Zwar getrennt, aber gemeinsam beten

In der Region leben Christen und Muslime in guter Nachbarschaft. Foto: Joachim Gerhardt

Ramadan-Gruß: „Wir fühlen mit Ihnen, wie schwer es fällt, auf das gemeinsame Gebet und die Iftar-Essen in größerem Kreis zu verzichten.“ Das schreiben die Leitenden Geistlichen des Katholischen Stadtdekanates Bonn und der drei Evangelischen Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn in ihrem Ramadan-Gruß an die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Neben dem Fasten mache die Corona-Krise den Ramadan in diesem Jahr zu einer großen Herausforderung.

Zugleich machen die Unterzeichnenden Mut, zwar räumlich getrennt, aber doch gemeinsam zu beten. „Wir erfahren das getrennte und doch gemeinsame Beten als ein starkes und stärkendes Gebet vor Gott, und diese starke und stärkende Erfahrung möge Gott auch Ihnen schenken!“ Durchhalten und Verzicht dienten letztlich der Bewahrung von Gottes größtem Geschenk, dem Leben, heißt es in dem Brief, unterzeichnet von Superintendentin Almut van Niekerk, den Superintendenten Mathias Mölleken und Dietmar Pistorius sowie Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken.

Der Ramadan-Gruß im Wortlaut (pdf): RamadanGrusswort2020

Grußwort zum Ramadan

Zum Fastenmonat Ramadan haben die evangelischen Kirchenkreise der Region sowie das katholische Stadtdekanat Bonn auch in diesem Jahr ein gemeinsames Grußwort an die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gesendet.

Lesen Sie hier den Wortlaut der gemeinsamen Erklärung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger,

für den Fastenmonat Ramadan wünschen wir Ihnen eine friedliche und erfüllte Zeit in Ihren Familien und Moscheegemeinden.

Der Glaube gibt uns Halt in Zeiten großer Unsicherheiten und Veränderungen. Er schützt uns davor, mit Angst und Abgrenzung auf andere Menschen und gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren. In Ihren Moscheevereinen werden Sie zum Fastenbrechen mit vielen Menschen zusammenkommen, die hier bei uns neu angekommen sind und ein neues Zuhause suchen. Der vertraute Glaube und die Feierlichkeiten können ein Stück Heimat bieten, auch wenn vieles andere für diese Menschen noch unsicher ist.

Der Glaube gibt uns auch den Mut und die Kraft, uns Menschen in Not zuzuwenden und mit ihnen solidarisch zu sein. Dafür gibt das Fastenbrechen ein deutliches Beispiel

Wir leben in einer Zeit, die uns als Christen und Muslime vor große Herausforderungen stellt: Das Elend der Flüchtlinge, die zunehmende Armut in unserem Land und die kritischen Anfragen an die Rolle der Religion in unserer Gesellschaft, in der sich immer mehr Menschen vom Glauben abwenden.

Umso mehr scheint es uns wichtig, auch in der Öffentlichkeit  den Blick darauf zu lenken, was  uns als gläubige Menschen  trägt  und woher wir unsere Kraft beziehen, den Problemen unserer Zeit zu begegnen.

Der Ramadan ist Ihnen eine Quelle der Kraft und der Konzentration auf Gott. Genau wie die Muslime gehört auch der Ramadan zum gesellschaftlichen Leben unserer Stadt dazu. Er gibt auch uns als Christen einen Anstoß danach zu fragen, wie wir uns von Gottes Wort treffen und zu friedenstiftendem und solidarischem Handeln ermutigen lassen.

Als Christen und Muslime teilen wir viele Gemeinsamkeiten im Glauben an Gott den Schöpfer, den Barmherzigen, der uns in Bibel und Koran Wegweisung gibt, das Leben auf der Welt gerecht und friedlich zu gestalten.

Wir wollen deshalb das Gespräch mit Ihnen über unseren Glauben als Christen und Muslime weiter vertiefen und verstärkt gemeinsam nach Antworten für die drängenden Probleme unserer Welt suchen.

Mögen Sie in den kommenden Wochen in ihren Gebeten, im Lesen des Koran und in der Gemeinschaft des Fastenbrechens etwas von der Kraft spüren, die Gott schenkt.

In diesem Sinne grüßen wir Sie herzlich – Ramadan Mubarak!