häusern wohnen, in denen unten alles ausgeräumt ist. Die wissen oft nicht, wie es weitergeht.“ Immer wieder erfahre das Fluthilfe-Team von Seniorinnen oder Senioren, deren Lebenssituation prekär sei, weil sie sich keine Unterstützung geholt und keinerlei Hilfsgelder beantragt hätten. Viele ältere Menschen scheuten davor zurück, um Hilfe zu bitten. „Da müssen wir teilweise sehr darum kämpfen, dass diese Menschen Unterstützung annehmen und Vertrauen fassen.“

Für Kinder ist es besonders schwer

Familien kämen mit der Situation meist besser zurecht, weil sie Hilfsangebote annähmen, sagte die Seelsorgerin. Allerdings litten viele unter beengten Wohnsituationen. Vor allem Kinder hätten mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen. „Wir haben es hier mit Kindern zu tun, die um ihr Leben gefürchtet haben.“ Zudem sei durch Schäden an einigen Schulen auch ein normaler Unterricht nicht möglich. Ebenso seien viele Sportanlagen zerstört. Das Fluthilfe-Team der Diakonie versuche, mit Freizeitangeboten für Familien zu helfen.

Fluthilfe-Team: vier Vollzeitstellen für zwei Jahre

Das Fluthilfe-Team arbeitet nach Angaben des Diakonischen Werks Bonn und Region in den kommenden zwei Jahren mit vier Vollzeitstellen in Swisttal, Rheinbach und Meckenheim. Zum Team gehören Fachkräfte für die psychosoziale Betreuung sowie eine Verwaltungskraft, die bei Hilfsgelder-Anträgen unterstützt. Zudem soll das Team noch durch eine Bausachverständigenstelle ergänzt werden. Finanziert wird dies aus Spendengeldern. Eine fünfte Stelle für Seelsorge und psychologische Betreuung werde zusätzlich von der Evangelischen Kirche im Rheinland bereitgestellt.

© Evangelischer Pressedienst (epd)/Claudia Rometsch – mit freundlicher Genehmigung von www.epd-west.de

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 22. November 2021