Presbyteriumswahl 2020

"Gemeindeauflauf" heißt es am 1. März in Zülpich. Foto: Uta Garbisch

In allen evangelischen Kirchengemeinden in Bad Godesberg und der Voreifel werden jetzt die Presbyterien neu bestimmt. Das Presbyterium ist in der evangelischen Kirche das wichtigste Entscheidungsgremium der Kirche.

Es setzt sich zusammen aus Ehrenamtlichen, den Pfarrerinnen und Pfarrern als geborenen Mitgliedern sowie je nach Anzahl der Angestellten zumeist ein oder zwei Mitarbeiterpresbyterinnen und -prebytern. Je nach Gemeindegröße liegt die Zahl der Mitglieder im Kirchenvorstand zwischen acht und 16 Frauen und Männern. Das Presbyterium entscheidet über alle wichtigen Fragen von der Wahl der Pfarrerin, des Pfarrers über den Kindergarten, die Jugendarbeit, Kirchenmusik bis zu den wichtigen Aufgaben der Diakonie und entsendet Mitglieder in die Kreissynode. Wichtig dabei: Ehrenamtliche und Hauptamtliche, nicht die Pfarrerin oder der Pfarrer, leiten – ein evangelischer Grundsatz – gemeinsam und gleichberechtigt.

Wahlsonntag, 1. März

Das Presbyterium ist auf vier Jahre gewählt. In Gemeinden, die nur so viele Kandidaten und Kandidatinnen wie Plätze haben, gelten diese dann nach Zustimmung durch den Kreissynodalvorstand (KSV) des Kirchenkreises als gewählt. Wo es mehr Kandidatinnen und Kandidaten gibt, ist die ganze Gemeinde am Sonntag, 1. März 2020, zur Wahl gerufen. Das ist im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel in sieben von zwölf Gemeinden der Fall: Euskirchen, Johannes- und Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg, Swisttal, Wachtberg, Bad Münstereifel und Zülpich. In Rheinbach sind allein die beruflich Mitarbeitenden zu wählen. Insgesamt bewerben sich 155 Kandidatinnen und Kandidaten für die insgesamt 140 zu besetzenden Plätze. Keine Stelle bleibt vakant, so dass die Arbeitsfähigkeit der Presbyterien gewährleistet ist.

Ideen für lebendige Kirche teilen

Mottoplakat der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Presbyteriumswahl 2020

„Presbyteriumswahlen sind immer ein wichtiges Ereignis für Kirchengemeinden“, erklärt Superintendent Mathias Mölleken. „Das ist ein Ehrenamt, das bewusst die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen aus familiären und beruflichen Bezügen, aus nachbarschaftlichen Netzwerken oder Vereinen einbezieht und vor allem auch braucht. Wir sind dankbar, dass alle in unseren Kirchengemeinden zur Verfügung stehenden Plätze besetzt werden können, auch wenn nicht überall eine (Aus-)Wahl stattfindet.

Die Evangelische Kirche ist eine Beteiligungskirche mit dem Anspruch, kirchliches Leben entsprechend vielfältig zu gestalten. Auch ein Presbyterium soll die Vielfalt der Mitglieder unserer Kirche spiegeln. Daher freuen wir uns über jeden und jede Kandidatin, der und die bereit ist ihre Zeit und Kraft, ihren Glauben und Ideen im Interesse einer lebendigen Kirche zu teilen und einzubringen.“

Kanzelrede, Gemeindeauflauf und Suppenkirche: Viel Programm rund um die Wahl

Drei Wahlbüros öffnet die Kirchengemeinde Wachtberg: An der Gnadenkirche in Pech, Am Langenacker 12, im Haus Helvetia in Berkum, Schulstraße 2, und im Gemeindehaus Niederbachem, Bondorfer Straße 18. Alle haben bis 17 Uhr geöffnet. Außerdem gibt es Kaffee und Kuchen sowie am Nachmittag ein kleines musikalisches Programm. Ab 18 Uhr tagt das Presbyterium im Gemeindehaus Niederbachem öffentlich, um das Wahlergebnis festzustellen.

In Rheinbach ist das Wahllokal an der Gnadenkirche, Ramershovener Straße 6, von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Bürgermeister Stefan Raetz hält im Gottesdienst (10 Uhr) die Kanzelrede. Danach gibt es Lieder zum Zuhören und Mitsingen mit den Churchillers, einen Langschläfergottesdienst (14 Uhr) und eine Kleidertauschbörse. Für ein Mittagessen wird gesorgt (12.30 bis 13.30 Uhr). Kinder können am Nachmittag Geschichten hören, basteln und spielen.

Die drei Wahllokale in Swisttal sind jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet: Dietrich-Bonhoeffer-Haus Odendorf, Bendenweg, Melanchthonhaus Buschhoven, Vogtstraße und Maria-Magdalena-Kirche Heimerzheim, Sebastianusweg 5-7.

Ein Suppensonntag begleitet die Presbyteriumswahl in Bad Münstereifel. Im Anschluss an den Gottesdienst in der Langenhecke 33 (10 Uhr) sind leckere Suppen, Kaffee und Kuchen im Angebot. Gewählt werden kann bis 18 Uhr. Zusätzlich öffnet das Gemeindehaus in Arloff, Blumenweg 17, um 9 Uhr mit einer Andacht. Im Anschluss ist das dortige Wahlbüro bis 10.30 Uhr geöffnet.

„Gemeindeauflauf“ heißt das Motto am Wahltag in Zülpich. Nach dem Gottesdienst (10 Uhr) in der Christuskirche, Frankengraben 41, ist das Wahllokal von 11 bis 17 Uhr geöffnet, und die Gemeindemitglieder können „auflaufen“. Passend dazu wird ein gemeinsames Mittagessen (12 Uhr) mit leckeren Aufläufen angeboten.

Nach dem Gottesdienst (10 Uhr) öffnet das Euskirchener Wahllokal im Großen Gemeindesaal, Kölner Straße 41. Für ein leckeres Mittagessen (11.30 – 14 Uhr) zum kleinen Preis sorgen Michael Bork und sein Team. Auf den Tisch kommt ein Gericht aus dem „Brot für die Welt“-Partnerland Vietnam. Um 12 Uhr beginnt ein Familiengottesdienst, in dem der Kinderchor singt. Ab 16 Uhr gibt die Gospel Company ein Konzert. Um 18 Uhr beginnt die öffentliche Auszählung der Stimmen mit Bekanntgabe des Ergebnisses.

In der Johannes-Kirchengemeinde Bad Godesberg öffnen ebenfalls drei Wahllokale: Matthias-Claudius-Gemeindehaus, Zanderstraße 51, der Kirchenladen im Einkaufszentrum Heiderhof, Akazienweg, und in der Rigal’schen Kapelle, Kurfürstenallee 11. Überall kann nach den Gottesdiensten zwischen 11.30 und 18 Uhr gewählt werden. Im Anschluss folgt die öffentliche Auszählung der Stimmen im Matthias-Claudius-Gemeindehaus und Bekanntgabe durch das Presbyterium.

Die Wahllokale der Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg sind von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet: Gemeindezentrum Christuskirche, Wurzerstraße 31, und Pauluskirche, In der Maar 7. Dort gibt es Kleinigkeiten zu essen und zum Teil Musik.

Weitere Infos: presbyteriumswahl.de

„Gemeinde mit mir – Presbyteriumswahl 2020“

Alles hat seine Zeit: Gisela Berning aus Zülpich ist seit 45 Jahren Presbyterin. Jetzt zieht sie sich zurück. Foto: privat

In gut einem halben Jahr ist es wieder soweit: Am 1. März 2020 wird in den evangelischen Kirchengemeinden das wichtigste Entscheidungsgremium gewählt: das Presbyterium. Wahlberechtigt sind alle evangelischen Christinnen und Christen, die 16 Jahre alt sind oder schon konfirmiert wurden. Etwa 45.000 Protestanten und Protestantinnen werden im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel an die Wahlurnen gerufen. Die Zahl der Presbyterinnen und Presbyter variiert je nach Größe der Gemeinde: vier Mitglieder sind Pflicht, in großen Gemeinden wie der Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg sind 16 Stellen in dem Gremium zu besetzen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl müssen bis September 2019 feststehen. Daher veröffentlichen wir hier in lockerer Reihe Infos und Einschätzungen von Menschen, die dieses wichtige Ehrenamt bereits einmal inne haben oder hatten. Vielleicht haben Sie ja Interesse, selbst zu kandidieren? Oder Sie wollen sich erst einmal informieren? Alle Presbyterinnen und Presbyter sind, ebenso wie Pfarrerinnen und Pfarrer, dafür ansprechbar.

Hier berichtet Gisela Berning, Presbyterin und stellvertretende Vorsitzende der Christus-Kirchengemeinde Zülpich:

„Mitgestalten, mitarbeiten, Gemeinde aufbauen“

Als vor circa 45 Jahren unser damaliger Pfarrer, Dr. Gottfried Beck, uns besuchte und mich fragte, ob ich denn Lust hätte, ins Presbyterium zu kommen, habe ich nach Rücksprache mit meinem Mann zugesagt. Mich reizte die Aufgabe, obwohl ich bis dahin durch Studium, Heirat, Umzug von Düsseldorf nach Zülpich relativ wenig Mitarbeit in einer Kirchengemeinde vorweisen konnte.

Ich war von diesem Zeitpunkt  an ununterbrochen trotz Berufstätigkeit als Berufsschullehrerin, drei Kindern und großem Haushalt, Pflege von Schwiegereltern und Eltern im Presbyterium. Man kann also sehen, dass ich die Arbeit für die Gemeinde  gerne gemacht habe und zwar mit viel Freude und Liebe.

Konstruktives Arbeiten

Und was genau hat mir Freude gemacht? Als erstes möchte ich die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Pfarrern und den übrigen Presbyteriums-Mitgliedern nennen. Ich habe nur konstruktives Arbeiten – auch bei verschiedenen Meinungen – erlebt.

Seit damals war ich stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. Das Presbyterium ist das Leitungsorgan einer jeden evangelischen Gemeinde und hat also auch bei so wichtigen Entscheidungen Bestimmungsrecht. Und genau das machte mir immer Freude: Mitgestalten, Mitarbeiten, Zusammenhalten, Gemeinde Aufbauen.

Wir wollen eine einladende Gemeinde sein. Dazu gehört insbesondere auch das äußere Erscheinungsbild unserer Gemeinde. Es war mir immer wichtig, dass sich die Menschen angesprochen und wohl bei uns fühlen. Dazu gehören so praktische Sachen wie ein schöner Kirchenraum, ein ansprechendes und praktisches Gemeindezentrum, eine gute Küche, die funktional und schön eingerichtet ist, der Gemeindegarten mit „Grillhütte“, der Kirchenvorplatz, auch die Erneuerung des Daches und des Büros. Mitarbeiter, Gemeindeglieder und Gäste sollen sich bei uns zu Hause und wohl fühlen.

Fähigkeiten und Vorlieben einbringen

Eine weitere Liebe von mir innerhalb der Aufgaben des Presbyteriums war das Diakonische Werk (DW) Euskirchen. Ich war neben dem Pfarrer immer Delegierte für unsere Gemeinde im Kuratorium des DWs. Anfänglich war es sehr klein, bestand aus ein paar Gemeindeschwestern der Kirchengemeinde Euskirchen. Heute ist das DW ein großes Werk mit vielen Aufgaben und Angestellten.

Diese vielen unterschiedlichen  Aufgaben im Presbyterium haben mich immer gereizt und mit Freude erfüllt. Jeder kann und soll sich nach seinen Fähigkeiten und Vorlieben einbringen. In allen Presbyteriums-Zusammensetzungen haben wir miteinander gebetet, geredet, geweint, gearbeitet, Feste vorbereitet, gefeiert (wichtig!), gesungen, überlegt, entschieden, geputzt, beraten, finanziert, kurz: alles gemacht, was man in einer großen Familie idealerweise zusammen macht.

Für mich persönlich heißt es jetzt: alles hat seine Zeit und meine Zeit ist der Rückzug vom Presbyterium – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.