Landessynode 2020: Abgeordneten-Sicht

Die Vertreter aus Bad Godesberg und der Voreifel: Frank Bartholomeyczik, Siegfried Eckert, Mathias Mölleken, Irmela Richter, Schulreferentin Dr. Beate Sträter (als Gast) und Norman Rentrop (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Fünf Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei.

Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist in Bad Neuenahr vertreten durch Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg), Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach), Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim) sowie den berufenen Synodalen Norman Rentrop (Bad Godesberg) bzw. seine Vertreterin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg).

Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim):

Wie in jedem Jahr hat sich die Landessynode mit einer Vielzahl von Themen beschäftigt, die deutlich den Anspruch von „Relevanz und Resonanz“ als Kirche in der Gesellschaft erhebt und auch kenntlich macht.

Thematischer Schwerpunkt war das Verhältnis von Kirche und Diakonie – Grußworte, Andachten und Wortmeldungen bezogen sich sehr konkret auf diakonische Handlungsfelder und gaben Beispiele einer sich zuwendenden und damit diakonischen Kirche beziehungsweise Gemeinden. So verwundert es nicht, dass die Synode noch einmal bekundet hat, das Verhältnis zwischen Diakonie und Kirche zu intensivieren. Die Rheinische Kirche sieht eine besondere Stärke im diakonischen Handeln im jeweiligen Sozialraum.

Dazu passend wurde zum Beispiel die Forderung einer Kindergrundsicherung beschlossen, weil es nahezu unerträglich ist, dass in einem reichen Land wie Deutschland die Kinderarmut zunimmt. Wir konnten hier erkennen, dass wir auch mit unserer Kreissynode im vergangenen Jahr ein wichtiges Thema aufgenommen haben. Jetzt muss es aber um mehr als nur um Bekundungen gehen.

Eindrucksvoll war das Grußwort des Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der als Gast zum einen die bewusste Vertiefung des Synodalbeschlusses vor 40 Jahren zur „Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ begrüßte, zum anderen angesichts des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft eine deutlichere Positionierung gegenüber dem Staat Israel im Sinne einer solidarischen und sich zuwendenden Grundhaltung einforderte. Mit dem erneuerten Beschluss „Umkehr und Erneuerung“ bewege sich die Rheinische Kirche, freiwillig aus der Komfortzone, so Lehrer. Eine große Nachdenklichkeit war bei allen Synodalen wahrnehmbar – auch bei mir, wenn es denn heißt, wie setzen wir dieses Bewusstsein in Schule, Kirchlichem Unterricht, in unserer Gesellschaft deutlicher um?

Die Abgeordneten im Plenum. Foto: Uta Garbisch

Ein weiteres wichtiges Thema war die Diskussion um den Umgang zu den kritischen und sehr berechtigten Fragen zur Umstellung auf die neue Finanzsoftware Wilken P5. Die exorbitanten Kostenerhöhungen, die sich Verlauf des Prozesses ergeben haben, drohten das Vertrauen in die Kirchenleitung und ihr Prozessmanagement zu erschüttern. Wieder einmal – könnte man sagen, da sich die Mängel und Intransparenz bei der Einführung von NKF zu wiederholen scheinen. Schon im Bericht des Präses nahm dieser zu den Fehlern und der verspäteten Information der Synode ausführlich Stellung und bat eindringlich die Synode um Entschuldigung. Hier offenbare sich, so bestätigte der auch dafür bestellte Prüfer, eine Tragik, die darin bestehe, dass auch dieser Kirchenleitung ein Fehler und Vorgehen unterläuft, den sie gegenüber der Vorgänger-Kirchenleitung erklärterweise in jedem Falle verhindern wollte. Die Synode fand nach ausführlichen Beratungen zu einer Erklärung, die die weitere Aufklärung vorsieht, vor allem Konsequenzen und Vorgaben für zukünftige Prozesse macht. Nachvollziehbar war bei allem Verständnis aber doch auch eine deutliche Rüge gegenüber der Kirchenleitung, die die Synode viel zu spät über die Vorgänge informiert hat. Im Unterschied zu manch anderem Handeln in unserer Gesellschaft erwies sich hier aber auch unsere Verantwortung als Kirche, die sowohl kritisch prüft als aber auch zu seelsorglichem und vergebendem Handeln fähig bleibt.

Wie immer sind die Randgespräche oder auch das Ausklingen der Synodaltagung abends in der „Bayrischen Botschaft“ wichtige Gelegenheiten, um kirchliche Themen aber auch persönliches auszutauschen.

Bis zur nächsten Wahl – dann wird es insofern spannend, weil unter anderem eine beziehungsweise ein neuer Präses gewählt werden muss.

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg):

Was meine persönlichen Höhepunkte bei der diesjährigen Landessynode waren? Ganz klar der Einsatz für die Kindergrundsicherung und gegen die Armut von Kindern und Jugendlichen, ihre materielle Not, mangelnde Bildungschancen, gegen ihre gesundheitlichen Benachteiligungen und das, was man im sperrigen Behördendeutsch „die fehlende Teilhabe“ nennt. Also dass kein Kind aus welchen Gründen auch immer nicht gleichberechtigtes Mitglied unserer Gesellschaft sein kann. Darin ist die EKiR stark: Sie legt den Finger direkt in schwärende Wunden und benennt Möglichkeiten, sie zu heilen. Hoffentlich hilft`s.

Das tat die Landessynode dieses Jahr auch wieder in Bezug auf die traumatischen Zustände für Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen. Der den Beschluss für eine zivile Seenotrettung und den Beitritt zum entsprechenden Aktionsbündnis begleitende Analysetext liest sich so nervenaufreibend, dass er auch jedem Hassbürger empfohlen sei. Viel Freude machte mir auch, dass die mutige neue Ökumenekonzeption bei nur einer Gegenstimme verabschiedet wurde.

Zum Umgang mit dem „Softwaremurks“, wie mein Sitznachbar Siegfried Eckert das Thema nennt: Wie ergriffen Synodale sich schließlich gegenseitig dankten, mit den doch höchst blamablen Fehlplanungen so christlich umgegangen zu sein, befremdete mich dann doch. Sind wir uns eigentlich noch bewusst, wie eine solche Attitude „nach außen“ auf die Menschen wirkt, die hoffentlich noch weiter ihre Kirchensteuern zahlen?

Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim):

Die Landessynode stand unter dem Motto Diakonie. Nur blieb es bei einem Vortrag des Präsidenten der Diakonie, bei ohne Arbeitsauftrag tagenden Arbeitsgruppen und einem einen diese Ergebnisse zusammentragenden Vortag. Ein Abend der Begegnung wurde zu Begegnungen zwischen Diakonie und Synode nicht genutzt, es gab leider keine Anregungen. Leider eine verpasste Chance!

Die Synode stand unter dem Eindruck von Kostensteigerungen und mangelnder Information zur Einführung der neuen Finanzsoftware. Es wurde deutlich, dass Leitungshandeln und Projektmanagement in unserer Organisation Kirche nicht ausreichend Raum haben. Es stellt sich da die Frage, ob die Bitte um Entschuldigung ausreicht, aber auch, wie wir es als Kirche mit einer Fehlerkultur halten. Gerade weil diese Kirchenleitung mit einem hohen Anspruch an Transparenz angetreten ist, waren die persönlichen Erklärungen des Präses und des Finanzdezernenten bedrückend, erschütternd und hinterließen Stille im Plenum.

Nachdem die Synode erst langsam in Gang kam, war es doch eine sehr intensive Synode mit kontroversen Diskussionen besonders in den Ausschüssen und in den Pausen. Obwohl für mich doch ein irgendwie enttäuschendes Gefühl zurückbleibt, weil viele Fragestellungen nicht ausreichend oder nur oberflächlich besprochen wurden, bin ich mit den Entscheidungen im Finanzbereich sehr zufrieden. Auch ist es für mich sehr erfrischend, wie offen und kontrovers in Ausschüssen diskutiert werden kann und dann das Ergebnis gemeinschaftlich getragen wird.
Das wird den Gemeinde Luft geben, die ausstehenden und notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen in Ruhe und mit Augenmaß anzugehen.

Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg):

Komisches Schweigen

Kleiner Erfolg für den Initiativantrag unseres Synodalen Siegfried Eckert (Mitte) zur Klimagerechtigkeit: Bis zur nächsten Synode soll dem Thema in den Ständigen Ausschüssen der Rheinischen Landeskirche eine entscheidende Rolle zukommen. Foto: Uta Garbisch

Als Präses Rekowski eher beiläufig auf der Synode bekanntgab, nächstes Jahr nicht mehr als Präses zu kandidieren, herrschte ein „komisches Schweigen“. So beschrieb eine Mitsynodale dieses Momentum. Eher eigenartig war die ganze Synode. Unbefriedigend wurde das Synodenthema „Diakonie“ behandelt. Eigenartig war es, wie die Synode mit dem Softwaremurks verfuhr. Berührend war es, wie am Ende öffentlicher und nichtöffentlicher Debatten mit der Thematik umgegangen wurde. Eigenartig bleibt, wie wenig Raum für Theologisches ist. Bei ihrer Betriebsamkeit bemerkte die Synode es nicht, welch revolutionäre Ökumene-Konzeption beschlossen wurde.

Erstaunlich ist, wie viel Geld da ist für den Kirchentag, für höhere Ruhegehälter auf der mittleren Ebene und den Erhalt der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Erstmalig erlebte ich seit 2002, dass bei gefüllter Versorgungskasse 29 Euro pro Gemeindeglied an die Basis zurückfließen. Komisch war es, wie mit meinem Initiativantrag für mehr Klimagerechtigkeit verfahren wurde. Manche Ungeschicklichkeit erinnerte an frühere Synoden. Es bleibt zu hoffen, dass mit den Wahlen im nächsten Jahr frischer Wind in die rheinische Kirche kommt.

Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach):

Synode bedeutet dem Wortsinn nach gemeinsamer Weg. Als Ringen um einen gemeinsamen Weg habe ich die Synode in diesem Jahr erlebt. Mit Spannung habe ich auf die Diskussion um die Kostenentwicklung für die neue Finanzsoftware gewartet. Es gab einen Vorschlag der Kirchenleitung zur Aufarbeitung. Die Synode hat sich jedoch für einen anderen, einen eigenen Weg entschieden, der zuvor in den Tagungsausschüssen beraten wurde. Es geht um eine sorgfältige Analyse und darum, wie in Zukunft bestimmte Fehler vermieden werden können. Das alles geschah in einer sehr wertschätzenden, offenen Atmosphäre, in der der zuständige Finanzdezernent Bernd Baucks eine bewegende persönliche Erklärung abgab. Die Synodalen schienen alle miteinander den Atem anzuhalten, es war mucksmäuschenstill im Saal. Auch der Präses hat sich öffentlich entschuldigt. Einen solchen Umgang mit Fehlentscheidungen kann ich mir im politisch-öffentlichen Raum nicht vorstellen.

Ein weiteres Thema war die Umsetzung der im vergangenen Jahr beschlossenen Jugendpartizipation. Die Vertreterin der Evangelischen Studierendengemeinden berichtete mir von ihren Erfahrungen in der gemeindlichen Jugendarbeit. Nach Jahren als Kindergottesdiensthelferin verspürte sie den Wunsch nach weiteren, spannenden Angeboten, an denen sie vielleicht einfach nur teilnehmen konnte. So etwas gab es in ihrer Umgebung nicht. Sie verlor den Kontakt zur Gemeinde und damit zur Kirche. Im Studium entdeckte sie eher zufällig die Studierendengemeinde, wurde zu einer Tagung eingeladen und traf dort andere junge Menschen, die ähnlich dachten wie sie. So fing Kirche an, ihr wieder Spaß zu machen. Ich denke, wir müssen aus solchen Erfahrungen lernen, wenn wir für junge Menschen interessant bleiben wollen.

Landessynode 2019: Abgeordneten-Sicht

Die Vertreter aus Bad Godesberg und der Voreifel: Frank Bartholomeyczik, Norman Rentrop, Irmela Richter, Mathias Mölleken und Siegfried Eckert (v.l.n.r.). Foto: Uta Garbisch

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Fünf Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei.

Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel ist in Bad Neuenahr vertreten durch Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Siegfried Eckert (Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg), Irmela Richter (Kirchengemeinde Rheinbach), Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim) sowie den berufenen Synodalen Norman Rentrop (Bad Godesberg) bzw. seine Vertreterin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg).

 

Superintendent Mathias Mölleken (Meckenheim):

Etliche Beschlüsse und Themen der diesjährigen Landessynode wurden von der vorangestellten Jugendsynode bestimmt, so z.B. die stärkere Partizipation von jungen Menschen bei der Gestaltung unserer Kirche. Eine neue Erfahrung, dass 50 Jugenddelegierte ihre Haltung und Erwartungen so unmittelbar und auch mit Wirkung auf Beschlüsse zur Jugendarbeit, wie aber auch zur Flüchtlingsarbeit, zur Jugend- und Familienarmut einbrachten. Ein konstruktiver Prozess, der auch wesentlich das allgemeine Motto Vertrauen stärkte und zu bewusstem Kirche-sein ermutigt.

Entsprechend hat der Präses seinen Jahresbericht theologisch konnotiert, indem er daran erinnerte, was Christen und uns als Kirche bewegt, nämlich die Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Geradezu als „Markenzeichen“, indem Kirche immer auch öffentliche Verantwortung wahrnimmt und zu tagesaktuellen Themen Stellung bezieht.

Ein für unseren Kirchenkreis ist die Entscheidung zu einer veränderten Kirchensteuerverteilung von Bedeutung. Hier werden wir als sogenannter abgebender Kirchenkreis in unserer Solidarbereitschaft zusätzlich gefordert. Dieses Thema hatte enorme Sprengkraft, weil eine nur mathematische Verteilung des Pro-Kopf-Garantiebetrages die Probleme in den finanzschwachen Regionen unserer Landeskirche nicht löst und zugleich zusätzliche, irreversible Einschränkungen in unserem Bereich bedeutet. Aber die sachliche und rücksichtsvolle Auseinandersetzung in Arbeitsgruppen, im Tagungsausschuss, dem ich auch angehörte, führte zu einem für die nächsten Jahre konsensualen Kompromiss. Durchaus ein geistliches Ergebnis. Darüber ist an anderer Stelle ausführlich zu informieren – siehe aber auch synode.info.

Insofern hat sich das Werben um Vertrauen konkret bei Lösungsfindungen schwerwiegender Themen bewährt. Schließlich äußerte sich diese Haltung auch in einer Landessynode, die ihre Tagesordnung schneller als ursprünglich vorgesehen abgearbeitet hatte.

Wie immer sind die Begegnungen und Gespräche am Rande der Synode wichtig. Der Austausch über den eigenen Tellerrand teilt gute Erfahrungen, manche Sorge und vergewissert die Wahrnehmung, dass unsere Kirchengemeinden und Kirchenkreise ein starkes presbyterial-synodales Bewusstsein haben.

Frank Bartholomeyczik (Meckenheim):

Diesmal war erstmalig eine Jugendsynode der Landessynode vorgeschaltet. 50 Vertreter der „Jugend“ und 50 Landessynodale trafen sich ab Freitagmittag um unter anderem über die Themen der Kinder-und Jugendarbeit, Partizipation, Kinderarmut, unbegleitete Flüchtlinge und Neue Gemeindeformen zu diskutieren. Leider bestanden die Vertreter der „Jugend“ hauptsächlich aus „Berufsjugendlichen“, das heißt Jugendpfarrer/Innen, Jugendleiter/Innen. Gemäß Aussage der Kirchenleitung war es nicht, gelungen mehr „richtige“ Jugendliche zu gewinnen. Die wenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen beteiligten sich teilweise doch sehr intensiv gerade in den kleinen Arbeitsgruppen. Aus einem Vortrag von Prof. Wolfgang Ilg (Evangelische Hochschule Ludwigsburg) wurde deutlich, dass sich nur noch wenige Jugendliche (nur evangelische) (40%) der evangelischen Kirche verbunden fühlen. Bei der Relevanzfrage wird das Ergebnis noch schlechter. Hoffnung gibt, dass Befragte, die sich bereits in der Konfirmandenzeit engagiert bzw. positive Erfahrungen machten, später deutlich positiver äußerten.

Die Landessynode machte sich dann im Verlauf ihrer Beratungen alle Vorschläge aus der Jugendsynode zu Eigen. Das betrifft insbesondere die Partizipation in den Gremien.

Neben vielen administrativer Änderungen bei Kirchengesetzen waren die Hauptthemen die Verbesserungen bei der Besoldung von Pfarrer/innen und eine veränderte Kirchensteuerverteilung. Kirchenkreise mit einem über dem Durchschnitt liegenden Finanzaufkommen werden sich nun noch solidarischer zeigen. Gerade diese Diskussion wurde sehr sachlich, mit Augenmerk und Verständnis für die Anderen geführt.

Das war jetzt meine dritte Landessynode und ich merke, dass es sehr viel Zeit erfordert, in die teilweise sehr lange bestehenden Kreise und diese Art der Gremienarbeit einzutauchen. Insgesamt komme ich erfüllt mit dem Motto des diesjährigen Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ zurück.

Pfarrer Siegfried Eckert (Bad Godesberg): Wie viel Theologie verträgt die Kirche?

Als Mitglied des Theologischen Ausschusses war ich im Vorfeld der Synode irritiert, dass uns im Dezember mitgeteilt wurde, dem Ausschuss werde keine Drucksache federführend oder mitberatend zugewiesen. Laut Geschäftsordnung wäre die Ausschussarbeit damit einzustellen. Unter anderem die Ergebnisse einer Jugendsynode, die Frage neuer Gemeindeformen, der Streitfall „Kirchensteuerverteilung“, sowie die Besoldung von PfarrerInnen sollten ohne unsere Kompetenz dem Plenum beschlussreif zur Abstimmung vorgelegt werden. Mit ein paar Synodenkniffen wurde das Schlimmste abgewendet.

Der Eindruck bleibt dennoch, dass scheinbar rein organisatorische und finanzielle Fragen einer Kirche von Morgen keiner angemessenen theologischen Reflexion mehr bedürfen. Wo dies hinführt, wurde deutlich bei Drucksache 23 und ihrer mangelhaften theologisch-ekklesiologischen Begründung für eine neue Kirchensteuerverteilung. Wenn solche Art einseitiger, theologischer Rede zum Schmieröl für kirchenleitendes Handeln wird, hat sie ihren Ursprungssinn verloren, Salz der Erde zu sein. Wie gut, dass es auch auf dieser Synode wenige Sternstunden gab, die für Korrekturen sorgten. Beispielhaft war der Kompromiss bezüglich eines neuen Verfahrens, um zu wohlüberlegteren Ergebnissen bei der Kirchensteuerverteilung zu kommen. Immerhin ist der Ständige Theologische Ausschuss nun mitberatend an Bord auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt.

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu (Bad Godesberg):

Wir waren kaum aus Bad Neuenahr zurück, da hatten sich der Superintendent und mit ihm wir anderen Landessynodalen schon den Vorwurf in der Mailbox eingefangen, „politische Statements und Beschlüsse“ gefasst zu haben. Die stünden dem Kirchenparlament und damit uns nicht zu. Die Schreiber stießen sich an Ausführungen der Synode zum Thema Seenotrettung von Geflüchteten.

Im Plenum: Ebba Hagenberg-Miliu (rechts) und Siegfried Eckert. Foto: Uta Garbisch

Offenbar scheint nicht genügend kommuniziert zu sein, dass synodales Arbeiten durch und durch demokratisch stattfindet. Zu keinem Thema gibt es ein Tabu. Letztlich jede einzelne Formulierung wird in mehreren Arbeitsgruppen kontrovers diskutiert. Dann im Plenum hat nochmals jeder Synodale das Recht, seine Ablehnung, seine Kritik vorzutragen und Gegenanträge zu formulieren – ein langwieriges und, ich gebe es zu, sehr anstrengendes Verfahren.

Genau dieser demokratische Prozess wurde nun auch beim Thema Flüchtlinge durchlaufen. Schließlich sahen sich die Synodalen nach christlichem Verständnis verpflichtet, sich für sichere Fluchtwege einzusetzen und damit auch für die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen. Das demokratische Prinzip wurde auch hier ohne gedankliche Sperre bis zum letzten durchdekliniert. Nicht mehr und nicht weniger.

Irmela Richter (Rheinbach):

Ich hatte im Vorfeld mit hitzigen Debatten gerechnet. Das Thema Kirchensteuer-Pro-Kopf-Verteilung wurde in kleinen, gut durchmischten Arbeitsgruppen diskutiert. Die gravierenden Unterschiede wurden mir hier sehr deutlich. Aber auch, dass mehr Geld den Handlungsspielraum der ärmeren Regionen nicht überall erhöht, während die abgebenden Regionen ihr Engagement unter Umständen massiv kürzen müssen. Im dazugehörigen Tagungsausschuss wurde ein Kompromiss gefunden, der Veränderungen in Gang setzt, aber auch den Auftrag enthält, nach anderen, kreativen Wegen zu suchen, die zu einer echten Verbesserung in den strukturschwachen Regionen führen.

Im Theologischen Ausschuss haben wir in Kleingruppen darüber nachgedacht, was unsere Kirche in Zukunft verstärkt in den Blick nehmen sollte. Die Arbeit in den kleineren Gruppen habe ich als sehr belebend empfunden im Gegensatz zu den teilweise ermüdenden Plenarsitzungen. Diese Form der Arbeit fördert gegenseitige Wahrnehmung und Verständnis füreinander.

Alle Infos und Beschlüsse zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland finden Sie hier: www.ekir.de

Seltener Blick – Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort

Die Dachterrasse des Verlags VNR für die Deutsche Wirtschaft mit Blick über die Godesburg und bis hin zum Siebengebirge war der „ungewöhnliche Ort“, an dem Gottesdienst gefeiert wurde. Foto: Meike Böschemeyer EKIR Rheinland

Die sengende Sonne setzte den beiden Liturgen zu. Für die Predigt, die sie im ökumenischen Dialog hielten, wechselten Prädikant Karsten Matthis und Diakon Heribert Schmitz daher vom freistehenden Altar unter die Markisen, die den Teilnehmenden Platz boten. Vor Beginn hatte es Eis gegeben.

Bei der Begrüßung luden die beiden Liturgen die rund 75 Besucherinnen und Besucher ein, sich auch während des Gottesdienstes am Getränketisch zu bedienen. Das Wetter wird in Erinnerung bleiben, die Freundlichkeit des Gastgebers ebenfalls, der Schauplatz auch, an dem einer der 95 Gottesdienste an besonderen Orten in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) stattfand: die Dachterrasse des früheren Bundeskriminalamtes in Bonn-Bad Godesberg. Das neunstöckige Gebäude überragt die Bebauung der früheren Diplomatenstadt. Es dient jetzt der Verlagsgruppe des EKiR-Landessynodalen Norman Rentrop als Bürohaus.

Die Beschäftigten packten mit an: Pressechefin Isabell Graf begrüßte zusammen mit Rentrop die Gäste, Azubi Julia Kelm hatte das Liederheft gestaltet, Geschäftsführer Helmut Graf stellte zusätzliche Stühle auf, damit jeder einen Schattenplatz bekam. Auch die beiden Liturgen hatten im Verlag gearbeitet: Matthis war früher Cheflektor, Schmitz hatte lange die Stammdaten des Unternehmens verwaltet.

Das Licht des Heiligen Geistes als Produktidee, als Vorschlag zur Verbesserung der Prozesse – Matthis schlug damit die Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Bibeltext aus Johannes 1, der vom Wort spricht, das im Anfang war, und dem Licht, das jeden Menschen erleuchtet, ihn Gott erkennen und Leben gelingen lässt.

Jesus wird zum Licht der Menschen

Am Anfang war das Wort – „wer könnte das besser verstehen als die Mitarbeiter eines Verlages“, sagte Matthis. „Damit wir Gott richtig verstehen, spricht er zu uns durch Jesus Christus“, ergänzte Schmitz. Überraschend und unerwartet oft werde Jesus zum Licht der Menschen.

Viele Gäste blieben nach dem Gottesdienst zu Gesprächen und Verabredungen, sahen sich die Verlagsprodukte an und freuten sich über Azubis und Praktikanten, die Getränke anboten. Sie genossen den seltenen Anblick auf der Terrasse von der nahen Godesburg bis ins Siebengebirge jenseits des Rheins – und nahmen wahr, wie grün ihre Stadt aus dieser Höhe wirkt.

ekir.de / Wolfgang Thielmann, Foto: Meike Böschemeyer / 22.06.2017