Steht zur Wahl: Tobias Mölleken
Pfarrer Tobias Mölleken. Foto: privat
In kurzen Interviews stellen sich die drei Bewerber für das Amt des stellvertretenden Superintendenten im Kirchenkreis vor.
Tobias Mölleken, Jahrgang 1988, verheiratet, 3 1/2 Kinder (wir erwarten unser viertes Kind im Mai), seit 2021 Pfarrer der Johannes-Kirchengemeinde in Bad Godesberg.
Ist das Amt des Assessors eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?
Da ich ja noch recht frisch im Pfarramt bin, hat sich für mich bisher noch keine Gelegenheit ergeben im KSV mitzuarbeiten. Die Wahl zum Assessor wäre eine ganz neue Aufgabe für mich, die mich sehr reizt. Inhaltlich wäre sie aber eine Fortführung meiner bisherigen Arbeit. Im letzten Jahr habe ich in der Steuerungsgruppe des Tauffestes mitgearbeitet. Als Assessor würde ich solche Projekte gerne weiter einbringen und durchführen. Wir brauchen dringend mehr davon!
Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?
Das Assessor-Amt ist zu vergleichen mit einem stellvertretenden Schulleiter: Man hat das Privileg weiter zu unterrichten und zusätzlich mitzuwirken an wichtigen Leitungsaufgaben.
Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?
Wünschenswert wäre es, wenn die Kirche von morgen etwas mit der Kirche von gestern zu tun hat. Die Frage dahinter: Wie schafft man es, mit weniger Ressourcen immer noch Kirche vor Ort zu sein – vertraute Gesichter, die im Alltag, aber auch an den wichtigen Übergängen des Lebens ansprechbar sind.
Dafür braucht es aber nicht nur gute Strukturen, sondern auch guten Nachwuchs, der stark darin ist, in Beziehungen zu treten und sich nicht scheut „Kirche“ relevant in kirchenferne Kontexte zu bringen.
Was wären Sie für ein stellvertretender Chef?
Das müssen andere entscheiden. Was mir aber wichtig ist: ein gutes, kollegiales Miteinander. Mir ist wichtig, dass Menschen, für die ich Mitverantwortung trage, gerne morgens zur Arbeit gehen. Eine Sitzung, in der nicht mindestens einmal gelacht wurde, ist keine gute Sitzung.
Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?
Wenn ich vor meinen Konfis Jugendsprache verwende, dann lachen die. Daran merke ich: Mit 36 Jahren gibt es schon einige Generationen nach mir. Und dennoch bin ich noch recht nah an den nächsten Generationen dran. Da fällt mir auf: Es wird viel Wert auf Ästhetik gelegt. Ästhetik muss als neue Kategorie für unsere Arbeit eine Rolle spielen. Als Beispiel der Gottesdienst: Ist der Raum, sind die Worte, ist die Musik so ausgewählt, dass sie etwas auslösen?
Außerdem: Alle Untersuchungen zeigen: Die Arbeit mit und für Kinder (und den Eltern) ist ein wichtiger Faktor, ob Bindungen zu Kirche entstehen. Ohne religiöse Sozialisierung hat’s Kirche schwer.
In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …
Dass viel zu viel über Strukturen gesprochen wird anstatt über die konkrete inhaltliche Ausrichtung unserer kirchlichen Arbeit. Manchmal hat man den Eindruck: Lieber eine Sitzung mehr als darüber zu sprechen, wie ich größere Vielfalt in Taufgottesdienste bringen kann.
Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, sind:
Die alltäglichen Nachrichten aus der ganzen Welt …
Vor einigen Jahren gab es ein deutschsprachiges Lied mit dem Titel „Hoffnungsmaschine“. Das Video des Liedes wurde auf dem „Ebertplatz“ in Köln gedreht – nicht ganz zufällig: Der Ebertplatz gilt als No-Go-Area. Für mich ist die Kirche eine solche Hoffnungsmaschine. Sie leistet beständig mit ihrem Zeugnis Widerstand gegen die Dunkelheiten unserer Existenz.
Was für ein Privileg, ein Teil dieser Hoffnungsmaschine sein zu dürfen.
Das erste, was ich mache, wenn ich stellvertretender Superintendent bin, ist:
Anstoßen mit Champagner oder einem guten deutschen Winzersekt.
Der bisherige Kreissynodalvorstand hat vorgeschlagen, dass die aktuell 13 Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises fusionieren. Das Ziel wäre jeweils eine Kirchengemeinde in Bad Godesberg, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen. Ihre Meinung dazu?
Ich finde es gut, dass der bisherige KSV einen Vorschlag in die Diskussion hineingegeben hat. Denn das erzeugt Reibung und Reibung ist gut, weil Bewegung in die Prozesse kommt.
Ihr liebstes Projekt auf Kirchenkreis-Ebene?
Ganz klar das Tauffest, an dem ich über ein Jahr lang in der Steuerungsgruppe mit sehr netten Kolleginnen und Kollegen aus den benachbarten Kirchenkreisen gearbeitet habe.
Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?
Mit allen drei Referaten habe ich als Gemeindepfarrer schon eng zusammengearbeitet: sei es auf dem Konfitag mit Rainer Steinbrecher vom Jugendreferat oder mit Uta Garbisch beim Tauffest.
Sabine Cornelissen organisiert ein erfolgreiches Food-Sharing bei uns in der Gemeinde und nutzt des Öfteren unsere Räumlichkeiten für die viele Beratungsangebote, die das Frauenreferat verantwortet.
Insofern – aus meiner ganz eigenen Perspektive: Alle drei Referate sind wichtige und etablierte Bestandteile unseres Kirchenkreises.