Kooperationen diskutiert und gewählt

Neuer stellvertretender Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist Mathias Mölleken aus Meckenheim. Das entschieden die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden auf ihrer Frühjahrstagung am Samstag in Bad Godesberg.

Der Pfarrer der Christuskirche erhielt 34 Stimmen. Auf Norbert Waschk von der Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg entfielen 27 Stimmen. Er bleibt weiterhin Skriba.

Mathias Mölleken (52) ist seit zehn Jahren Pfarrer der Christuskirche in Meckenheim. Als Assessor will er mitwirken, dass sich der Kirchenkreis durch begleitete Strukturveränderungen „zukunftssicher“ aufstellt. Der Theologe plädiert für eine Diakonische Kirche, die sich auch gesellschaftlich einmischt. Er wird voraussichtlich am 27. Juni in sein neues Amt im Kreissynodalvorstand eingeführt.

 

Eine Kultur des Teilens ist angesagt

Die Frage, wie kirchliche Jugendarbeit, Kirchenmusik oder diakonische Angebote auch in Zukunft gesichert werden können, beschäftigte die Abgeordneten bereits am Vormittag.  Hintergrund ist die finanzielle Situation der Kirchengemeinden. Bis 2014 zeichnet sich ab, dass alle Kirchengemeinden mit Ausnahme von Rheinbach auf „zum Teil erhebliche“ Haushaltsdefizite zusteuern, wie Wolfgang Osterhage vom Kreissynodalvorstand erläuterte.

Eine Möglichkeit, kirchliche Arbeitsfelder zu sichern, bietet die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden. Zahlreiche Beispiele von solchen Kooperation im Bereich der Landeskirche stellte daher Antje Hieronimus vor. In ihrem Referat erläuterte die Juristin, Kirchenrechtsdirektorin und Leiterin des Kirchenkreisdezernates der Rheinischen Landeskirche die derzeit bestehenden Rechtsformen und Möglichkeiten von Kooperationen auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene.

Am Nachmittag diskutierten die Synodalen in fünf Arbeitsgruppen über Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Kirchenmusik, Jugendarbeit, Pfarrdienst, Diakone und Gemeindepädagogen sowie Trägerverbünde. Der Tenor: Viel spricht für Kooperationen, manches aber auch dagegen. In jedem Fall erfordern sie ein Umdenken und Lernen. „Pfründe“ dürften nicht weiterhin verteidigt werden. Nur so könnten Finanz- und Personalressourcen besser gebündelt werden. „Eine Kultur des Teilens ist angesagt“, unterstrich Superintendent Eberhard Kenntner. „Wir müssen sehen, wie Selbständigkeit und Solidarität in einen guten Ausgleich gebraucht werden können.“

Die in den Arbeitsgruppen gewonnenen Impulse sollen in die Leitsätze für die Arbeit im Kirchenkreis einfließen. Die Arbeitsgruppe Pfarrstellenkonzeption erhielt den Auftrag, daraus eine Konzeption zu entwickeln. Dabei sollen auch Möglichkeiten zu Regionalisierung, Poolbildung von Mitarbeitendenstellen und übergemeindliche wie kirchenkreisübergreifende Möglichkeiten der Kooperation geprüft werden. Vor diesem Hintergrund wurde der Antrag der Kirchengemeinde Bad Münstereifel auf Errichtung einer halben Diakonenstelle auf den Herbst vertagt.

 

Beschlüsse und Personalentscheidungen

Mit einem Antrag zur Änderung des Pfarrstellengesetztes wendet sich die Synode an die Rheinische Landeskirche. Die bis Ende 2012 befristete Ausweitung des landeskirchlichen Besetzungsrechtes auf jeden zweiten Besetzungsfall solle auf jeden dritten Fall reduziert werden. Das Instrument sei nicht geeignet, die Zahl der Personen im Wartestand zu verringern. Betroffene Gemeinden müssten aufgrund unzureichender landeskirchlicher Vorschlagslisten Pfarrstellenausschreibungen mehrfach wiederholen. Dies verschlinge Ressourcen der ehrenamtlichen Presbyter und verlängere unnötigerweise das Wahlverfahren und Vakanzzeiten. 

Als neuen theologischen Abgeordnete zur Landessynode bestimmten die Synodalen Pfarrer Siegfried Eckert (46), Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg. Er hatte diese Funktion bereits vier Jahre lang für den damaligen Kirchenkreis Essen-Süd inne. Er plädiert für ein Miteinander von Kirche und Kultur, ist ein „Freund des Kirchentages“, dessen „Herz für eine glaubensfrohe Kirche schlägt“.
Als neue Vorsitzende des Fachausschusses für Frauenfragen wählten die Abgeordneten Ortrun Althof aus Zülpich. Sie ist Nachfolgerin von Anke Kreutz. In den Vorstand des neuen regionalen Rechnungsprüfungsamtes Köln-Bonn-Wetzlar-Braunfelds entsandten die Synodalen Christian Edelmann, Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg. Neu im Finanz-Ausschuss ist Tobias Andreae aus Bad Godesberg, im Fachausschuss für Kinder- und Jugendarbeit Walter Viethen, Rheinbach.

Synode ist nicht von gestern

Für Superintendent Eberhard Kenntner demonstrierte die Synode auch „eine neue Kultur des miteinander Redens“. Dies einzuüben habe die Synode reichlich Gelegenheit geboten. „Und die Synodalen haben die Gelegenheit genutzt, es waren wirklich angeregte Diskussionen in den fünf Arbeitsgruppen.“ Gefreut hat den Pfarrer aus Rheinbach die durchgängige Sorge um Gemeindenähe. Wenn damit „nahe beim Menschen“ gemeint sei und nicht einfach Machterhalt, dann werde man nicht in Strukturwandel-Aktionismus verfallen. „Und wir werden nach wie vor das Grundprinzip nach Art. 6 (Selbstverantwortung der Gemeinde) nicht verlassen, sondern deutlicher als bisher ergänzen.“ Für die Arbeit an der Kirchenkreiskonzeption seien damit neue Perspektiven eröffnet.  Kenntners Fazit: „Viel Arbeit steht noch bevor, aber die Synode hat gezeigt, dass sie nicht ‚von gestern’ ist und die Herausforderungen der Zukunft annimmt.“

Grußworte richteten Superintendent Hans-Joachim Corts vom Kirchenkreis An Sieg und Rhein und Annette Schwolen-Flümann, Bezirksbürgermeisterin von Bonn-Bad Godesberg, an die Versammlung im Matthias-Claudius-Gemeindehaus der Evangelischen Johannes-Kirchengemeinde.  Der Leiter der Telefonseelsorge Bonn/Rhein-Sieg, Michael Probst-Neumann, berichtete von der Arbeit der Organisation.

 
 

 

Text und Fotos: Uta Garbisch / 09.05.2010

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 09. Mai 2010