Online-Gottesdienst aus Euskirchen

Aus der evangelischen Kirche in Euskirchen kann bis September nicht live gestreamt werden. Nach der Flutkatastrophe liegt die Internetverbindung lahm. Doch die Gottesdienste werden aufgezeichnet und später bei YouTube hochgeladen. Foto: Screenshot YouTube-Kanal KG Euskirchen

Die Evangelische Kirchengemeinde Euskirchen überträgt seit mehr als einem Jahr ihre Gottesdienste regelmäßig im Livestream. Nach der Unwetterkatastrophe, von der auch die Stadt Euskirchen stark betroffen ist, funktioniert die Liveübertragung nicht mehr wie gehabt. In der Straße, an der die Kirche steht, gibt es bis September weder Internet noch Festnetz, und auch das Mobilfunknetz ist eingeschränkt. Dennoch gibt es weiterhin ein Online-Angebot: Die Gottesdienste werden nun aufgezeichnet und an einem anderen Ort mit stabilem Internet auf den YouTube-Kanal der Gemeinde hochgeladen. Der Gottesdienst von Sonntag, 1. August, wird im Laufe des Nachmittags hier auf ekir.de verfügbar sein.

>> Hier geht’s zum YouTube-Kanal der Kirchengemeinde Euskirchen

Im Gottesdienst wird es um das Thema Hilfsbereitschaft untereinander gehen, die nach wie vor groß sei, sagt Pfarrer Gregor Weichsel. „Ich werde auch anklingen lassen, wie viele Menschen dem Tod knapp entgangen sind, weil andere den rettenden Arm ausgestreckt haben. Denn neben die Fassungslosigkeit darüber, dass eine Flut in Euskirchen zu Todesfällen führte, tritt die Erkenntnis: Noch viel mehr Menschen sind dem Tod entronnen, haben schwere Gefahr überstanden. Und dies wird uns als Gemeinde, als Dorfgemeinschaften und Gesellschaft dieser Stadt noch lange beschäftigen.“ Der Predigttext steht in Prediger 4,9-12.

Strom fürs Handy, warmes Essen – die Kirchengemeinde leistete schnell Hilfe

Die Kirchengemeinde Euskirchen ist selbst mit ihren Gebäuden nicht von Flutschäden betroffen. In der Stadt hat aber neben den Fluten der Erft vor allem der Veybach große Schäden angerichtet. Die Innenstadt ist weitgehend zerstört, nahezu alle Geschäfte sind geschlossen und werden erst in Wochen wieder öffnen können. Auch in den Dörfern entlang der Erft und des Veybachs gibt es erhebliche Schäden und bedrohte Existenzen. „Als Gemeinde hatten wir als einer der wenigen Orte mit Strom die Möglichkeit zum Aufladen von Handys angeboten,“ sagt Pfarrer Weichsel. „Parallel zum Laden gab es Kaffee, in der Offenen Kirche Raum für Stille und Gebet und immer auch ein Team für ein Gespräch.“  Von den Mitarbeitenden der SuppenKirche seien täglich mehr als 200 Portionen einer warmen Mahlzeit zubereitet und in die besonders betroffenen Stadtteile gefahren worden. Dort sei teilweise auch jetzt noch kein Strom vorhanden und die Aufräumarbeiten liefen immer noch.

Online mitfeiern und von Herzen geben

In den rheinischen Gemeinden legen am Sonntag, 1. August, die Presbyterien der Gemeinden jeweils den Kollektenzweck fest . Stellvertretend dafür steht ein Projekt der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), bei dem Jugendliche in Afrika und Asien in kirchlichen Fachschulen und Ausbildungswerkstätten berufliche Qualifikationen erwerben. Hier können Sie sich an der Kollekte beteiligen.

Neben der Kollekte können Sie  hier auch weiterhin online für die Opfer der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz spenden.

Text: ekir.de

Erschüttert und hoffend

Foto: Erlöser-Kirchengemeinde

Viele Menschen sind gestorben, andere werden immer noch vermisst. Andere haben alles verloren. Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Die Unwetterkatastrophe erschüttert uns alle. 

Wir beten für alle, die Opfer der Fluten geworden sind. Wir danken allen, die sofort geholfen haben und weiterhin helfen. Diese große Solidarität gibt Hoffnung und ist unbedingt nötig. 

Als Kirchenkreis werden wir unsere Kirchengemeinden bitten, die Kollekte des kommenden Sonntags für die Opfer des Unwetters umzuwidmen. Außerdem werden wir als Kirchenkreis einen Härtefonds einrichten, um betroffenen Menschen und unseren Gemeinden finanzielle Hilfen zur Verfügung zu stellen. Weitere praktische Hilfen werden vorbereitet.

Von einigen Kirchengemeinden im Kirchenkreis haben wir noch nichts gehört, was hoffentlich nur an technischen Schwierigkeiten liegt: kein Strom, kein Internet.

Und eines wird deutlich: Wir werden uns noch stärker für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen müssen. Diese Katastrophe ist ein unmissverständlicher Hinweis auf den Klimawandel, den wir nicht tatenlos hinnehmen dürfen.

Superintendent und Pfarrer Mathias Mölleken