Seelsorge ist wichtig im Knast

Das Bedürfnis nach Seelsorge ist groß, weiß Hartmut Louis. Der Pfarrer ist neuer Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach und wurde Anfang Oktober in einem Gottesdienst in sein Amt eingeführt.

Täglich erreichen Hartmut Louis bis zu zehn neue Anträge, in denen die Gefangenen Gesprächswünsche signalisieren. Ängste und das Erleben von Schuld sind zentrale Themen. In vielen Fällen ist regelmäßiger Austausch gefragt. Meist geht Louis zunächst „unvorbelastet“ in die Gespräche. Die Vergangenheit und Straftat sind für ihn nachrangig. „Wichtig ist das Hier und Jetzt, wenn das Bedürfnis meines Gegenübers im Gesprächskontakt aktuell auf dem Tisch liegt.“

Für Hartmut Louis hat die Seelsorge „eine wichtige Aufgabe innerhalb der Struktur des Knastes“. Sie eröffne Möglichkeiten, sich zu verändern. „Alles andere wäre bloßes Wegsperren.“

Wer mit Pfarrer Louis im Gesprächskontakt ist, soll offen sprechen können über das, was zurück liegt. Der Pfarrer unterliegt der Schweigepflicht und ist nicht direkt beim Gefängnis angestellt. „Wir sind frei in unserer Arbeit und das wissen auch die Gefangenen.“ In Zukunft wird der Pfarrer zudem offene Gesprächsgruppen und Gruppen für die Vorbereitung des sonntäglichen Gottesdienstes anbieten. Den Kirchenchor der JVA Rheinbach hat er bereits als tragende Säule der Gottesdienste schätzen gelernt. In der JVA sind bis zu 550 Männer im geschlossenen Strafvollzug untergebracht. Hier und in der JVA Euskirchen unterhält der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel Pfarrstellen für die Seelsorge.

Hartmut Louis (48) ist verheiratet und hat eine Tochter. Der gebürtige Duisburger ist begeisterter Marathon-Läufer. Zuletzt hatte er eine Entlastungspfarrstelle im Kirchenkreis Niederberg inne, davor war er in der Krankenhausseelsorge, Seniorenarbeit und Erwachsenenbildung tätig.

 

 

 
 

 

Text und Foto: Uta Garbisch / 06.10.2009

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 06. Oktober 2009