„Gemeinde mit mir – Presbyteriumswahl 2020“

Alles hat seine Zeit: Gisela Berning aus Zülpich ist seit 45 Jahren Presbyterin. Jetzt zieht sie sich zurück. Foto: privat

In gut einem halben Jahr ist es wieder soweit: Am 1. März 2020 wird in den evangelischen Kirchengemeinden das wichtigste Entscheidungsgremium gewählt: das Presbyterium. Wahlberechtigt sind alle evangelischen Christinnen und Christen, die 16 Jahre alt sind oder schon konfirmiert wurden. Etwa 45.000 Protestanten und Protestantinnen werden im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel an die Wahlurnen gerufen. Die Zahl der Presbyterinnen und Presbyter variiert je nach Größe der Gemeinde: vier Mitglieder sind Pflicht, in großen Gemeinden wie der Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg sind 16 Stellen in dem Gremium zu besetzen.

Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl müssen bis September 2019 feststehen. Daher veröffentlichen wir hier in lockerer Reihe Infos und Einschätzungen von Menschen, die dieses wichtige Ehrenamt bereits einmal inne haben oder hatten. Vielleicht haben Sie ja Interesse, selbst zu kandidieren? Oder Sie wollen sich erst einmal informieren? Alle Presbyterinnen und Presbyter sind, ebenso wie Pfarrerinnen und Pfarrer, dafür ansprechbar.

Hier berichtet Gisela Berning, Presbyterin und stellvertretende Vorsitzende der Christus-Kirchengemeinde Zülpich:

„Mitgestalten, mitarbeiten, Gemeinde aufbauen“

Als vor circa 45 Jahren unser damaliger Pfarrer, Dr. Gottfried Beck, uns besuchte und mich fragte, ob ich denn Lust hätte, ins Presbyterium zu kommen, habe ich nach Rücksprache mit meinem Mann zugesagt. Mich reizte die Aufgabe, obwohl ich bis dahin durch Studium, Heirat, Umzug von Düsseldorf nach Zülpich relativ wenig Mitarbeit in einer Kirchengemeinde vorweisen konnte.

Ich war von diesem Zeitpunkt  an ununterbrochen trotz Berufstätigkeit als Berufsschullehrerin, drei Kindern und großem Haushalt, Pflege von Schwiegereltern und Eltern im Presbyterium. Man kann also sehen, dass ich die Arbeit für die Gemeinde  gerne gemacht habe und zwar mit viel Freude und Liebe.

Konstruktives Arbeiten

Und was genau hat mir Freude gemacht? Als erstes möchte ich die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Pfarrern und den übrigen Presbyteriums-Mitgliedern nennen. Ich habe nur konstruktives Arbeiten – auch bei verschiedenen Meinungen – erlebt.

Seit damals war ich stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. Das Presbyterium ist das Leitungsorgan einer jeden evangelischen Gemeinde und hat also auch bei so wichtigen Entscheidungen Bestimmungsrecht. Und genau das machte mir immer Freude: Mitgestalten, Mitarbeiten, Zusammenhalten, Gemeinde Aufbauen.

Wir wollen eine einladende Gemeinde sein. Dazu gehört insbesondere auch das äußere Erscheinungsbild unserer Gemeinde. Es war mir immer wichtig, dass sich die Menschen angesprochen und wohl bei uns fühlen. Dazu gehören so praktische Sachen wie ein schöner Kirchenraum, ein ansprechendes und praktisches Gemeindezentrum, eine gute Küche, die funktional und schön eingerichtet ist, der Gemeindegarten mit „Grillhütte“, der Kirchenvorplatz, auch die Erneuerung des Daches und des Büros. Mitarbeiter, Gemeindeglieder und Gäste sollen sich bei uns zu Hause und wohl fühlen.

Fähigkeiten und Vorlieben einbringen

Eine weitere Liebe von mir innerhalb der Aufgaben des Presbyteriums war das Diakonische Werk (DW) Euskirchen. Ich war neben dem Pfarrer immer Delegierte für unsere Gemeinde im Kuratorium des DWs. Anfänglich war es sehr klein, bestand aus ein paar Gemeindeschwestern der Kirchengemeinde Euskirchen. Heute ist das DW ein großes Werk mit vielen Aufgaben und Angestellten.

Diese vielen unterschiedlichen  Aufgaben im Presbyterium haben mich immer gereizt und mit Freude erfüllt. Jeder kann und soll sich nach seinen Fähigkeiten und Vorlieben einbringen. In allen Presbyteriums-Zusammensetzungen haben wir miteinander gebetet, geredet, geweint, gearbeitet, Feste vorbereitet, gefeiert (wichtig!), gesungen, überlegt, entschieden, geputzt, beraten, finanziert, kurz: alles gemacht, was man in einer großen Familie idealerweise zusammen macht.

Für mich persönlich heißt es jetzt: alles hat seine Zeit und meine Zeit ist der Rückzug vom Presbyterium – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 27. August 2019