Neue Formate und Projekte

Lange war sie weg, doch nun wieder da: Sabine Cornelissen. Die Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel hat ihre Arbeit nach einem schweren Unfall im Familienkreis wieder aufgenommen und erzählt im Interview, was sie anbietet und vorhat.

Sie haben mit der Arbeit wiederbegonnen, als gleichzeitig die Corona-Pandemie begann. Das hat den Beginn sicher nicht leicht gemacht. Was sind die Schwerpunkte in Ihrem Angebot?

Ich bin seit mehr als 20 Jahren Frauenbeauftragte. Und kann nun an vieles anknüpfen, was sich lange bewährt hat. Ebenso gibt es unzählige Kontakte auf kirchlicher und kommunaler Ebene. Da habe ich mich erst mal wieder gemeldet.

Natürlich machte mir dann die Corona-Pandemie gleich einen Strich durch die Rechnung. Die ersten Meetings mit dem synodalen Fachausschuss für Frauenfragen oder den Theologinnen konnten nur per Videokonferenz stattfinden. Ich berief den Vorbereitungskreis für den Internationalen Frauentag zusammen und wir planten – per Videoaustausch – die nächste Aktion. Es war schön zu sehen, wie die Frauen regelrecht darauf gewartet haben, wieder loslegen zu können. Der Internationale Frauentag 2020 findet nun statt am 21. November im Haus der Familie in Bad Godesberg zum Thema: Umbrüche – Aufbrüche. Vom Umgang mit Krisen. Wie viele Frauen teilnehmen können, werden die Corona-Bestimmungen zeigen, aber es fühlt sich gut an, so aktiv sein zu können.

An Veranstaltungen war zunächst gar nicht zu denken. Also mussten neue Formate her und Treffen nur in sehr kleinem Kreis. Ich bin froh, dass Kirche neue Formate gefunden hat, Menschen beizustehen und Risikopersonen zu schützen.

Mit den alleinerziehenden Frauen habe ich mich dann auch erst im August treffen können. Das war für sie eine lange Durststrecke, auch wenn ich versucht habe, während meiner Abwesenheit den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Im letzten Jahr (2019) hatte eine Gruppe von Frauen weiter an der Konzertlesung zu den „Dichterinnen aus mehreren Jahrhunderten“ gearbeitet. Jetzt, Ende September 2020, werden wir uns erneut treffen und weiter planen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass die im letzten Jahr von mir angekurbelten Veranstaltungen 2019 auch ohne mich noch stattgefunden haben. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten!

Sie haben die Arbeitszeit im Frauenreferat für ein halbes Jahr von 20 auf 15 Stunden gekürzt. Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Seelsorgliche Arbeit mit Frauen in Krisensituationen und die Alleinerziehendenarbeit.
Arbeit mit dem Frauenfachausschuss, gemeinsame Projekte, die in die Gemeinden getragen werden.
Internationaler Frauentag: wichtig zum Kennenlernen und zum Austausch.
Ansprechpartnerin sein für ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitende.
Veranstaltungen zur Stärkung von Frauen; Infoabende, Auszeiten für Frauen, die mehrfach belastet sind mit Arbeit, Familie, Ehrenamt, Betreuung der Kinder …

Märchenhaft schön und ein bisschen verwunschen: der Märchen-Wanderweg. Foto: privat

Zurzeit arbeite ich aufgrund der Corona-Einschränkungen testweise mit zwei neuen Formaten: mit einer neuen Gesprächsgruppe für Frauen per Videokonferenz sowie mit verschiedenen Wanderungen; in diesem September wird die erste in Rheinbach stattfinden zu „Märchen“, danach eine weitere zu „Leben und Werk der Theologin Dorothee Sölle“, die in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden wäre. Wird das Wetter „usselig“, muss ich mir wieder ein neues Format überlegen.

Wo liegt die Zukunft der kirchlichen Frauenarbeit?

Es sind nach wie vor die Frauen, die die Arbeit unserer Gemeinden hauptsächlich ehrenamtlich unterstützen. Hier bin ich weiterhin eine Ansprechpartnerin, die Schulungen anbietet oder einfach Gespräche zur Orientierung.

Als Frauenbeauftragte werde ich in der Öffentlichkeit wahrgenommen mit Angeboten für Frauen, auch über Kirche hinaus und doch für Kirche; damit bin ich ein wichtiges Bindeglied zwischen Kirche und Gesellschaft.

Und ich sehe meine Aufgabe darin, über den kirchlichen Tellerrand zu gucken. Welche Themen liegen gesamtgesellschaftlich an? Welche Themen betreffen speziell Frauen und was brauchen sie?

Sabine Cornelissen (Jahrgang 1967) ist seit 1999 Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester hat sie in Bonn Evangelische Theologie und Germanistik fürs Lehramt studiert. Nach dem Examen arbeitete sie zunächst zwei Jahre als Jugendleiterin in der Christus-Kirchengemeinde (jetzt Thomas-Kirchengemeinde) in Bad Godesberg und machte Frauenbildungsarbeit auf Honorarbasis. 2014 wurde sie zur Diakonin eingesegnet. Neben den 15 Wochenstunden im Kirchenkreis ist sie seit August 2020 im gleichen Umfang als Gemeindediakonin in Wachtberg unterwegs.

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 14. September 2020