Flüchtlingsarbeit wird deutlich aufgestockt

Gesicht zeigen gegen Fremdenhass: Christinnen und Christen aus Bad Godesberg und der Voreifel machten mit. Michael Bork sorgte für die Fotos, Knut Dahl stellte online. Danke! Foto: Uta Garbisch

Weitere 100.000 Euro wird der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel in die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit investieren. Dafür bildet dieser eine neue Rückstellung, die sich aus dem Haushaltsüberschuss des Jahres 2015 speist. „Menschen, die auf der Flucht zu uns kommen, zu stärken“, ist das Ziel, wie Pfarrerin Claudia Müller-Bück vom Kreissynodalvorstand erläuterte. Bereits im Vorjahr hatten die Abgeordneten aus den 13 Kirchengemeinden 50.000 Euro für diese regionale Arbeit bereit gestellt. Entsprechende hauptamtliche Stellen eingerichtet haben bereits der Godesberger Konvent und die Kirchengemeinden Rheinbach, Meckenheim und Swisttal zusammen mit dortigen dem Diakonischen Werk. Die Gemeinden Euskirchen, Zülpich, Bad Münstereifel und Weilerswist planen ebenfalls, eine Stelle in Trägerschaft der Diakonie zu errichten. Die Begleitung, Beratung und Schulung Ehrenamtlicher, die direkte Begleitung einzelner Familien und die Vernetzung untereinander sind die gemeinsamen Ziele.

Für Mitmenschlichkeit und gegen Fremdenhass engagierten sich etwa 40 Synodale, Mitarbeitende und Gäste zusammen mit Superintendent Mathias Mölleken. Im Rahmen einer Fotoaktion zeigten sie als Christinnen und Christen ihr Gesicht im Rahmen der landeskirchlichen Mitmachaktion „Wir sind MitMenschen“. Wer sich anschließen möchte, hat dazu unter www.wirsindmitmenschen.de Gelegenheit.

Mehrkosten für Merzbach-Sanierung

Der Stand der Modernisierung der Jugendbildungsstätte Merzbach war weiteres Thema der diesjährigen Frühjahrssynode. Die Sanierungsarbeiten sollen bis Ende August dauern. In dieser Zeit ist die Einrichtung geschlossen. Insbesondere Investitionen in den Brandschutz erhöhen die geschätzten Kosten um gut 180.000 Euro. Inklusive eines Puffers werden nun 1,25 Millionen Euro Gesamtkosten erwartet. Die Finanzierung erfolgt aus Rücklagen und Bilanzüberschüssen. Weiterer Wehrmutstropfen: Die jüngsten Unwetter haben die in der Kapelle zwischengelagerten Einrichtungsgegenstände beschädigt. Weitere Schäden durch das eingetretene Wasser sind noch nicht absehbar.

Manches rüttelt an der Ordnung

Wichtig, dass wir uns damit auseinander setzen: Bernd Baucks zur presbyterial-synodalen Ordnung. (Foto: Uta Garbisch)

Wichtig, dass wir uns damit auseinander setzen: Bernd Baucks zur presbyterial-synodalen Ordnung. (Foto: Uta Garbisch)

Ist die presbyterial-synodale Ordnung noch zukunftsfähig? Zu dieser spannenden Frage referierte Oberkirchenrat Bernd Baucks am Nachmittag. Als Mitglied der rheinischen Kirchenleitung für Finanzen und Vermögen zuständig, erläuterte er Wandel und Beständigkeit dieser Ordnung. Mit dem Konsens als leitendem Wesensmerkmal verhindere sie Lagerbildung. Gleichwohl rüttelt die landeskirchenweit sinkende Zahl von Kirchengemeinden, in denen eine Presbyteriumswahl stattfindet, ebenso an dieser Basis wie die geringer werdende Zahl der Theologie-Studierenden. Im Jahr 2030 dürften nicht mehr alle Pfarrstellen besetzt werden können. Vor allem an der für 2022 geplanten Einführung des sogenannten Trennscharfen Religionsmerkers entzündeten sich kritische Rückfragen. Denn eine gleichmäßige Pro-Kopf-Verteilung der Kirchensteuereinnahmen bedeute für Kirchenkreise wie Bad Godesberg-Voreifel voraussichtlich „weniger als jetzt“. Ziel müsse sein, die Kirchensteuern auf die einzelne Gemeinde zurückführen zu können, betonten viele Synodale. Baucks bekannte, er sei selbst kein Verfechter dieser bundesweiten Neuerung. „Aber es ist wichtig, dass wir uns damit auseinander setzen.“
Einstimmig – bei zwei Enthaltungen – votierten die 68 stimmberechtigten Synodalen für eine Ausnahmegenehmigung gegenüber der Landeskirche. Die Superintendentur soll demnach eigenständig bleiben und nicht Bestandteil des Verwaltungsamtes werden. Ein solches Konzept muss von der Kirchenleitung genehmigt werden.

Wahlen und Berufungen

Gewählt und berufen: Die Synodalen stimmen ab. (Foto: Uta Garbisch)

Gewählt und berufen: Die Synodalen stimmen ab. (Foto: Uta Garbisch)

Zu Beginn ihrer Tagung absolvierten die Synodalen einen wahren Wahlmarathon. Wie bisher vertritt Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg) den Kirchenkreis auf der Landesynode, seine Stellvertretung übernehmen Pfarrer Norbert Waschk (Erlöser-Kirchengemeinde Bad Godesberg) beziehungsweise Pfarrerin Christina Fersing (Flamersheim). Nichttheologische Abgeordnete werden Irmela Richter (Rheinbach) und Frank Bartholomeyczik (Meckenheim). Als Stellvertreter amtieren Jens Schulz (Euskirchen), Christiane Mathy (Meckenheim) und Rüdiger Forsbeck (Bad Münstereifel).

 

Zudem bestätigte die Synode die von den Kirchengemeinden vorgeschlagenen Vertreterinnen und Vertreter für die synodalen Fachausschüsse, die für Nominierung, Frauenfragen, Kinder und Jugend sowie Kirchenmusik zuständig sind. Auch die Vorgeschlagenen für den Finanzausschuss, den Arbeitskreis Mission und Ökumene, das Kuratorium des Gemeindedienstes für Mission und Ökumene sowie für den Bauausschuss wurden bestätigt.

Es war ihre letzte Synode: Brigitte Schmitt geht Ende Juni in den Ruhestand und wurde mit tosendem Applaus verabschiedet. (Foto: Uta Garbisch)

Es war ihre letzte Synode: Brigitte Schmitt geht Ende Juni in den Ruhestand und wurde mit tosendem Applaus verabschiedet. (Foto: Uta Garbisch)

Pfarrer Günther Schmitz-Valadier aus Wachtberg bleibt Vorsitzender des Nominierungsausschusses, Ortrun Althof aus Zülpich ist als Vorsitzende weiterhin für Frauenfragen zuständig. Über den Vorsitz in den übrigen Ausschüssen wird die Herbstsynode entscheiden. Die Synodalbeauftragten für 16 verschiedene Arbeitsfelder wie Inklusion, Diakonie oder Sektenfragen berief die Synode ebenfalls.

Kollekte für Regenflut-Opfer

Die Synode begann am Samstag, 11. Juni 2016, mit einem Abendmahlsgottesdienst in der katholischen Kirche St. Gereon in Wachtberg. Die Kollekte ergab 581,87 Euro für die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Wachtberg. Konkret wird dieser den dort vom jüngsten Unwetter betroffenen Menschen helfen. Die synodalen Beratungen fanden im Gemeindehaus Niederbachem der Evangelischen Kirchengemeinde Wachtberg statt. Grüße überbrachten Sebastian Hartmann als stellvertretender Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Kirchenrat Jürgen Sohn von der Rheinischen Landeskirche und Tina Gowin in Vertretung des verhinderten Dechanten Hermann Josef Zeyen.

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 11. Juni 2016