Synode wählt neue Leitung

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Mit Claudia Müller-Bück und Knut Dahl-Ruddies bewerben sich eine Kandidatin und ein Kandidat um das Superintendentenamt. Die Wahl erfolgt am Samstag, 2. April 2022, auf der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Sie ist nötig, weil Superintendent Mathias Mölleken zum 1. Juni in Ruhestand geht. Claudia Müller-Bück ist Pfarrerin in Swisttal und gehört dem Kreissynodalvorstand (KSV) bereits als Skriba an, also zweite Stellvertreterin des Superintendenten. Im Fall ihrer Wahl wäre auch diese Position neu zu besetzen. Knut Dahl-Ruddies ist Gefängnisseelsorger in Euskirchen und Landessynodaler.

Mölleken leitet den Kirchenkreis seit 2015 und wurde 2020 wiedergewählt. Sein:e Nachfolger:in übernimmt die Leitung des Kirchenkreises bis zur turnusmäßigen Wahl im Jahr 2028.
Außerdem ist mit dem baldigen Ruhestand von Pfarrer Edgar Hoffmann die Position der zweiten Stellvertretung der Skriba im KSV für die verbliebenen Jahre bis 2024 neu zu wählen. Hierfür kandidieren Pfarrerin Kathrin Müller aus Wachtberg und Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen.

Neben den Wahlen sind für die Synode die Vorstellung eines neuen Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt und das Thema Klimagerechtigkeit geplant.

Die Synode beginnt am Samstag, 2. April 2022, um 9 Uhr mit einer Andacht. Tagungsort ist die Jungholzhalle in Meckenheim, Siebengebirgsring 4. Es gilt die 3G-Regel.

Zur Wahl: Knut Dahl-Ruddies

Knut Dahl-Ruddies an seinem Arbeitsplatz: der Gefängniskirche Euskirchen. Foto: privat

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Knut Dahl-Ruddies, Jahrgang 1967, verheiratet, drei Kinder, seit 2015 Gefängnisseelsorger in Euskirchen, 2006 bis 2015 Pfarrer in Meckenheim, geteilte Stelle mit Pfarrerin Ingeborg Dahl, davor weitere Stationen als Vollzeitvater, Ausbildung zum Change Agent und in der Kirchengemeinde Euskirchen, seit 2020 Landessynodaler, kandidiert als Superintendent.

Ist das Amt des Superintendenten eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Auf den ersten Blick scheint es etwas vollkommen anderes zu sein als die Arbeit im Gefängnis. Gefangene stehen sich oft selbst im Weg. Die Folgen davon haben meist größere Auswirkungen, als wenn ein Presbyterium Handlungsunfähigkeit anmelden muss. Gefangene stehen also nicht allein da. Meine Arbeit als Landessynodaler würde intensiviert werden.

Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Je nach Profession der Leute sage ich entweder:
a) Ein Superintendent muss ständig mit der Fettpresse herumlaufen, um Lager und Gelenke zu schmieren.
b) Der Superintendent achtet darauf, dass Updates rechtzeitig eingespielt werden und die Stromversorgung ständig gewährleistet ist.
c) Als Superintendent sorgt man für Nutella, Chips und Eis und dafür, dass keiner den anderen haut.
d) #grumpycat

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Wir müssen Kirche konsequent vom Kontakt zu den Menschen her denken und nicht von unserem Struktur-Organigramm.  Es bedarf möglichst unkonventioneller Ideen, um Kontaktpflege – oder wie man heute sagt – „Bindungsmanagement“ zu gestalten.

Was wären Sie für ein Chef?

Wenn man immer darauf wartet, dass der Chef (m/w/d) sagt, was zu tun ist, bleiben notwendige Veränderungen aus. In unserer Kirche haben wir zum Glück eine sehr flache Hierarchie. Deswegen eher Coach als Chef!  So wie ich meinen Kindern das Radfahren ohne Stützräder beigebracht habe: „Du fährst jetzt einfach los, treten nicht vergessen; ich bin hinter dir und halte das Rad.“ Nach fünf Metern konnten alle alleine fahren.

Ihre Mitbewerberin Claudia Müller-Bück wäre die erste Frau bei uns. Bedeutet das etwas?

Ich bin zwar keine Frau … Meine berufliche Biografie gleicht durch überwiegend reduzierte Stellen und Vollzeit-Vaterschaft eher der meiner Kolleginnen als der meiner Kollegen. Daher würde ich mir eine überdurchschnittliche Gendersensibilität bescheinigen.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Von Segelbooten erzählen, die hart an den Wind gehen. Nicht von Einbäumen, U-Booten oder Galeeren.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Die berühmte „Was-machen-wir-aber-wenn-Frage“, nachdem unter großen Mühen gerade ein tauglicher Beschluss gefasst worden ist, mit dem alle in der Runde leben können. Statt Szenarien für B und C zu entwerfen, muss sorgfältiger darauf geachtet werden, ob eine Frage Lösungen ermöglichen oder eher verhindern will.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

„Christ ist erstanden“ kann man nur am Ostermorgen in einer Kirche und nicht in der Veltins-Arena singen.

Das erste, was ich mache, wenn ich Superintendent bin, ist:

Zum Friseur gehen, neue Anzüge und Schuhe kaufen, damit niemand böse Briefe schreiben muss.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin seit 26 Jahren in unterschiedlichen Pfarrstellen und Funktionen im Kirchenkreis unterwegs. Da besteht überhaupt keine Gefahr, an kirchlicher Bodenhaftung zu verlieren. Für gesellschaftliche Bodenhaftung zu sorgen, indem man ÖPNV benutzt, ins Café, die Kneipe oder Fußballstadion geht, halte ich für ebenso wichtig. Einen 25-Prozent-Anteil hierfür finde ich allerdings zu hoch angesetzt.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Sicher werden wir auch in Zukunft noch gut und auskömmlich Kirche sein können.
Was wir aber nicht tun dürfen, ist uns dabei am Status Quo zu orientieren. Es wird nicht mehr funktionieren, aus Angst vor Veränderung in einer Schockstarre zu verharren.

Es braucht frische Blicke, neue Einsichten und Aussichten, um unserer grundsätzlichen Beharrungstendenz entgegen zu treten. Das gilt nicht nur für einzelne Arbeitsfelder des Kirchenkreises, sondern auch für den Kirchenkreis selbst.

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Zur Wahl: Claudia Müller-Bück

Claudia Müller-Bück. Foto: Jurate Jablonskyte

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Claudia Müller-Bück, Jahrgang 1975, verheiratet, ein Kind, seit 2009 Pfarrerin in Swisttal mit 75-Prozent-Pfarrstelle, 2017 bis 2021 Religionsunterricht an einem Berufskolleg, seit 2021 mit 25 Prozent Teil des Mobilen Fluthilfeteams für Swisttal, Rheinbach und Meckenheim, seit 2015 Skriba, kandidiert als Superintendentin.

Ist das Amt der Superintendentineine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Seit sieben Jahren bin ich als Skriba mit der Arbeit im Kreissynodalvorstand (KSV) vertraut. Zum Beispiel vertrete ich den KSV im Aufsichtsrat des Diakonischen Werkes Bonn und Region und im Vorstand des Evangelischen Verwaltungsverbandes in Bonn. Ich begleite Gemeinden in besonderen Situationen und habe in Vertretung des Superintendenten auch schon ordiniert oder in einen Dienst eingeführt.

Insofern wäre das Amt der Superintendentin teilweise eine Fortführung meiner bisherigen Tätigkeit; es brächte aber auch sehr viel Neues mit sich, mehr Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten. Darauf freue ich mich.

Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel gibt es 13 Kirchengemeinden, dazu Schul-, Krankenhaus- und Gefängnispfarrstellen, zwei Diakonische Werke, eine Jugendbildungsstätte und verschiedene andere Aufgabenbereiche. Jede Gemeinde ist selbstständig und entscheidet im Rahmen der Kirchenordnung über ihre Angelegenheiten, zugleich sind sie miteinander verbunden, ergänzen und unterstützen sich gegenseitig.

Entscheidungen, die alle angehen, trifft die Kreissynode, dazu werden aus allen Bereichen des Kirchenkreises Menschen entsandt. Sie tagt ein bis zweimal im Jahr.

Dazwischen wird der Kirchenkreis vom Kreissynodalvorstand geleitet. Die Superintendentin ist eine Pfarrerin, sie leitet den KSV und die Kreissynode, sie ist Seelsorgerin und Beraterin für Einzelne und Gemeinden und auch Dienstvorgesetzte für die Pfarrer:innen.

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Zuversichtlich in die Zukunft – mit unserer gemeinsamen Aufgabe im Blick: Dass möglichst viele Menschen von der Liebe Gottes in Jesus erfahren.

Das geschieht in der Verkündigung, die auch neue Wege findet und im Handeln, da, wo Hilfe und Zuwendung gebraucht wird. Dazu wünsche ich mir noch mehr Vernetzung und Mut, auch Außergewöhnliches auszuprobieren. Wir werden als Evangelische Kirche kleiner, dennoch bleiben wir eine wichtige Stimme und Partnerin in gesellschaftlichen Themen und Herausforderungen.

Was wären Sie für eine Chefin?

Ich arbeite sehr gern in einem Team, in dem jede Person sich mit ihren Gaben und ihrer besonderen Rolle einbringen kann. Dabei ist mir gegenseitige Wertschätzung und Offenheit wichtig. Ziele und Aufgaben werden gemeinsam besprochen und es wird klar miteinander vereinbart, wer für was zuständig ist. Mit haupt- und nebenamtlich Mitarbeitenden meiner Gemeinde haben wir Anfang des Jahres einen „Oasentag“ in Merzbach verbracht, an dem wir Zeit hatten miteinander zu reden, auf das letzte Jahr zu blicken, uns über unsere Werte auszutauschen und Ideen für die Zukunft der Kirchengemeinde zu entwickeln. Das hat uns allen gutgetan.

Sie wären die erste Frau bei uns. Bedeutet das etwas?

Seit 1975 sind die Pfarrerinnen der Evangelischen Kirche im Rheinland ihren männlichen Kollegen rechtlich in allem gleichgestellt. In diesem Jahr wurde ich geboren.

Obwohl es mittlerweile etwas mehr Frauen als Männer im Pfarrberuf gibt, ist der Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsämtern deutlich niedriger, je höher die Ebene ist.

Ich trage gern dazu bei, das zu ändern.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Indem ich sie mit ihren Themen ernst nehme, ihnen echte Verantwortung zugestehe und mich von ihren Ideen inspirieren lasse. Die Beteiligung junger Menschen in Leitungsgremien unserer Kirche, wie sie jetzt umgesetzt wird, ist gut. Jugendliche und junge Erwachsene sollen erfahren, dass sie Kirche gestalten können und auch Ältere sich auf Neues einlassen.

In meinem Gemeindepfarramt habe ich einen Schwerpunkt in der Konfirmand:innen- und Jugendarbeit. Teamerinnen und Teamer übernehmen Verantwortung, auch in der Verkündigung. Ich freue mich immer über die Abendandachten auf Konfi-Freizeiten, die vom Team gestaltet werden – und über die theologische Sprachfähigkeit dieser jungen Menschen.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Ach, ich finde, in der Evangelischen Kirche läuft auch vieles richtig. Ich bin gern evangelisch und Rheinländerin. Es gab Fehler in der Personalplanung, begabte junge Theolog:innen wurden Anfang der 2000er entlassen, heute fehlen sie. Wir sind in manchen Veränderungsprozessen zu zögerlich und die presbyterial-synodale Ordnung, die ich grundsätzlich sehr schätze, verlangsamt auch manche Entscheidungen.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

Mein Glaube, der die Gemeinschaft braucht und sie in der Evangelischen Kirche findet.
Die Freiheit und Individualität, in der Gemeinden ihr Gemeindeleben gestalten können.
Die vielen Menschen, die gemeinsam Gemeinde und Kirche sind, sich vielfältig ehrenamtlich engagieren und andere unterstützen.
Die Freude, diese sich immer verändernde Kirche Jesu Christi, mitzugestalten.
Und die Überzeugung, dass das meine Berufung ist.

Das erste, was ich mache, wenn ich Superintendentin / Superintendent bin, ist:

Um Kraft und Beistand für dieses Amt beten.
Und: mich auf den Weg machen kreuz und quer durch den Kirchenkreis, Menschen treffen und ins Gespräch kommen.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Wenn ich gewählt werde, bliebe ich nach dem Beschluss der Synode weiterhin Pfarrerin in meiner Kirchengemeinde. Auch, wenn es dann eine volle Entlastungspfarrstelle gäbe. Ich hätte also immer noch ein Stück Heimat in Swisttal – und würde diesen Begriff auf den Kirchenkreis ausweiten.

Sicher würde mir manche liebgewonnene Tätigkeit fehlen, dennoch halte ich für die anstehenden Aufgaben die neue Regelung für sinnvoll, sie bedeutet, dass ich mich mit voller Arbeitszeit ganz auf die Leitungsaufgaben im Kirchenkreis konzentrieren könnte.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Wir sollten diese drei Arbeitsfelder mit den jetzt begonnen Strukturveränderungen und der sinkenden Pfarrstellenzahl zusammendenken und in Teilen verstärken.

Das synodale Jugendreferat und die JuBi Merzbach sind der zentrale Anlaufpunkt für Konfi- und Jugendarbeit. Hier sehe ich großes Potential, zum Beispiel Angebote für die Konfiarbeit auszubauen, die Gemeinden und Pfarrer:innen unterstützen können. Vor Augen habe ich dabei die vom Jugendreferat organisierte Fahrt zum Konficamp in Wittenberg 2017 oder den gemeinsamen Konfitag 2019 in Merzbach.

Die Corona-Epidemie hatte große Auswirkungen für Familien und besonders für Frauen im Blick auf ihre Berufstätigkeit und ihre seelische Gesundheit. Ich weiß, dass Unterstützung und Beratung durch das Frauenreferat stark angefragt sind. In der Erarbeitung und Umsetzung des Konzeptes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt spielt das Frauenreferat eine wichtige Rolle. Darüber hinaus nimmt das Referat auch einen Bildungsauftrag war, das war zum Beispiel 2017 zum Thema „Frauen der Reformation“ sehr deutlich. Vielleicht werden wir das Frauenreferat noch stärker als bisher in andere Arbeitsfelder des Kirchenkreises mit einbeziehen. Das werden wir gemeinsame überlegen und planen.

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit nimmt an Bedeutung zu, auch im digitalen Bereich. Sie macht uns als Kirche sichtbar, über Gemeindegrenzen und Kirchenmitgliedschaften hinaus, sie übernimmt in Teilen die Kommunikation des Evangeliums und hat einen wichtigen Anteil daran, wie wir als evangelische Kirche mit Themen des Glaubens, der Seelsorge und der Ethik in der Öffentlichkeit weiterhin präsent sind.

Zur Wahl: Kathrin Müller

Kathrin Müller. Foto: privat.

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Kathrin Müller, Jahrgang 1980, verheiratet, ein Kind, seit 2014 Pfarrerin in Wachtberg mit 75 Prozent Dienstumfang, zuvor dort im Probedienst, kandidiert als zweite Stellvertreterin der Skriba.

Ist ein Amt im Kreissynodalvorstand (KSV) eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Ich kandidiere zum ersten Mal für ein Amt im KSV. Der Posten der zweiten Stellvertretung der Skriba ist dabei meines Erachtens ein guter Einstieg.

Wie erklären Sie den KSV Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Der KSV ist die Leitung des Kirchenkreises. Er sorgt dafür, dass alle Gemeinden des Kirchenkreises im Blick bleiben. Auch wenn die drei theologischen Mitglieder des KSV in der Öffentlichkeit meist stärker wahrgenommen werden, sind die nicht-theologischen Mitglieder gut evangelisch in der Mehrheit.

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Die Kirche von morgen wird ganz anders aussehen (müssen), als wir das kennen und liebgewonnen haben. Wir müssen es schaffen, dass die Kirche trotz geringer werdender Ressourcen nahe bei den Menschen bleibt. Wenn Menschen gute Erfahrungen in ihrer Gemeinde und den Mitarbeitenden vor Ort machen, sind sie auch eher bereit, sich zu engagieren bzw. in der Institution Kirche zu bleiben.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Kirchenmitgliedschaft ist immer weniger selbstverständlich. Wenn Kinder und Jugendliche gute Erfahrungen mit Kirche machen, sei es in Kindergarten, Schule, Jugendtreff … fühlen sie sich der Gemeinde verbunden. Persönliche Beziehungsarbeit vor Ort ist dabei entscheidend.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Aus Angst vor Bedeutungsverlust verfällt die Evangelische Kirche gerne in Aktionismus. Da werden Papiere verfasst und viel Geld in Leuchtturmprojekte gesteckt, die doch nur wenige Menschen erreichen. Der Anteil der Verwaltung ist viel zu hoch. Das ist ein echter Zeit- und Ressourcenfresser.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

Dass es bei allem Ärger und Frust über Strukturen, zurückgehende Ressourcen und steigende Kirchenaustrittszahlen immer wieder schöne menschliche Erfahrungen gibt. Ein Taufkind, das mir quer über die Straße ein „Hallo, Frau Müller!“ zuruft. Ein herzliches Dankeschön nach einem intensiv begleiteten Sterbefall. Eine spontane Umarmung nach Monaten der Coronapause des Seniorenkreises.

Das erste, was ich mache, wenn ich im KSV bin, ist:

Die tollen anderen Mitglieder des KSV näher kennenlernen, Zuhören und mir einen Überblick verschaffen, wo mein Engagement gebraucht wird.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich war lange Zeit eine große Befürworterin dieses Modells. Aber in den letzten Jahren habe ich, auch im Gespräch mit Kolleg*innen anderer Kirchenkreises gesehen, dass dieses Modell heute so nicht mehr zu halten ist. Was sind 25 Prozent, wo doch die 100 Prozent nicht geklärt sind – ein Problem, das es so auch im Gemeindepfarramt gibt. Nicht so „richtig“ in einer Gemeinde zu sein, kann für beide Seiten frustrierend sein. Und ich habe sehr großes Vertrauen, dass ein*e 100-Prozent-Superintent*in auf dem Boden bleibt. Da sind wir als Kolleg*innen und Gemeinden mit in der Verantwortung.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Die Jugendbildungsstätte in Merzbach ist ein großer Schatz, den wir uns auf jeden Fall so lange wie möglich erhalten sollten. Wie oft erzählen mir Taufeltern mit strahlenden Augen von den Konfifreizeiten dort. Und diese traumhafte Kapelle ist ein Lieblingsort von mir. Beim Frauen- und Pressereferat bin ich skeptisch, ob wir die zukünftig in dieser Form halten können. Da kann ich mir gut Kooperationen mit dem Kirchenkreis Bonn vorstellen – womöglich als erste Schritte auf dem Weg zu einer Fusion der Kirchenkreise.

Zur Wahl: Gregor Weichsel

Gregor Weichsel. Foto: privat.

In kurzen Interviews stellen sich die Bewerberinnen und Bewerber für die frei werdenden Positionen im Kreissynodalvorstand vor.

Gregor Weichsel, Jahrgang 1976, verheiratet, drei Kinder, seit 2011 Pfarrer in Euskirchen, kandidiert als zweiter Stellvertreter der Skriba.

Ist ein Amt im Kreissynodalvorstand (KSV) eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Struktur- und Zukunftsfragen gehören auch zur Arbeit in der Gemeinde, aber im Kern bin ich dort Seelsorger und Prediger. Im KSV erwarte ich deutlich mehr Aufgaben aus jenen Feldern, also: schon etwas Neues.

Wie erklären Sie den KSV Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Meinen Kindern (10, 13 und 15 Jahre alt) habe ich gesagt: „Das ist sowas wie das Presbyterium für die Gemeinschaft von 13 Kirchengemeinden. Und die sind verantwortlich für gemeinsame Aufgaben der Kirche wie die Jugendbildungsstätte, Öffentlichkeitsarbeit, Frauenreferat, Pfarrstellen in Berufsschulen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Notfallseelsorge und so weiter.“ Für Menschen, die auch nicht wissen, was ein Presbyterium ist, käme an diese Stelle „das Gremium, das die Verantwortung hat, für …“

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Zu den Menschen.

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Ich versuche, digitale Formen der Kommunikation ernst zu nehmen und zu erlernen, dort mitzulesen und zuzuhören, ohne mich anzubiedern. Ich bin überzeugt: die nächste Generation bleibt an Bord oder kommt an Bord, wenn sie nicht 30 Jahre warten muss, ehe sie über den Kurs mitentscheiden darf.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

… ein Bauantrag, der von der Landeskirche dreimal zurückgeschickt wird mit einer ganzen DIN A4-Seite Checkliste. Alle Punkte sind aber erfüllt. Im Beschluss des Presbyteriums ist festgelegt, aus welchem Budget und mit welchem Kostenrahmen gebaut werden soll usw… Aber es fehlt der Satz innerhalb des Beschlusstextes „Die Durchführung der Baumaßnahme wird beschlossen.“ – Dass ein Baukirchmeister mit Erfahrung im öffentlichen Dienst, eine Gemeindesekretärin, ein Pfarrer und damals Frau Barnikol hierüber verzweifeln und erst nach zwei Wochen Daueranrufen im Landeskirchenamt die verantwortliche Person ans Telefon bekommen – da läuft etwas falsch, denn eine Mail mit dem, was fehlt, hätte schnell zum Ziel geführt.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

… wenn ich in der Gemeinschaft im Gebet spüre, dass nicht wir, sondern Gott selbst die Kirche trägt und führt: mit den Konfis bei der Feier des Abendmahls in der Kapelle in Merzbach genauso wie in Taizé, beim Abschlussgottesdienst eines Kirchentages genauso wie bei der Musik zum Eingang des Gottesdienstes zur Eröffnung unserer letzten Herbstsynode durch die Jugendband 7Heaven mit Schlagzeug, Orgel und viel Gefühl.

Das erste, was ich mache, wenn ich im KSV bin, ist:

… die nicht unbekannten Gesichter freundlich anschauen und das Meine dazu tun, dass auch das neue Gremium schnell in eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit findet, in der es auch sachlich kontrovers zugehen kann und vielleicht manchmal auch muss, um die beste Lösung zu finden.

Bisher arbeiteten die Superintendenten auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde verwendet werden. Befürworter:innen nennen das „Bodenhaftung“. Wie stehen Sie dazu?

Ich selbst habe 2014/15 ähnlich argumentiert und damals für das bislang gültige Modell gestimmt. Die Mehrheit der Kirchenkreise entscheidet sich nun für Modelle, in denen kein Stellenanteil in der Gemeinde verbleibt. Auch der scheidende Superintendent hat sich klar geäußert und begründet, warum er es für sinnvoll erachtet, sich ganz dem Amt der Superintendentin, des Superintendenten zu widmen. Das waren die ausschlaggebenden Gründe für mich, meine Meinung zu ändern.
Ich kenne beide Personen, die nun zur Wahl stehen, gut genug, um mir sicher zu sein, dass sie bodenständig bleiben und die Realität des Gemeindelebens nicht nur nicht vergessen, sondern dass sie Wege finden werden, Gemeindeleben, aber auch die Situationen in den Funktionspfarrstellen mitzuerleben, wahrzunehmen und angemessen zu teilen.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Ich habe in der Synode deutlich Stimmen gehört, die eine Aufgabenkritik und damit implizit die Reduktion dieser Stellen fordern. Bei einer Aufgabenkritik stehen alle Bereiche auf dem Prüfstand. Aus meiner jetzigen Sicht leistet jeder dieser Bereiche hervorragende Arbeit: die Jugendbildungsstätte wurde vor nicht langer Zeit ertüchtigt und ohne Jugendreferat ist Merzbach und die Jugendarbeit im Kreis schwer vorstellbar. Ebenso beim Frauenreferat: Wenn ich daran denke, wie hoch die Nachfrage alleine in Euskirchen für die Kurse für Wiedereinsteigerinnen in den Beruf war, wenn ich an das Reformatorinnenprojekt denke, dann wird deutlich, dass das Arbeitsfeld gesellschaftlich von Bedeutung ist und kreativ und profiliert mit einem evangelischen Profil gefüllt wird. Und nicht erst unter den Herausforderungen der Pandemie hat sich gezeigt, dass neben den klassischen Formen digitale Öffentlichkeitsarbeit große Chancen bietet und den Gemeinden Unterstützung gut tut – schon dieser Fragebogen mit kreativen und pointierten Fragen beweist die Qualität der Arbeit, die hier geleistet wird.

Würde ich als Teil des KSV vor die Aufgabe gestellt, diese ohnehin knapp bemessenen Stellen zu kürzen, dann wären für mich zwei Grundsätze gesetzt: Erstens müsste geklärt werden, wie die wichtigen Aufgaben dann in Zukunft erfüllt werden, etwa in Kooperationen mit dem Bonner Kirchenkreis. Zweitens sehe ich uns den Stelleninhaber:innen gegenüber in der Verantwortung, für sie gangbare Wege zu finden.

Superintendent und Skriba wiedergewählt

Kurz nach der Wiederwahl: Mathias Mölleken und Claudia Müller-Bück freuen sich, auf das, was kommt. Foto: Uta Garbisch

Mit großer Mehrheit hat die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel Mathias Mölleken als Superintendent und Claudia Müller-Bück als Skriba bestätigt. Die Tagung fand an diesem Wochenende erstmals als reine Video-Konferenz statt. Mölleken ist damit „nebenamtlicher Superintendent im Übergang“, wie er selbst sagte. Denn er geht im Herbst 2022 in Ruhestand. Die Entscheidung, ob das Amt anschließend im Haupt- oder Nebenamt ausgeübt werden soll, wollen die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden im kommenden Jahr tref

Will und wird weitermachen: Claudia Müller-Bück stellt sich der Synode vor. Foto: Uta Garbisch

fen. Bis dahin will der Meckenheimer Pfarrer Struktur- und Konsolidierungsprozesse weiter vorantreiben und zu Kooperationen der Gemeinden ermutigen. Claudia Müller-Bück, die als Skriba zweite Stellvertreterin des Superintendenten bleibt, sieht das ähnlich: „Ich fürchte mich nicht vor Veränderungen, denn sie bringen auch große Chancen mit sich.“

Digitale Kirche anschieben, den Blick über den Tellerrand weiten

In seinem jährlichen Bericht würdigte Superintendent Mathias Mölleken den phantasievollen Umgang der Kirchengemeinden mit den Folgen der Corona-Pandemie. Neben der analogen Praxis habe die digitale Kirche einen enormen Schub erhalten und sei „wichtiges Element für jedes kirchliche Zukunftsmodell“. Seelsorge und andere kirchliche Dienste seien nachgefragt und weiterhin notwendig. Finanziell habe die Pandemie allerdings zu einem signifikanten Rückgang der Kirchensteuereinnahmen geführt. Aktuelle Schätzungen erwarten für Bad Godesberg und die Voreifel nach Abzug aller Umlagen ein Minus von etwa 8,5 Prozent. Die für 2020 geplanten Einnahmen der Jugendbildungsstätte Merzbach haben sich zudem um 48 Prozent (rund 138.000 Euro) verringert. Konsolidierungsmaßnahmen seien daher auf Kirchenkreis- wie Gemeindeebene „dringend erforderlich“. Mölleken appellier

Wird weiter gestalten: Superintendent Mathias Mölleken bei seinem Bericht. Foto: Uta Garbisch

te außerdem an die Gemeinden, den Blick über den Tellerrand nicht zu verlieren. Als gutes Beispiel nannte er die Heiland-Kirchengemeinde, die seit kurzem eine Partnerschaft mit der Rheinischen Kirche in Südafrika pflegt: „Partnerschaftliche Beziehungen veranschaulichen christlichen Glauben, veranlassen zu globalem Denken und führen zu lokalem Handeln.“

Weniger Pfarrstellen erfordern Gestaltungsprozess und innovative Konzepte

Die Pfarrstellenzahl wird sich bis 2030 im gesamten Kirchenkreis mit seinen 13 Kirchengemeinden deutlich verändern. In der gesamten Evangelischen Kirche im Rheinland wird es voraussichtlich statt bisher 1.700 Pfarrerinnen und Pfarrern nur noch 1.000 geben. Dies hatte die Landessynode beschlossen. Die Gründe: Diese Zahl ist finanzierbar und gewährleistet einen Personalmix. Zudem fehlen Absolventen. Für den Kirchenkreis bedeutet dies, dass es anstelle der heutigen 21,5 Gemeindepfarrstellen nur noch 14,17 geben soll, dazu 8,6 Pfarrstellen in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Dieser Rahmenplan löste bei etlichen Synodalen Nachfragen und Bedenken aus. Viele appellierten aber auch an die eigenen Reihen, die nächsten Jahre für die Gestaltung dieses Prozesses zu nutzen.

So sieht Synode digital aus: Einige der Teilnehmenden. Foto: Uta Garbisch

Superintendent Mathias Mölleken: „Es geht jetzt darum, die gestalterische Chance, die uns in diesem Zeitkorridor von zehn Jahren verbleibt, zu erkennen und in unseren Entscheidungen gezielt zu nutzen.“ Vor diesem Hintergrund wird auf Antrag der Kirchengemeinde Euskirchen der Beratungsprozess „Kirche in unserer Region 2030“ initiiert. Ziel ist unter anderem, kirchenkreisweit attraktive Pfarrstellen und einen Personalmix zu erhalten sowie in den Regionen innovative Konzepte zu entwickeln, erläuterte der dortige Pfarrer Gregor Weichsel.

Gewählt und berufen

Turnusgemäß waren insgesamt vier Positionen im Kreissynodalvorstand (KSV), dem Leitungsgremium des Kirchenkreises, für acht Jahre neu zu besetzen. Zu Synodalältesten wählte die Synode Gerlinde Habenicht aus Wachtberg und Hendrik Reinfeld aus Zülpich. Deren Stellvertreter werden Magdalena Winchenbach-Georgi aus Bad Godesberg und Karl-Heinz Carle aus Rheinbach. Außerdem rückt

Gewählt: Karl-Heinz Carle, Mathias Mölleken, Manfred Brede, Hendrik Reinfeld, Claudia Müller-Bück, Gerlinde Habenicht und Magdalena Winchenbach-Georgi. Foto: Uta Garbisch

Dr. Manfred Brede (Bad Godesberg) als dritter Stellvertreter für vier Jahre nach. Der KSV besteht aus insgesamt sieben Personen und entscheidet zwischen den Tagungen der Kreissynode über die Belange des Kirchenkreises. Neben Superintendent und Skriba sind dies der stellvertretende Superintendent (Assessor) und vier Frauen und Männer aus den Kirchengemeinden.

In die Leitung verschiedener Fachausschüsse berief die Synode Vorsitzende und deren Stellvertretung: Den Finanzausschuss leitet weiterhin Frank Bartholomeyczik (Meckenheim), sein Stellvertreter ist Alexander Beaumont (Bad Godesberg). Vorsitzende des Fachausschusses für Frauenfragen bleibt Magdalena Winchenbach-Georgi (Bad Godesberg), Stellvertreterin ist Heike Suhr (Meckenheim). Den Arbeitskreis Mission und Ökumene leitet Edna Li (Bad Godesberg), ihre Stellvertreter sind Dr. Manfred Wadehn (Bad Godesberg) und Pfarrerin Judith Weichsel (Bad Münstereifel). Vorsitzender des Nominierungsausschusses ist wie bisher Pfarrer Günter Schmitz-Valadier (Wachtberg), sein Stellvertreter Pfarrer Frank G. Raschke (Bad Münstereifel). Friederike Heiwolt (Euskirchen) und ihr Stellvertreter Christian Frommelt (Bad Godesberg) leiten den Ausschuss für Kirchenmusik.

Abgeordnete zur Landessynode

Bereits im Vorfeld haben die Synodalen per Briefwahl die Wachtberger Presbyterin Melina Wolf und Pfarrer Knut Dahl-Ruddies (Gefängnisseelsorge Euskirchen) zu neuen Abgeordneten der Landessynode gewählt. Frank Bartholomeyczik aus Meckenheim wurde wiedergewählt. Ihre Stellvertretung übernehmen Pfarrer Norbert Waschk (Bad Godesberg), Christiane Mathy (Meckenheim), Irmela Richter (Rheinbach) und Jens Schulz (Euskirchen).

Die virtuelle Synode fand am Freitagabend, 6. November 2020, und am Samstagvormittag, 7. November 2020, statt. Grußworte sprachen Landeskirchenrätin Iris Döring, die so auch von der Kirchenleitung grüßte und Superintendent Dietmar Pistorius von Nachbar-Kirchenkreis Bonn.

Tendenz hauptamtlich

Superintendent und Moderator: Mathias Mölleken sitzt konzentriert am Rechner. Foto: Uta Garbisch

Es ist kein Beschluss, aber eine wichtige Momentaufnahme: Bei der Synodalversammlung im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel tendierten 65 Prozent der Befragten für die künftige Hauptamtlichkeit im Superintendentenamt. Und selbst, wenn es nebenamtlich weiter gehen sollte, dann in Vollzeit. Haupt- oder nebenamtlich, mit 75 oder 100 Prozent als Superintendent bzw. Superintendentin den Kirchenkreis leiten, das war das zentrale Thema der heutigen Versammlung. Sie fand erstmals in Form einer Video-Konferenz statt.

Mit dabei: Anne Rempel und Holger Ziesmer aus der Superintendentur. Foto: Uta Garbisch

Es war eine lebhafte Debatte, wie die Leitungsaufgabe am besten zu erfüllen ist und welche Leitung sich die Gemeinden wünschen. Da geht es um die zunehmende Verdichtung von Aufgaben, um die Frage, wie kirchliche Veränderungsprozesse am besten begleitet werden können und die Sorge, ob es künftig noch genügend Pfarrerinnen und Pfarrer zur Entlastung gibt, die den Dienst in der Gemeinde des Superintendenten übernehmen. Aktuell arbeitet Superintendent Mathias Mölleken auf der Grundlage eines Modells, wonach Dreiviertel der Arbeitszeit für die Leitung des Kirchenkreises, ein Viertel für Aufgaben in der Heimatgemeinde – in Möllekens Fall Meckenheim – verwendet werden. Trotz dieser Gewichtung der Dienstpflichten gilt dies als Nebenamt. Ein Hauptamt würde bundesweit ausgeschrieben und als volle Pfarrstelle 25 Prozent teurer. Es wäre an keine der 13 Kirchengemeinden mehr direkt angebunden.

Strukturen zukunftssicher machen

Ist selbst für das Hauptamt, auch wenn es ihn nicht mehr betrifft: Mathias Mölleken. Foto: Uta Garbisch

Eine endgültige Endscheidung soll die Frühjahrssynode im kommenden Jahr treffen. Bis dahin verabredeten die Synodalen aus Bad Godesberg, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen einen Fahrplan. Der Nominierungsausschuss wird eine Aufgabenbeschreibung für alle drei theologischen Mitglieder des Kreissynodalvorstandes vorbereiten, also für Superintendent und dessen Stellvertreter, Synodalassessor und Skriba. Außerdem sortiert er Vorüberlegungen und Argumente für die endgültige Entscheidung. „Es geht darum, Strukturen zu klären und zukunftssicher zu machen“, betonte Superintendent Mölleken, der persönlich für eine hauptamtliche Struktur ist und den Synodalen für die intensive Diskussion dankte. Er selbst stellt sich im November diesen Jahres erneut als nebenamtlicher Superintendent zur Wahl. Da er 2022 in den Ruhestand geht, wäre im Fall seiner Wiederwahl ausreichend Zeit, die Hauptamtlichkeit vorzubereiten.

Gottesdienstjahr mit neuen Formaten, aber verschoben

Das Gottesdienstjahr wird kommen: Claudia Müller-Bück informiert. Foto: Uta Garbisch

Die übrigen Punkte der Tagesordnung waren von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Das für dieses Jahr geplante Gottesdienstjahr wird auf unbestimmte Zeit verschoben: „Bis wir wieder Gottesdienste feiern können wie vor Corona“, hofft Skriba Claudia Müller-Bück. Die Swisttaler Pfarrerin hat die Federführung in diesem Projekt, das auf gegenseitige Besuche, Kennenlernen und Vernetzung in den Gemeinden setzt. Gleichzeitig soll die große Bandbreite von neuen Formaten wie Video- und Online-Gottesdienste oder Andachen für Zuhause dann auch Teil des Angebots sein.

Hybrid-Synode im November

Die nächste Synode am 6. und 7. November wird voraussichtlich als „Hybrid-Synode“ stattfinden: Nach einer Videokonferenz am Freitagabend folgt am Samstag für die Wahlen ein kurzer Präsenzteil in einer ausreichend großen Räumlichkeit. Neben dem Superintendenten sind dann auch Skriba, zwei Synodalälteste und deren Stellvertretung zu wählen.

Gewählt

Neben der heutigen Synodalversammlung ersetzten Briefwahlen die ursprünglich für Juni vorgesehene Kreissynode. Daher hatten die Delegierten vorher per Brief gewählt: Die Wachtbergerin Melina Wolf und der Euskirchener JVA-Pfarrer Knut Dahl-Ruddies sind die beiden neuen Abgeordneten zur Landessynode. Wolf wurde als nicht-theologische Delegierte gewählt, Dahl-Ruddies als theologischer Abgesandter. Sie vertreten den Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel neben Superintendent Mathias Mölleken als Landessynodale auf der jährlichen Tagung im Januar. Außerdem bestimmten die Abgeordneten Frank Bartholomeyczik (Meckenheim) erneut zum zweiten nicht-theologischen Abgeordneten.

Pfarrer Gregor Weichsel aus Euskirchen wird Delegierter für den Evangelischen Fachverband Kindertagesstätten in Rheinland, Westfalen und Lippe. Elke Cäsar aus Wachtberg vertritt den Kirchenkreis im Rechnungsprüfungsvorstand der Prüfungsstelle Köln Bonn-Hessen für die Amtszeit 2020-2024. Zudem wurden alle von den Kirchengemeinden vorgeschlagenen Mitglieder in die zu besetzenden Ausschüsse, Synodalbeauftragungen, den Arbeitskreis Mission und Ökumene sowie das Kuratorium des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene berufen.

Kümmern um Fremde ist Auftrag der Nächstenliebe

Leiten mit großem Rückhalt den Kirchenkreis weiter: Edgar Hoffmann, Norbert Waschk, Andrea Hewig, Ulrich Zumbusch und Frank Bartholomeyczik (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Herbstsynode traf sich in Bonn-Friesdorf

Geprägt von großer Einmütigkeit tagte die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Ob Wahlen, Beschlüsse oder Haushalt: Nahezu alles wurde einstimmig verabschiedet. Auch im kommenden Jahr unterstützt der Kirchenkreis die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit mit bis zu 45.000 Euro. Davon fließen als weitere Anschubfinanzierung zwei Drittel in die Region Euskirchen, der übrige Betrag in die Rhein-Sieg-Region. Hier und in Bad Godesberg, wo die Gemeinden diese Arbeit finanzieren, haben insgesamt drei Koordinatorinnen ihre Arbeit aufgenommen.

„Das Kümmern und Verantwortlich-Sein für den oder die Fremde ist ein unabweisbarer Auftrag im Sinne der christlichen Nächstenliebe“, betonte Mathias Mölleken. „Inzwischen geht es zunehmend um die Integration von jetzt hier lebenden Flüchtlingen“, so der Superintendent und Meckenheimer Pfarrer. Es gelte, diese Menschen auf ihre Asylverfahren vorzubereiten und zu begleiten. „Dann wird konkrete Hilfe benötigt, in unserer Gesellschaft anzukommen.“ Dieses Engagement müsse konzentriert fortgesetzt werden. Bereits in diesem Jahr hatte der Kirchenkreis für diesen Zweck 50.000 Euro investiert.

Einstimmige Wiederwahlen

Wichtige turnusmäßige Wahlen für den Vorstand des Kirchenkreises standen am Vormittag auf der Tagesordnung. Alle Personalentscheidungen wurden einstimmig getroffen, nur die Betroffenen enthielten sich jeweils. Der Bad Godesberger Pfarrer Norbert Waschk übernimmt für weitere acht Jahre die Stellvertretung des Superintendenten. Die Pfarrer Ulrich Zumbusch aus Zülpich und Edgar Hoffmann aus Euskirchen bleiben für die gleiche Zeit erster und zweiter Stellvertreter der Skriba. Wie bisher gehört Andrea Hewig (Weilerswist) dem Kreissynodalvorstand als Synodalälteste an. Frank Bartholomeyczik (Meckenheim), bislang stellvertretendes Mitglied, wurde ebenfalls gewählt.

Werkstatt für die Zukunft

Superintendent Mathias Mölleken vor der Synode. Er hatte außerdem Geburtstag und bekam ein Ständchen. Foto: Uta Garbisch

Superintendent Mathias Mölleken vor der Synode. Er hatte außerdem Geburtstag und bekam ein Ständchen. Foto: Uta Garbisch

„Wo wollen wir als Kirchenkreis und Kirchengemeinden 2030 stehen?“, fragte Mölleken die Abgeordneten. Zur Beantwortung dieser wichtigen Frage regte er in seinem Tätigkeitsbericht die Bildung einer „Projektgruppe Zukunft“ an. Als „Werkstatt“ solle sie Visionen für Kirche sammeln und entwickeln. Das Ziel sei „Dasein für andere in Seelsorge und Gemeinwesenarbeit“. Strukturelle Fragen um Finanzen, Personal oder neue Kirchenkreiszuschnitte sollten in diesem Denkraum eng mit der Möglichkeit zur spirituellen und physischen Rekreation verknüpft werden. Den Ball nahm sein Bonner Kollege Eckart Wüster gerne auf. Er erinnerte daran, dass die dortige Synode Gespräche über Fusionen schon vor einigen Jahren beschlossen hatte.

Forschung ohne Einwilligung?

Kritisch äußerte sich Mölleken zu einer Novelle des Arzneimittelgesetzes, über die der Bundestag am kommenden Mittwoch abstimmen will. Sie soll die fremdnützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Erwachsenen in Deutschland erlauben, auch wenn der konkrete Patient keinen persönlichen Nutzen davon hat. Es handele sich keineswegs um harmlose Tests, sondern um Forschung am Gehirn und am zentralen Nervensystem. In der Gesetzesvorlage seien tödliche Folgen nicht ausgeschlossen. Betroffen wären alle Nichteinwilligungsfähigen, die nicht oder nicht mehr in der Lage sind, selbst zu entscheiden, ob sie an einem medizinischen Versuch teilnehmen wollen. Besonders gefährdet seinen alle, die keine schützende Familie im Hintergrund haben. Eine gesellschaftliche Debatte ist nach Möllekens Worten unabhängig vom Abstimmungsergebnis erforderlich.

Fast ausgeglichen: Haushalt 2017

Das Kirchenparlament verabschiedete den Haushalt für das Jahr 2017 mit einem Gesamtvolumen von 3,36 Millionen Euro. Bei den insgesamt sieben Handlungsfeldern bilden Erziehung und Bildung mit 746.000 Euro den größten Posten. 711.000 Euro fließen in diakonische und soziale Arbeit, 682.000 Euro in Gemeindearbeit und Seelsorge. Vorgesehen ist eine Entnahme von etwa 22.000 Euro aus Rücklagen.

Die Abgeordneten beschäftigten sich außerdem mit den Planungen für das 500-jährige Reformationsjubiläum, die auf die große Reformationsgala „Luther – teuflisch gut“ als absolutem Höhepunkt am 31. Oktober 2017 zulaufen. Weitere Themen waren die aktuelle Pfarrstellen- und Personalplanung und die mögliche Deckelung der kreiskirchlichen Umlage. Letztere soll zunächst im Finanzausschuss weiter beraten werden.

Gewählt, beauftragt und gegrüßt

Gemeindezentrum Pauluskirche: Hier tagte die Synode. Foto: Uta Garbisch

Gemeindezentrum Pauluskirche: Hier tagte die Synode. Foto: Uta Garbisch

Die Synodalen aus den 13 Kirchengemeinden bestimmten die Vorsitzenden von insgesamt drei synodalen Ausschüssen. Christoph Müller (Wachtberg) leitet wie bisher den Fachausschuss für Kirchenmusik, sein Stellvertreter ist Christian Frommelt (Bad Godesberg). Für Kinder und Jugend bleibt Stefanie Rave (Euskirchen) zuständig, vertreten von Daniel Schöneweiß (Bad Godesberg). Neuer Vorsitzender im Finanzausschuss wird Wolfgang Budinger (Wachtberg), sein Stellvertreter ist Frank Bartholomeyczik (Meckenheim). Neue Synodalbeauftragung für Migration wird Claudia Müller-Bück, Skriba und Pfarrerin in Swisttal.

Die Synode traf sich zur diesjährigen Herbsttagung im Gemeindezentrum Pauluskirche der Evangelischen Thomas-Kirchengemeinde. In ihrem Grußwort lobte Bezirksbürgermeisterin Simone lobte Stein-Lücke die Arbeit der Kirchen. „Sie sind etwas ganz besonders in unserem Land und es wird viel zu selten darüber gesprochen.“ Grüße überbrachten Kirchenrat Eckart Schwab von der Rheinischen Landeskirche, Superintendent Eckart Wüster vom Nachbarkirchenkreis und die Meckenheimer Pfarrerin Back-Bauer als Vorstandsmitglied der Telefonseelsorge Bonn/Rhein-Sieg e.V.

 

Frühjahrssynode Bad Godesberg-Voreifel trifft sich in Wachtberg

Das Gemeindezentrum Wachtberg-Niederbachem. Foto: Meike Böschemeyer

Zukunftsfragen stehen in vieler Hinsicht im Zentrum der diesjährigen Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel am Samstag, 11. Juni 2016. Konkret beschäftigen sich die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden mit der Zukunft der presbyterial-synodalen Ordnung, dem Stand der Modernisierung der Jugendbildungsstätte Merzbach sowie der Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis.

Ist die presbyterial-synodale Ordnung noch zukunftsfähig? Zu dieser spannenden Frage wird Oberkirchenrat Bernd Baucks am Nachmittag das Referat halten. Er ist Mitglied der rheinischen Kirchenleitung und dort für Finanzen und Vermögen zuständig.

Die Grundordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist presbyterial-synodal. Ihre Leitungsorgane setzen sich grundsätzlich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden und Kirchenkreise zusammen. Sie treffen alle wichtigen Entscheidungen. Einmütigkeit lautet das Grundprinzip. „Das ist hoher Anspruch und Ausdruck selbst- und eigenständiger Entscheidungskompetenz“, unterstreicht Superintendent Mathias Mölleken. „Gleichwohl ist zu klären, inwieweit sich dieser Anspruch tatsächlich auch mit der notwendigen Verwaltung von Kirche und entsprechend zeitnahen Entscheidungserfordernissen vereinbaren lässt.“

Denn jede Tradition ist reformbedürftig, heißt es in den Synodenunterlagen. Könnten Veränderungen in Anlehnung an Politik und Wirtschaft insbesondere in Leitung und Controlling Lösungen bieten, den Auftrag der Kirche besser wahrzunehmen? Oberkirchenrat Bernd Baucks wird dieser Frage und möglichen Wirkungen nachgehen. Sein Impulsreferat bezieht auch konkrete Beispiele wie Presbyteriumswahlen, den Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Dialogarbeit, Verwaltungsstrukturgesetz und nicht zuletzt die zu erwartenden Auswirkungen im Steuerbereich nach Einführung des sogenannten Trennscharfen Religionsmerkers ein. Im Anschluss folgt ein Fragegespräch.

„Grundsätzlich sollten wir das Prinzip der ‚Vor-Ort-Verantwortung‘ schützen“, meint Superintendent Mölleken. Auch unter den heutigen Rahmenbedingungen sollten Entscheidungen nicht von „oben nach unten“ durchgereicht werden, sondern einen theologischen und ebenso pragmatischen Findungsprozess durchlaufen.

Auf ihrer Tagung wählen die Synodalen am Vormittag zudem die Abgeordneten für die Landesynode, entsenden Vertreter in Ausschüsse berufen Synodalbeauftragte.

Die Synode tagt am Samstag, 11. Juni 2016, im Gemeindehaus Niederbachem der Evangelischen Kirchengemeinde Wachtberg, Bondorfer Straße 18. Die Tagung ist wie immer öffentlich und beginnt um 9 Uhr mit einem Abendmahlsgottesdienst in der katholischen Kirche St. Gereon, Mehlemer Straße 5 in Wachtberg-Niederbachem. Das Ende ist für 17 Uhr geplant.