Steht zur Wahl: Knut Dahl-Ruddies
Knut Dahl-Ruddies an seinem Arbeitsplatz: der Gefängniskirche Euskirchen. Foto: privat
In kurzen Interviews stellen sich die drei Bewerber für das Amt des stellvertretenden Superintendenten im Kirchenkreis vor.
Knut Dahl-Ruddies, Jahrgang 1967, verheiratet, drei Kinder, seit 2015 Pfarrer in der JVA Euskirchen, seit 2020 theologischer Abgeordneter des Kirchenkreises zur Landessynode.
Ist das Amt des Assessors eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?
Auf den ersten Blick scheint es etwas vollkommen anderes zu sein als die Arbeit im Gefängnis. Auch wenn es im Gefängnis meist um individuelle Lebenskrisen geht und nicht um die Krise einer Institution, ist das notwendige Handwerkzeug zur Erfüllung der Aufgabe dasselbe: Kontakt und Vertrauen herstellen, Standortanalyse betreiben, Lösungsmöglichkeiten erarbeiten, Handlungsoptionen priorisieren.
Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?
Die evangelische Kirche ist eine demokratisch organisierte Kirche. Ämter werden, wie in der Politik auf Zeit vergeben, damit autoritäre Strukturen keinen Einzug halten können. In der Leitung einer Kirche arbeiten Menschen, die sicherstellen, dass das so bleibt. Das Amt des Assessors ist eins davon.
Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?
Wir müssen Kirche konsequent vom Kontakt zu den Menschen her denken und nicht von unserem Struktur-Organigramm. Es bedarf möglichst unkonventioneller Ideen um Kontaktpflege – oder wie man heute sagt – „Bindungsmanagement“ zu gestalten.
Was wären Sie für ein stellvertretender Chef?
Eher Coach als Chef! Oder in der Sprache des Fußballs gesprochen: Der Assistenz-Trainer darf sich manchmal für ein Spiel mit Steilvorlagen entscheiden, wenn sonst sicheres Pass-Spiel gefragt ist.
Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?
Von Segelbooten erzählen, die hart an den Wind gehen. Nicht von Einbäumen, U-Booten oder Galeeren.
In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …
Die berühmte „Was-machen-wir-aber-wenn Frage“, nachdem unter großen Mühen gerade ein tauglicher Beschluss gefasst worden ist. Statt Folge-Szenarien zu entwerfen, muss sorgfältiger darauf geachtet werden, ob eine Frage Lösungen ermöglichen oder eher verhindern will. Wir brauchen mehr „trial and error“ und müssen eine größere Fehlertoleranz entwickeln, die uns die Angst vor möglichen Fehlentscheidungen nimmt. Nicht zu handeln ist manchmal unser größter Fehler.
Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:
„Christ ist erstanden“ kann man nur am Ostermorgen in einer Kirche und nicht in der Veltins-Arena singen.
Das erste, was ich mache, wenn ich stellvertretender Superintendent bin, ist:
Mich bei den Synodalen bedanken, dass sie einen ersten Schritt hin zu einer Stärkung von „Mixed Ecology“ getan haben, indem sie jemanden aus einer Funktionspfarrstelle in den KSV gewählt haben. Und dann: neue Schuhe kaufen!
Der bisherige Kreissynodalvorstand hat vorgeschlagen, dass die aktuell 13 Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises fusionieren. Das Ziel wäre jeweils eine Kirchengemeinde in Bad Godesberg, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen. Ihre Meinung dazu?
Fusionen wird es geben müssen und in einigen Fällen ist daran in den vergangenen Jahren auch schon gearbeitet worden. Für die Lösung unserer gegenwärtigen Probleme schätze ich die Wirkung eher gering ein. Um „vor die Welle“ zu kommen, müssen wir tiefgreifender und vor allem beherzter in Veränderungsprozesse eintreten, um zukunftsfähig zu werden.
Ihr liebstes Projekt auf Kirchenkreis-Ebene?
Bei der jüngst abgehaltenen Zukunftswerkstatt kam der Gedanke auf, das vom Kirchenkreis verantwortete Jugendreferat in eine Jugendkirche zu verwandeln. Von diesem Prozess könnten Impulse ausgehen, die auch in andere Handlungsfeldern fruchtbar gemacht werden könnten.
Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?
Sicher werden wir auch in Zukunft noch gut und auskömmlich Kirche sein können.
Was wir aber nicht tun dürfen, ist uns dabei am Status Quo zu orientieren. Es wird nicht mehr funktionieren, aus Angst vor Veränderung in einer Schockstarre zu verharren.
Es braucht frische Blicke, neue Einsichten und Aussichten um unserer grundsätzlichen Beharrungstendenz entgegen zu treten. Das gilt nicht nur für einzelne Arbeitsfelder des Kirchenkreises, sondern auch für den Kirchenkreis selbst.