Gerechter Friede im Mittelpunkt

Eine engagierte Zeitansage stand am Samstag im Mittelpunkt der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. „Entweder wir bekennen uns zum göttlichen Auftrag, für Frieden, für Gerechtigkeit und …

… für die Sanierung der schon genug geschundenen Schöpfung im Dienst der gesamten Menschheit einzutreten, oder wir werden mitschuldig an der Vernichtung der Mehrheit der Weltbevölkerung.“ Das rief Wilfried Neusel vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) in Bonn den 65 Vertreterinnen und Vertretern der 13 Kirchengemeinden in Bad Godesberg und der Voreifel auf ihrer Tagung in Flamersheim zu. Der langjährige Oberkirchenrat und Ökumene-Experte der Rheinischen Landeskirche hatte die 2001 begonnene Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt zum Thema seines Referats.

„Gerechter Friede“ ist dabei einer der zentralen Begriffe. Und dass dieser noch weit weg ist, machte der Theologe an konkreten Beispielen deutlich, in denen Gewalt nicht nur rein körperlich verstanden, sondern auch von gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen ausgelöst wird. Dazu zählen etwa die zunehmende Abschottung Europas vor Flüchtlingen, das Bestreben europäischer Konzerne, sich landwirtschaftliche Nutzflächen zur Verhinderung von Nahrungsengpässen außerhalb Europas zu sichern oder einschneidende Reduzierungen der sozialen Infrastruktur in Deutschland. Der Teil der überschuldeten Bevölkerung wächst, ebenso wie die Zahl der Geringverdiener. Der Blick in die Zukunft ist nicht besser. Umweltkatastrophen dürften so kostspielig werden, „dass alle Träume von einem Leben auf bisherigem Niveau selbst in den reicheren Staaten zerplatzen werden“, warnte der EED-Theologe.

 

 

„Was können wir konkret tun?“, fragte Neusel angesichts dieses Szenarios. Er riet dem Kirchenkreis zu einer Bestandsaufnahme, was bereits vor Ort für einen gerechten Frieden getan wurde und wird. Dann mahnte er eine bessere Vernetzung von Initiativen an. Strategische Planung müsse zeigen, „wer mit welchen Mitteln und mit welchen Verbündeten die „hot issues“ im Kirchenkreis und in den Gemeinden beackern kann“. Eine große Rolle spiele dabei ehrenamtlicher Einsatz. Für Wilfried Neusel ist dieser auch im kommunalen Bereich „die einzige Chance, einen lebenswerten und liebenswürdigen Lebensraum zu erhalten“. Dabei als Christen die spirituelle Verankerung zu betonen und auf das Eintreten des Heiligen Geistes zu hoffen, „das ist unser so genanntes Kerngeschäft“.
 
Superintendentenbericht und Haushalt

Weitere Themen des Herbst-Treffens waren der jährliche Bericht von Superintendent Dr. Eberhard Kenntner und der Haushalt für 2010. Mittelfristig müsse die Frage beantwortet werden, wie angesichts der Konzentration von Senioreneinrichtungen in Euskirchen und Bad Godesberg die Heimbewohner „angemessen seelsorgerlich betreut werden können“. Dazu müssten auch die jeweiligen Einrichtungen einen finanziellen Beitrag leisten. In Blick nahm Kenntner auch die mögliche Errichtung einer Vertretungspfarrstelle für die Gemeinden. Schon jetzt sei ohne den unbezahlten Dienst der Prädikanten ein geordneter Verkündigungsdienst gar nicht mehr gewährleistet.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden verabschiedeten den Haushaltsplan für das Jahr 2010 mit einem Gesamtvolumen von 2,56 Millionen Euro. Damit liegen die geplanten Ausgaben leicht unter dem Ansatz des Vorjahres. Eingeplant ist eine Entnahme von etwa 57.000 Euro aus Rücklagen. Gut 500.000 Euro fließen in die Jugendarbeit, 371.000 in den Bereich Seelsorge. Ferner beschlossen die Synodalen die Errichtung einer weiteren halben kreiskirchlichen Pfarrstelle für Religionsunterricht am Friedrich-List-Berufskolleg Bad Godesberg

Beschlüsse  und Wahlen

An die rheinische Landessynode richteten die Abgeordneten zwei Anträge. Die bereits beschlossene Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzwesens solle in der jetzt vorgesehen Form abgebrochen werden, da Zweifel an der Umsetzbarkeit bestünden. Gleichzeitig solle die Kirchenleitung organisatorisch nachbessern und ausgereifte Beratungsvorlagen für eine endgültige Beschlussfassung vorlegen. Deshalb verschoben die Synodalen den vorgesehenen Termin für die Einführung im Kirchenkreis um zwei Jahre auf das Jahr 2013. Hinsichtlich der neuen Pfarrvertretung forderten die Abgeordneten Nachbesserungen. So solle etwa auch der theologische Nachwuchs beteiligt werden und die Pfarrvertretung Sitz und Stimme in der Landessynode erhalten.

 

 

Als neues stellvertretendes Mitglied im Kreissynodalvorstand wählten die Gemeindevertreter Dr. Iris Schneider (48) aus Bad Godesberg. Die promovierte Sprachwissenschaftlerin ist als Journalistin und Autorin tätig. Als Vorsitzenden des Fachausschusses für Kirchenmusik bestimmten die Synodalen den bisherigen Stellvertreter Christoph Müller aus Wachtberg. Die bisherige Vorsitzende, die Euskirchener Kantorin Friederike Heiwolt, ist nun Stellvertreterin. Neuer Vorsitzender des Fachausschusses für Kinder- und Jugendarbeit wird Walter Viethen aus Rheinbach. Er folgt Michael Peisker nach, der verzogen war.
Im Rahmen der bereits grundsätzlich vereinbarten Umwandlung des Diakonischen Werkes Bonn – Bad Godesberg – Voreifel (DW) in eine gemeinnützige Gesellschaft befürworteten die Synodalen, die Diakonie Stiftung Bonn ab 2010 als Treuhandstiftung vom DW verwalten zu lassen. 

Die Synodaltagung begann mit einem Gottesdienst in der Flamersheimer Kirche. Grußworte sprachen Josef Rhiem, stellvertretender Landrat des Kreises Euskirchen, Horst Belter als stellvertretender Bürgermeister von Euskirchen und dortiges Presbyteriumsmitglied, der Vorsitzende der Ortvereine Flamersheim, Hans-Peter Hanel, der Bonner Superintendent Eckart Wüster und der katholische Ortspfarrer Peter Berg.

 
Bericht des Superintendenten vom 7. November 2009
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Text und Fotos: Uta Garbisch / 08.11.2009

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 08. November 2009