„Wir weigern uns, Feinde zu sein“

Bäume pflanzen: Immer wieder engagieren sich Ehrenamtliche in sogenannten Workcamps. Foto: tentofnations.com

Im Gottesdienst der Immanuelkirche Bonn-Heiderhof predigte am Sonntag, 14. September 2025, Daoud Nassar, Gründer des Projekts „Tent of Nations“ bei Bethlehem. Der palästinensische Christ ist international bekannt für sein Engagement für Frieden und Gewaltfreiheit und besuchte nun die Bundesrepublik, um über die Situation in seiner Heimat zu berichten. Die Predigt gestaltete Nassar gemeinsam mit Christian […]

Im Gottesdienst der Immanuelkirche Bonn-Heiderhof predigte am Sonntag, 14. September 2025, Daoud Nassar, Gründer des Projekts „Tent of Nations“ bei Bethlehem. Der palästinensische Christ ist international bekannt für sein Engagement für Frieden und Gewaltfreiheit und besuchte nun die Bundesrepublik, um über die Situation in seiner Heimat zu berichten.

Die Predigt gestaltete Nassar gemeinsam mit Christian Kercher als Dialog über die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ausgangspunkt war die Frage: „Was bedeutet es heute, von Jerusalem nach Jericho zu reisen?“ Nassar schilderte, dass diese Wegstrecke heute (ähnlich gefährlich ist wie zu Jesu Zeiten und) von Checkpoints, willkürlichen Straßensperren und massiven Einschränkungen für Palästinenser geprägt sei. Zugleich erinnerte er an Zeichen von Mut, Mitmenschlichkeit und an die Kraft, sich nicht zum Hass treiben zu lassen.

Daoud Nassar (rechts) und Christian Kercher im Gottesdienst. Foto: AK Palästina-Israel

Bekannt geworden ist Nassars Familie durch ihr Friedensprojekt „Tent of Nations“. Der Hof südlich von Bethlehem befindet sich seit über 100 Jahren im Familienbesitz, aber trotz Vorlage aller erforderlichen Dokumente stellt Israel den rechtmäßigen Besitz infrage und überzieht die Familie mit einem Prozess nach dem anderen. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der Hof ein Ort der Begegnung für internationale Gäste, Freiwillige und Gruppen aus aller Welt. Unter dem Motto „We refuse to be enemies – Wir weigern uns, Feinde zu sein“ setzt die Familie auf gewaltfreien Widerstand, auf Baumpflanzungen, Bildungsarbeit und gemeinsames Leben (auf dem Hof).

Foto: tentofnations.com

Die Herausforderungen sind enorm: Das Land ist von fünf israelischen Siedlungen umgeben, immer wieder kommt es zu Angriffen und Zerstörungen. Dennoch hält die Familie an ihrem Weg fest, Brücken zu bauen und Verständigung zu fördern.

In einer Gesprächsrunde im Anschluss an den Gottesdienst betonte Nassar, dass seine Reise auch eine politische Dimension hat. In dieser Woche führt er Gespräche mit Abgeordneten und Regierungsvertretern in Berlin. Dabei geht es sowohl um die seit Jahrzehnten andauernde juristische Auseinandersetzung um das Land der Familie als auch um die dramatische Lage im Nahen Osten.

Besonders eindringlich war Nassars Appell, dass der Krieg im Gazastreifen beendet werden müsse und die zunehmenden Übergriffe auf Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland nicht länger hingenommen werden dürften. „Frieden entsteht nur dort, wo Menschen einander begegnen und die Menschlichkeit über Grenzen hinweg erkennen“, so Nassar.

Die Begegnung in der Immanuelkirche Bonn-Heiderhof machte deutlich, dass die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter nichts an Aktualität verloren hat – und dass der Einsatz für Gerechtigkeit und Versöhnung gerade heute gebraucht wird.

Mehr über das Projekt „Tent of Nations“: tentofnations.com

Thomas Kemper, AK Palästina-Israel der Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg