Nicht alles nett im Chat

Die Schule beginnt wieder. Ein guter Grund, auf ein Projekt im evangelischen Amos-Comenius-Gymnasium in Bonn zu schauen, ein Präventionsprojekt gegen sexuelle Übergriffe im Internet-Chat.

ekir.de-Dossier zum Thema
Präventionsprojekt Chat
Amos-Comenius-Gymnasium Bonn
Schülerinnen und Schüler
der Lehrer
die Mutter
die Statistik

Die Siebtklässler des evangelischen Amos-Comenius-Gymnasiums sollen die heikelste aller Fragen beantworten: „Was tut Ihr, wenn Euch ein Chatpartner im richtigen Leben treffen will?“ Schweigen in der Klasse.

Über die vielfältigen Möglichkeiten, aber auch die lauernden Gefahren beim Chat haben die Jugendlichen zwei Projekttage lang viel gelernt: erst in  Kleingruppen, getrennt nach Mädchen und Jungen, was ihnen ein hohes Maß an Offenheit ermöglichte; dann auch in Einzelsprechstunden mit den Projektleitern der veranstaltenden Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Und zum Schluss im Plenum.

Unbedingt Bescheid sagen

Was, wenn das bislang virtuelle Gegenüber ganz anders ist, als es sich ausgegeben hat? Was, wenn es übergriffig wird? „Wir nehmen halt eine Freundin zum Treff mit, oder eine Bulldogge“, meinen die Einen. Aber das nur an einen öffentlichen Ort, fordern andere. „Das reicht nicht, es müsste schon jemand Erwachsenes mitkommen. Und Ihr seid auch unter vielen Menschen nicht sicher, wenn Ihr bei Gefahr nicht um Hilfe schreit“, schonen die beiden Trainer die Jugendlichen nicht.

Und zu Hause sollte man auch genau Bescheid sagen, wo man ist. „Am besten kündigt Ihr vorher im Chat an, dass Ihr einen Erwachsenen mitbringt“, heißt die nächste Lektion. „Wenn derjenige dann ein Täter ist, dann springt der vorher ab“, kapieren die Schülerinnen und Schüler.

Die meisten haben bereits gechattet

Die Frage, ob sie schon einmal in der Praxis den direkten Kontakt gesucht hätten, verneinen alle. Die Trainer sagen später, der Informationsstatus dieser Schülerinnen und Schüler über das Thema sei sehr hoch. Von allen 90 Siebtklässlern hätten an die 80 bereits gechattet, berichten Anja Brückner-Dürr und Rainer Krohn von der Bonner Beratungsstelle.

Aber die meisten gingen bislang noch absolut naiv ans virtuelle Plaudern heran, sagt Krohn. Die Eltern würden oft nicht ins Vertrauen gezogen, wenn plötzlich Chatbekanntschaften pornografische Bilder schickten oder zu sexuellen Handlungen aufforderten. „Dabei wollen über zwei Drittel dieser Schüler, dass sie in der Familie einen Anker zum Sprechen haben, wenn was Blödes im Chat passiert ist“, weiß Brückner-Dürr.

Gefühle, Grenzen, Sicherheitshinweise

Deshalb soll man das Selbstbewusstsein der Mädchen und Jungen gestärkt werden. Des Weiteren sensibilisiert das Training die Jugendlichen für ihre Gefühle und Grenzen, gibt ihnen Sicherheitshinweise an die Hand und entwickelt mit ihnen Hilfsstrategien für den Fall des Falles. „Wir ermutigen sie, ihr Recht auf Selbstbestimmung auch im Internet wahrzunehmen.“

Nachhaltig könne das Projekt aber nur wirken, weil man durch eine Fortbildung die Lehrer und durch einen Elternabend die Erziehungsberechtigten einbezogen habe. Weshalb sich als Geldgeber auch die Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse in Bonn engagiert. Die jungen Leute haben nach den zwei Tagen verstanden: „Man muss auch im Netz immer aufmerksam sein und sich schützen.“

 

 

 

 
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Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Bonn
 

 

Ein ekir.de-Dossier von Ebba Hagenberg-Miliu / 01.08.2008

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 01. August 2008