Kalle und die schöne Orgelmusik

Lange hatte sich die Evangelische Kirchengemeinde Rheinbach auf den Kinderchortag Ende März vorbereitet. Dann kam Corona – und Kantorin Mascha Korn ließ sich etwas anderes einfallen, um trotzdem eine Aufführung möglich zu machen.

Es hätte so schön werden können. Für Ende März hatte die Evangelische Kirchengemeinde Rheinbach im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis alle Kinderchöre im Kirchenkreis zu ihrem Kinderchortag eingeladen. Zum Abschluss war ein großes Konzert geplant. Doch eine Woche vor dem Termin machte die Coronakrise den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die Enttäuschung war groß, vor allem bei den Kindern. „Ich habe gedacht: Jetzt brauchen wir irgendetwas anderes“, sagt Mascha Korn, Kantorin der Gemeinde.

In den Osterferien hatte sie die zündende Idee. Eine Geschichte sollte es werden, unterbrochen von Orgelmusik und mit dem Ziel, möglichst viele der 42 Kinder aus den beiden Chorgruppen im Grundschulalter über das Vorlesen und/oder das Malen von Bildern zu beteiligen. Korns Tochter Johanna (12) schaffte es noch in den Ferien, die Hörspielgeschichte zu schreiben. „Ich hatte nur vorgegeben, dass es um Tiere und um Musik gehen soll“, erzählt ihre Mutter.

Chorkinder übernahmen das Vorlesen und die Bebilderung

In der ersten Zoom-Chorprobe nach den Ferien holte die Kirchenmusikerin auch das Einverständnis ihrer jungen Sängerinnen und Sänger ein. Die Idee traf auf große Zustimmung: Fast alle Kinder hatten Lust mitzumachen. Während sie sich ans Üben für das Lesen und an die Illustration der Handlung setzten, nahm Mascha Korn die passende Orgelmusik auf – mal Werke von Haydn, Bach und Telemann, mal Orgelbearbeitungen von Kinderliedern oder auch eigene Stücke.

Die Kinder schickten ihre Textpassagen per Sprachnachricht an die Kantorin. Wo Gruppengeräusche gefragt waren, musste die nächste Chorprobe vor den Bildschirmen herhalten. Das Zusammenfügen der Sprach- und Musikaufnahmen mit den gemalten Bildern zu einem fast 30-minütigen Video war für die 45-jährige Chorleiterin Neuland: „Ein Video hatte ich bis dahin noch nie gemacht.“

„Aufregung im Wald“ über Kalles Verschwinden

Seit dem 16. Mai ist das gelungene Ergebnis auf der gemeindeeigenen Internetseite zu sehen. Das Hörspiel „Aufregung im Wald“ erzählt von den beiden Freunden Max, dem Eichhörnchen, und Rosina, dem Rehkitz, die wie fast alle anderen Tiere des Waldes auch die Waldschule besuchen. Dort vermissen sie eines Tages das Kaninchen Kalle, das spurlos verschwunden ist. Der Verdacht fällt auf die Wölfe. Aber für Kalles zwischenzeitliches Verschwinden gibt es am Ende zum Glück eine viel freundlichere Erklärung – und die hat wiederum mit schöner Orgelmusik und einem Kinderchor zu tun.

Den Link zum Hörspiel hatte Mascha Korn den Kindern zuvor in der Zoom-Chorprobe mitgeteilt, verbunden mit der Aufforderung, für die Eltern eine Einladung zu schreiben. So konnte es am Wochenende zumindest eine familieninterne Aufführung geben – vor dem Computerbildschirm. Inzwischen wurde das Projekt auch über Rundmails, den Gemeindebrief und einen Bericht in der Lokalzeitung bekannt. „Es gab ganz viele Reaktionen“, freut sich die Initiatorin. Mehr als 500 Besuche auf der Seite und zahlreiche begeisterte Kommentare sind der Lohn für die kreative Arbeit.

Sicherheitskonzept für Chorproben eingereicht

Trotzdem sehnt die Kantorin schon den Moment herbei, wenn sie ihren Sängerinnen und Sängern endlich wieder persönlich gegenüberstehen kann. Gerade erst hat sie ein Sicherheitskonzept für Proben mit Kleingruppen im Garten eingereicht. „Zumindest die Kinder und Jugendlichen würde ich vor den Sommerferien gerne noch einmal sehen.“

Geschrieben von Dr. Uta Garbisch am 02. Juni 2020