Steht zur Wahl: Gregor Weichsel

Arbeit darf Spaß machen: Gregor Weichsel (li.) im Austausch mit Daniel Sass, dem Vize-Moderator der Rhenish Church in South Africa. Foto: Frauke Laaser

In kurzen Interviews stellen sich die drei Bewerber für das Amt des stellvertretenden Superintendenten im Kirchenkreis vor. Gregor Weichsel, Jahrgang 1976, verheiratet, drei Kinder (17, 15 und 12 Jahre alt), seit 2011 Pfarrer in Euskirchen, seit 2022 Skriba. Ist das Amt des Assessors eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues? Als Skriba bin ich […]

In kurzen Interviews stellen sich die drei Bewerber für das Amt des stellvertretenden Superintendenten im Kirchenkreis vor.

Gregor Weichsel, Jahrgang 1976, verheiratet, drei Kinder (17, 15 und 12 Jahre alt), seit 2011 Pfarrer in Euskirchen, seit 2022 Skriba.

Ist das Amt des Assessors eine Fortführung Ihrer bisherigen Arbeit oder etwas Neues?

Als Skriba bin ich Stellvertreter des Assessors und habe gut vier Monate Norbert Waschk während seines Kontaktstudiums vertreten. Aus diesen Erfahrungen und der Zusammenarbeit der letzten beiden Jahre kenne ich das Anforderungsprofil – neu wäre natürlich, es dauerhaft auszufüllen und eigene Akzente zu setzen.

Wie erklären Sie das Amt Leuten, die gar nicht wissen, was das ist?

Als Stellvertreter der Superintendentin unterstütze ich sie in all ihren Aufgaben. Das sind Leitungsaufgaben wie die Leitung von Kreissynode und Kreissynodalvorstand und die daraus folgende Verantwortung für die Einrichtungen des Kirchenkreises. Das sind außerdem begleitende Funktionen wie die Beratung von Gemeinden und Seelsorge und Beratung für alle Menschen, die im Kirchenkreis selbst eigenverantwortlich predigen und Seelsorge leisten. Außerdem sind wir als sogenannte mittlere Ebene Scharnier zwischen Landeskirche und Gemeinden, bündeln Interessen der Gemeinden und bringen sie auf Ebene der Landeskirche ein oder organisieren die Umsetzung von landeskirchlichen Prozessen in den Gemeinden. Wenn erforderlich, vertrete ich die Superintendentin, dann auch in der Öffentlichkeit als Vertreter des Kirchenkreises.

Wo wollen Sie hin mit der Kirche von morgen?

Zu den Menschen … Es geht nicht darum, Menschen für bestehende Angebote zu gewinnen, sondern passende Angebote für die Menschen zu machen und Menschen zu vernetzen. Darum sehe ich die Kirche von morgen häufiger als heute als Kooperationspartnerin, die gemeinsam mit anderen in der Gesellschaft wirksam ist.

Was wären Sie für ein stellvertretender Chef?

Einer, der die Chefin darin unterstützt, was auch sie als ihre erste Aufgabe sieht: Ich möchte mit dafür Sorge tragen, dass die Kolleg:innen und Mitarbeitenden gut und gerne ihren Dienst tun. Dazu braucht es Möglichkeiten zum Austausch und ich möchte auf Zwischentöne achten, um Hindernisse und Schwierigkeiten zu erkennen und abzubauen. 

Wie holen Sie die nächste Generation ins Boot?

Was die nächste Generation im Pfarramt angeht, bin ich gerne und mit Engagement Mentor im Vikariat oder Gemeindepraktikum und bleibe als interessierter Förderer auch nach dem direkten Einsatz aktiv, was gerne angenommen wird.

Was die junge Generation insgesamt in der Kirche angeht: Zuhören, was sie von der Kirche erwarten, Angebote schaffen oder öffnen. Beispiel wäre, dass aus unserer neuen Gruppe junger Erwachsener drei Menschen U30 in den bestehenden Bibelkreis dazugestoßen sind und nun weitere dazu einladen. Ich denke an interaktive Gottesdienstformate, die digitale und analoge Kommunikation miteinander vernetzen.

In der Evangelischen Kirche läuft einiges falsch, zum Beispiel …

Ich habe in meinem Kontaktstudium vier der fünf Teilstudien der ForuM-Studie gelesen. Diese Studie untersucht den Umgang der evangelischen Kirche mit sexualisierter Gewalt. Die Analyse der Forschenden zeigt neben vielen schwer zu ertragenden Schicksalen Schwachstellen in der Struktur unserer Kirche auf: Abläufe sind zu verschachtelt. Das führt dazu, dass am Ende Dinge nicht konsequent verfolgt werden. Zuständigkeiten sind nicht klar genug und Verantwortung wird hin- und hergeschoben. Diese Schwachstellen bestehen auch in anderen Handlungsfeldern. Das gilt es zu verbessern ohne die Beteiligung, die Gremien ermöglichen, über Bord zu werfen. Außerdem zeigt sich, dass unsere Kirche im Konfliktfall dazu neigt, Harmonie vor Gerechtigkeit zu wählen. Das muss geändert werden. Wir müssen Konflikte gewaltfrei, aber konsequent austragen.

Was mich immer wieder überzeugt, in dieser Kirche weiterzumachen, ist:

… das Erleben bewegender Gottesdienste mit guter Musik, gelungene Begegnungen in Seelsorge und wenn auf intensive Beratungen gute Ergebnisse gefunden werden.

Das erste, was ich mache, wenn ich stellvertretender Superintendent bin, ist:

Durchatmen und beten, und dann gemeinsam mit Superintendentin und dann neuer oder neuem Skriba den Kalender aufschlagen und viele Gespräche vereinbaren – allein, zu zweit, zu dritt innerhalb des Kirchenkreises und mit anderen wie den beiden Nachbarkirchenkreisen Bonn und An Sieg und Rhein, um die gemeinsame Arbeit der nächsten Monate und Jahre vorzubereiten.

Der bisherige Kreissynodalvorstand hat vorgeschlagen, dass die aktuell 13 Gemeinden in den drei Regionen des Kirchenkreises fusionieren. Das Ziel wäre jeweils eine Kirchengemeinde in Bad Godesberg, im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen. Ihre Meinung dazu?

Seit 2020 laufen Prozesse, wie in den Regionen in Zukunft zusammengearbeitet werden kann. Der Vorschlag mag für manche eine Zumutung sein. Er bietet aber sehr viele Vorteile: weniger Gremien, weniger Verwaltungsaufwand, mehr Handlungsspielraum, natürliches Denken über einen Kirchturm hinaus.

Der Vorschlag ist, die Gemeinden institutionell zusammenzuführen. Die unterschiedlichen Profile, bestehende Beziehungen vor Ort können auch in einer fusionierten Gemeinde Teil der neuen Identität sein. Und wenn man im größeren Rahmen denkt, ergeben sich neue Möglichkeiten. Das erfordert sorgfältige Vorbereitung und ist anstrengend, aber möglich. Das erleben wir gerade in der Vorbereitung unserer Fusion zur Sophiengemeinde, ehemals Weilerswist und Euskirchen, die zum Beispiel gemeinsam einem Diakon für die mittlere Generation einstellen und eine volle statt zwei halber Stellen im Gemeindesekretariat schaffen konnten. Wir freuen uns schon darauf, die arbeitsrechtliche Situation für die beiden Mitarbeitenden in der neuen Gemeinde zu vereinfachen.

Ihr liebstes Projekt auf Kirchenkreis-Ebene?

Trotz Kontaktstudiums habe ich das Tauffest mit den Nachbarkirchenkreisen begeistert wahrgenommen und wäre gerne aktiv dabei gewesen. Ich wünsche mir, dass wir Partner für eine Kasualagentur finden, die solche Großveranstaltungen und auch kleinere Formate regelmäßig bieten kann. 

Daneben schlägt mein Herz sehr stark für unsere neue Partnerschaft mit der Rhenish Church in South Africa und das große Potenzial der neuen Projektideen, die wir in Kapstadt entwickelt haben.

Der Kirchenkreis verantwortet drei Arbeitsfelder: Synodales Jugendreferat mit der Jugendbildungsstätte, Frauenreferat und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wo sehen Sie die in Zukunft?

Die Jugendbildungsstätte ist der einzige Ort, an dem der Kirchenkreis selbst als Eigentümer gestalterisch tätig sein kann. Ich bin optimistisch, dass eine Umstrukturierung organisiert und ein Finanzierungsmodell gefunden werden, die diesen Ort mit seinem Potenzial erhalten. Die Verortung des Jugendreferats in Merzbach ist sinnvoll, die Verbindung mit der Leitung des Hauses nicht zwingend, vielleicht sogar hinderlich.

Das Frauenreferat leistet Engagement in einem nach wie vor notwendigen Bereich unserer Gesellschaft, der Veränderungen unterliegt. Von daher kann ich mir Veränderungen in Zukunft vorstellen – im Dialog mit Fachfrauen.

Würde der Kirchenkreis im Lotto gewinnen, wäre der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ganz sicher zu bedenken und auszubauen, denn die Bedeutung der Kommunikation auf unterschiedlichen Wegen nimmt weiter zu. 

Alle drei Felder zeigen, was auch für meinen Wunsch gilt, eine Kasualagentur zu gründen: Ähnlich wie die Gemeinden stoßen wir angesichts sinkender Ressourcen als kleiner Kirchenkreis an Grenzen. In einem größeren Kirchenkreis hätten wir einen weiteren Handlungsspielraum. Und auch hier gilt es, die aktuell herrschende Solidarität innerhalb unseres Kirchenkreises durch einen Fusionsprozess hindurch zu erhalten und Teil der neuen Identität werden zu lassen.