Evangelische Seelsorge am Marienhospital Euskirchen wird fortgesetzt

Salz in der Suppe oder Sand im Getriebe? Mit dieser Frage leitete Gunnar Horn, Pfarrer am Godesberger Waldkrankenhaus, das Schwerpunktthema der diesjährigen Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel ein: Krankenhausseelsorge.

Godesberg und der Voreifel entschieden eindeutig. Mit großer Mehrheit beschlossen sie am Samstag in Meckenheim die Errichtung einer halben kreiskirchlichen Pfarrstelle für Krankenhausseelsorge am Marienhospital Euskirchen. Zuvor hatte Johannes Haun über das Thema referiert. Seelsorge sei die „Muttersprache der Kirche“, so der Krankenhausseelsorger im Kirchenkreis Lennep. Sie ergänze und entlaste die gemeindliche Seelsorge sinnvoll und biete eine klare Bezugsperson sowohl für Patientinnen und Patienten wie auch die Beschäftigten.

Für Superintendent Eberhard Kenntner zählt die Seelsorge im Krankenhaus zu den „Essentials“ von Kirche. „Ohne sie wäre unser Kirche-Sein in Frage gestellt.“ Gleichzeitig könne diese Arbeit aufgrund der speziellen Erfordernisse in den Krankenhäusern von den Kirchengemeinden nicht mehr geleistet werden. Mit ihrem Beschluss stellt die Synode die Weichen für die dauerhafte Fortsetzung und Finanzierung der evangelischen Seelsorge am Marienhospital in Euskirchen. Die Neustrukturierung war aufgrund des Weggangs des Euskirchener Gemeindepfarrers Sven Waske erforderlich geworden, der diese Aufgabe zuvor übernommen hatte.

 

Superintendentenbericht

Weiterer Punkt des Herbst-Treffens war der jährliche Bericht von Superintendent Dr. Eberhard Kenntner, in dem er auf Probleme in der pastoralen Versorgung hinwies. Aktuell seien vier Gemeindepfarrstellen nicht versorgt. Die Begrenzung des Neuzugangs in den Pfarrdienst werde absehbar zu Mangel und Überalterung der Pfarrerschaft führen. Positiv hob Kenntner die große Zahl von fast 4.000 ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden hervor, die sich kirchenkreisweit engagieren. „Das ist eine schöne Entdeckung.“

Für jahrzehntelange Arbeit „auf allerhöchstem Niveau“ in der regionalen Fachberatung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder dankte Superintendent Kenntner Ursula Gerlach-Keuthmann. Sie war letztmalig bei der Kreissynode dabei und verabschiedet sich in den Ruhestand, sobald ihre Nachfolge geregelt ist.

Wahrnehmung schärfen

Grundsätzlich ging Kenntner auf sexuellen Missbrauch und den Umgang damit. Wichtig sei es, die „Wahrnehmung zu schärfen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen“. Auf Kirchenkreisebene müssen daher Mitarbeitende  fortan ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, wenn sie in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit aktiv sind. Auch geringfügige Strafen wären dort erfasst.

Klaus Graf, Leiter des Bonner Godesheims und berufenes Mitglied der Kreissynode berichtete über Missbrauchsfälle seitens eines ehemaligen Mitarbeiters der Evangelischen Jugendhilfeeinrichtung in der 1970er Jahren, die zuletzt für Schlagzeilen gesorgt hatten. Graf machte deutlich, dass der Täter damals fristlos entlassen, mit Hausverbot belegt und schließlich verurteilt worden sein. Gleichwohl gehöre der dokumentierte Fall „zu einem der dunkelsten Kapitel der Ein¬richtungsgeschichte“. Das Godesheim wolle sich dem uneingeschränkt stellen und stehe mit einigen der Betroffenen von damals im persönlichen Gespräch.

 

Haushalt, Beschlüsse  und Wahlen

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden verabschiedeten den Haushaltsplan für das Jahr 2011 mit einem Gesamtvolumen von 2,71 Millionen Euro. Damit liegen die geplanten Ausgaben leicht über dem Ansatz des Vorjahres. Eingeplant ist eine Entnahme von etwa 57.000 Euro aus Rücklagen. Fast 500.000 Euro fließen in die Jugendarbeit, 378.000 in den Bereich Seelsorge.

An die rheinische Kirchenleitung wandten sich die Abgeordneten mit einem Initiativantrag, den Superintendent Kenntner einbrachte. Gefordert wird eine breitere Ausdifferenzierung des Stellenkegels in der neuen regionalisierten Rechnungsprüfung Köln-Bonn-Hessen, die bislang nur zwei Gehaltsstufen vorsieht. Da die Evangelische Kirche die ihr anvertrauten Gelder sparsam und wirtschaftlich zu verwenden habe, müsse sich die Stellenbewertung an den tatsächlichen Aufgaben und Inhalten orientieren. Hier sei zudem auf eine Vergleichbarkeit mit kommunalen und staatlichen Prüfeinheiten zu achten. 

Als neue Synodalbeauftragte für das Gustav-Adolf-Werk beriefen die Gemeindevertreter Manfred Wadehn und Eberhard Kenntner. In den Fachausschuss für Kinder- und Jugendarbeit entsandten sie Ulrike Kempchen (Swisttal), in den Ausschuss für Frauenfragen Regine Lange (Flamersheim). Stellvertretendes Mitglied im Rechnungsprüfungsvorstand wird Gernot Büchsenschütz (Swisttal).

Die Synodaltagung begann mit einem Gottesdienst in der Meckenheimer Christuskirche. Grußworte sprachen Oberkirchenrat und Ortsdezernent Jürgen Dembek von der Landeskirche und der Bonner Superintendent Eckart Wüster.

 
 

 

Text und Fotos: Uta Garbisch / 07.11.2010

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 07. November 2010