Mutige Predigt und Projektarbeit

„Strukturveränderungen in der Region“ lautete das Thema eines gemeinsamen Pfarrkonvents der drei evangelischen Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn. Heute leben hier zehntausend mehr evangelische Christen als vor zehn Jahren.

Dies erläuterte der Bonner Pressepfarrer Joachim Gerhardt den 120 Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn-Beuel. Dass dieser Zuzug mit dem Zuwachs an Arbeitsplätzen einher geht, berichtete Hermann Tengler. Der Dezernent für Wirtschaftsförderung im Rhein-Sieg-Kreis sprach von einem „zweifachen Strukturwandel“. Zum einen spiele der Bonn-Berlin-Umzug eine Rolle, zum anderen sei der Arbeitsplätzezuwachs vor allem im Dienstleistungssektor zu beobachten. Udo Eschenbach, Projektleiter Bundeswehr-Logistik bei der Deutschen Post AG, problematisierte vor allem in den Wandel in der Arbeitswelt. Viele Mitarbeitende legten Distanzen von 50 Kilometern und mehr zurück, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. „Die einheitliche Arbeits- und Lebenswelt geht verloren“, so der Wachtberger. Sesshaftigkeit werde zunehmend in Frage gestellt.

In acht Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden des Pfarrkonvents darüber aus, wie sie diese Veränderungen in ihren Gemeinden und Arbeitsbereichen wahrnehmen und begleiten. Viele bezweifelten, dass die durchschnittliche Gemeindearbeit noch mit der heutigen Arbeitswelt kompatibel ist. Der Strukturwandel mit seinen Folgen – Zeitmangel, zunehmender Arbeitsdruck, drohende Arbeitslosigkeit – werde in den Gemeinden kaum wahrgenommen, ebenso wenig die hohe Fluktuation von Gemeindegliedern.

Als Konsequenz wünschten sich die Teilnehmer eine intensivere City-Kirchen-Arbeit und den Ausbau der Kontakt-Pflege. Angebote sollten stärker auf den Sonntag konzentriert werden, da dies der einzige Tag ist, an dem die Menschen noch Zeit haben oder sie sich nehmen. Evangelische Kindergärten seien für Erwerbstätige mit Kindern von zentraler Bedeutung, ebenso wie die Arbeit von Familienbildungsstätten wie dem „Haus der Familie“ in Bad Godesberg. Gute Erfahrungen machen Gemeinden mit Begrüßungsschreiben und Besuchen für Neuzugezogene sowie Projektangeboten und besonderen Gottesdiensten im Bonner Kunstmuseum oder zum Bonn-Marathon. Wünschenswert ist die evangelische Mitarbeit in City-Marketing-Vereinen oder Gewerbetreibenden-Gemeinschaften, wie sie in Troisdorf und Bonn praktiziert wird.

„Wir sollten mutiger predigen und den Finger auf die Wunde legen. Wir müssen uns mehr einmischen, auch um den Preis, dass wir die Gunst einiger Menschen verlieren“, appellierte ein Teilnehmer angesichts der wachsenden Veränderungen in der Gesellschaft. Zudem soll die Entwicklung verbindlicher Sozialstandards stärker in den Fokus genommen werden. „Trotz allem bei den Menschen bleiben, ihnen zeigen, dass es noch eine andere Welt mit einem Reich-Gottes-Horizont gibt“, war das Resümee vieler.

 

 

 
 

 

Uta Garbisch /

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2005