Kinder und Armut

„Kinder und Armut“ ist das aktuelle Thema der neuen Folge von „Frauentratsch“. In dem Podcast von Sabine Cornelissen spricht die Frauenbeauftragte mit Ulrich Hamacher. Er leitet das Diakonische Werk Bonn und Region.

Ihre Themen:
Welches Ausmaß hat die Kinder- und Jugendarmut in Bonn und Deutschland?
Was sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Familien in Armut leben?
Wie wirkt sich das Aufwachsen in Armut auf die Kinder auf?
Was ist der Spendenfond Robin Good?
Und was muss sich politisch tun, um das Problem Armut strukturell zu lösen?
Was bedeutet Armut in Deutschland?

In einem reichen Land wie Deutschland wird Armut im Vergleich zum Lebensstandard der Bevölkerung insgesamt beschrieben: Arm ist demnach, wer über so wenig Einkommen beziehungsweise Besitz verfügt, dass es nicht möglich ist, den Lebensstandard zu haben, der in unserer Gesellschaft als selbstverständlich oder „normal“ gilt.

Zu hören auf open.spotify.com

Schulstart mit ROBIN GOOD

Susanne Haßdorf vom Robin-Good-Team übergibt Ranzen an die Sozialarbeiterin Yvonne Wischniowsky von der Sozialberatung der Evangelischen Lukaskirchengemeinde. Foto: Diakonie Bonn und Region

Familienfonds hat über 400 Kinder aus Bonn und der Region mit Schultaschen ausgestattet: Lange bevor im Frühjahr der erste Aufruf veröffentlicht wurde, fragten Eltern bei den Sozialberatungsstellen von Diakonie und Caritas nach Schultaschen für ihre künftigen Schulkinder. Und auch in diesem Jahr konnten die Hoffnungen wieder erfüllt werden: Verlässlich, wie schon in den vielen Jahren vorher, stattete der Familienfonds Robin Good von Diakonie und Caritas in diesem Sommer fast 450 Kinder mit Schultaschen der Kölner Firma Fond of aus. Zusätzlich konnten 50 Schulranzen aus den Mitteln das Kölner Tatort-Vereins vergeben werden.

„Der Einschulung eines Kindes ist für Familien nach wie vor ein Kraftakt“, wissen Diakonie-Chef Ulrich Hamacher und Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider. „Im Schnitt müssen Familien mehr als 200 Euro für die Erstausstattung einplanen. Oftmals wirkt es so, als seien die nötigen Investitionen ein Fass ohne Boden. Ist die Liste abgehakt, folgen weitere Posten wie Kopiergeld, Klassenkasse und Büchergeld.

Damit die Einschulung der Kinder nicht zum finanziellen Ruin führt, ruft Robin Good Jahr für Jahr für Spenden zum Schulstart auf. Viele beteiligen sich: Privatpersonen, Unternehmen aber auch Schulklassen machen mit, die – sofern das eine Pandemie nicht verhindert – Spendenläufe oder Kuchenverkäufe zugunsten des Familienfonds organisieren. „Wir danken unseren Spenderinnen und Spendern und dem Unternehmen Fond of, die uns die Schultaschen zu vergünstigten Konditionen zur Verfügung stellen“, unterstreichen Hamacher und Schneider und wünschen allen Kindern einen tollen Start in dieses Schuljahr, das hoffentlich weniger Einschränkungen vorhält und stattdessen vielmehr erinnernswerte Erfahrungen bringt.

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Podiumsdiskussion Kinderarmut

Bild: vigilux/Meike Böschemeyer

Der Runde Tisch gegen Kinder- und Familienarmut (RTKA)  sowie das Evangelische Forum Bonn laden am 23. August ein zur Podiumsdiskussion mit den sechs Bundestagskandidat*innen für Bonn auf dem X-tra-Platz vor der Bonner Kreuzkirche.

Am 26. September ist Bundestagswahl und bis jetzt wird sehr wenig über Inhalte gesprochen. Aber besonders Themen, die nicht automatisch Aufmerksamkeit erhalten, verdienen eine öffentliche Auseinandersetzung. Der Runde Tisch gegen Kinder- und Familienarmut (RTKA) veranstaltet deshalb in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Forum Bonn eine Podiumsdiskussion mit den Kandidatinnen und Kandidaten für den Bundestag, die sich in Bonn zur Wahl stellen:

Ilja Bergen (Die Linke),

Livia Juliane Genn (Volt),

Alexander Graf Lambsdorff (FDP),

Christoph Jansen (CDU),

Jessica Rosenthal (SPD)

und Katrin Uhlig (Bündnis 90/Die Grünen)

werden zunächst mit dem Moderator Ulrich Hamacher (Geschäftsführer, Diakonisches Werk Bonn und Region) im Plenum über die Bekämpfung von Kinder- und Familienarmut diskutieren.

Die Podiumsdiskussion zum Thema Kinderarmut beginnt am Montag, 23. August 2021, um 18 Uhr auf Vorplatz der Bonner Kreuzkirche, X-Tra-Platz. Außerdem kann man sie per Livestream verfolgen.

Eine Anmeldung ist erforderlich. Die Veranstalter informieren rechtzeitig über etwaige Anpassungen aufgrund der dann aktuellen pandemischen Lage.

Zur Teilnahme vor Ort ist es zwingend erforderlich, dass Sie sich bitte über den Link https://vivenu.com/event/kinderarmut-in-bonn-was-sagen-kandiatinnen-zum-bundestag-zum-thema-d8ia zur Veranstaltung anmelden.

Zur Teilnahme am Livestream registrieren Sie sich bitte mit Ihrem Klarnamen, nutzen Sie dazu folgenden Link: https://eu01web.zoom.us/webinar/register/WN_rPc_Kmq7TpakPisVXHt1JQ

Weitere Informationen sowie Antworten auf Interviewfragen, die die Kandidatinnen und Kandidaten vorab zur Verfügung gestellt haben, finden Sie auf https://www.kinderarmut-bonn.de/

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Wenigstens ein warmes Mittagessen

Gefordert für Bonn: sozialer Rettungsschirm. Foto: soziales-bonn.de

Ein breites Bündnis von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen macht sich für Bonner Kinder und Familien in prekären Verhältnissen stark. Es schlägt der Bundesstadt einen „ergänzenden kommunalen Schutzschirm“ vor, damit die Hilfe die Menschen tatsächlich erreicht und nicht zu kurz greift.

Der Geschäftsführer der Diakonie Bonn, Ulrich Hamacher, nennt es „die schnell übersehene Not“: Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, denen in Zeiten von Corona stärker geholfen wird und die trotzdem durchs Raster fallen. Zum Beispiel Kinder, die vor Corona in Betreuungseinrichtungen kostenlos ein Mittagessen bekamen. Die Stadt Bonn bietet ihnen während des Lockdowns ein Lunchpaket an. Aber viele erreicht es nicht, aus unterschiedlichen Gründen. Oder Flaschensammler und Verkäuferinnen von Obdachlosenzeitungen. Ihr Zusatzeinkommen fällt aus. Und das Leben ist teurer geworden: Zeitweise war die Hälfte der Tafeln in Deutschland geschlossen, und die meisten ehrenamtlich Engagierten gehören zur Risikogruppe der Älteren. Die Bonner Tafel ist seit dem 4. Mai wieder teilweise geöffnet. In den Geschäften haben Lebensmittelpreise angezogen. Und viele arme Familien sind in engen Wohnungen zuhause und haben kaum Geld für Computer. Lernen fällt flach. In Flüchtlingsheimen kann man kaum Sicherheitsabstände einhalten.

Vor diesem Hintergrund hat der „Runde Tisch gegen Kinder – und Familienarmut“, ein breites Bündnis von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen aktiviert. Es hat der Bundesstadt einen „ergänzenden kommunalen Schutzschirm“ vorgeschlagen. Damit die Hilfe die Menschen tatsächlich erreicht und nicht zu kurz greift. Hamacher moderiert den Runden Tisch.

Risikogruppen besonders betroffen

Das Schutzschirm-Papier mit praktischen Vorschlägen hat der Runde Tisch der Stadt, den Ratsfraktionen und dem Jobcenter geschickt. „Einige Risikogruppen, wie z.B. Obdachlose und Geflüchtete, sind von den Folgen dieser Pandemie besonders und mehrfach betroffen“, heißt es im Aufruf zum Schutzschirm. Für viele, die schon länger in prekären Verhältnissen und in Armut leben müssten, wirke die Unterstützung der öffentlichen Hände „nur zu einem kleinen Teil.“

Im Rahmen des Schutzschirms sollten Schulden gestundet werden, statt überzahlte Leistungen jetzt zurückzufordern. Stadt und Jobcenter sollten Darlehen anbieten für Menschen, die jetzt in die Klemme geraten. Wer eine Wohnung gefunden hat, die teurer ist als die Unterstützungssätze der Stadt es verlangen, soll trotzdem umziehen können, ohne dass er eigenes Geld zuschießen muss, das er wahrscheinlich nicht hat. Härtefallregelungen für einen Schuldenerlass sollten angewandt werden.

Die Not der Menschen erfordert einen Schutzschirm

Kinder und Frauen, die von Gewalt bedroht sind, sollen nach dem Vorschlag des Bündnisses einstweilen in Hotels untergebracht werden, die jetzt keine Gäste haben. Stadt und Beratungsstellen sollten Begleitungsmöglichkeiten aufbauen. Und die Stadt sollte wohlwollend prüfen, ob statt der Angebote des Bildungs- und Teilhabepakets für Kinder nicht Geld auszuzahlen wäre. Das vom Bundesarbeitsministerium aufgelegte Paket umfasst Hilfe in Kindertagesstätten und Schulen, Musikunterricht, Kostenübernahmen beim Sport und in der Freizeit. Derzeit fällt das alles flach. Immerhin: Inzwischen können Eltern in Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Pakets Lebensmittelgutscheine im Wert von 40 Euro beantragen.

Ausdrücklich würdigen die Initiatoren den Einsatz der Stadt, den sie nicht kritisieren wollen. Doch die Not der Menschen, für die sie da sind, treibt sie um.

So sollte etwa die Lunchpaketlösung, die nicht funktioniere, nach einem Vorschlag des Schutzschirms durch warme Mahlzeiten ersetzt werden, auch mithilfe von Cateringfirmen: „Es scheint uns wichtig, schnell zu handeln, damit möglichst alle bedürftigen Kinder wieder ein warmes Mittagessen erhalten.“ Zum Lernen sollten Bibliotheken und Jugendzentren einschließlich Betreuung geöffnet werden, natürlich unter Sicherheitsvorkehrungen. Auch wäre es dringend nötig, dass Jugendliche Geld vom Jobcenter für Computer bekommen, um ihnen digitales Lernen überhaupt zu ermöglichen, denn ein geplanter Bundeszuschuss von 150 Euro reiche dazu nicht, sofern er jemals bei den Menschen ankomme.

Reaktionen

Unter den Ratsfraktionen haben SPD und Grüne dem Papier zugestimmt. Auch aus der FDP kamen zustimmende Voten. Die CDU hat nicht geantwortet.

Der Geschäftsführer des Jobcenters, Günter Schmidt-Klag, hat unterdessen den gestiegenen Hilfebedarf bestätigt: Die Antragstellungen auf Hilfe hätten sich verdoppelt. Der Bedarfsermittlungsdienst prüfe Anträge nicht mehr, auch im Zweifel werde zugunsten der Antragsteller entschieden. Sanktionierungsverfahren würden ausgesetzt, und auch bei den Kosten für Unterkunft und Heizung komme das Jobcenter Bedürftigen entgegen. Auch würden auslaufende Zahlungen ohne Antrag weiterbewilligt. Schmidt-Klag macht aber geltend, dass nicht das Jobcenter, sondern der Gesetzgeber und die Stadt Bonn tätig werden müssen, um etwa den Beziehern von Hartz-IV weiter entgegenzukommen.

Die Sozialdezernentin der Stadt, Carolin Krause, kann jedoch, wie sie den Initiatoren des Schutzschirms schreibt, „keine zufriedenstellende Antwort geben.“ Doch werde der Rahmen in allen Fragen der Corona-Pandemie „wohlwollend angewandt“. Die Verbände hatten geltend gemacht, dass es da im Alltag nach wie vor Probleme gebe. Die Alternativen zum Lunchpaket, so Krause, würden derzeit zwischen Bund, Land und Kommunen diskutiert. Auch im Blick auf das Programm der Ausstattung zum digitalen Lernen verwies sie auf noch offenen Regelungsbedarf, etwa, zu welchen Bedingungen die Schüler 150 Euro erhalten sollten.

Jetzt aktualisiert der Runde Tisch ein Forderungspapier gegen Kinder-, Jugend- und Familienarmut. Er hält seine Forderungen aufrecht und will die Diskussion darüber ausweiten.

www.soziales-bonn.de

Text: Wolfgang Thielmann

Diakonie geht alle an

Kompetent, zugewandt, evangelisch: Das Motto der Diakonie, hier die Bonner Zentrale. Foto: Meike Böschemeyer

Diskussionsabend am 30. Mai: Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bonn und Region, referiert über die „Änderungen in der Diakonie“. Er wird die strukturelle Ausgestaltung des Diakonischen Werkes vorstellen und erläutern, mit welchen Mitteln die Lebenssituation Benachteiligter in der Region verbessert werden soll.

Zu den Herausforderungen der Gesellschaft und der Diakonie zählt auch der sich abzeichnende Pflegenotstand. Die politischen Parteien haben die Brisanz des Themas erkannt und so beabsichtigen CDU/CSU und SPD im Rahmen ihrer Koalitionsvereinbarung 8.000 zusätzliche Pflegekräfte einzustellen, um der derzeitigen Situation entgegenzuwirken.

Die anschließende Diskussion moderiert Udo Eschenbach, Synodalbeauftragter für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Beginn ist am Mittwoch, 30. Mai 2018, um 20 Uhr im Gemeindehaus Wachtberg-Niederbachem, Bondorfer Straße.

Erstmals „Marie-Kahle-Preis“ in Bonn vergeben

Erste Verleihung 2018: Freude über preisgekrönte Projekte, tolle Musik des Bonner "Kültürklüngel Orchestras" und eine gelungene erste Marie-Kahle-Preisverleihung im Haus der Geschichte (Foto: Meike Böschemeyer)

Die Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel haben gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Bonn und Region in Bonn erstmalig den Marie-Kahle-Preis vergeben. Es war eine denkwürdige wie fröhliche Feier und damit ein starkes Zeichen in die Gesellschaft.

Der Marie-Kahle-Preis zeichnet beispielhafte, ehrenamtliche Projekte der evangelischen und ökumenischen Flüchtlingshilfe aus und wird unterstützt von der rheinischen Landekirche.

„Hilfe für geflüchtete Menschen bleibt in den nächsten Jahren eine der ganz großen Aufgaben für unsere Gesellschaft“, erklärte der Bonner Superintendent Eckart Wüster bei der festlichen Preisverleihung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. „Wir Kirchen werden dazu auch weiterhin den dafür nötigen langen Atem beitragen“, sagte Mathias Mölken, Superintendent von Bad Godesberg-Voreifel. „Wir müssen Begegnungen stark machen. Wir müssen die Wertschätzung der Ehrenamtlichen stark machen. Wir wollen ermutigen weiter zu machen“, so Mölleken weiter.

Präsentierten ihre Arbeit im Haus der Geschichte: Ehrenamtliche vom Café Contact der Erlöser-Kirchengemeinde. Foto: Uta Garbisch

Die Bonner Integrationsbeauftragte Coletta Manemann, die zur fünfköpfigen Auswahljury gehörte, lobte ausdrücklich das breite Engagement der Kirchen in den Flüchtlingshilfe. „Hinter der Unterstützung der Kirchen steht eine klare Haltung“ und das mache sie so wichtig als Position gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit.

Die ersten beiden Preisträger ökumenische Projekte

Erster Preisträger in der Kategorie „Begegnung auf Augenhöhe“ ist das Projekt „Internationaler Garten Oedekoven“, ein ökumenischen Projekt in Kooperation mit einem Kleingartenverein, in dem Geflüchtete gemeinsam mit Einheimischen einen Garten bewirtschaften. Preisträger in der Kategorie „Innovative Alltagshilfe“ ist der ebenfalls ökumenische Arbeitskreis „Asyl und Zuflucht“, der in Bonn-Endenich bereits mehr als 75 Umzüge aus Flüchtlingsunterkünften in privaten Wohnraum organisiert hat.

In einer dritten Kategorie „Religion verbindet“ wurden zudem sieben Begegnungscafés in Bonn und der Region ausgezeichnet. Unter ihnen kam die 92-jährige Eva auf die Bühne. Die Rheinbacherin engagiert sich als Spülhilfe beim ökumenisch verantworteten Café International in Rheinbach. Dafür gab es Sonderapplaus. Für ihr Engagement wurden außerdem das Café Contact der Erlöser-Kirchengemeinde sowie Café Contact und Welcome Café der Thomas-Kirchengemeinde in Bad Godesberg ausgezeichnet.

Ebenfalls ausgezeichnet: Das ökumenische Café International in Rheinbach. Foto: Uta Garbisch

Insgesamt hatten sich mehr als 30 Projekte für diesen mit 2.100 Euro dotierten Preis beworben. Er ist benannt nach Marie Kahle, einer Bonner Bürgerin die sich zur Zeit des Nationalsozialismus für Juden eingesetzt hatte und aus Deutschland fliehen musste.

Das große Echo auf die Ausschreibung und die eindrucksvolle Stimmung am Festakt ermuntern Kirchenkreise und die Bonner Diakonie den Preis in Zukunft wieder zu verleihen, erklärte Diakoniegeschäftfsührer Ulrich Hamacher: „Flüchtlingshilfe braucht weiterhin unsere Unterstützung und auch die öffentliche Wertschätzung.“

 

ger/epd/gar 18.02.2018

„Die Tür ist offen, mehr noch das Herz“

Schlusswort von Superintendent Mathias Mölleken im Anschluss an die Podiumsdiskussion mit den Bürgermeistern von Meckenheim und Rheinbach, geleitet von Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher. Foto: Diakonisches Werk Bonn

16. Diakonische Konferenz: Wie Integration gelingen kann

Schon die Zahl der Anmeldungen im Vorfeld der Diakonischen Konferenz sprach für das rege Interesse an dem Thema Integration: 120 Gäste waren vor Ort in der Friedenskirche Meckenheim. Ob beim Markt der Möglichkeiten, anhand der Vorstellungen zweier Integrationskonzepte oder bei der Podiumsdiskussion – jeweils wurde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Das traditionelle Fischessen zum Ausklang bot Gelegenheit, das Gehörte im persönlichen Gespräch zu vertiefen.

„Keine Bedenken-Debatten sollen heute geführt werden“, leitet die Hausherrin Pfarrerin Ingeborg Dahl die 16. Diakonische Konferenz ein, „stattdessen wollen wir den Blick auf das lenken, was vor unserer Tür als Aufgabe liegt.“ Flüchtlingskoordinatorin Anne Mäsgen wies anschließend darauf hin, dass die Mehrheit der Menschen die sind, die sich selbstlos einsetzen und nicht die, die Unterkünfte anzünden.“ Wie das Engagement der Vielen aussieht, davon konnten sich die Teilnehmenden beim Markt der Möglichkeiten überzeugen. Acht Institutionen stellten ihre Arbeit vor: neben dem Caritasverband Rhein-Sieg, der RheinFlanke e.V. auch das Job-Center, das Kommunale Integrationszentrum des Rhein-Sieg-Kreises sowie verschiedene ehrenamtliche Helferkreise aus Rheinbach, Meckenheim und Swisttal.

Dr. Peter Enzenberger, Marlene Strauch (beide Kommunales Integrationszentrum Rhein-Sieg-Kreis), Ulrich Hamacher (Geschäftsführer Diakonisches Werk), Pfarrerin Ingeborg Dahl, Superintendent Mathias Mölleken, Flüchtlingskoordinatorin Anne Mäsgen (Diakonisches Werk), Heiko Leubecher (Rheinflanke für die Stadt Meckenheim). Foto: Diakonisches Werk Bonn

Bei der Vorstellung des Integrationskonzeptes des Rhein-Sieg-Kreises durch Dr. Peter Enzenberger vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) wurde sehr deutlich, dass „die Verwaltung auf der gleichen Seite steht, wie etwa die vielen engagierten Ehrenamtlichen“ und dass das KI sich als Dienstleister versteht, der die Kommunen, Initiativen und Vereinen gerne praktisch unterstützt. „Sie müssen uns nur ansprechen“, appellierte Enzenberger. Dass sich die Integrationskonzepte grundsätzlich am Ende nur im Detail oder im regionalen Bezug unterscheiden verdeutlichte die Präsentation von Heiko Leubecher, der das Integrationskonzept der Stadt Meckenheim vorstellte. Die Grundthemen sind evident: Wohnraum, Arbeit, Freizeitgestaltung und Spracherwerb.

Welche Herausforderungen und Grenzen die praktische Umsetzung solcher Konzepte mit sich bringt, wurde in der Podiumsdiskussion mit den anwesenden Bürgermeistern Bert Spilles und Stefan Raetz deutlich: Es gibt gute Kontakt zu Arbeitgebern, die die Flüchtlinge einsetzen; die Wohnungsnot beschäftigt die Kommunen nicht erst seit der Flüchtlingskrise und der Bürokratiedschungel muss abgebaut werden. „Es ist doch bezeichnend, dass der Helferkreis Formularhilfe zunächst selbst eine Fortbildung zur Formularhilfe benötigt, um den Flüchtlingen helfen zu können“ ärgert sich Stefan Raetz.

Superintendent Mathias Mölleken erinnerte in seinem Schlusswort „es kommt auf die Haltung an“ und zog das Fazit: „Solidarität hilft. In unseren Städten, Kommunen und auch Kirchengemeinden ist der Umgang mit der Aufnahme geflüchteter Menschen als eine gemeinsame Aufgabe empfunden und auch wahrgenommen worden, insbesondere von so vielen ehrenamtlichen Einzelnen und Unterstützergruppen.“ Er wünschte allen, dass sie die Gespräche beim gemeinsamen Fischessen fortsetzen würden und lud schon jetzt zur 17. Diakonischen Konferenz 2018 ein.

Diakonie stellt „Fragen des Lebens“

Unter dem Motto „Fragen des Lebens“ rückt die Diakonie in Bonn und der Region zentrale Fragen des Menschen in das öffentliche Bewusstsein. Eine höchst bemerkenswerte Kampagne zum Nachdenken und Dialog.

Brisante Fragen, die nachdenklich machen: Solche Plakate werden Sie im Mai und Juni 2016 in Bonn und der Region an vielen Orten entdecken (Bild: DW)

Brisante Fragen, die nachdenklich machen: Solche Plakate werden Sie im Mai und Juni 2016 in Bonn und der Region an vielen Orten entdecken (Bild: DW)

Es sind Fragen wie: Wer setzt sich für die Menschen ein, die das nicht selber können? Wer kämpft für Belange, die zu den Tabus in unserer Gesellschaft gehören? Wer kennt die Fragen der Menschen, die Sorgen und Nöte haben?

Solange alles im Leben glatt läuft und der Alltag keine unüberwindbaren Hindernisse bereithält, kommen Menschen gut allein zu recht. Bestenfalls leben sie in einem bewährten Umfeld aus Familie, Freunden, Nachbarn und oder Kirchengemeinde. Doch verändert sich etwas unerwartet und zum Schlechten, macht sich Unsicherheit breit. Arbeitslosigkeit, Scheidung und Krankheit sind klassische Ereignisse, die vieles ins Wanken bringen. Plötzlich ist es nicht mehr so einfach, mit den vertrauten Menschen um einen herum zu sprechen. Denn das bedeutet Ängste preiszugeben, Fehler einzugestehen oder Tabu-Themen auf den Tisch zu bringen. Dabei sind es gerade diese Situationen, in denen Gesprächsbedarf besteht: Was ist, wenn ich nicht mehr gesund werde? Wer kümmert sich um meine Kinder? Wer wird mich pflegen? Wovon soll ich leben? Habe ich Stimmungsschwankungen oder doch eine Depression? Wird meine Behinderung akzeptiert? Warum gerade mein Kind? Werde ich meine Schulden wieder los? Dürfen Mütter krank sein? …

Ulrich Hamacher: „Momentaufnahme unserer gesellschaftlichen Situation“

Das Diakonische Werk (DW) in Bonn und der Region, Anlaufstelle für Menschen, die Unterstützung brauchen, hat diese Fragen nun in den Mittelpunkt einer Kampagne gestellt, die zum Nachdenken und zum Dialog anregen soll. „Fragen des Lebens“ ist das Motto bis Ende Juni und die Aktion soll zeigen, „dass niemand mit seinem Problem alleine ist und welche Bedeutung die soziale Arbeit als Anlaufstelle für Menschen hat, die in einer Sackgasse sind und die sich sonst niemandem anvertrauen würden“, erklärt DW-Geschäftsführer Ulrich Hamacher. Zugleich lädt das DW ein, eigene „Lebensfragen“ einzureichen. Ziel sei damit auch „eine Momentaufnahme unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation hier in Bonn und Region zu erlangen“, so Hamacher.

Mitmachen

Gibt es Fragen die Sie beschäftigen? Schreiben Sie an die Diakonie: fragendeslebens@dw-bonn.de oder Diakonisches Werk, Stichwort „Fragen des Lebens“, Kaiserstraße 125, 53113 Bonn. Haben Sie ein Problem und benötigen Unterstützung? Dann finden Sie passende Angebote unter www.diakonie-bonn.de oder wenden Sie sich an Ihre Kirchengemeinde.