Unterwegs zur Klimaneutralität
Zwei Pumpen, zwei Ehrenamtliche: Thomas Arend und Bernd Schlösser setzen in Rheinbach auf Nachhaltigkeit. Foto: Anna Clausnitzer
Wenn ein Mitglied der Pfarrfamilie häufiger zum „Einsatz“ in den Heizungskeller des Pfarrhauses muss, stimmt etwas nicht. Dort standen vier Heizkessel. Deren elektronische Steuerung funktionierte schon seit längerem nicht mehr zuverlässig. Regelmäßig musste jemand manuell eingreifen. Dies konnte keine Dauerlösung sein.
Zumal die bisherigen Gas-Heizungsanlagen schon seit mehr als 30 Jahren für Wärme sorgten. Im Pfarrhaus, in der Kindertagesstätte (Kita) und dem Jugendzentrum, dem Gebäudeensemble der Kirchengemeinde Rheinbach in der Schumannstraße.
Seit letztem Sommer sorgen jeweils zwei Wärmepumpen im Pfarrhaus und der Kita für die Heizung. „Die Gemeinde hat damit einen großen Schritt hin zur Klimaneutralität gemacht“, freut sich Presbyter Thomas Arend.

Der Weg dahin war nicht ganz einfach. Thomas Arend und Bernd Schlösser, der Vorsitzender des Bauausschusses ist, investierten viel Zeit. „Wir mussten uns erst mal schlau machen“, berichtet Arend. Seit Ende 2023 berieten der Bauausschuss und das Presbyterium intensiv. Es folgten zahlreiche Besprechungen mit einer Energieberatung und einer Sanitärfirma.
Ein wesentlicher Knackpunkt war die Bestimmung der Anzahl der Wärmepumpen und ihre Dimensionierung. Auf Basis der Gasverbräuche der vergangenen Jahre und einer Heizlastberechnung der Sanitärfirma entschied sich die Kirchengemeinde in Abstimmung mit der Firma für jeweils zwei Wärmepumpen mit je 19 Kilowatt Leistung. Ein Angebot für ein Wärme-Contracting wurde geprüft und verworfen. „Wir stehen besser da, wenn wir die Anlagen selbst betreiben“, sagt Presbyter Arend.
Seitens der Energieberatung empfohlene Maßnahmen, wie neue Heizkörper und die Dämmung der Außenwände, wurden nicht umgesetzt. Sie hätten weitere erhebliche Investitionsaufwendungen zur Folge gehabt.
Mittlerweile ist der Winter vorbei. „Auch bei Minusgraden wird es in allen Räumen warm“, berichtet Schlösser. Er schätzt, dass die Verbrauchskosten um circa 25 Prozent niedriger sein werden.
Zusätzlich arbeitet seit Januar 2025 auf dem Dach des Pfarrhauses eine Solaranlage. Der Photovoltaik-Strom steht für die Aufheizung der Pufferspeicher für die Heizung und das Warmwasser zur Verfügung.
Die Gemeinde hat für die beiden Heizungsanlagen im Pfarrhaus und in der Kita jeweils rund 90.000 Euro investiert. Davon wird die KfW-Bank insgesamt etwa ein Drittel im Rahmen ihrer Förderung übernehmen.
Thomas Arends Tipp ist, sich einen kompetenten Heizungsbetrieb zu suchen. Er sollte zum einen über die notwendigen Erfahrungen bezüglich der Installation von Wärmepumpenheizungen verfügen und zum anderen ihre Dimensionierung richtig einschätzen können. Denn: „Die Heizlastberechnung ist eine entscheidende Größe.“
Für Thomas Arend und Bernd Schlösser ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Klimaneutralität ist ein sehr wichtiges Thema in unserer Gesellschaft“, so Arend. Schlösser ergänzt: „Es zeigt sich, dass die Wärmepumpentechnik mittlerweile auch für ungedämmte Bestandsbauten geeignet ist und auch ohne weitere Maßnahmen umgesetzt werden kann.“
Auch auf dem Dach des Gemeindezentrums hat die Ev. Kirchengemeinde Ende des Jahres 2024 eine Photovoltaik-Anlage installiert, die einen hohen Anteil des Strombedarfs abdeckt.
Dem schließen sich hoffentlich viele an. Die Rheinische Landeskirche will ab 2035 nur noch Gebäude betreiben, die netto treibhausgasneutral sind. Ein wichtiges Zeichen zur Bewahrung der Schöpfung.
Uta Garbisch