Protestleute gegen den Tod
Osterkerzen werden Büchsenlichter. Auch ein Protest gegen den Tod. Foto: Meike Böschemeyer
„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“ Mit diesen Worten wird in vielen Kirchen in der Osternacht oder am Morgen die neue Osterkerze entzündet.
Für mich ist das ein besonderer Moment. Das Licht der Auferstehung Jesu aus dem Tod wird im Symbol sichtbar. Bis zum nächsten Karfreitag wird die Kerze bei Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Trauerfeiern ihr österliches Licht verbreiten. In Momenten großer Freude und tiefster Traurigkeit verkündet sie still mit: „Der Herr ist auferstanden!“ und erinnert an die Zusage Jesu: „Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“
Ich freue mich auf das Osterfest, auf fröhliche Gottesdienste und Familienfeiern. Zugleich geht ein Schmerz mit in diesen Tagen: Immer noch ist so viel Leid und Tod in der Welt. Die Sehnsucht ist groß, dass es endlich ein Ende hat mit Krieg und Gewaltherrschaft, mit der Zerstörung von Lebensgrundlagen, dass Jesu Auferstehung als Erster die Welt sichtbar verwandelt und der Tod nie mehr auf dieser Erde das letzte Wort haben wird.
Ostern feiern kann ein Balanceakt sein. Da ist die tief empfundene Freude: Jesus ist für mich und mein Leben lebendig – zugleich schreit die Not unschuldig Leidender zum Himmel; und als Christenmenschen sollen wir uns damit nicht abfinden. „Wir sind Protestleute gegen den Tod“, hat der Theologe Christoph Blumhardt vor über 100 Jahren geschrieben.
Einige Gemeinden in unserem Kirchenkreis haben Sammelstellen für Kerzen und Wachsreste eingerichtet. Das Wachs geht an den Kölner Verein Life e.V. für die Initiative Büchsenlichter. Von Köln aus wird er über Kyiv in private Kellerküchen in der Ukraine gebracht und dort verarbeitet. Die Büchsenlichter helfen dort, wo es keinen Strom mehr gibt, beim Heizen, Kochen und Wäsche trocknen. Oder sie spenden Licht und Wärme, wo Menschen in Kellern Schutz vor Bombenangriffen suchen.
Vor einigen Wochen haben wir die halb heruntergebrannten Osterkerzen der vergangenen zehn Jahre aus der Maria-Magdalena-Kirche zur Sammelstelle in Euskirchen gebracht. Alle waren von Swisttaler Gemeindemitgliedern von Hand gestaltet worden.
Ein kleines Zeichen der Verbundenheit. Vielleicht ahnen die Menschen, die die Kerzen weiterverarbeiten, was sie uns bedeutet haben.
Ich wünsche Ihnen und Euch ein frohes, gesegnetes Osterfest. Wir sind Protestleute gegen den Tod in der Hoffnung: Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.
Pfarrerin und Superintendentin
Claudia Müller-Bück




