„Liebe tut der Seele gut“ – Imamin Seyran Ates spricht im Gottesdienst

Sehr stimmiger musikalischer Auftakt des Festivals: ein berührend mitreißendes Konzert von Jean Faure & Orchestre abends am Volkstrauertag in der vollbesetzten Pauluskirche - Liebeserklärung an die deutsch-französische Freundschaft (Foto: J. Gerhardt)

Das hochrangig besetzte „1. Bonner Festival der Begegungen“ in der Friesdorfer Pauluskirche hat mit einer eindrucksvollen „Kanzelrede“ der Imanin Seyran Ates begonnen. Hier ein Bericht von K. Rüdiger Durth.

„Liebe tut der Seele gut“, stellt die bekannte Berliner Rechtsanwältin und Imamin Seyran Ates in ihrer Kanzelrede in der bis auf den letzten Platz besetzen Pauluskirche in Bonn fest. Der Gottesdienst zum Volkstrauertag 2018 steht unter dem Leitwort aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums: „Selig sind, die Frieden stiften.“  Die türkisch-kurdische Imamin, Gründerin der liberalen Ibn Rushd Goethe Moschee Berlin, die deutsch-iranische Altistin Schirin Patowi, die für ihre christlich, jüdischen und muslimischen Lieder bekannt ist, und als Gast der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP), das ist für einen evangelischen Sonntagsgottesdienst schon ungewöhnlich oder auch „vielleicht riskant“, wie der  Gemeindepfarrer und Vorsitzender des bundesweiten Forums Reformation , Siegfried Eckert, zur Begrüßung anmerkt.

Von Oliver Welke, Dirk Kaftan bis Gesine Schwan und Fulbert Steffensky: eine Woche lang Begegungen der ganz besonderen Art

Doch großer Beifall am Ende zeigt, dass die Bitte des Ministers um „mehr Einladung zum Dialog und mehr Begegnung mit denen, die noch große Vorurteile“ nicht ungehört geblieben ist. Zugleich bildet dieser Gottesdienst den Auftakt für das einwöchige 1. Bonner Festival der  Begegnungen mit so bekannten Teilnehmern wie Oliver Welke (ZDF), der unter  Leitung von Christiane Florin (DLF) mit dem Bonner Generalmusikdirektor  Dirk Kaftan über „Haltung im Beruf“) diskutiert oder unter Leitung von Matthias Dobrinski (SZ) gehen der Lutherforscher Thomas Kaufmann (Göttingen) und der  Kulturprotestant Jörg Lauster (München) der Frage nach, wie die Reformation weitergehen kann. Für den Buß- und Bettags-Gottesdienst hat Eckert ebenfalls eine überraschende Kanzelrednerin gewinnen können: Professorin Gesine Schwan (Berlin). Und für den Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag hat der in der Schweiz lebende 85jährige Fulbert Steffensky zugesagt.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Programm des 1. Bonner Festival der Begegnungen, das zugleich das Anliegen des kürzlich gegründeten  Forums Reformation für seinen Schwerpunkt Reformation und Gemeinde deutlich macht.   Der stellvertretende Ministerpräsident und zugleich im größten Bundesland Minister für Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp, für diese Veranstaltungsreihe die Schirmherrschaft übernommen: „Entzweiung, Streit oder Gegeneiner sind oft Folgen von Sprachlosigkeit, Versöhnung kann nur durch Kennenlernen, Dialog und Anerkennung des anderen gelingen. Solange Menschen miteinander sprechen, sind sie auf einem Weg der gegenseitigen Verständigung.“

Zurück zum Auftaktgottesdienst. Imamin Ates, die für ihr Eintreten für einen aufgeklärten Islam immer wieder großen Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt ist, stellt die Liebe in den Mittelpunkt ihrer Kanzelrede: „Liebe ist doch so viel besser als zu hassen, Krieg zu führen.“ Aber die „große Waffenlobby“ stehe dem weltweiten Wunsch nach Frieden ebenso im Weg wie dem Streben nach Macht und Geld. Selbst in Europa, Träger des Friedensnobelpreises, herrsche nicht überall Frieden. Sie will sich nicht damit abfinden, dass selbst unter gläubigen Menschen oft Hass und Terror herrscht: „Wir Gläubigen sind doch Brüder und Schwestern.“

Nach dem Koran ist den Gläubigen nach ihrer Überzeugung der Frieden geboten und „üble Nachrede schlimmer als Ehebruch“ und „das gute Wort ist besser als eine üble Nachrede.“ Doch leider halte man sich in den Sozialen Medien nicht an diese grundlegende Forderung der Religionen, die dadurch eine „große Gefahr“ darstellten. Imamin Ates würdigte die Forderung des Christentums nach Nächsten- und Feindesliebe. Immer wieder appellierte sie an Christen, Juden, Muslime: „Stiftet Frieden.“ Und wer den Koran richtig liest, so ihre Botschaft, kann zu keinem anderen Schluss kommen: „Liebe tut der Seele gut.“

Weitere Infos und das ganze Festival-Programm auf einen Blick hier.

 

Kirchenkreis Bonn / 19.11.2018

1. Bonner Festival der Begegnungen

Talk mit Tiefgang, Konzerte mit Botschaft, Kabarett mit Biss und Gottesdienste mit Esprit verspricht das erste Bonner Festival der Begegnungen, das am Sonntag, 18. November, in der Pauluskirche Bad Godesberg, beginnt. Mit dabei sind prominente Künstlerinnen und Künstler wie heute-show-Moderator Oliver Welke, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan oder Poetry-Slamerin Sandra Da Vina. Seyran Ates und Gesine Schwan halten Kanzelreden, Fulbert Steffensky predigt. An insgesamt acht aufeinander folgenden Tagen kommt es zu vielen spannenden Begegnungen. Für musikalische Höhepunkte sorgen Pianist Tord Gustavson, Chansonier Jean Faure oder die Blues Brothers Tribute Band.

„In Zeiten zunehmender Abschottung, wachsender Intoleranz und tobender Kulturkämpfe, wollen wir zu einem Klima des Respekts, der Weltoffenheit und multikulturellen Verständigung ermutigen, um Haltung zu zeigen in haltlosen Zeiten“, formuliert Pfarrer und Organisator Siegfried Eckert das Anliegen des Festivals. Ganz im Geiste des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und seines Credos „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Schirmherr des Festivals ist NRW-Integrationsminister Joachim Stamp. Er ist beim Eröffnungsgottesdienst dabei und spricht anschließend ein Grußwort.

Das 1. Bonner Festival der Begegnungen findet von Sonntag, 18. November, bis Sonntag, 25. November 2018, in der Pauluskirche, In der Maar 7, Bonn-Friesdorf, statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Spenden sind erwünscht und kommen der Evangelischen Thomasstiftung Bad Godesberg zu gute.

Flyer mit ausführlichen Informationen

Sonntag, 18. November
10.30 Uhr Gottesdienst zum Volkstrauertag

„Selig sind, die Frieden stiften.“ Mt 5,9
Liturgie: Pfr. Siegfried Eckert
Kanzelrede: Seyran Ates (Ibn Rushd Goethe Moschee/Berlin)
Musikalische Mitwirkung: Schirin Partowi (Gesang)
18 Uhr Französische Chansons mit Jean Faure & Band

Montag, 19. November
20 Uhr Welke trifft Kaftan. Was mir heilig ist – Haltung zeigen im Beruf

Moderation: Christiane Florin (Deutschlandfunk)

Dienstag, 20. November
20 Uhr 1517 trifft 2017. Luther wollte mehr – wie Reformation weiter geht?

Diskussion mit Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen) und Prof. Dr. Jörg Lauster (München)
Moderation: Matthias Drobinski (SZ)

Mittwoch, 21. November
18 Uhr Gottesdienst zum Buß- und Bettag: Politik trifft Kirche – Jazz meets Church

„Vergib uns unsere Schuld“ Mt 6,12
Liturgie: Pfr. Siegfried Eckert / Pater Innocent
Kanzelrede: Prof. Dr. Gesine Schwan (SPD/Berlin)
Musikalische Gestaltung: Männerchor Friesdorf
Sacred Concert: Tord Gustavsen (Oslo), Uwe Steinmetz (Berlin/Saxophon), Simin Tander (Köln/Gesang)

Donnerstag, 22. November
20 Uhr Politisches Kabarett trifft Poetry Slam

mit Sandra Davina und Benjamin Eisenberg

Freitag, 23. November
20 Uhr Rosa trifft Schleske. „Resonanz und Herztöne“

Mit dem Soziologen Prof. Dr. Hartmut Rosa (Jena) und Geigenbauer und Autor Martin Schleske

Samstag, 24. November
20 Uhr HEART & SOUL • The Blues Brothers Tribute Band

Soul-Preacher-Night. Unterwegs im Auftrag des Herrn

Sonntag, 18. November
10.30 Uhr Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag. Mit Fulbert Steffensky

„Herr bleib bei uns: Begegnung mit einem tot Geglaubten“ Lk 26,29
Liturgie: Pfr. Siegfried Eckert
Predigt: Fulbert Steffensky
Musikalische Leitung: Angelika Buch
18 Uhr Inklusion trifft Depression. Kabarett für Herz und Geist
Mit Rainer Schmidt und Willibert Pauels

#teuflischgut ausverkauft

„Luther – teuflisch gut“ das ist das Motto zum Reformationsfest 2017. Der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel feiert 500 Jahre Reformation. Im Telekom Dome Bonn findet am 31. Oktober abends eine große Reformationsgala statt. Die Karten zu diesem Abend sind ausverkauft. Darüber freuen wir uns sehr!

Wer nicht live dabei sein kann, muss aber nichts verpassen. Das WDR Fernsehen zeichnet die Veranstaltung auf. Man kann das Geschehen im Livestream verfolgen und den zweiten Teil ab 21 Uhr auch im Fernsehen anschauen. Auch im Dritten werden die Protestanten die kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Relevanz der Reformation an diesem einmaligen Feiertag unterhaltsam beleuchten. Auf dem Programm stehen viel Musik, Comedy und Talk. Die bundesweit größte Reformationsfeier erwartet etwa 5.000 teilnehmende Gäste und mehrere hundert Mitwirkende.

Prominente Gäste

Als prominente Gäste werden Präses Manfred Rekowski, Ministerpräsident Armin Laschet, Benediktinerpater Anselm Grün, Monika Hauser von Medica Mondiale, Moschee-Gründerin Seyran Ateş, Fernsehmoderator Ralph Caspers, Fußballtrainer Heiko Herrlich, Diaclown Willibert Pauels, Slam Poetin Sandra Da Vina und viele andere erwartet. Inhaltlich geht es dabei um Themen wie „Haltung zeigen“, „Vorbilder“ und das „Friedenspotential der Religionen“. Die Journalistin Sabine Scholt (WDR) und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen moderieren den Abend. Musikalisch sind das Beethoven Orchester Bonn, Judy Bailey & Band, Schirin Partovi sowie Wise-Guy Eddi Hüneke dabei. Außerdem treten der ein großer „Gala-Chor“ und die „Bläser von Jericho“ auf. Für die Regie sorgt die Bonner Regisseurin Molly Spitta.

Motto mit Augenzwinkern

Ganz im Sinne des Reformationsmottos der Evangelischen Kirche im Rheinland soll die Feier „vergnügt, erlöst, befreit“ geschehen: „Mit fröhlichem Selbstbewusstsein wie der Fähigkeit zur Selbstkritik, geistlich und ernsthaft, aber von Fall zu Fall auch mit einem Augenzwinkern“, unterstreicht Superintendent Mathias Mölleken von Veranstalterseite. Daran erinnern das Motto und der blaue Tintenklecks auf der Einladung: Der Legende nach soll der Teufel den Reformator auf der Wartburg in Thüringen beim Übersetzen der Bibel gestört haben. Luther warf mit seinem Tintenfass nach ihm, um ihn zu verscheuchen. Das Motto für diesen Abend „Luther – teuflisch gut“, nimmt – auch augenzwinkernd – eine umgangssprachliche Redewendung auf und markiert als Botschaft: Luther ist „gut“: Er gilt im Land der Reformation weiterhin als Vorbild für den christlichen Glauben.

WDR überträgt

Die Reformationsgala „Luther – teuflisch gut“ findet am Dienstag, 31. Oktober 2017, ab 18.30 Uhr im Telekom Dome Bonn, Basketsring 1, statt. Das WDR Fernsehen zeichnet die Veranstaltung auf. Man kann das Geschehen im Livestream verfolgen und den zweiten Teil ab 21 Uhr auch im Fernsehen anschauen.

Veranstalter sind die Evangelischen Kirchenkreise Bad Godesberg-Voreifel und Bonn. Vom Kartenverkauf fließt pro Stück ein Euro an den Hilfsfonds „Robin Good“ und den Kinderladen „Kunterbunt“ in Euskirchen zur Bekämpfung von Kinderarmut.

„Luther – teuflisch gut“

Reformationsgala im Telekom Dome Bonn am 31. Oktober 2017

Unter dem Motto „Luther – teuflisch gut“ feiert die evangelische Kirche den 500. Geburtstag der Reformation mit viel Musik, Comedy und Talk. Am 31. Oktober 2017 begehen Bonn und die Region den Abend des 500-jährigen Jubiläums in Form einer großen Gala im Telekom Dome Bonn. Unterhaltsam werden die Protestanten die kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Relevanz der Reformation an diesem einmaligen Feiertag beleuchten. Die bundesweit größte Reformationsfeier erwartet etwa 5.000 teilnehmende Gäste und mehrere hundert Mitwirkende.

Prominente Gäste

Als prominente Gäste werden Präses Manfred Rekowski, Ministerpräsident Armin Laschet, Benediktinerpater Anselm Grün, Monika Hauser von Medica Mondiale, Moschee-Gründerin Seyran Ateş, Fernsehmoderator Ralph Caspers, Fußballtrainer Heiko Herrlich, Diaclown Willibert Pauels, Slam Poetin Sandra Da Vina und viele andere erwartet. Inhaltlich geht es dabei um Themen wie „Haltung zeigen“, „Vorbilder“ und das „Friedenspotential der Religionen“. Die Journalistin Sabine Scholt (WDR) und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen moderieren den Abend. Musikalisch sind das Beethoven Orchester Bonn, Judy Bailey & Band, Schirin Partovi sowie Wise-Guy Eddi Hüneke dabei. Außerdem treten der ein großer „Gala-Chor“ und die „Bläser von Jericho“ auf. Für die Regie sorgt die Bonner Regisseurin Molly Spitta.

Motto mit Augenzwinkern

Ganz im Sinne des Reformationsmottos der Evangelischen Kirche im Rheinland soll die Feier „vergnügt, erlöst, befreit“ geschehen: „Mit fröhlichem Selbstbewusstsein wie der Fähigkeit zur Selbstkritik, geistlich und ernsthaft, aber von Fall zu Fall auch mit einem Augenzwinkern“, unterstreicht Superintendent Mathias Mölleken von Veranstalterseite. Daran erinnern das Motto und der blaue Tintenklecks auf der Einladung: Der Legende nach soll der Teufel den Reformator auf der Wartburg in Thüringen beim Übersetzen der Bibel gestört haben. Luther warf mit seinem Tintenfass nach ihm, um ihn zu verscheuchen. Das Motto für diesen Abend „Luther – teuflisch gut“, nimmt – auch augenzwinkernd – eine umgangssprachliche Redewendung auf und markiert als Botschaft: Luther ist „gut“: Er gilt im Land der Reformation weiterhin als Vorbild für den christlichen Glauben.

WDR überträgt

Die Reformationsgala „Luther – teuflisch gut“ findet am Dienstag, 31. Oktober 2017, ab 18.30 Uhr im Telekom Dome Bonn, Basketsring 1, statt. Das WDR Fernsehen zeichnet die Veranstaltung auf. Man kann das Geschehen im Livestream verfolgen und den zweiten Teil ab 21 Uhr auch im Fernsehen anschauen.

Veranstalter sind die Evangelischen Kirchenkreise Bad Godesberg-Voreifel und Bonn. Karten kosten 18 Euro, ermäßigt 14, plus Vorverkaufsgebühr. Davon fließt ein Euro an den Hilfsfonds „Robin Good“ und den Kinderladen „Kunterbunt“ in Euskirchen zur Bekämpfung von Kinderarmut. Vorverkauf über bonnticket.

„Luther war ein Düsseldorfer“

Reformationstag 2017: Der Comedian Hagen Range verlieh auf der Reformationsgala Luther seine Stimme. Foto: Meike Böschemeyer

Es war das deutschlandweit größte Fest zum Schluss des Reformationsjubiläums: Die Gala im Bonner Telekom Dome mit vielen prominenten Gästen wie Fernsehmoderator Ralph Caspers, Bundesligatrainer Heiko Herrlich und Komiker Willibert Pauels, die alle eins bezeugen konnten – dass Luther noch heute inspiriert.

Reformationsgala im Telekom Dome

Es wird still, als die deutsch-iranische Altistin Schirin Partowi ihre Stimme erhebt. Sie singt ganz allein. Das Bonner Beethoven-Orchester hinter ihr schweigt, die Band auf der Balustrade, der Chor der 500 Stimmen aus den Bonner Kirchen in den ansteigenden Sitzreihen, und die fünftausend Besucherinnen und Besucher im „Telekom Dome“ der Bundesstadt, wo sonst die „Telekom Baskets“ ihre Heimspiele bestreiten, schweigen auch.

Weiße Strahlen von den beweglichen Bühnenscheinwerfern streichen bedächtig über die Decke mit den mächtigen Lüftungsrohren. Der Kamerakran des Westdeutschen Rundfunks beschreibt langsam einen Kreis über den Köpfen der Menschen. Die Reformationsgala geht zu Ende, das deutschlandweit größte Fest zum Schluss des 500. Jubiläumsjahres der Reformation.

Altistin Schirin Partowi

Schirin Partowi intoniert ein Lied Martin Luthers: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten. Das Lied entstand 1529 in der Angst um heraufziehende Kriege um den Glauben. Heute verbindet es Konfessionen, denn es steht im Evangelischen Gesangbuch wie auch im katholischen „Gotteslob“.

Nach der Altistin setzt das Beethoven-Orchester der Stadt ein. Aus einem Stakkato formt sich die Melodie des Reformationsliedes „Ein feste Burg ist unser Gott“. Aber dann geht die Melodie über in die Europahymne aus der Feder des wohl berühmtesten Bonners, Ludwig van Beethoven: „Freude, schöner Götterfunken“, ein Bekenntnis zur Einheit über alle Grenzen hinweg: Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt. Die Botschaft aus Bonn lautet: Wo die Reformation Gläubige trennte, soll ihr Jubiläum Menschen zusammenbringen. Und sie ermutigen, gemeinsam für Freiheit aufzustehen.

Ralph Caspers und Heiko Herrlich im Gespräch mit Eckart von Hirschhausen

Luther inspiriert, das konnten alle Gäste bezeugen, ob Fernsehmoderator Ralph Caspers, Fußballtrainer Heiko Herrlich oder die Anwältin Seyran Ateş, die seit elf Jahren mit Personenschutz unterwegs ist, weil sie Morddrohungen erhält, und im Lutherjahr in Berlin eine Reform-Moschee eröffnet hat, in der Männer und Frauen gemeinsam beten.

„Was ich heute erlebe, macht mir Mut“, sagt sie. „Die Gewalt, die uns begegnet, soll uns nicht ängstigen.“ Oder die Poetry-Slammerin Sandra Da Vina aus dem nahen Meckenheim. Es begeistert sie, dass Luther mächtige Wörter wie Feuereifer und Herzenslust erfand. Er hat zum Beispiel Lügen mit Schneebällen verglichen. Das hat sie bewegt: „Lasst uns dafür sorgen, dass Lügen nicht zu Lawinen werden.“

Drei Stunden vorher hat ein Lutherzitat die Gala eröffnet: „Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben.“ Der Comedian Hagen Range leiht Luther seine Stimme.

Jubiläumsjahr hat Gemeinsamkeiten der Kirchen sichtbar gemacht

 

Präses Manfred Rekowski interviewt von Sabine Scholt

Das greift der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, später auf: „Mir macht Hoffnung, wenn Menschen sich aufeinander zu bewegen.“ Auch er freut sich darüber, dass das Jubiläumsjahr der Reformation viele Gemeinsamkeiten zwischen den Kirchen sichtbar gemacht hat. Auch deshalb, weil sich die evangelische Kirche kritisch mit Luther auseinandergesetzt hat: mit seiner Feindschaft gegen Juden zum Beispiel und mit seinem Aufruf, Aufstände der Bauern in Blut zu ertränken. Durch das Jubiläumjahr, so hat er erfahren, „bekamen Menschen Anstöße zum Glauben.“

Das kann auch der – katholische – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bestätigen, der heute schon auf der dritten Reformationsfeier zu Gast ist: „Die christliche Botschaft ist das beste, was man dieser Welt anbieten kann“, sagt er. „Und wir Kirchen haben so viele Gemeinsamkeiten, da sollten wir uns nicht streiten.“

Anselm Grün, Autor vieler Bücher über das Glück, hat Luther im Jubiläumsjahr als Mystiker kennen gelernt. Und zieht daraus ebenfalls den Schluss: „Wir gehören zusammen und befruchten einander“. Die Dogmatik, die oft herhalten muss, um die Trennung zwischen Katholiken und Protestanten zu begründen, meint er, „ist eigentlich vor allem der Versuch, das Geheimnis des Glaubens wach zu halten.“

Komiker Willibert Pauels

Auch Bonns katholischer Oberbürgermeister Ashok Sridharan outet sich als Fan der Ökumene. Der ebenfalls katholische Diakon und Komiker Willibert Pauels sowieso. Er hat auch eine Erklärung dafür, dass Luther die Kölner als Esel beschimpfte: „Jetzt wissen wir: Luther war ein Düsseldorfer!“

Dirk Kaftan, Generalmusikdirektor und Dirigent des Bonner Beethoven-Orchesters, steigt vom Pult und lässt sich von Eckart von Hirschhausen und der WDR-Journalistin Sabine Scholt interviewen. Luther, sagt er, „hat mit seiner Musik die Kluft zwischen Fühlen und Denken zusammengebracht. Ohne ihn hätten wir nicht die Musikbewegung, die wir heute haben. Auch Katholiken machen heute viel Musik.“

Der Deutsche Musikrat hat Zahlen veröffentlicht, die für sich sprechen: Mehr als die Hälfte der 1,4 Millionen Chorsängerinnen und -sänger sind in Kirchenchören aktiv. Das wäre nicht denkbar ohne Luther, der bis heute zu den kreativsten Kirchenlieddichtern gehört. Er hat auf Gassenhauer seiner Zeit geistliche Texte geschrieben.

Luther setzt die Menschen immer noch in Bewegung

 

Der Chor der 500 Stimmen

In zwei fast ganztägigen Proben hatte Kreiskantorin Friederike Heiwolt den Chor der 500 auf das Zusammenspiel mit Orchester und Band vorbereitet. Kaftan hatte zum Schluss das Zusammenwirken mit den Musikerinnnen und Musikern geprobt.

Nach seinem Interview intoniert die aus Barbados stammende Sängerin Judy Bailey ihren Hit „Rise Like a Champion“ und reißt die Leute mit, im Parkett, wo sonst die Champions um den Sieg kämpfen, und bis hoch in die zehn Sitzreihen zwischen den steilen Treppen mit Leuchtstreifen im Telekom-Magenta.

Luther trennt die Menschen nicht mehr, aber immer noch setzt er sie in Bewegung. 700 Mitwirkende haben die Gala gemeinsam zustande gebracht, sagt Organisator Pfarrer Siegfried Eckert, 600 davon sind Ehrenamtler. „Das hier ist ein Graswurzelfest, ein Stück des Evangelischseins, für das ich mich engagiere.“ Als Verantwortlicher für Kirchentagsveranstaltungen kennt sich Eckert mit großen Formaten aus. Vier Jahre hat er in die Vorbereitung gesteckt. Die Landeskirche ließ sich gewinnen, die Kirchengemeinden auch. „Aber da war Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Superintendent Mathias Mölleken.

Zum Schluss schwenken alle Knicklichter

Jakob Siegburg ist gern gekommen. Vor zwei Wochen hat er seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Johanniter-Unfallhilfe begonnen. Jetzt steht er oben an der Eingangstreppe, bereit zum Einsatz, und verteilt gleichzeitig Knicklichter zum Schwenken am Schluss.

Und auch Annemarie Gerster, die tatsächlich anders heißt. Sie will nicht, dass ihr Name veröffentlicht wird, denn sie meint, dass andere mehr für das Fest getan haben als sie. Sie gehört zum ehrenamtlichen Team der Bonner Bahnhofsmission. Heute hat sie Rollstuhlfahrer begrüßt, die durch den VIP-Eingang in die Halle kamen, und sie zum Aufzug abwärts ins Parkett und zu ihren Plätzen begleitet.

Von der Reformationsgala gibt es verschiedene Fotokollektionen zum Download in unserem Medienpool (Links weiter unten). Bitte bei Verwendung immer folgenden Bildnachweis benutzen: ekir.de/Meike Böschemeyer

Mehr zum #Reformationstag

 

500. Reformationstag: ein Fotoalbum 

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Reformationsgala, Bonn

Ökumenische Vesper, Altenberg

NRW-Festgottesdienst, Soest

Saar-Festgottesdienst, Saarbrücken

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Personen der Reformation im Rheinland – ein interaktiver Beitrag

500 Jahre Reformation im XXL-Format – eine Zeitungsbeilage

Unübersehbar ist die ökumenische Entschlossenheit, Glauben gemeinsam zu leben. Präsesblogpost

Voll & vital: Storify über die Feiern des #Reformationstag

Du bist #Reformationstag! In Sozialen Netzwerken selbst erzählen, was diesen Tag ausmacht

Social-Media-Wall zum 500. #Reformationstag: walls.io/reformationstag

Sendungen in Radio und Fernsehen

Gottesdienste am Reformationstag

Website zum 500. Reformationsjubiläum: 2017.ekir.de

 

ekir.de / Wolfgang Thielmann, Fotos: Meike Böschemeyer / 31.10.2017