Jahrestag der Flutkatastrophe

Unter angespültem Kies fast begraben: eine Rose in Euskirchen. Für Pfarrer Gregor Weichsel (Foto) auch Sinnbild für Hoffnung.

Fast ein Jahr ist es her: Am 14. und 15. Juli 2021 haben die Überschwemmungen in unserer Region großen Schaden angerichtet. Menschen haben ihr Leben verloren, für viele hat diese Nacht schlagartig alles verändert.

In den einzelnen Orten sind Gedenkveranstaltungen, Gottesdienste und andere Begegnungsmöglichkeiten geplant. Folgendes ist bekannt (wird weiter ergänzt):

Bad Münstereifel:
Donnerstag, 14. Juli 2022, 18 Uhr: Ökumenischer Gedenkgottesdienst vor der Jesuitenkirche mit Pfarrerin Judith Weichsel und Sr. Roswitha sowie Gebärdendolmetscher:in. Die Seelsorgerinnen der beiden Kirchen laden zu diesem Gedenkgottesdienst genau dorthin ein, wo die Flut vor einem Jahr besonders spürbar war und sichtbare Schäden angerichtet hat.
Samstag, 16. Juli 2022, 17 Uhr:  Ökumenischer Gedenkgottesdienst in Iversheim im Dorfsaal mit Pfarrer Hans-Georg Falk.
Unter dem Motto „Gedanken – Gedenken“ begeht Bad Münstereifel den Jahrestag mit vielen weiteren Veranstaltungen von Donnerstag bis Sonntag.

Euskirchen:
Donnerstag, 14. Juli 2022, 19.30 Uhr: Ökumenische Gedenkfeier der Stadt Euskirchen zum Jahrestag der Flut im Klostergarten (an C&A)

Euskirchen-Schweinheim:
Donnerstag, 14. Juli 2022,  18 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst in Schweinheim unter freiem Himmel in der Dorfmitte mit Pfarrerin Christina Fersing

Rheinbach:
Donnerstag, 14. Juli 2022, 15.30 Uhr: Ökumenischer Gedenkgottesdienst für die Flutopfer auf dem Himmeroder Wall.
Unter dem Titel 
„Ein Tag für Rheinbach“ wird am 14. Juli 2022 ganz Rheinbach der tödlich Verunglückten GEDENKEN und seinen DANK für die empfangene Unterstützung der vielen freiwilligen, ehrenamtlichen und organisierten Helfer:innen zum Ausdruck bringen, sowie den Blick auf den erlebten ZUSAMMENHALT der Stadtgesellschaft richten. Das Fluthilfeteam des DW Bonn und Region ist ebenfalls vor Ort. Es hat einen Stand am Himmeroder Wall und bietet neben Informationen auch Gespräche an. Auch die Notfallseelsorge ist vor Ort.

Swisttal:
Donnerstag, 14. Juli 2022, 18.30 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Petrus und Paulus in Odendorf mit anschließender Enthüllung einer Gedenktafel

Freitag, 15. Juli 2022, ab 14.30 Uhr (Einlass): Zentrale Gedenkfeier der Kommunalgemeinde Swisttal mit der Bundespolizei auf dem Gelände der Bundepolizei in Heimerzheim
Beginn ist um 15 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst

Samstag, 16. Juli 2022, ab 14 Uhr: Familienfeste in Odendorf am Zehnthof und in Heimerzheim am „Alten Kloster“

Zülpich:
Donnerstag, 14. Juli 2022, 18.30 Uhr: Gemeinsame Gedenkandacht der katholischen Kirche, der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde sowie der Stadt Zülpich in St. Peter Zülpich auf dem Mühlenberg

Warm und kostenlos

Kochin Melanie Kümpel (im Hintergrund) und Ralf Kinast beim Ausgeben des Essens. Foto: Jan Grell

Drei Mal pro Woche 80 bis 100 Mahlzeiten zubereiten? Für Köchin Melanie Kümpel ist das kein Problem. Das Besondere: Von Montag bis Mittwoch versorgt sie mit ihren Kochkünsten von der Flut betroffene Menschen in Swisttal-Odendorf. Denn viele haben keine Küche mehr. Manche leben derzeit in Wohnwagen, in Ferienwohnungen oder in dem noch bewohnbaren Teil ihrer Häuser. Auch einige Helferinnen und Helfer nutzen das für alle kostenlose Angebot einer warmen Mahlzeit.

Der Speiseplan ist abwechslungsreich. Auch Vegetarier:innen kommen dabei nicht zu kurz. Die Speisen bereitet Melanie Kümpel an ihrem Arbeitsplatz in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Merzbach zu. In passenden Gastrobehältnissen, sogenannten Thermoporten, fährt sie diese dann selbst nach Odendorf. Einige Gerichte werden auch direkt an Ort und Stelle gekocht oder gebraten, wie Schnitzel oder asiatische Nudelpfanne.

Wird direkt vor Ort gekocht: die asiatische Nudelpfanne. Foto: Jan Grell

Ehrenamtliche wie Katharina Grell und Ralf Kinast organisieren die Essensausgabe von montags bis samstags. Viele andereEhrenamtliche unterstützen sie dabei. Von Donnerstag bis Samstag liefert das Burgrestaurant Nideggen unter Tobias Schlimbach das Essen.

Schon bald nach der Flut hat sich Melanie Kümpel hier, in ihrem Wohnort, selbst ehrenamtlich engagiert. Seit Mitte Oktober und bis auf weiteres finanziert der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel das Essensangebot aus Spendenmitteln.

Wer eine warme Mahlzeit möchte, kommt einfach in der Zeit von 12 bis 14.30 Uhr zum Infopoint. Im Zelt oder im Zehnthaus, das zwischenzeitlich zur Verfügung gestellt wurde, wird mit 2G-Regel gegessen. Wer nur etwas abholen möchte, benötigt 3G und einen Topf oder ein anderes geeignetes Gefäß.

Leben ist mehr!

Pfarrer Albi Röbke, evangelischer Beauftragter der Notfallseelsorge. Foto: NFS

Am Buß- und Bettag im TV: Dokumentation mit Notfallseelsorger Albrecht Roebke – Schock, Ohnmacht und Verzweiflung damit haben Seelsorger:innen zu tun, die seit der ersten Stunde im Flut-Katastrophengebiet in der Eifel im Einsatz sind.

Zum Buß- und Bettag wird die Arbeit des evangelischen Pfarrers und Koordinators der Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg, Albrecht Roebke im Einsatzgebiet beobachtet. „Vor allem die Plötzlichkeit dieses Ereignisses hat bei vielen das Vertrauen in diese Welt zerstört. Dann haben viele alles verloren, auch jedes Erinnerungsstück, das reißt einem den Boden unter den Füßen weg“, so Albrecht Roebke, der seit mehr als acht Jahren Menschen durch Krisensituationen begleitet. Der Buß- und Bettag biete jedem die Gelegenheit, selbstkritisch auf die große Problematik der Bewahrung der Schöpfung zu blicken und zu fragen, was ist wichtig, was zählt?

Die Ereignisse im Juli haben viele schockiert und hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Auch diesen Menschen stehen die Seelsorger:innen beiseite. „Rettungskräfte und Helfer gehen seit Wochen bis an ihre Belastungsgrenze“, so Albrecht Roebke. „Sie haben schreckliche Dinge gesehen, die man sonst nur aus Kriegsgebieten kennt.“ Mehr als 180 Menschen verloren bei dem Jahrhunderthochwasser alleine in Deutschland ihr Leben, Dutzende werden noch immer vermisst. Die Flut riss alles mit, zerstörte binnen Stunden ganze Landstriche und vernichtete Existenzen. Die Sachschäden belaufen sich in Milliardenhöhe. Allein der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Und Expert:innen warnen vor einer Häufung extremer Wetterereignisse.

Der Buß- und Bettag, ein Tag zum Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer, auch über unsere Umweltzerstörung. Die Welt wieder in Ordnung bringen, das werden die Seelsorger:innen nicht schaffen, aber durch Zuhören, die Seele der Betroffenen entlasten, das gelingt ihnen immer wieder, so der Sender

Der Film „Leben ist mehr!“ steht am Sendetag, 17. November 2021, ab 8 Uhr, in der ZDFmediathek zur Ausstrahlung bereit. Um 17.45 Uhr wird er ausgestrahlt.

Senderinfo/gar

Jahresbericht, Haushalt und die Folgen der Flut

Viel Platz und Abstand: die Synode traf sich bereits im Herbst in der Jungholzhalle in Meckenheim. Foto: Uta Garbisch

Wenn neben den üblichen Themen einer Herbstsynode wie Haushalt und Finanzen etwas immer wieder zur Sprache kam, dann war es die Flutkatastrophe mit ihren Folgen für die Region. Acht der 13 Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel sind direkt betroffen. Die Swisttaler Pfarrerin und Skriba Claudia Müller-Bück beschrieb in ihrem Teil des Synodenberichts eindrücklich die Situation vor Ort. Denn schon in den ersten Tagen wurden die zumeist nicht betroffenen Kirchengebäude zu wichtigen Anlaufpunkten für tatkräftige Hilfe, Versorgung mit Lebensmitteln und Strom für das Aufladen von Handys sowie Seelsorge. Aktuell gehe es vor allem darum, dass die Betroffenen gut durch den Winter kommen. Ganz praktisch haben die Kirchengemeinden ihre Sozialberatung aufgestockt, ebenso die Seelsorge, zwei mobile Fluthilfeteams der Diakonie Katastrophenhilfe wurden gerade aufgebaut.

Vor diesem Hintergrund regte Norbert Waschk, der die Synode als stellvertretender Superintendent leitete, die Bildung eines neuen Forums im Kirchenkreis an. Darin sollten „wir unsere christliche Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung angesichts der massiven Klimakrise und ihrer sichtbaren

Norbert Waschk beim Superintendentenbericht, den er sich mit Claudia Müller-Bück teilte. Foto: Uta Garbisch

Folgen neu bedenken und nicht zuletzt gegenüber Politik und Öffentlichkeit deutlich hörbar artikulieren“, so der Bad Godesberger Pfarrer.

Waschk warb für eine Kirche, „die nicht nur grundsätzlich für die Menschen da ist, sondern sich Zeit für das Wesentliche nimmt, nämlich auf diese Menschen aktiv zuzugehen“. Den Kirchengemeinden empfahl er in seinem Berichtsteil, finanzielle Spielräume, wenn diese noch vorhanden sind, zur Konsolidierung zu nutzen. Konkret gehe es besonders im Blick auf kirchliche Gebäude darum, klar zu entscheiden, was davon unbedingt gebraucht werde. Nur so könne vermieden werden, dass größere Sanierungen die Haushalte in Zukunft belasten.

Finanzen und ausgeglichener Haushalt

Für die Beseitigung von Flutschäden an kirchlichen Gebäuden hat der Kirchenkreis zwei Kredite beantragt, um die Sanierungsarbeiten zu finanzieren. Dabei handelt es sich um 700.000 Euro für die kreiskirchliche Jugendbildungsstätte in Rheinbach-Merzbach und um 500.000 Euro für die Kirchengemeinde Rheinbach. Dort wurden die Gnadenkirche, ein Pfarrhaus und das Jugendzentrum beschädigt.

Das Kirchenparlament mit 69 stimmberechtigten Mitgliedern verabschiedete den Doppelhaushalt für die Jahre 2022/23 mit einem Gesamtvolumen von 6,65 Millionen Euro. Unter den insgesamt sieben Handlungsfeldern bilden Erziehung und Bildung mit 1,81 Millionen Euro den größten Posten. Gut 1,6 Millionen Euro fließen in diakonische und soziale Arbeit, 994.000 Euro in Gemeindearbeit und Seelsorge. Dabei werden zweckgebundene Rücklagen in Höhe von rund 24.000 Euro eingesetzt. Der synodale Haushalt benötigt erneut keine freien Rücklagenmittel zur Defizitdeckung.

Die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist mittlerweile bei den beiden Diakonischen Werken in Bonn und Euskirchen angesiedelt. Für die Finanzierung stellt die Synode in den beiden kommenden Jahren jeweils 30.000 Euro auf Abruf bereit, falls Einnahmen und Fördermittel dafür nicht ausreichen. Bereits seit 2016 engagiert sich der Kirchenkreis in diesem Bereich.

Superintendentenamt

Foto: Uta Garbisch

Mehrheitlich beschlossen die Abgeordneten aus Bad Godesberg, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen, dass sie in Zukunft eine Erhöhung des Stellenumfangs des Superintendenten oder der Superintendentin von 75 auf 100 Prozent beabsichtigen. Zwar kann das Amt grundsätzlich nur als volle Pfarrstelle ausgeübt werden. Die Frage, ob ein Teil des Dienstes im gemeindlichen Pfarrdienst oder in der ursprünglichen Pfarrstelle geleistet wird und wie groß dieser Anteil ist, wird über den Dienstumfang der Entlastungspfarrstelle geregelt. Eine verbindliche Festlegung erfolgt jedoch erst im Zusammenhang mit einer Wahl.

Gegrüßt und gewählt

In seinem Grußwort dankte der Meckenheimer Bürgermeister Holger Jung den Kirchengemeinden für ihre Unterstützung der Flutopfer, insbesondere auch mit ihren Seelsorgeangeboten. Allein in Meckenheim seien über 500 Haushalte betro

Virtuos und kompetent: Norbert Waschk verabschiedet Hans Assenmacher (rechts). Der Leiter des Verwaltungsamtes in Bonn geht nach 43 Jahren im kirchlichen Verwaltungsdienst bald in Ruhestand. Foto: Uta Garbisch

ffen. Auch der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius sprach seinen Dank und seine Anerkennung aus. Die vielen engagierten Menschen hätten der Kirche ein Gesicht verliehen, die für andere da ist.

Zur Vorsitzenden des Arbeitskreises Mission und Ökumene wählte die Synode Pfarrerin Judith Weichsel (Bad Münstereifel), ihre Stellvertreterin wird Juliane Wächter (Bad Godesberg). Neu im Fachausschuss für Kinder und Jugend sind für die Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg Joachim Roscher und als sein Stellvertreter Pfarrer Tobias Mölleken.

Die Synode traf sich am Samstag, 6. November 2021, in der Jungholzhalle in Meckenheim unter 3G-Regel und mit Abstand. Die Tagung begann mit einem Gottesdienst in der dortigen Friedenskirche, die übrigens schon seit über zehn Jahren mit Erdwärme und damit klimaneutral beheizt wird. Pfarrerin Franziska Hageloch hielt die Predigt, ihre Kollegin Cordula Siebert sorgte für die Liturgie. Die Kollekte in Höhe von 636 Euro geht zu gleichen Teilen an Menschen, die vom Hochwasser betroffen sind und an die Jugendbildungsstätte für deren Wiederaufbau.

„Du kannst etwas tun.“

Bad Münstereifel: Gut 100 Tage ist es her, dass die Flut wie ein Tsunami durch den Ort raste. Die Aufräumarbeiten laufen, doch viele Menschen brauchen weiterhin Unterstützung. Finanziell und für die Seele. Pfarrer Frank Raschke ist dort seit vielen Jahren Pfarrer. In der WDR2-Andacht von heute erzählt er von seiner Arbeit. Und was das alles mit ihm selbst gemacht hat. Denn er hat erlebt: „Du kannst etwas tun.“ Der Beitrag ist zu finden bei Kirche im WDR.

Autorin Uta Garbisch zählt seit 2019 zum Team von „Kirche zum Hören“. Das sind meist Theolog:innen, die regelmäßig Andachten für den WDR-Rundfunk schreiben und produzieren. Zu hören war der Beitrag morgens um 5.55 Uhr. Wer das verpasst hat, kann alle Beiträge im Autor:innen-Archiv nachhören oder nachlesen.

Die aktuelle Andacht von Freitag, 22. Oktober 2021: „Du kannst etwas tun.“

Bereits gestern, Donnerstag, 21. Oktober, erschien dort Hoffnungsträgerin.

Nach dem Hochwasser: Präses besucht Bad Münstereifel

Vor Ort in Bad Münstereifel im Gespräch: Pfarrer Frank Raschke (li.), Pfarrerin Judith Weichsel mit Präses Thorsten Latzel. Foto: Uta Garbisch

„Das Wasser sitzt noch immer in den Wänden, und es steckt – bildlich gesprochen – den Menschen in den Überschwemmungsgebieten noch in den Knochen“, sagt Präses Dr. Thorsten Latzel in Bad Münstereifel. Und sicher nicht nur dort. Mitte September, acht Wochen nach dem verheerenden Unwetter vom 14. und 15. Juli, ist er wieder durch das Kirchengebiet gereist. Eine Station war die Kirchengemeinde Bad Münstereifel.

„Man hört schon viel …“ Gemeindesekretärin Claudia Zwingmann zahlt in der Kirchengemeinde Bad Münstereifel jeden Mittwoch Soforthilfe an Hochwasser-Geschädigte aus. Und die Menschen, die zu ihr kommen, kommen nicht nur wegen des Geldes. Sie wollen reden. Über die Nacht, in der nicht nur die malerische Einkaufsstraße im Herzen der Altstadt zerstört wurde. Über die Nacht, in der Menschen vor den Augen anderer Menschen ertranken und niemand helfen konnte. Die Menschen in der großen Runde am Tisch im Gemeindehaus berichten dem Präses von dem, was sie selbst betrifft: von den Verwüstungen im eigenen Haus, von Wochen ohne Strom und Wasser, von der Heizung, die noch nicht wieder funktioniert, von den Erlebnissen, die ihnen andere erzählen.

Lutz Nelles ist psychologischer Psychotherapeut. Er ist Teil des Netzwerks Psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel, das sich aus privater Initiative nach der Katastrophe gegründet hat. 65 Fachleute gehören inzwischen dazu, 250 bis 300 Therapeuten haben über das Netzwerk Akuttermine angeboten, um belasteten Menschen zu helfen. „Mein erstes Gespräch habe ich mit einem Feuerwehrmann geführt, der erfolglos versucht hat, Menschen zu retten“, berichtet Nelles. Auch die anderen im Netzwerk Aktiven hören viele Geschichten. Da brauchen die Hörenden und Helfenden, die inzwischen in katholischer und evangelischer Gemeinde vernetzt sind, selbst Supervision. Die stellt Rüdiger Maschwitz sicher. Der pensionierte Pfarrer ist von der Evangelischen Kirche im Rheinland als sogenannter Makler in die Region geschickt worden, um Kontakt zu den Gemeinden zu halten und Unterstützungsbedarf zu ermitteln. Bei der Supervision kann er direkt selbst helfen.

Superintendent Mathias Mölleken im Gespräch mit Armin Reichert und Daniela Decker vom Presbyterium. Foto: Uta Garbisch

Das ist auch Superintendent Mathias Mölleken wichtig. Er sorgt sich um die Überlastung der Mitarbeitenden, nicht nur in Bad Münstereifel. Denn insgesamt sind die Menschen in sieben der 13 Gemeinden im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel von den Folgen des schweren Hochwassers betroffen.

„Kaffee, Klönen und Kekse“ ist ein Angebot des Netzwerks überschrieben. Wenn freitags Markt im Ort ist, bieten sie dort offene Ohren und Hilfe an. Auch für diejenigen, die eher im Vorübergehen mit Menschen ins Gespräch kommen, brauche es Hilfe und ein gewisses Maß an seelsorglicher Zurüstung. Präses Latzel hat die Bitte ohnehin schon auf dem Zettel und nimmt sie mit nach Düsseldorf. An diesem Abend fließen auch Tränen, Dankbarkeit über enorme Hilfsbereitschaft kommt zur Sprache, Bilder der Katastrophe werden lebendig.

Der Bad Münstereifeler Pfarrer Frank Raschke beschreibt die Hilfsbereitschaft nach der Flut als atemberaubend. „Das holt das Gute und vielleicht auch das Schlechteste aus den Menschen raus.“ Gemeint sind die Bewohner:innen des vormals beschaulichen Städtchens und die vielen Helfer:innen von außerhalb. Und, dass es leider auch Plünderungen gab. „Doch insgesamt ist die Solidarität riesig.“ Zu den Helferinnen gehört zum Beispiel Daniela Decker, selbst Flutopfer und Presbyterin. Oder Pfarrerin Judith Weichsel, die nach der Flut erst mal das Sparschwein ihrer Kinder ausräumen musste, um überhaupt einkaufen zu können. Denn ohne Strom funktioniert auch kein Geldautomat. Sie alle haben „einfach nur geholfen“, wie Olaf Kohnert, ebenfalls Presbyter, es ausdrückt. Als Finanzkirchmeister verwaltet er die vielen Spenden, die die Kirchengemeinde erhielt und an Flut-Betroffene weitergibt.

Gruppenbild zum Abschluss: Einige der Teilnehmenden des intensiven Austauschs. Foto: Uta Garbisch

Thorsten Latzel betet mit seinen Gastgeberinnen und Gastgebern – wie an allen Orten, die er besucht. Denn mit allem, was bewegt, belastet, zweifeln und hoffen lässt, dürfen und sollen Menschen Gott in den Ohren liegen. Dem Gott, der in der Katastrophe nah bei den Menschen ist. „Christus im Schlamm“, sagt der Präses.

Der gesamte Überblick über drei Tage und die aktuelle Lage an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper:
Nach dem Hochwasser: Wie es in rheinischen Gemeinden aussieht erschein auf ekir.de

ekir.de, Jens Peter Iven/gar

Link: Frank Raschke im Interview zur seelsorgerlichen Situation nach dem Hochwasser

Nach der Flut – Wir sind da.

Anlaufstelle für Betroffene der Flut: die Maria-Magdalena-Kirche in Heimerzheim. Foto: Meike Böschemeyer

Unter diesem Motto bietet die Kirchengemeinde Swisttal ab sofort viele Hilfs- und Beratungsangebote für Betroffene der Flutkatastrophe an.

In der Maria-Magdalena-Kirche in Heimerzheim, Sebastianusweg 5-7, findet dienstags von 9 bis 12 Uhr eine offene Sprechstunde der Sozialberatung mit Christiane Reiferscheid von der Diakonie statt. Termine können auch telefonisch vereinbart werden unter 0171 – 6460032.
Ebenso dienstags von 15.30 bis 19 Uhr gibt es ein offenes Angebot für Beratung, Gespräch, Seelsorge, zum Austausch und zum zur Ruhe kommen angeboten. Unter anderen ist hier Elke Feuser-Kohler, ebefalls von der Diakonie, Ansprechpartnerin (Telefon 0172 – 8637064). Neben Kaffee und Kuchen gibt es ab 18 Uhr ein warmes Abendessen. Gleichzeitig findet der offene Kindertreff im Jugendbereich statt. Ansprechpartnerin hier ist Jugendleiterin Anke Rauf (Telefon 0176-70099245).

In Odendorf im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Bendenweg, werden montags und mittwochs nach Vereinbarung Gespräche mit der Heilpraktikerin Inge Kreb-Kiwitt (Telefon 0175-5512079) angeboten.
Donnerstags findet von 15 bis 17 Uhr ein offenes Angebot mit Sozialberatung, Seelsorge und weiteren Hilfestellungen mit Pfarrer Malte Große-Deters und Christiane Reiferscheid statt.
Ein Gesprächskreis für Betroffene findet auch donnerstags von 19.30 bis 21.30 Uhr mit den Systemischen Beraterinnen Tanja Rapp und Sabina Lennarz statt. Die Termine hierfür sind: 23. September, 7. Oktober und 28. Oktober 2021. Danach werden die Treffen 14-tägig stattfinden. Eine Anmeldung unter swisttal@ekir.de ist erst für Termine nach dem 28. Oktober 2021 notwendig.

Für weitere Informationen und Fragen stehen Pfarrerin Claudia Müller-Bück (Telefon 02254 – 80 70 139) und Pfarrerin Anke Kreutz (Telefon 0176 – 93 159 091) zur Verfügung.

Auszeit für junge Flutopfer

Jugendhaus Quelle in Kerken. Foto Kirchengemeinde

Heute reisen 20 Kinder und Jugendliche aus Bad Münstereifel an den Niederrhein. Sie alle sind von der Flut betroffen. Möglich macht dies die Kerkener Pfarrerin Karin Stroband-Latour. Sie hat  hat mit ihrer Gemeinde kurz nach der Flut der Gemeinde Bad Münstereifel angeboten, ihr Jugendhaus „Quelle“ kostenlos für eine Kinderfreizeit zu Verfügung zu stellen.

Die Fahrt für die Jungen und Mädchen im Alter zwischen drei und 16 Jahren fahren von Freitag bis Montag. Meist ist auch ein Elternteil dabei. Die Familien haben die Flut am eigenen Leib erlebt. Das reicht vom vollgelaufenen Keller und dem Miterleben der dramatischen Ereignisse bis hin zum verlorenen Haus.

Die Münstereifeler werden als Gäste rundum verwöhnt und können sich in Kerken ganz als Gäste fühlen und eine Auszeit nehmen. Einkauf und Kochen wird von Ehrenamtlichen die niederrheinischen Gemeinde erledigt. Das Team aus Janine Fries, seit August Jugendleiterin in Bad Münstereifel mit einer Ausbildung in Traumapädagogik, Uschi Gruß, Pädagogin in Elternzeit, und Pfarrerin Judith Weichsel kann sich also ganz auf die Gestaltung der gemeinsamen Auszeit konzentrieren.

Hilfsaktion

Brauner Schlamm, erhöhter Pegel: Der Godesberger Bach nach den schweren Regenfällen. Foto: Archiv

Spendenaufruf der Kirchen, Stadt Bonn, Caritas und Diakonie für die Opfer der Regenflut

Die Kirchen in Bonn starten in Abstimmung mit dem Oberbürgermeister und der Stadt Bonn einen Spendenaufruf für eine Hilfsaktion für die Opfer der jüngsten Regenflutkatastrophe in Bad Godesberg und Wachtberg. Hier Aufruf und Spendenkonto:

Die flutartigen Regenfälle und das darauf folgende Hochwasser haben in Teilen von Bonn und dem angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis in den ersten Junitagen 2016 viele Familien in Existenznot gestürzt. Schlamm und Wasser in Kellern und Erdgeschossen haben in vielen Häusern Möbel und Elektrogeräte wie Herd, Waschmaschine oder Kühlschrank zerstört. Es fehlt an den täglichen Dingen des Lebens. Die Schäden sind zum Teil sehr hoch und die Menschen verzweifelt.

Unter dem Titel „Regenflut-Hilfe“ starten die beiden christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände jetzt eine Hilfsaktion für notleidende Familien. Die evangelische und die katholische Kirche rufen gemeinsam mit Caritas und Diakonie sowie der Stadt Bonn zu Spenden für die von der Regenflut betroffenen Menschen auf.

„Viele Menschen sind dadurch unverschuldet in Not geraten. Wir möchten sie nicht im Stich lassen“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf der Katholischen und Evangelischen Kirche in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. „Wir hoffen schnell auf viele Spenden, um kurzfristig und unbürokratisch helfen zu können“, erklären Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher sowie die Superintendenten Mathias Mölleken und Eckart Wüster.

Alle Informationen auch unter: www.katholisch-bonn.de und www.bonn-evangelisch.de

Spendenmöglichkeiten

Überweisung – Sonderkonto
Gemeindeverband Bonn, Konto-Nummer 60400, Sparkasse KölnBonn, „Regenflut-Hilfe“
IBAN DE14 3705 0198 0000 0604 00 – BIC COLSDE33XXX

Online-Spendenkonto bei der DKM-Bank Münster
https://www.dkm-spendenportal.de/m/projekt/regenflut-hilfe.html