Pfarrer Diethard Römheld sagt Adieu

Geht nach 24 Jahren in Rheinbach in den Ruhestand: Pfarrer Diethard Römheld. Foto: privat

25. Mai: Vielen ist er nicht nur im Talar, sondern auch im Blaumann bekannt. Nun geht Pfarrer Diethard Römheld nach 24 Jahren in der Kirchengemeinde Rheinbach in Ruhestand. Im Gemeindebrief lobt seine Kollegin Gudrun Schlösser seine Predigten, „in denen er offen von seinem Glauben, aber auch von seinen Zweifeln sprach“. Und eben seine zupackende Art […]

25. Mai: Vielen ist er nicht nur im Talar, sondern auch im Blaumann bekannt. Nun geht Pfarrer Diethard Römheld nach 24 Jahren in der Kirchengemeinde Rheinbach in Ruhestand.

Im Gemeindebrief lobt seine Kollegin Gudrun Schlösser seine Predigten, „in denen er offen von seinem Glauben, aber auch von seinen Zweifeln sprach“. Und eben seine zupackende Art im Blaumann, sei es bei Renovierungsarbeiten, beim Schneeschieben oder im IT-Bereich.

Diethard Römheld, geboren 1959, kam 2001 nach Rheinbach, wo er zunächst mit halber Stelle den Superintendenten entlastete. Daraus wurde 2006 eine Dreiviertelstelle. Als bloße Vertretung hat sich Römheld jedoch nie gefühlt: „Ich habe mich immer als selbständig arbeitenden Pfarrer erlebt.“ Schließlich übernahm er 2015 eine ganze Pfarrstelle in Rheinbach.

Altenheimseelsorge und Glaubenskurse waren zwei seiner Schwerpunkte. Entwickelt hat Römheld Gottesdienste ausschließlich für demente Menschen. Erinnern, Anschauen, Schmecken-Riechen-Fühlen sind die drei Bausteine darin. Beim Erinnern fragte er etwa nach Sprichwörtern oder einem Märchen. Jedes Mal bringt er etwas zum Schmecken, Riechen oder Anfassen mit. „Die Menschen sollen sich einmal in einer aktiven Rolle erleben. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl.“ Und indem er ihnen Ankerpunkte bietet, fühlen sie sich ernst genommen. Römheld selbst agiert quasi als Schauspieler in der Runde, sucht Augen- und Körperkontakt, etwa beim Segen. Das ist unterhaltsam und macht Spaß, so dass auch etliche kommen, die selbst nicht von Demenz betroffen sind.

In der Zeit seines ersten “Berufslebens” als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster unterrichtete er zwölf Jahre lang Altes Testament und nordwestsemitische Epigraphik. Daher rührt sein großes Interesse für die alte Geschichte Israels. Was schreiben die Autoren der Bibel und was lässt sich archäologisch belegen? Was ist möglicherweise nur Fiktion? „Das bewegt mich und macht mir Spaß.“ Jeden Predigttext unterzieht er einer ausführlichen Exegese. Für die Auslegung im Gottesdienst steht jedoch vor allem im Vordergrund, was passiert, wenn er den Text liest. Welche Fragen oder Ärger tauchen auf, wo eigene Handlungen hinterfragt? Rezeptionsästhetik heißt dieser Ansatz, der nach dem Echo im eigenen Leben fragt.

Aufgewachsen ist der promovierte Theologe als Sohn eines Pfarrers im Westerwald. Obwohl väter- wie mütterlicherseits viele Theologen zu seinen Vorfahren zählen, wollte Römheld lange zunächst nicht Pfarrer werden. Ein Studium der Theoretischen Physik wäre die Alternative gewesen. Doch schließlich entschied er sich für das Theologiestudium in Marburg und später Göttingen, um zu wissen, „wo ich stehe“. Die Entscheidung war richtig, sagt er heute.

Nun freut sich Diethard Römheld auf Zeit für Lesen, Theater, modernes Ballett und Reisen. Und er will sein altes Hobby Mikroskopie reaktivieren, Pflanzen im Süßwasser untersuchen, in Fachkreisen „Tümpeln“ genannt. 

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Diethard Römheld beginnt am Sonntag, 25. Mai 2025, um 14 Uhr in der Gnadenkirche Rheinbach, Ramershovener Straße 6. Superintendentin Claudia Müller-Bück wird ihn entpflichten. Anschluss findet ein Empfang statt.

Uta Garbisch