Lecker mit gutem Gewissen

Spinat - regional und saisonal: nachhaltiges Kochen in Merzbach. Foto: Rainer Steinbrecher

Sie haben gekocht, gebaut und sich informiert: Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit war das große Thema beim Juleica-Aufbaukurs Anfang Oktober in Merzbach. Die Jugendleiter/In-Card (Juleica) ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter-innen in der Jugendarbeit.

20 Jugendliche aus den Kirchengemeinden aus Bad Godesberg und der Voreifel haben sich dazu am Wochenende in der Evangelischen Jugendbildungsstätte (JuBi) Merzbach getroffen, um sich gemeinsam mit dem Thema auseinanderzusetzten: Was bedeutet nachhaltig, wann ist etwas nachhaltig und wie kann ich persönlich nachhaltig werden.

Konkretes Beispiel: das Projekt „Fairafric“ eines Start-ups aus München. Es kauft nicht nur die Kakaobohnen, sondern betreibt die Schokoladenfabrik direkt in Ghana. So geschieht die Wertschöpfung vor Ort. „Und die Schokolade war unglaublich lecker. Ein schöner Abendausklang“, freut sich Jugendreferent Rainer Steinbrecher vom Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, der den Kurs vorbereitet und geleitet hat.

Der Samstag stand ganz unter dem Thema „nachhaltiges Kochen“. Unter der Regie von Küchenleitung Melanie Kümpel bereiteten einige Jugendliche das Mittagessen mit saisonalen Produkten aus der Region zu: Kürbisgnocchi an Spinatsauce mit Kartoffeln. „Echt lecker kann man nur sagen“, so Steinbrecher.

Upcycling

Weil aber nicht alle Platz in der Küche hatten, bekam der Rest der Gruppe einen gemeinsamem Warenkorb, um für den Abend Leckereien zuzubereiten: Selbstgemachte Apfelchips vom Äpfeln, frisch geerntet vom JuBi-eigenen Apfelbaum, Pizzaröllchen mit Birne und Apfel, Tomaten-Käse-Stangen und einiges mehr. „Es war schon spannend, was sich alles aus den Zutaten, die eigentlich Reste waren, machen ließ.“ Nachmittags ging es dann weiter mit Upcycling. So entstand das erste Palettenmöbel für Merzbach, eine Bank für draußen.

Am Sonntag ging der Blick in die Zukunft. Die Jugendlichen haben viel gelernt, aber wie kann man das weiter in den Kirchengemeinden umsetzen? Da kam das „Faire Jugendhaus“ ins Spiel. Das ist eine Jugendeinrichtung, die auf den fairen Handel aufmerksam macht und selbst Produkte aus fairem Handel nutzt oder verkauft. Das „Faire Jugendhaus“ ist eine Kampagne der Evangelischen Jugend im Rheinland und zeichnet solche Einrichtungen aus. Steinbrecher: „Vielleicht schafft es ja demnächst eine Gemeinde in unserem Kirchenkreis, eine solche Auszeichnung zu bekommen.“ Auf jeden Fall könne demnächst nachhaltige Schokolade über das Jugendreferat erworben werden. „Sehr lecker mit gutem Gewissen.“

Nachhaltig im Alltag

Bildnachweis: Collage: Titelbild: © Haus der Familie; StockSnap, Pixabay; artistlike, Pixabay

Einen ganzen Tag können sich Familien mit Kindern dem Thema Nachhaltigkeit im Alltag widmen. Dabei geht es am 26. und 27. September im Haus der Familie in Bad Godesberg weniger darum, auf Dinge zu verzichten, sondern sie stattdessen anders als gewohnt zu machen: Wie können wir Nachhaltigkeit in den Familienalltag integrieren können, ohne dass dies mit großem zusätzlichem Zeit- oder Organisationsaufwand verbunden ist.

Am Samstag können in verschiedenen Workshops Familien mit Kindern ab fünf Jahren vieles gleich praktisch ausprobieren: Wie kann man im Alltag Plastikmüll vermeiden oder auf nachhaltige Weise wiederverwerten? Wie lassen sich aus aussortierten Kleidungsstücken neue Unikate herstellen? Außerdem erzählt eine Mutter, wie Lebensmittelretten funktioniert und wie man gerettete Lebensmittel im Familienalltag einsetzen und verbrauchen kann.

Gemeinsam bereiten die Teilnehmednen mit geretteten Lebensmitteln einen Imbiss für alle vor. Am Sonntag präsentiert das „Gorilla Ernährungstheater“aus Köln ein interaktives, spannendes und lustiges Theaterstück. Familien mit Kindern im Kindergartenalter sind dabei eingeladen, etwas über die Herkunft und Zubereitung unseres Essens zu lernen und am Ende gemeinsam eine Gemüsesuppe zu löffeln.

Das Angebot wird von der Evangelischen Akademie im Rheinland, Bonn, in Kooperation mit dem Haus der Familie in Trägerschaft der Evangelischen Thomas-Kirchengemeinde Bonn Bad-Godesberg organisiert.

Zeiten:
Samstag, 26.09.2020 / 10:00 – 17:00 Uhr
Familien mit Kindern ab 5 Jahren
Sonntag, 27.09.2020 / 11:00 – 13:00 Uhr
Familien mit Kindern im Grundschulalter

Mehr Infos und Anmeldung gibt es bei der Akademie.

„ÖkofairEKIRche“

Nachhaltig agieren: (hintere Reihe v.l.) Janine Dietsch (GMÖ Niederrhein), Helmut Müller (GMÖ Köln Bonn), Klimaschutzmanagerin Dr. Konstanze Ameskamp, Kirsten Troost-Ashour (Landeskirchenamt, EKiR) sowie Klimaschutzbeauftragter Robert Schlief (vorn v. l.) und Claudio Gnypek (GMÖ Westliches Ruhrgebiet).

Die Schöpfung bewahren und Menschenrechte beachten – im Blick auf Einkäufe von Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und kirchlichen Einrichtungen. Darum geht es beim Projekt „ökofairEKIRche“, das nun bei einem Fachseminar in Altenkirchen gestartet wurde. Ein Name, der zusammenbringt, was das Ziel ist: eine ökofaire Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR). Die Initiative kommt vom Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ), dem Nachhaltigkeitsmanagement im Landeskirchenamt der EKiR und der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen.

Den Hintergrund der Initiative bildet die öffentliche Diskussion um einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebenswandel. Das betrifft die menschliche Beziehung zur Natur, Produktionsbedingungen, die Energieerzeugung und das Konsumverhalten. Die beiden Klimaschutzmanager der Landeskirche, angesiedelt in der Landjugendakademie in Altenkirchen, erklären unisono: „Um diesen Lebenswandel zu erreichen, ist es nötig umzusteuern.“

Von dem Fachseminar in Altenkirchen gingen dazu zahlreiche praktische Anleitungen und Tipps für Gemeinden und Kommunen, Kirchenkreise und Initiativen der EKiR aus. Hingewiesen wurde unter anderem auf das kirchliche Einkaufsportal „wir kaufen anders“. Rund dreißig Teilnehmende waren in Altenkirchen zusammen, darunter Verwaltungsmitarbeitende, Küster, Pfarrer, Erzieher, Presbyteriumsmitglieder und Jugendmitarbeiter.

Deutlich wurde auch, dass die gesamte kirchliche Kaufkraft durch bewusste Kaufentscheidungen den Klimaschutz stärken und faire Arbeitsbedingungen unterstützen kann. Ganz konkret bei der Beschaffung von Lebensmitteln, insbesondere Kaffee, außerdem beim Einkauf von Büromaterialien, Reinigungsmitteln und bei der Mobilität könne Kirche noch besser werden.

Kirsten Troost-Ashour (Landeskirchenamt) gab in Altenkirchen Tipps zum Handling der kirchlichen Einkaufsplattform „Wir kaufen anders“ mit Produkten, die komplett öko-fair produziert wurden. Das erspart im Alltag von Gemeindebüro oder Kindergarten die mühsame eigene Suche. Claudio Gnypek (GMÖ Westliches Ruhrgebiet) stellte einzelne kirchliche und kooperative Klima-Schutzaktionen sowie die Initiative für ein „Lieferketten-Gesetz“ vor.

Seminar zu nachhaltigem und fairem Jugendhaus

Birnen aus Neuseeland und Erdbeeren im Winter – lecker! Apfel mit Druckstelle und Joghurt über dem Mindesthaltbarkeitsdatum – ab in die Mülltonne! Neues T-Shirt, super Schnäppchen! Wirklich? Soll das so bleiben? Was gibt es für Alternativen? Ein Wochenendseminar von Freitag, 30. August bis Sonntag, 1. September gibt Antworten und regt zum Umdenken an. Die Veranstaltung in der Ev. Landjugendakademie Altenkirchen, Dieperzvergweg 13-17, führt in die Themen “Nachhaltigkeit“ und “Fairer Handel“ ein und stellt Lösungswege vor.

In zwei Fokus-Workshops werden zwei Themen unter die Lupe genommen, die für die Jugendarbeit besonders relevant sind. Fragen, Anregungen und Ideen sind herzlich willkommen!

Das Seminar ist geeignet für alle Haupt- und Ehrenamtlichen, die ihre kirchliche Jugendarbeit nachhaltiger gestalten wollen. Teams, die sich durch den Konsum von fairen Produkten, Bildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit für Fairen Handel einsetzen, können das Zertifikat “Faires Jugendhaus“ erhalten. Das Seminar ist ein guter Einstieg in den Zertifizierungsprozess.

Die Teilnahme am Seminar kann zur Verlängerung der Juleica angerechnet werden.

Die Kosten betragen ab 30 Euro. Die Anmeldung ist ab sofort hier möglich.

Nähere Infos sind folgendem PDF sowie dem Fachtags Flyer zu entnehmen.

 

ekasur/17.07.2019