Depression und Burn-Out erkennen

Foto: anemone123/pixabay

Vortrag am 9. April: Die zwei Begriffe Depression und Burn-Out hat sicher jede:r schon oft gehört hat. Viele Menschen verbinden mit ihnen ein solides Halbwissen. „Immer wenn ich diesen einen Song höre, dann bin ich voll depri, weil er mich an meinen Liebeskummer von vor 15 Jahren erinnert“, sagt die junge Frau.
Depri sein bedeutet, traurig zu sein, melancholisch und ist nicht dasselbe wie eine Depression.

Sätze wie: „Jetzt lass den Kopf mal nicht hängen, geh‘ raus an die frische Luft und sei wieder fröhlich!“, sind vielleicht gut gemeint. Doch trotzdem sind sie unpassend und verschlechtern oft die Lage. Selbst wenn man sie sich selbst sagt.

„Depressionen werden in unserem gesellschaftlichen Alltag nur selten als ernsthafte Erkrankung anerkannt und akzeptiert. Deshalb setzen wir uns für Betroffene und ihre Rechte ein.“, so die Selbsthilfeorganisation Deutsche Depressionsliga.

Vor diesem Hintergrund freut sich Pfarrerin Judith Weichsel von der Kirchengemeinde Bad Münstereifel. Denn Dr. med. Joachim Gutzke wird dort zu der Thematik zwei Vorträge halten. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Oberarzt im Alexius/Josef Krankenhaus in Neuss. Er informiert: Wie erkennen wir eine Depression? Was ist der Unterschied zu einem Burn-Out? Was können Betroffene und ihre Angehörigen unternehmen?

Der Info-Termin findet am Samstag, 9. April 2022, im Gemeindezentrum Bad Münstereifel, Langenhecke 33, statt. Neben den Vorträgen wird es Zeit geben für eigene Rückfragen und Gespräche.

Ablauf:
10.30 Uhr Vortrag zum Thema Depression und Gespräche
12.30 Uhr Mittagessen
13.30 Uhr Vortrag zum Thema Burn-Out und Gespräche
15.30 Uhr Kaffee

Beide Vorträge können unabhängig voneinander besucht werden.
Die Kirchengemeinde bittet um Anmeldung im Gemeindebüro um gut planen zu können. Telefon: 02253 6146. Der Termin ist kostenfrei, um eine Spende wird gebeten. Die Veranstaltung findet unter den dann herrschenden Corona-Regeln statt.

EB/gar

Plattform „Weihnachtsbörse“

Engagiert sich für Betroffene: Pfarrerin Judith Weichsel. Foto: Frank Schultze-DKH

Im Internet können Menschen in den Flutgebieten ab sofort gezielt nach Weihnachtsschmuck suchen oder diesen verschenken. Denn: „Das Schlimmste ist, dass der ganze Weihnachtsschmuck weg ist“, sagt zum Beispiel Michael, der in der Flutnacht alles verlor. Der Vater von drei Kindern aus Bad Münstereifel will keinen neuen kaufen. Er wünscht sich alte Kugeln und Engel – mit einer Geschichte. Von Menschen, die etwas abgeben können.

Michaels Wunsch hat Flutseelsorgerin Judith Weichsel auf eine Idee gebracht. „Weihnachtsbörse – Tradition teilen“ ist eine Internetseite, wo Suchende und Schenkende zueinander finden können. Ob Krippe, Kugeln oder Nussknacker – in einem Duzend Kategorien kann man stöben oder Wünsche erfüllen. Das Ganze funktioniert wie eine Kleinanzeige. Wer fündig wird, kann über die Plattform Kontakt aufnehmen und die Übergabe verabreden. Kostenlos und überall, denn es ist ein überregionales Projekt.

Einander beistehen

Weihnachten ist ein emotionales Fest, weiß Pfarrerin Judith Weichsel: „Wir verbinden uns mit unseren Vorfahren über die Lieder, über die Traditionen, wie Plätzchen backen, Weihnachtsbaum und nicht selten über die vererbten oder geschenkten Dinge.“

Sie selbst lebt und arbeitet in Euskirchen und Bad Münstereifel. „Wir, die wir in den Flutgebieten wohnen, erinnern uns an die Müllberge, Straßenzüge voller Sperrmüll, Bundesstraßen voller verlorener Erinnerungen. Und jeder einzelne Verlust schmerzt.“

Jetzt gelte es, einander beistehen. So ist mit tatkräftiger Unterstützung der Diakonie Euskirchen und Mitteln der Diakonie Katastrophenhilfe das Projekt „Weihnachtsschmuck ist mehr als Deko – Tradition teilen“ entstanden.

Und: Man muss nicht in Euskirchen oder Bad Münstereifel wohnen, um mitmachen zu können. Die internetgestützte Plattform ermöglicht einen Austausch über alle Gemeindegrenzen hinaus.

ekir.weihnachtsboerse.de

Nach dem Hochwasser: Präses besucht Bad Münstereifel

Vor Ort in Bad Münstereifel im Gespräch: Pfarrer Frank Raschke (li.), Pfarrerin Judith Weichsel mit Präses Thorsten Latzel. Foto: Uta Garbisch

„Das Wasser sitzt noch immer in den Wänden, und es steckt – bildlich gesprochen – den Menschen in den Überschwemmungsgebieten noch in den Knochen“, sagt Präses Dr. Thorsten Latzel in Bad Münstereifel. Und sicher nicht nur dort. Mitte September, acht Wochen nach dem verheerenden Unwetter vom 14. und 15. Juli, ist er wieder durch das Kirchengebiet gereist. Eine Station war die Kirchengemeinde Bad Münstereifel.

„Man hört schon viel …“ Gemeindesekretärin Claudia Zwingmann zahlt in der Kirchengemeinde Bad Münstereifel jeden Mittwoch Soforthilfe an Hochwasser-Geschädigte aus. Und die Menschen, die zu ihr kommen, kommen nicht nur wegen des Geldes. Sie wollen reden. Über die Nacht, in der nicht nur die malerische Einkaufsstraße im Herzen der Altstadt zerstört wurde. Über die Nacht, in der Menschen vor den Augen anderer Menschen ertranken und niemand helfen konnte. Die Menschen in der großen Runde am Tisch im Gemeindehaus berichten dem Präses von dem, was sie selbst betrifft: von den Verwüstungen im eigenen Haus, von Wochen ohne Strom und Wasser, von der Heizung, die noch nicht wieder funktioniert, von den Erlebnissen, die ihnen andere erzählen.

Lutz Nelles ist psychologischer Psychotherapeut. Er ist Teil des Netzwerks Psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel, das sich aus privater Initiative nach der Katastrophe gegründet hat. 65 Fachleute gehören inzwischen dazu, 250 bis 300 Therapeuten haben über das Netzwerk Akuttermine angeboten, um belasteten Menschen zu helfen. „Mein erstes Gespräch habe ich mit einem Feuerwehrmann geführt, der erfolglos versucht hat, Menschen zu retten“, berichtet Nelles. Auch die anderen im Netzwerk Aktiven hören viele Geschichten. Da brauchen die Hörenden und Helfenden, die inzwischen in katholischer und evangelischer Gemeinde vernetzt sind, selbst Supervision. Die stellt Rüdiger Maschwitz sicher. Der pensionierte Pfarrer ist von der Evangelischen Kirche im Rheinland als sogenannter Makler in die Region geschickt worden, um Kontakt zu den Gemeinden zu halten und Unterstützungsbedarf zu ermitteln. Bei der Supervision kann er direkt selbst helfen.

Superintendent Mathias Mölleken im Gespräch mit Armin Reichert und Daniela Decker vom Presbyterium. Foto: Uta Garbisch

Das ist auch Superintendent Mathias Mölleken wichtig. Er sorgt sich um die Überlastung der Mitarbeitenden, nicht nur in Bad Münstereifel. Denn insgesamt sind die Menschen in sieben der 13 Gemeinden im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel von den Folgen des schweren Hochwassers betroffen.

„Kaffee, Klönen und Kekse“ ist ein Angebot des Netzwerks überschrieben. Wenn freitags Markt im Ort ist, bieten sie dort offene Ohren und Hilfe an. Auch für diejenigen, die eher im Vorübergehen mit Menschen ins Gespräch kommen, brauche es Hilfe und ein gewisses Maß an seelsorglicher Zurüstung. Präses Latzel hat die Bitte ohnehin schon auf dem Zettel und nimmt sie mit nach Düsseldorf. An diesem Abend fließen auch Tränen, Dankbarkeit über enorme Hilfsbereitschaft kommt zur Sprache, Bilder der Katastrophe werden lebendig.

Der Bad Münstereifeler Pfarrer Frank Raschke beschreibt die Hilfsbereitschaft nach der Flut als atemberaubend. „Das holt das Gute und vielleicht auch das Schlechteste aus den Menschen raus.“ Gemeint sind die Bewohner:innen des vormals beschaulichen Städtchens und die vielen Helfer:innen von außerhalb. Und, dass es leider auch Plünderungen gab. „Doch insgesamt ist die Solidarität riesig.“ Zu den Helferinnen gehört zum Beispiel Daniela Decker, selbst Flutopfer und Presbyterin. Oder Pfarrerin Judith Weichsel, die nach der Flut erst mal das Sparschwein ihrer Kinder ausräumen musste, um überhaupt einkaufen zu können. Denn ohne Strom funktioniert auch kein Geldautomat. Sie alle haben „einfach nur geholfen“, wie Olaf Kohnert, ebenfalls Presbyter, es ausdrückt. Als Finanzkirchmeister verwaltet er die vielen Spenden, die die Kirchengemeinde erhielt und an Flut-Betroffene weitergibt.

Gruppenbild zum Abschluss: Einige der Teilnehmenden des intensiven Austauschs. Foto: Uta Garbisch

Thorsten Latzel betet mit seinen Gastgeberinnen und Gastgebern – wie an allen Orten, die er besucht. Denn mit allem, was bewegt, belastet, zweifeln und hoffen lässt, dürfen und sollen Menschen Gott in den Ohren liegen. Dem Gott, der in der Katastrophe nah bei den Menschen ist. „Christus im Schlamm“, sagt der Präses.

Der gesamte Überblick über drei Tage und die aktuelle Lage an Kyll, Erft, Inde, Ahr und Wupper:
Nach dem Hochwasser: Wie es in rheinischen Gemeinden aussieht erschein auf ekir.de

ekir.de, Jens Peter Iven/gar

Link: Frank Raschke im Interview zur seelsorgerlichen Situation nach dem Hochwasser

Auszeit für junge Flutopfer

Jugendhaus Quelle in Kerken. Foto Kirchengemeinde

Heute reisen 20 Kinder und Jugendliche aus Bad Münstereifel an den Niederrhein. Sie alle sind von der Flut betroffen. Möglich macht dies die Kerkener Pfarrerin Karin Stroband-Latour. Sie hat  hat mit ihrer Gemeinde kurz nach der Flut der Gemeinde Bad Münstereifel angeboten, ihr Jugendhaus „Quelle“ kostenlos für eine Kinderfreizeit zu Verfügung zu stellen.

Die Fahrt für die Jungen und Mädchen im Alter zwischen drei und 16 Jahren fahren von Freitag bis Montag. Meist ist auch ein Elternteil dabei. Die Familien haben die Flut am eigenen Leib erlebt. Das reicht vom vollgelaufenen Keller und dem Miterleben der dramatischen Ereignisse bis hin zum verlorenen Haus.

Die Münstereifeler werden als Gäste rundum verwöhnt und können sich in Kerken ganz als Gäste fühlen und eine Auszeit nehmen. Einkauf und Kochen wird von Ehrenamtlichen die niederrheinischen Gemeinde erledigt. Das Team aus Janine Fries, seit August Jugendleiterin in Bad Münstereifel mit einer Ausbildung in Traumapädagogik, Uschi Gruß, Pädagogin in Elternzeit, und Pfarrerin Judith Weichsel kann sich also ganz auf die Gestaltung der gemeinsamen Auszeit konzentrieren.