Kirche mit Meerwert

Die Exkursion des Kirchenkreises auf dem Dach des Oberhausener Gasometers mit dem Ruhrgebiet im Hintergrund. Juliane Wächter (rechts) und Pfarrer Helmut Müller (3. von links) führen die Gruppe.
Foto: privat

Vor dem zwei Meter hohen Foto mit den Basstölpeln am Lummenfelsen auf Helgoland bleibt Marcus Tannebaum stehen. Die Aufnahme zeigt, dass die gänsegroßen Vögel, die im Sommer zu tausenden auf dem Felsen ihre Jungen aufziehen, ihre Nester mit Fischnetzresten aus Kunststoff gebaut haben. In den feinen, unnachgiebigen Fäden haben sich einige Vögel verfangen und sind […]

Vor dem zwei Meter hohen Foto mit den Basstölpeln am Lummenfelsen auf Helgoland bleibt Marcus Tannebaum stehen. Die Aufnahme zeigt, dass die gänsegroßen Vögel, die im Sommer zu tausenden auf dem Felsen ihre Jungen aufziehen, ihre Nester mit Fischnetzresten aus Kunststoff gebaut haben. In den feinen, unnachgiebigen Fäden haben sich einige Vögel verfangen und sind verendet. Der katholische Pastoralreferent Tannebaum hat dazu einen Satz aus dem alttestamentlichen Buch des Predigers gefunden: „Wie Fische, die ins Unglücksnetz geraten sind, wie Vögel, die ins Klappnetz geraten sind, ebenso verfangen sich die einzelnen Menschen.“ Tannebaum hat sich zum Führer durch die Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer in Oberhausen ausbilden lassen und kombiniert viele der Fotos mit Bibelworten. Die Bilder zeigen das faszinierende, schöne, bedrohliche und bedrohte Leben in den Meeren.

Dann geht es ein Stock höher in der größten Kunstausstellungshalle Europas und in den Aufzug. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf eine 40 Meter hohe Leinwand, die Videos vom Leben im Meer zeigt, vom quirligen Plankton bis zu den bedächtigen Blauwalen. Oben gelangen die neun auf das Dach des früheren Gasbehälters in 110 Metern Höhe mit Panoramablick über das gesamte Ruhrgebiet. Alle Hügel, die man sieht, sind Halden mit Abraum von einem Jahrhundert industriellem Kohlebergbau.

Tannebaum begleitet eine Exkursion des Arbeitskreises für Mission und Ökumene im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel. Organisiert hat sie Pfarrer Helmut Müller vom Regionalen Dienst Köln-Bonn der Vereinten Evangelischen Mission. Er berät den Arbeitskreis. Und er wohnt in Oberhausen und kennt Tannebaum. Nach der Führung geht die neunköpfige Gruppe unter Leitung von Juliane Wächter ins benachbarte „Centro“, ein riesiges Einkaufszentrum am Standort eines früheren Stahlwerks. Der Weg führt aber nicht zu den Läden, sondern zum Kirchenpavillon mit dem Café „Mary and Jo“, eine besondere Form der Citykirchenarbeit, Tannenbaums eigentliche Wirkungsstätte. Der Pavillon mit Angeboten für die Besucher des Zentrums und des benachbarten Gasometers lädt zum Innehalten ein. „Es geht darum, Orientierung zu finden in bewegten Zeiten“, sagt der Pastoralreferent. Beeindruckt und nachdenklich machen sich die Besucherinnen und Besucher aus dem Kirchenkreis wieder auf die Heimreise.

Wolfgang Thielmann

Die Exkursion des Kirchenkreises auf dem Dach des Oberhausener Gasometers mit dem Ruhrgebiet im Hintergrund. Juliane Wächter (rechts) und Pfarrer Helmut Müller (3. von links) führen die Gruppe.

Foto: privat