„Wie Weihnachten ein Fest für Körper und Seele wird“

Oliver Röder, Sternekoch aus Flamersheim im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel: "Gutes Essen stärkt Körper und Seele."

Oliver Röder (35) erhielt 2012 seinen ersten Michelin-Stern und 16 von 20 „Gault Millau“-Punkten als Neuentdeckung des Jahres. Der Sternekoch, der u. a. mit seiner Frau die „Landlust“ auf Burg Flamersheim bei Euskirchen betreibt, erzählt im Interview, wie Weihnachten ein Fest für Körper und Seele wird.

Wie war das früher Heiligabend bei Ihnen zu Hause? Was gab es zu essen?

Zu Hause gab es bei uns immer Ente. Ganz klassisch Ente, Rotkohl, Blaukraut. Damit wurde ich groß. So haben die Eltern meiner Mutter auch schon immer gekocht. Von Vaters Seite kamen irgendwann Erbsensuppe und Fisch mit rein. Bei uns gibt es immer ein mehrgängiges Menü.

Haben Sie Heiligabend auf?

Heiligabend haben wir zu, weil wir den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag geöffnet haben. Das ist ein Tag, da sollen die Mitarbeiter bei ihren Familien sein.

Sie feiern mit Ihrer Frau?

Mit meiner Frau und unseren zwei Kindern. Oft sind meine Eltern und Schwiegereltern da. Seitdem wir Kinder haben, ist es wieder sehr familiär geworden.

Was würden Sie unseren Lesern und Leserinnen empfehlen, wenn man Weihnachten zu Hause kocht?

Es bleibt bei der Ente. Ich bin da sehr klassisch. Ich mag Traditionen. Man sollte daran gar nicht viel ändern. Selbst wenn man aus einer Familie kommt, wo es immer Kartoffelsalat und Würste gab. Man fühlt sich dann wieder zurückversetzt. Das geht mir zumindest so. Man reflektiert sich selbst und den eigenen Werdegang. Man kann sich daran erinnern, als man klein war. Was man in der Zeit erlebt hat. Was im letzten Jahr passiert ist. Was es mit sich gebracht hat. Da finde ich Tradition sehr, sehr schön.

Gibt es denn außer dem Essen für Sie eine Heiligabend-Tradition?

Wir gehen immer in die Kirche. Und schmücken den Weihnachtsbaum.

Sie sind evangelisch und sicherlich ein Genussmensch. Wie genussfähig erleben Sie Ihre evangelische Kirche?

Allgemein schon. Es spielt aber keine Rolle, ob jemand evangelisch, katholisch oder Atheist ist. Zu Weihnachten kommen alle irgendwie zusammen. Man lebt, glaube ich, heute bewusster. Man gönnt sich was. Das war früher schon so und wurde noch ernster genommen. Wer weniger hat, kann sich mit Essen sehr schnell wie ein König fühlen. Wenn ich zum Beispiel nicht das Geld habe, um Skiurlaub zu machen, kann ich aber ein richtig tolles Stück Fleisch oder Fisch einkaufen. Dann fühle ich mich ganz schnell sehr gut. Das hat eine Wertigkeit, die man direkt erleben kann. Viele machen das und sehen das Weihnachtsfest als etwas Besonderes an.

Sie sagen, Essen ist gut für den Körper und die Seele.

Oh ja. Wenn wir mit dem Köper anfangen: Jede, jeder von uns möchte am liebsten Hundert werden. Aber die meisten schmeißen oben immer nur Mist rein. Überspitzt formuliert: Man sollte den Körper als Maschine sehen. Viele kaufen sich die tollsten Autos und würden sicher kein gepanschtes Öl reinschütten. Sie geben für das Motoröl 30 Euro pro Liter aus. Aber das Olivenöl zuhause darf maximal drei Euro kosten. In dem Moment sollte man das alles hinterfragen: Wo sind die Prioritäten und wie viel wert sind wir uns selbst? Wenn ich nur Schrott esse und meinen Körper wie einen Haufen Elend behandle, wird er krank. Da muss mehr Bewusstsein entstehen. Wenn ich gutes Essen esse, geht es meinem Körper gut. Dann geht’s auch mir gut.

Damit meinen Sie auch die Seele?

Ja, das sind Körper und Seele. Es ist ganz wichtig, dass man Essen genießt und ein bisschen Ruhe reinbringt. Das ist mit zwei kleinen Kindern manchmal leichter gesagt als getan. Aber wenn meine Frau und ich mal Zeit für uns brauchen, gehen wir eigentlich immer essen. Da herrscht eine gewisse Ruhe, man genießt, man unterhält sich. Das hat für mich wirklich mit Genuss zu tun. Es muss nicht immer ein Sternerestaurant sein. Beim Essen kann ich abschalten. Da komme ich runter. Ich esse etwas Vernünftiges, es schmeckt gut und es ist Handwerk dabei. Automatisch geht’s mir dann einfach gut. Und wenn es im Körper gut geht, geht es der Seele meistens nicht schlechter.

Essen hat ja oft oder häufig etwas mit Gemeinschaft zu tun.

Ja, so ist es. Alleinstehende kochen nur selten noch für sich. Sie sagen, ich muss ja etwas essen, um satt zu werden. Aber der Spaß dabei ist relativ gering. Wenn man jedoch Leute einlädt, macht das Spaß. Wenn man zusammen sitzt, in die Gesichter sieht und im Idealfall schmeckt es den Leuten. Ich finde in der Gemeinschaft essen immer schöner. Es ist gesellig. Unsere Nachbarländer zelebrieren das oft anders als wir, in größeren Runden, mit mehr Zeit, mit mehr Gelassenheit. Das finde ich sehr toll und wirklich bewundernswert.

Wir wissen, dass Heiligabend jeder Vierte alleine feiert. Haben Sie noch einen Menü-Tipp, den man für sich allein auf den Tisch zaubern kann?

Also, nee. Selbst wenn man sich eine Ente macht. Man muss ja keine mit fünf Kilo kaufen. Es gibt tolle Produkte, die haben zwei Kilo, für zwei Personen. Dann kocht man für den nächsten Tag gleich mit. Im Idealfall sagt man jemandem, der auch alleinstehend ist, komm zu mir, ich koche für uns beide. Weihnachten sollte man eigentlich nicht alleine sein. Es gibt immer Leute, von denen man weiß, dass sie alleine sind. Hier den Kontakt zu suchen, wäre wirklich gut.Seite drucken Seite versenden

So geht Weihnachten!

Ein buntes Paket zu Advent und Weihnachten: Hier finden Sie die Weihnachtsgeschichte zum Hören, viele Infos rund um das Weihnachtsfest, (fast) alle Gottesdienste – nicht nur an den Feiertagen, Lieder und Rezepte, einen Adventskalender der besonderen Art – und vieles mehr! Zum Staunen und Stöbern, Lesen und Hören …

Unser Tipp: Klicken Sie doch mal Ochse und Esel an …

Eine gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachten wünscht der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel.

so-geht-weihnachten.de

 

Stille Nacht, heilige Nacht

Der Herrnhuter Stern in der Bonner Kreuzkirche: Zeichen der Weihnacht in vielen evangelischen Kirchen auch in Bonn und der Region (Foto: Joachim Gerhardt)

Alle Jahre wieder laden alle Kirchengemeinden zu festlichen Weihnachtsgottesdiensten ein. Wer Heiligabend noch unentschlossen ist, wie er feiern soll, oder alleine ist ohne Familienfest, hier eine kleine Auswahl besonderer Angebote in Bonn und der Region:

BONN

Um 19.00 Uhr lädt die Thomas-Kirchengemeinde in Bad Godesberg-Plittersdorf zur Christvesper für Singles und Familienmuffel, im Anschluss Weihnachtsfeier mit Würstchen und Kartoffelsalat (Thomaskapelle, Kennedyallee 113). Um 23.00 Uhr zur Mitternachtsmette in der Christuskirche (Wurzerstraße 31) mit Bläserensemble und anschließendem Glühweintrinken. Auch um 23.00 Uhr startet in der Pauluskirche der Gemeinde in Friesdorf (In der Maar 7) eine Jazz-Christnacht-Feier mit Jürgen Hiekels Jazz-Proms, Prof. Dr. Gotthard Fermor (Lyrische Liturgie/Musik) und Pfarrer Dr. Jochen Flebbe.

Wie kommt es, dass in der Heiligen Nacht nur noch die Christrose blüht? Diese Frage klärt sich im Spätgottesdienst in der Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg. Zu hören ist die Legende „Christrose“ von Selma Lagerlöf, die Christian Kercher gekürzt vorträgt. Dazu kommen in dieser Christmette Gedichte zu Weihnachten von Ringelnatz und Texte/Psalmen-Nachdichtungen von Hanns Dieter Hüsch. Mit dabei ist der Gospelchor unter der Leitung von Christoph Gießer mit Gospels zu Weihnachten. Beim gemeinsamen Singen stehen traditionelle Weihnachtslieder auf dem Programm. Beginn ist um 22.30 Uhr in der Johanneskirche Bad Godesberg, Zanderstraße 51.

Ein Klassiker zu später Stunde ist die feierliche Christmette in der Bonner Kreuzkirche am Kaiserplatz um 24.00 Uhr, gehalten von Pfarrer Rüdiger Petrat mit festlicher Chormusik.

Einen Ton anders, doch nicht weniger stimmungsvoll erklingt es in der benachbarten Lutherkirche in der Südstadt (Reuterstr. 11). Die bekannten Weihnachtslieder werden in der Christnacht um 22.30 Uhr mit Kerzenmeditation vom Jazz-Ensemble „Silent Night“ begleitet. Im Mittelpunkt steht das weltweit wohl bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht“ und seine Geschichte. Anschließend lädt Pfarrer Joachim Gerhardt in der Kirche am Weihnachtsbaum zu Brot, Wein und Käse für alle, die noch Weihnachten feiern wollen und verspricht: „Wir schließen erst, wenn der letzte gegangen ist“.

Wer mag, kann auch direkt nach der Christmette dort nur die Straßenseite wechseln, um Punkt Mitternacht die Bläser der Lutherkirche vom Turm von Sankt Sebastian in Poppelsdorf (Kirschallee) zu hören. Sie spielen wie jedes Jahr hoch oben vom Turm der katholischen Kirche Weihnachtschoräle – auch zum Mitsingen – über das nächtliche Bonn. Am Fuße des Turms wird Glühwein gereicht

Bereits am frühen Abend laden die Gemeinden auf dem Brüser Berg zum Ökumenischen Heiligabend von 18.00 bis 21.30 Uhr im Gemeindesaal von St. Edith Stein (Borsigallee 27) ein. „Wir sind füreinander da“ lautet das Motto der Feier mit festlichem Büfett aus privaten Spenden, Christbaum, Krippe und Geschenken, Singen und Hören des Evangeliums. Eine Anmeldung ist erwünscht, aber auch spontane Besucher sind herzlich willkommen.

EUSKIRCHEN

Mehr als hundert Menschen, Alleinstehende, Wohnungslose, Jung und Alt, feiern an Heiligabend im Gemeindesaal der Kirchengemeinde Euskirchen um 19.15 Uhr nach der Christvesper gemeinsam Weihnachten mit Andacht, Essen und Geschenken. Seit 1972 bieten Diakonie und Gemeinde diese Feier an, die von zahlreichen ehrenamtlich Mitarbeitenden traditionell gestaltet wird. Mitfeiern ist kostenlos, ermöglicht durch Spenden von Privat- und Geschäftsleuten. Anmeldung erbeten (Tel. 02251-929013)

HENNEF und TROISDORF

Am Heiligen Abend entzündet die Evangelische Kirchengemeinde Hennef um 21.00 Uhr ein Hirtenfeuer am Gemeindezentrum, Ecke Beethovenstraße/Bonner Straße. In den angrenzenden Räumen wird festlich eingedeckt und bei Suppe, Brot, Butter, Schmalz und Glühwein mit und ohne Alkohol gibt es Gelegenheit Gemeinschaft zu erleben an diesem besonderen Abend. Das Hirtenfeuer erlischt rechtzeitig vor dem Spätgottesdienst um 23.00 Uhr in der Christuskirche anbei.

In der Johanneskirche, der Stadtkirche Troisdorf (Viktoriastraße 1), feiern unter dem Motto „The Power of Love“ Pfarrer Jan Ehlert und Diakon Simon Schilling Heiligabend um 18.00 Uhr einen Gottesdienst, der sich an junge Menschen richtet.

Übersicht über alle Gottesdienste

Die Übersicht wird laufend ergänzt. Alle evangelischen Gottesdienste in den Kirchengemneinden der Kirchenkreise Bonn, Bad Godesberg-Voreifel und An Sieg und Rhein an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen: www.bonn-evangelisch.de / www.ekasur.de / https://bgv.ekir.de.

gar/ger/smc

 

Krippe für Menschen von heute

Im Mittelpunkt: Der Stall mit Maria, Joseph und dem Kind in der Krippe. Foto: Heiland-Kirchengemeinde.

Tanzbär, Nashorn oder die Seherin Sybille – über 100 Figuren stehen beim Jesuskind rund um die Krippe. Seit über 30 Jahren wird das zum Teil ungewöhnliche Ensemble in der Heilandkirche in Bonn-Mehlem gezeigt. Vom ersten Weihnachtstag, 25. Dezember 2018, bis Sonntag, 20. Januar 2019, können Besucher es anschauen.

Der Künstler Albert Nadolle (1913 –2003) aus Münster hat in genauer Kenntnis des jahrhundertealten Krippenbrauchtums eine volkstümliche Krippe für die Menschen von heute geschaffen. Sie ist seitdem eine Attraktion und für viele Menschen ein Juwel unter den geschnitzten Krippen, weil das Material, aus dem die Krippe geschnitzt ist, ihr einen unverwechselbaren Charakter gibt. Das schwer zu bearbeitende Eichenholz, teilweise sogar schwarze Mooreiche, gibt der Krippe ihren unverwechselbaren Charakter. 1980 wurden der Heiland-Kirchengemeinde die ersten 20 Figuren vorgestellt. 1995 ist die letzte von über 100 Figuren entstanden. Alle Figuren wurden gespendet, die letzte vom Schnitzer Albert Nadolle selbst. Initiator war der damalige Gemeindepfarrer Helmuth Hofmann, der in vielen Gesprächen den Künstler oft überzeugen musste, warum nun ausgerechnet ein Nashorn oder ein Tanzbär in die Krippenlandschaft mit aufgenommen werden sollte.

Eher eine Ausnahme als Krippenfigur ist auch die heidnische Seherin Sybille. Nach antiker Überlieferung soll sie eine Weissagung von der Geburt eines Knaben von einer aus der Götterwelt entstammenden Jungfrau gemacht haben. Sie blickt mit verdeckten Augen auf das gewickelte Kind und steht für Menschen außerhalb der Christenheit, die dennoch etwas von einer Erlösung spüren. Viele Menschen kommen zum Teil von weit her, um das Krippengeschehen zu erleben. Von einem Geschehen muss man hier tatsächlich sprechen, denn es wird eine Geschichte in einem großen Bogen erzählt. Es fängt an bei den alttestamentlichen Figuren wie Adam und Eva im Paradies, dem König David, den Propheten oder der Königin von Saba und geht über die Vorboten der Geburt von Jesus Christus, Johannes dem Täufer, Maria und ihre Cousine Elisabeth bis zu den Engel, die den Hirten die Geburt des Heilandes verkündigen. Im Mittelpunkt stehen natürlich der Stall mit Maria und Joseph und dem Kind in der Krippe.

Schauen – Hören – Singen
Besichtigungszeiten in der Heilandkiche, Bonn-Mehlem, Domhofstraße 43:
Vom 1. Weihnachtstag bis zum 20. Januar 2018 jeweils freitags, samstags und sonntags sowie Sylvester und Neujahr von 15 – 18 Uhr.
Andere Besichtigungstermine für Gruppen mit Führungen können unter der (02 28) 94 74 43 05 oder 34 87 53 vereinbart werden.

Musik an der Krippe:

Sonntag, 6. Januar 2019 um 18 Uhr
Bach, give us a tune – Bach goes Celtic mit dem „Reel Bach Consort“

Sonntag, 12. Januar 2019 um 16 Uhr
Dunkler Stern über Bethlehem – ein weihnachtliches Singspiel für die ganze Familie
mit dem Spatzen und Kinderchor

Sonntag, 20. Januar um 18 Uhr
A. Vivaldi: Magnificat, Kantaten von G.Ph. Telemann

EB

Was hat Weihnachten mit Essen zu tun?

PROtestant: die evangelische Kirchenzeitung für Bonn und die Region

Warum ist das richtige Essen an Weihnachten so wichtig? Die Kirchenzeitung PROtestant nähert sich dieses Mal der Weihnachtsbotschaft von der kulinarischen Seite.

Ein Sternekoch (Oliver Röder) und ein Kulturwissenschaftler (Gunther Hirschfelder) – beide evangelisch und aus unserer Region – denken nach, was Weihnachten mit Essen zu tun hat, obwohl klassische Heiligabendgerichte wie Gänsebraten mit Rotkohl oder Bockwürstchen in der Bibel doch gar nicht vorkommen.

PROtestant erinnert zudem daran, dass der Advent ursprünglich mal eine Fastenzeit war und dass das Weihnachtsessen etwas mit Gemeinschaft und Verantwortung zu tun hat. Alle evangelischen Kirchengemeinden sammeln Heiligabend für „Brot für die Welt“. Dazu wirft PROtestant darauf, was Heiligabend im Pfarrhaus auf den Tisch kommt, spricht mit der Bonns bekanntester Foodbloggerin Karin Krubeck und besucht soziale Projekte wie das Kulturcafé „Kulti“ in Siegburg, wo Wolfgang Schmitz mit großem Zuspruch drei Mal die Woche mit Jugendlichen kocht.

Die Zeitung PROtestant erscheint drei Mal im Jahr mit einer Auflage von 6.500 Exemplaren, die aktuelle Advents- und Weihnachtsausgabe 2018 ab dem 17. November. PROtestant kann kostenlos bezogen werden: Evangelischer Kirchenkreis Bonn, Adenauerallee 37, 53113 Bonn (Tel.: 0228 / 6880 300, presse@bonn-evangelisch.de). Herausgeber sind die Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bonn sowie Bad Godesberg-Voreifel.

SERVICE: PROtestant-Ausgabe Nr. 64 zum Nachlesen und kostenlosen Download

 

Joachim Gerhardt / 12.11.2018

Angebot für Verwaiste Eltern

Ab Januar 2019 bietet die ökumenische Hospizgruppe Rheinbach-Meckenheim-Swisttal eine Gesprächsgruppe für Eltern an, die um ein verstorbenes Kind trauern. Ziel ist es, einander kennenzulernen und sich auszutauschen. Die Leitung haben zwei ausgebildete Trauerbegleiterinnen. Eingeladen sind alle Eltern, unabhängig davon, wie lange der Verlust zurückliegt oder wie alt ihre Tochter, ihr Sohn geworden sind.

Wenn ein junger Mensch stirbt, sind wir sehr betroffen. Da ist ein Leben viel zu früh vorbei. Eltern, die ein Kind verlieren, tragen mit ihrem Kind ein Stück ihrer Zukunft zu Grabe. Der Boden bricht unter ihnen weg. Vieles, was einmal sicher schien, gilt ab diesem Moment nicht mehr.

Das erleben Eltern, deren Kind noch ein Baby oder ein Kleinkind war, genauso wie Eltern, deren Kind im Erwachsenenalter stirbt. Denn Eltern bleiben immer Eltern ihrer Kinder, unabhängig davon, wie alt ihre Kinder sind. Viele Eltern müssen sich im Laufe der Zeit Sätze wie diese anhören: „Nun muss es aber mal gut sein mit der Trauer.“ Oder: „Das ist doch jetzt schon so lange her, du musst allmählich wieder am Leben teilnehmen.“ Solche Sätze sind für die Betroffenen sehr schmerzlich. Sie fühlen sich unverstanden und ziehen sich zurück. Freundschaften aus der Zeit davor können auseinandergehen. Viele betroffene Eltern sprechen irgendwann nicht mehr über ihren Verlust. Sie wollen andere nicht mit dem belasten, was sie selbst so sehr belastet.

Geleitet wird die Gesprächsgruppe von zwei ausgebildeten Trauerbegleiterinnen, hauptverantwortlich ist Irmela Richter. Sie ist ordinierte Prädikantin und Notfallseelsorgerin.

Die regelmäßigen Treffen finden immer am zweiten Freitag des Monats statt. Erster Termin ist Freitag, 11. Januar 2019, von 18 bis 20 Uhr, in den Räumen des Hospizvereins im St. Josef Seniorenwohnen, Klosterstraße 50, Meckenheim. Zwischendurch gibt es einen gemeinsamen Imbiss.

Um vorherige Kontaktaufnahme bei Irmela Richter (Telefon 0172-2091079) oder über Email bei der Hospizgruppe kontakt@hospiz-voreifel.de wird gebeten.

EB

Gedenkfeier für verstorbene Kinder

Jedes Jahr erinnern weltweit Eltern und Großeltern am zweiten Sonntag im Dezember mit Kerzen im Fenster an ihre verstorbenen Kinder. Am 9. Dezember 2018 ist es wieder soweit. Wie in den letzten Jahren laden die katholische und evangelische Krankenhausseelsorge des Marienhospitals und die neuapostolische Kirche zur diesjährigen ökumenischen Gedenkfeier ein.

Um 16 Uhr in St. Matthias, Franziskanerplatz 1 in Euskirchen sind alle eingeladen, die um ein Kind trauern, egal wie alt es war oder wie lange der Verlust her ist. Nach der von Betroffenen mit gestalteten Andacht gibt ein gemütliches Zusammensein die Möglichkeit zum Gespräch. Auch junge Geschwisterkinder sind herzlich eingeladen.

Weitere Informationen unter https://nest-euskirchen.de/gedenkfeier-fuer-verstorbene-kinder-09-12-2018/

Classic Saxophones stimmen in Advent ein

Die evangelische Krankenhausseelsorge und der Förderverein des Marien-Hospitals Euskirchen laden am 2. Dezember zu einer musikalischen Einstimmung in den Advent ein. Die „Classic Saxophones“ unter der Leitung von Hans Peter Altendorf spielen in der Krankenhauskapelle bekannte und beliebte Melodien zum Advent. Im Anschluss begleiten sie ab 18.30 Uhr den anschließenden Gottesdienst mit Pfarrer Bernd Kehren. Der Eintritt ist frei. Die Kollekte unterstützt ein Projekt mit Waisenkindern in Masaka/Uganda.

Das Konzert beginnt am 1. Advent, Sonntag, 2. Dezember 2018, um 17.30 Uhr, im Marien-Hospital Euskirchen, Gottfried-Disse-Straße 40.

EB

Dem Glauben Raum geben

Eine neue Kirche mit altem Turm, ein multifunktionales Gemeindehaus, die Heiland-Kirche Bad Godesberg, ein mutiges Kunstprojekt und mehr: Die Multimediastory gotteshaeuser2018.ekir.de präsentiert mit Videos und Fotos die Preisträger des Architekturpreises 2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Heilandkirche erhielt den Sonderpreis Denkmalpflege für den achtsamen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz.

Zum Starten der Multimediastory klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link:

Multimediastory: gotteshaeuser2018.ekir.de

Fritz Baltruweit singt

Alte und neue Advents- und Weihnachtslieder erklingen am 30. November: Fritz Baltruweit ist zusammen mit seinen Musikern zu Gast in der Evangelischen Kirche. Ein Advents-Mitsing-Konzert-Programm für die ganze Familie steht auf dem Programm.

Beim gemeinsamen Singen der alten und neuen Advents- und Weihnachtslieder  aus acht Jahrhunderten entsteht eine ganz besondere vorweihnachtliche Stimmung.
Die Einladung und Moderation durch Fritz Baltruweit machen es leicht, in die bekannten und unbekannteren Advents- und Weihnachtslieder einzustimmen. Während die kleinen Besucher beim Lied „In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Kleckerei“ aus vollen Kehlen mitsingen, lassen sich die Älteren von den zarten Harfenklängen und von „Benedicamus Domino“ gefangen nehmen.

Der Liedermacher und Pastor Fritz Baltruweit (Hildesheim) ist bekannt von Kirchentagen, Rundfunksendungen und Fernsehgottesdiensten. Einige seiner Lieder sind in das Evangelische Gesangbuch und in das katholische Gotteslob aufgenommen worden. Die Musikerin Konstanze Kuß (Hamburg) gibt mit ihrer Harfe und den  Flötenklängen den Liedern ihre ganz eigene liebenswerte Farbe. Der Pianist und Kulturpädagoge Valentin Brand (Hildesheim) sorgt für die sensiblen Klavierparts.

Das Konzert beginnt am Freitag, 30. November 2018, um 19.00 Uhr, in der Evangelischen Kirche Flamersheim, Pützgasse 7. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 (für Schüler und Studenten). Karten erhalten sie über das dortige Gemeindebüro.

EB

 

Festival der Begegnungen begeisterte 3000 Besucher

Konzept ging auf: Das 1. Festival der Begegnungen lockte insgesamt 3.000 Menschen an. Foto: Kirchengemeinde

Es war eine außergewöhnliche Veranstaltungsreihe, zu der vom 18. bis zum 25. November 2018 die Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg in die Friesdorfer Pauluskirche eingeladen hatte. Knapp tausend Besucherinnen und Besucher feierten drei Gottesdienste mit, in denen Kanzelreden von prominenten Persönlichkeiten gehalten wurden: Seyran Ates, Gesine Schwan, Fulbert Steffensky. Der 85-jährige Theologe Fulbert Steffensky hielt seine letzte Predigt, in der er dem Festival der Begegnungen die Erinnerung an die Toten hinzugesellte.

Gut 700 Menschen ließen sich zu sehr unterschiedlichen Konzerten einladen. Die Stilrichtungen gingen vom französischen Chanson mit Jean Faure, über spirituellen Jazz mit Tord Gustavsen bis zur Blues Brother Tribute Band, die am Samstagabend die Kirche tanzen ließ.

Über 900 Gäste erlebten geistreichen Talk mit tiefsinniger Moderation.  Christiane Florin erkundigte sich bei Generalmusikdirektor Dirk Kaftan und Oliver Welke nach deren Haltung im Beruf. Matthias Drobinski fühlte den Theologen Thomas Kaufmann und Jörg Lauster auf den Zahn, wie es mit der Reformation weitergehen könnte. Und Cornelia Richter moderierte das spannungsreichste Gespräch des Festivals zwischen dem Jenaer Soziologieprofessor Hartmut Rosa und dem charismatischen Geigenbauer Martin Schleske. Dazwischen erfreuten zwei kabarettistische Abende die Gemüter. Die Poetry Slamerin Sandra da Vina begegnete Benjamin Eisenberg.

Und am Sonntag trafen unter der Überschrift „Inklusion trifft Depression“ Rainer Schmidt und Willibert Pauels aufeinander und beschlossen eine außergewöhnliche Woche mit drei Gottesdiensten und acht Abendveranstaltungen. Initiator Pfarrer Siegfried Eckert ist begeistert von diesem Versuchsballon: „Dieses Woche hat zu unglaublich vielen Begegnungen geführt und unerwartet viele Menschen haben unsere Kirche berührt, bestärkt und begeistert verlassen“. Erleichtert ist Eckert auch, dass sein gewagtes Konzept aufging. „Solche Begegnungen sind nur möglich, wenn der Eintritt frei ist.“ Ende gut, alles gut, ist Eckerts Fazit, weil ein Erlös von etwa 8.000 Euro an die gemeindeeigene Evangelische Thomasstiftung Bad Godesberg überwiesen werden kann. Davon soll unter anderem ein Lasten-E-Bike für den Küster angeschafft werden, ohne dessen Hilfe und der seiner rund 50 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus der Gemeinde ein solches Festival gar nicht möglich gewesen wäre.

EB/gar

„Die protestantische Unruhe erhalten“: die Theologen Thomas Kaufmann und Jörg Lauster im Gespräch

Das "1. Bonner Festival der Begegnungen", kontrovers und mit scharfer Relevanz für Gesellschaft und Kirche: beeindruckend und inspirierend zugleich, wen und was Pfarrer Siegfried Eckert in seiner Kirche zusammengeführt hat (Foto: J. Gerhardt)

Sie zählen zu den bedeutendsten protestantischen Theologieprofessoren  der Gegenwart – der Göttinger Lutherforscher Thomas Kaufmann und der Münchener Dogmatiker Jörg Lauster. Nun sitzen sie in der Bonner Pauluskirche zusammen, zwischen ihnen der Kirchenjournalist Matthias Dobrinski von der Süddeutschen Zeitung als Moderator. Das Thema „1517 trifft 2017 – wie Reformation weiter geht?“  ist so brisant wie kaum ein anderes in der evangelischen Kirche und ist auch auf den Gastgeber des Abends, Gemeindepfarrer Siegfried Eckert wie zugeschnitten. Schließlich hat er kürzlich in Wittenberg das bundesweiter „Forum Reformation“ ins Leben gerufen.

Christlicher Glaube ist weltweit gefragt

Weit sind der Historiker und der Dogmatiker nicht weit auseinander. Vor allem nicht in der oft erhobenen Forderung eines „Zurück zu Martin Luther“. Denn dieser war ein „Mensch des 16. Jahrhundert“  (Lauster), für den eine „multireligiöse Gesellschaft“ (Kaufmann) undenkbar war. Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde (vor allem von reformierter Seite) der Ruf nach einer „ecclesia semper reformanda“ (einer sich ständig erneuernden Kirche) laut. Für Lauster ist die Reformation ein ewiger Protest. Für Kaufmann ist die christliche Religion eine universelle, die keinen Mensch ausschließt und darum auch globalisierungsfähigste, weil im Mittelpunkt  nicht die Kirche, sondern Jesus Christus stehe. Auch heute stehe das reformatorische Christentum im Weltmaßstab die rasanteste Form dar. Leider habe das europäische Christentum Afrika, Asien und Lateinamerika weithin den Evangelikalen und den Pfingstkirchen (für Lauster „ein Universum für sich“) überlassen.

Einig sind sich die beiden prominenten Theologieprofessoren auch in diesem Punkt: Der Protestantismus ist auf eine „kritische Theologie“ angewiesen (Kaufmann) und Lauster fordert: „Die Zukunft der Kirche liegt in einer gut ausgebildeten Pfarrerschaft“. Da die Menschen zunehmend über eine gute bis akademische Ausbildung verfügen, wollen sie auch eine „Religion auf gutem Niveau“. Für Lauster dürfen die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht länger mit „einstürzenden Kirchengebäuden“  beschäftigt werden, zumal es schon mit der Reformation im 16. Jahrhundert, so Kaufmann, viele Wallfahrts- und Klosterkirchen sowie  Kapellen überflüssig wurden.

Sowohl Kaufmann als auch Luster können das Lamentieren über die abnehmenden Mitgliederzahlen und die Angst vor der Zukunft der Volkskirche nicht mehr hören. Schließlich stehen die Protestanten mit 22 Millionen Mitgliedern in Deutschland doch gut da. Selbst wenn diese Zahlen noch weiter zurückgehen, bleiben die Kirchen in Deutschland die größte gesellschaftliche Kraft. Das Jammern ist also nicht nur falsch, sondern bringt auch nichts.  Er kämpft gegen die Verlustangst und hält nichts davon, dass beispielsweise junge Menschen im Blick auf die Kirche wie auf der Titanic stehen und sich fragen, wie lange hält sie noch.

Zwar ist das „semper reformanda“ laut Luster „ungemein anstrengend“  und die Menschen brauchen auch in ihrer Kirche Verlässliches.  Doch das habe mit der Konservierung Luthers nichts zu tun. Doch immer wieder verweist er darauf, dass die „Kirche kein Selbstzweck“ ist und  ist in ihrer jetzigen Form auch „nicht für alle Zeiten festgeschrieben“: „Die Parochie wird nicht zu halten sein.“  Auch wenn der Kirchenhistoriker Kaufmann  freimütig bekennt: „Ich habe keinen Bock auf immer neues semper reformanda“, so besteht doch Einigkeit: Das Christentum (damit auch die Kirche) hat Zukunft, wenn es immer wieder neu fragt, wer Jesus Christus für die Menschen ist und überzeugende Antworten gibt.

Das ist nicht nur für Kaufmann das Zentrale der Reformation. Dazu komme, dass die evangelische Kirche die „Gemeinschaft der Verschiedenen“ sei und bleibe. Dem steht auch Lausters „Es gibt kein bloßes Zurück zu Luther“ nicht im Wege: „Jeder will authentisch leben, will anerkannt sein.“ Damals wie heute und morgen: „Die christliche Botschaft ist in unsere Zeit zu übersetzen und nicht alte Dinge immer wiederholen.“

Ökumenische Gemeinschaft praktizieren

Für die Ökumene bleibt in diesem spannenden Dialog nur wenig Zeit. Auch die römisch-katholische Kirche ist heute nicht mehr die, die sie zu Luthers Zeiten war. Auch sei anzuerkennen, dass Papst Franziskus versuche, „das Ruder herumzuwerfen“. Kaufmann, der in der „Kirche der Verschiedenen“ mit einer „kritischen Theologie“ leben möchte, fordert dazu auf, „ökumenischen Gemeinschaft zu praktizieren“: „“Endlich zu praktizieren.“  Seine Forderung: „“Friedliche Koexistenz“. Auch Luster ist für „ökumenische Freundschaft“ und bringt sieir unter dem schallenden Gelächter der Zuhörer auf die Formel: „Getrennt marschieren, vereint zuschlagen.“

Weitere Infos zum ganzen Programm des 1. Bonner Festival der Begegnungen vom 18.-25.112018 in der Friesdorfer Pauluskirche finden Sie hier.

 

K Rüdiger Durth / ger / 22.11.2018