Mission weiter denken

… war das Thema eines Studientages, der am 3. September 2005 in der Evangelischen Akademie im Rheinland stattgefunden hat.

Die Kirchen sind in diesen Zeiten des Umbruchs – nicht nur wegen der finanziellen Engpässe – in eine Phase der Neuorientierung: Welchen Ort und welche Aufgabe werden die Kirchen zukünftig im Umfeld einer moderneren und pluralen, den eigenen Traditionen entfremdeten Gesellschaft haben?

In Kooperation mit dem Institut für Hermeneutik der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn richtete die Evangelische Akademie dazu am 3. September 2005 einen Studientag aus. Auf dem Studientag wurden die hier folgenden Bonner Thesen zur Mission diskutiert, die von einer Autorengruppe für diesen Studientag verfasst worden sind:

Mission weiter denken –

Bonner Thesen zur Mission 

Jeder christlichen Mission ist ihr Grund gelegt im missionarischen Handeln Gottes, wie es sich in seiner Geschichte mit seinem Volk Israel und im Kommen seines Sohnes Jesus Christus gezeigt hat. Als Kirche sind wir hineingenommen in diese Bewegung Gottes. Von ihr her dürfen wir Mission in unserer Zeit weiter denken, um für die Botschaft des Evangeliums glaubwürdig zu werben.

Mission weiter denken…

heißt, Auskunftsfähigkeit über den christlichen Glauben und Ausdrucksfähigkeit des Glaubens als Zeichen missionarischer Kompetenz für die Verhältnisse unserer pluralen Volkskirche zu beschreiben.
Mission will nicht überreden, sondern überzeugen, wovon das eigene Herz voll ist. Sie respektiert die Vielfalt menschlicher Lebens- und Glaubensgeschichten und sieht in deren Pluralität eine Chance.
heißt, aus Glanz und Elend der Missionsgeschichte zu lernen.
Nachzudenken ist darüber, wie vorangegangene  Mission mit ihrer Wirkungsgeschichte zu beurteilen ist und warum die missionarischen Programme der beiden letzten Jahrhunderte ihre Ziele nicht erreicht haben. 
ist nötig, weil Anlässe der Verständigung über den Glauben sich seltener ergeben als früher.
Es geht um eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit und Kommunikationswilligkeit ; dabei greifen spirituelle Tiefe, Erwerb von Fertigkeiten sowie strukturelle Verbesserungen ineinander.
heißt, den Missionsbegriff zu öffnen: Missionarisch ist, was für den christlichen Glauben wirbt.
Nötig ist der Abschied von einer  Festlegung der Mission auf Modelle missionarischen Gemeindeaufbaus und
von einer  Identifizierung mit Evangelisationsveranstaltungen und Glaubenskursen.
heißt, die Erfahrung zu würdigen, dass der christliche Glaube prozesshaft ist, fragmentarisch bleibt und auch scheitern kann. 
Der Glaube im Leben eines Menschen ist unverfügbar; er wächst eher  unspektakulär und weniger sichtbar. Das relativiert die Einseitigkeit einer  Mission, die auf Bekehrung zielt. 
heißt, die ethischen Standards christlichen Handelns auch bei der Mission einzuhalten.
Es geht um die Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses, das dem Inhalt des Evangeliums entspricht. Der gute Zweck rechtfertigt nicht Methoden der Manipulation und das Überschreiten religiöser Schamgrenzen.
ermöglicht eine umfassendere Würdigung kirchlichen Handelns.
Der Missionsbegriff eignet sich nicht  als Instrument  zur unmittelbaren Legitimation von Sparprozessen  –  außer man setzt voraus, dass  eine durch Mission erreichte explizite Glaubensaussage prinzipiell höher zu bewerten sei  als Glaubenserfahrungen in Bereichen anderen kirchlichen Handelns.

Deshalb treten wir für eine Mission ein, die vielfältig für ihre Sache wirbt und um die Fülle von Geistesgaben weiß. Sie ist offen dafür, von ihrem Gegenüber etwas zu lernen, was den eigenen Glauben bereichert. Sie ermutigt Menschen zu einem eigenen kulturellen Ausdruck ihres Glaubens. Sie schätzt das Medium der Kultur als Chance, Menschen für die
Kommunikation über Inhalte des Glaubens zu gewinnen. Sie geht nicht an Bewusstsein und kritischer Reflexion vorbei und will eine nachhaltige Mission mit Qualität sein.

Pfarrer Siegfried Eckert, Prof. Dr. Gotthard Fermor,  Prof Dr. Eberhard Hauschildt, Studienrätin Almuth Peren-Eckert,
Pfarrerin Britta Schroeter, Prof. Dr. Harald Schroeter–Wittke,  Dr. Frank Vogelsang

 

 

 

 
 

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2005