Eindrücke von der Landessynode 2022

Trafen sich "im Plenum" in der Friedenskirche: Die Landessynodalen Frank Bartholomeyczik, Knut Dahl-Ruddies, Mathias Mölleken und Melina Wolf (von links). Foto: Ingeborg Dahl

Die Landessynode bestimmt den Kurs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Vier Vertreterinnen und Vertreter sind aus dem Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel dabei: Frank Bartholomeyczik (Kirchengemeinde Meckenheim), Pfarrer Knut Dahl-Ruddies (JVA-Seelsorger in Euskirchen), Melina Wolf (Kirchengemeinde Wachtberg) und Superintendent Mathias Mölleken (Kirchengemeinde Meckenheim).

Hier ihre persönlichen Eindrücke:

Frank Bartholomeyczik:

Auch diesmal wieder nur eine digitale Synode, aber wenigstens haben wir Bad Godesberg-Voreifel-Synodale den Eröffnungsgottesdienst und die Plenarsitzungen zusammen in der Meckenheimer Christuskirche und Friedenskirche erlebt und mitverfolgt. So war doch wenigstens im kleinen Rahmen ein Austausch möglich. Viele Seelsorgebereiche wurden intensiv und gut mit digitaler Unterstützung präsentiert. Im Rahmen Klimaschutz wurde ein umfangreicher Beschluss – Finanzen und Engagement – zum Umbau aller Gebäude in der Rheinischen Landeskirche zur Treibhausgasneutralität bis 2035 getroffen. Auch politische Themen wie der Russland-Ukraine-Konflikt, Flüchtlingspolitik an den EU-Außengrenzen, Aufhebung des Patentschutzes beim Thema Impfgerechtigkeit sowie die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und Menschenrechte wurden diskutiert.

Am meisten beeindruckt hat mich der umfassende Bericht des Präses und das emotionale, aber nüchtern vorgetragene Schlusswort des dienstältesten Superintendenten. Aber auch die Diskussion um das Positionspapier E.K.I.R. 2030. Nicht alle können sich in unserem presbyterial-synodalen Prozess damit anfreunden, dass Leitung auch Leitung bedeutet.

Knut Dahl-Ruddies:

Nach der 74. nun auch die 75. Landessynode in einem ZOOM-Raum. Für den Präses „der aus der Kachel kam“ -so die Selbstbezeichnung von Thorsten Latzel- eine große Enttäuschung. Langsam könne man seine „echte“ Existenz anzweifeln, weil er im vergangenen Jahr meist nur digital vermittelt in Erscheinung trat. Gleichwohl nutze er das Format optimal. Einen Präsesbericht im TED-Talk-Format gab es bisher noch nicht. Da wird auch die Presse gestaunt haben: Kirchliches Handeln bedarf eines Perspektivwechsels. Nicht unsere Strukturen sind maßgeblich, sondern mit welchem Blick die Menschen, mit denen wir in Kontakt sind, auf die Kirche schauen. Dazu bedarf es eines umfassenden Kulturwandels. Zum „leichten Gepäck“, mit dem wir unterwegs sind, gehört notwendig die Einführung einer fehlerfreundlichen Ermöglichungskultur. Einige Fehler der Vergangenheit sollten sich aber nicht wiederholen: Schon in den 1990er Jahren wollte man den kirchlichen Stromverbrauch um 50 Prozent reduzieren. Das ist nicht gelungen. Nun heißt das ehrgeizige Ziel: Treibhausgas-Neutralität bis zum Jahr 2035.

Melina Wolf:

Nach der komplett digitalen Synode im letzten Jahr, hatte ich mir für 2022 etwas mehr Normalität im Ablauf erhofft. Obwohl die Synode erneut online stattfinden musste, war sie ganz anders als letztes Jahr. Nicht nur, dass es die erste Synode des neuen Präses Dr. Thorsten Latzel war – wir im Kirchenkreis haben diese Landessynode auch anders erlebt. Während im letzten Jahr jeder für sich an seinem Platz, vor seinem Bildschirm teilnehmen musste, konnten wir uns dieses Jahr in Meckenheim treffen, um die Plenarsitzungen gemeinsam zu erleben. Dies machte einen spontanen Austausch zu den Themen möglich.

Klimaschutz heißt für Christ:innen Schöpfung bewahren. Foto: Uta Garbisch

In der diesjährigen Landessynode war das Schwerpunktthema die Seelsorge. Hier wurden uns Synodalen viele verschiedene Bereiche der Seelsorge in der Ev. Kirche im Rheinland gezeigt und vorgestellt. Darüber hinaus haben mich besonders die Themen globaler Kilmaschutz und der Diversitäts-Atlas 2022 interessiert.

Insgesamt fand ich den Austausch anregend und habe mich gefreut, wieder mit den Synodalen des Kirchenkreises zusammenkommen zu können. Vielleicht können wir auf eine physische Landessynode 2023 hoffen.

Landessynode 2022: Eindrücke

Die Landessynodalen Melina Wolf (von rechts), Mathias Mölleken, Knut Dahl-Ruddies und Frank Bartholomeyczik. Foto: Ingeborg Dahl

Superintendent Mathias Mölleken schildert Eindrücke und Ergebnisse:

Digital, die zweite!

Auch die 75. Synode unserer rheinischen Landeskirche musste ausschließlich online stattfinden. Dabei wäre besonders zum Schwerpunktthema „Seelsorge“ der persönliche Austausch naheliegend gewesen. Doch Corona ließ nicht zu, dass sich über 200 Menschen über fünf Tage direkt begegnen. Aus der Not eine Tugend zu machen, hieß für die vier Godesberg-Voreifler Landessynodalen, dass wir uns zeitweise – natürlich coronagerecht – im Gemeindehaus in Meckenheim getroffen haben, um im Austausch an der Synode teilzunehmen.

Im kleinsten Kreis und doch zugleich live verbunden, haben wir Gottesdienst gefeiert und uns auf das große Handlungs- und Aufgabenfeld kirchlicher und gemeindlicher Seelsorge einstimmen zu lassen: Seelsorge ist „Muttersprache der Kirche“. Über alle Tage wurde über die vielfältige Arbeit eindrücklich berichtet. Es führte zu einer erneuten Vergewisserung der Seelsorgearbeit als wesentliche Kernaufgabe. Dies bestätigten vor allem auch die vielen Einsätze der Notfallseelsorge und anderer Dienste, die durch die Flutkatastrophe nötig, aber auch möglich wurden.

Besonders hat mich das sehr persönliche Grußwort des NRW-Innenministers Herbert Reul bewegt, der durch seine Nähe zur Polizei und ihren Aufgaben die enorme Unterstützung durch die Polizeiseelsorge bestätigte. Ich mache auf acht Videoclips aufmerksam, die die verschiedenen Handlungsfelder durch Erfahrungsberichte nachhaltig ins Bewusstsein bringen: #seelsorgeistda – Video-Playlist: Facetten der Seelsorge.

Ein Weckruf

Der neue Präses Thorsten Latzel leitete souverän die Synode und machte deutlich, dass sich die Kirchenleitung nicht als Verwaltungsapparat versteht, sondern sich auch inhaltlich und steuernd im Sinne einer Kirche der Zukunft einbringt. Das Zukunftspapier E.K.I.R. – 2030 lädt die Gemeinden mit zugespitzten Impulsen zur intensiven Neuausrichtung kirchlicher und gemeindlicher Arbeit ein. Thorsten Latzel formuliert die Grundzüge protestantischen Lebens in Zeiten des Umbruchs wie folgt: Menschen offen, liebevoll begegnen. Trotzig und getrost auf Gott hoffen und unsere Zukunftsaufgaben mutig gestalten.

Ein Weckruf, der zum Innehalten, dann aber zum wirksamen Handeln aufruft, was sehr eng an die biblische Tradition und christliches Bekenntnis gebunden sein muss.

Ich erwarte hier durchaus kontroverse Diskussionen!

Bis 2035 treibhausgasneutral

Die intensive Ausschussarbeit ist für alle Synodalen anstrengend, führt mit den Diskussionen im Plenum als presbyterial-synodale Kirche zu gemeinsam getragenen Beschlüssen und Äußerungen als Rheinische Kirche.

Gerungen wurde um die Zielfestlegung bis 2035 treibhausgasneutral in allen Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und der Landeskirche zu werden. Damit werden Entscheidungen über tatsächlich noch benötigte Gebäude fällig, eine kritische Analyse der Energieversorgung und Umstellungen und Verhaltensveränderungen, die eine Akzeptanz für alle nötigen Anstrengungen erfordert. Und entsprechende Finanzplanung, denn unsere Kirche wird in diesen Jahren deutlich kleiner. Aus einem Finanzüberschuss des landeskirchlichen Haushalts sollen zunächst drei Millionen Euro für die Umsetzung erster Maßnahmen aufgebracht werden. Strittig und (noch) abgewendet wurde die Einführung einer neuen Finanzumlage auf alle Gemeinden. Allerdings ist allen klar, hier glaubwürdig Position zu beziehen, wird nur mit entsprechender Bereitschaft und Bereitstellung von finanziellen Mitteln funktionieren. Eine große Aufgabe steht hier zusätzlich bevor! Doch es eilt – entsprechend des Aufrufes der EKD-Synode zum Klimaschutzkonzept: „Die Zeit ist jetzt!“

Solidarität und Frieden

Wiederholt wurde die Position der Landessynode zum Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen sowie die Forderung nach Aufnahme von Geflüchteten eindringlich bestätigt.

Ein Statement der Besorgnis, verbunden mit dem dringenden Aufruf zum Frieden und zur Versöhnung wurde von der Landessynode im Blick auf den aktuellen Russland-Ukraine-Konflikt verabschiedet. Entsprechend fand die Synode nach Behandlung des Themas zu einem eindrücklichen Friedensgebet von der Kölner Pfarrerin Miriam Haseleu zusammen.

Dazu passte auch eine deutliche Solidaritätsnote der rheinischen Kirche zugunsten der westfälischen Pfarrerin Melanie Jansen, gegen die mehrere Morddrohungen bekannt wurden. Sie organisiert wöchentliche Friedengebete und gedenkt dabei der Opfer der Corona-Pandemie.

In Zukunft auch digital wählen

Eine wichtige Veränderung der Kirchenordnung wurde entschieden. Ab der nächsten Presbyteriumswahl 2024 besteht endlich eine digitale Möglichkeit, an der Wahl des gemeindlichen Leitungsgremiums teilzunehmen.

Glückwünsche an Wibke Janssen

Dr. Wibke Janssen wurde zum hauptamtlichen Mitglied der Kirchenleitung gewählt. Foto: Moritz Helpap/ekir.de

Zum Schluss: Im Namen unseres Kirchenkreises gratuliere ich der Bonner Skriba, Pfarrerin Dr. Wibke Janssen, herzlich. Sie wurde mit großer Mehrheit zur Oberkirchenrätin und Leiterin der Abteilung 1 „Theologie und Ökumene“ gewählt. Sie folgt im August Pfarrerin Barbara Rudolph, die in den Ruhestand geht. Verantwortung für unsere Kirche braucht immer das Gesicht von Menschen – am besten derjenigen, die man bereits näher kennt und regional vertraut sind.

Alles Gute, Gottes Segen und auf gute Zusammenarbeit, liebe Wibke Janssen!

Tatsächlich – „Protestantisch leben in Zeiten des Umbruchs“. Aber sicher nicht ohne die Bitte um Gottes Segen, der uns Wege zeigt und erkennen lässt!

Weitere Themen und Einschätzungen finden sich im Netz auf der EKiR-Seite unter synode.info.