Wir sind Juden aus Breslau

Breslau 1938, jüdische Klasse. Foto: Karin Kaper Film GbR

Mehrfach prämierter Kinodokumentarfilm läuft am 20. November in Euskirchen: Ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitistische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit
den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Anita Lasker Wallfisch, eine wichtige Protagonistin, hielt im letzten Jahr im Deutschen Bundestag
die Rede bei der Holocaust-Gedenkfeier und wurde gerade mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt.
In diesem Jahr ist der 81. Jahrestag der Pogromnacht. Das Kapitel „Pogromnacht“ spielt in ihren Erinnerungen eine elementare Rolle.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Eine Rolle im Film spielt auch der Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinde in Wrocław. Diese Einbindung macht die Fallhöhe deutlich, der Kontrast zum Vergangenen, zum unwiderruflich Verlorenen, wird schmerzhaft größer und deutet doch die Möglichkeit eines zarten Neubeginns an.

Die Film-Sondervorführung beginnt am Mittwoch, 20. November 2019, um 17.30 Uhr, in Euskirchen im Cineplex.
Es gibt eine Einführung durch den Regisseur Dirk Szuszies und ein anschließendes Filmgespräch.
Außerdem findet am Donnerstag, 21. November, um 10 Uhr, eine zusätzliche Schulvorführung statt.
www.judenausbreslaufilm.de
EB

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 14. November 2019