Jugendreferat gestärkt, Fusionen und Kooperation kommen 

Die Stelle der kreiskirchlichen Jugendreferentin wird eine volle, befristet auf zwei Jahre. Das entschied die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel mit großer Mehrheit. Bisher hat sie einen Umfang von 75 Prozent. Die Maßnahme soll ab dem 1. August die Beratung und fachliche Begleitung der Gemeinden im Fusionsprozess im Bereich der Jugendarbeit und die notwendige […]

Die Stelle der kreiskirchlichen Jugendreferentin wird eine volle, befristet auf zwei Jahre. Das entschied die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel mit großer Mehrheit. Bisher hat sie einen Umfang von 75 Prozent. Die Maßnahme soll ab dem 1. August die Beratung und fachliche Begleitung der Gemeinden im Fusionsprozess im Bereich der Jugendarbeit und die notwendige Anpassung des kreiskirchlichen Konzepts der Jugendarbeit gewährleisten. „Wir brauchen neue Ideen und Konzepte“, betonte Patrick Kisselmann aus Zülpich, stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses für Kinder und Jugend. Assessor Gregor Weichsel machte deutlich, dass dann auch Raum für Supervision und Fortbildung entstehe. Dies könne aktuell nicht umgesetzt werden.

Zwischenergebnis der Gebäudebedarfsanalyse und Merzbach

Alle kirchlich genutzten Gebäude sollen bis 2035 klimaneutral werden. Superintendentin Claudia Müller-Bück erinnerte an das Bekenntnis der Landessynode 2023: „Wir haben die Verantwortung vor Gott zur Bewahrung der Schöpfung nicht ausreichend wahrgenommen und damit Lebenschancen der nachkommenden Generationen verspielt.“ Das soll sich nun ändern. 

Energieberaterin Annett Keith erläutert das Zwischenergebnis ihrer Analyse. Foto: Uta Garbisch

Energieberaterin Annett Keith in den letzten zwei Jahren alle Gebäude untersucht. Der Synode bot sie einen Überblick der Ergebnisse. Anhand eines Punktesystems werden dabei die Gebäudehülle und die Art der Heizung bewertet. Ein unsaniertes, älteres Gebäude mit Öl- oder Gasheizung kommt so auf neun Punkte, dem schlechtesten Wert. Null Punkte gibt es für sanierte Gebäudehüllen und eine moderne Heizung, zum Beispiel mit einer Wärmepumpe. Diesen sehr guten Wert erreicht nur die Immanuelkirche in Bad Godesberg. Aber auch das Gemeindezentrum Wachtberg-Niederbachem, das Jugendhaus in Euskirchen-Flamersheim (je ein Punkt) und die Gebäude der Erlöser-Kirchengemeinde in Bad Godesberg schneiden vergleichsweise gut ab (2,5 Punkte). Am Ende der Punkteliste mit jeweils neun landen die kirchlichen Gebäude in Weilerswist und das Haus Helvetia in Wachtberg. Zur Klimaneutralität ist es in diesen Fällen noch ein weiter Weg. 

Betrachtet man die Sanierungskosten aller Gebäude pro Gemeinde in der Summe, steht Meckenheim am besten da, gefolgt von Zülpich. Hier wären jeweils gut 200.000 Euro zu investieren. Die Schlusslichter bilden die Sophiengemeinde, die Thomas-Kirchengemeinde Bad Godesberg und Bad Münstereifel. In Zahlen: In der Sophiengemeinde wären über einer Million Euro am Standort Euskirchen zu investieren, weitere gut 600.000 Euro in Weilerswist. In der Thomas-Kirchengemeinde betragen die geschätzten Sanierungskosten 1,1 Millionen, in Bad Münstereifel fast 900.000 Euro.

Die Regionen mit ihren Gebäuden: Wo gibt es was? Foto: Uta Garbisch

Die Ergebnisse liegen den Gemeinden bereits detailliert vor. Viel Stoff für weitere Überlegungen, für die nun die jeweiligen Presbyterien zuständig sind. Sie sollen bis spätestens 2027 auf dieser Grundlage und ihrer Finanzprognose entscheiden, welche Gebäude sie langfristig benötigen und welche nicht. Die verbleibenden Gebäude sollen bis 2035 treibhausgasneutral ertüchtigt werden. „Das ist bei den meisten Gebäuden auch möglich“, so die Energieberaterin. Allerdings ist dies insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäude schwierig. Zum Beispiel, wenn gar kein Platz für eine Wärmepumpe da ist, bemerkten Abgeordnete. Anett Keith und Synodale ermutigten die Gemeindevertreter:innen neben den reinen Kosten auch die Nutzung zu betrachten: „Wo treffen sich die Menschen? Wird ein Gebäude noch gebraucht?“

Die Betriebseinstellung der Jugendbildungsstätte Merzbach ist erfolgt. Alle Arbeitsverhältnisse sind ohne juristische Auseinandersetzung beendet worden, berichtete der stellvertretende Superintendent Gregor Weichsel. Für die weitere Verwendung des Geländes gibt es Interessenten. Aktuell wird ein Wertgutachten erstellt, um damit in Verkaufsgespräche gehen zu können, so Synodalältester Mario Mezger.

Es wird fusioniert

In allen drei Regionen des Kirchenkreises finden Gespräche über Zusammenschlüsse statt. Die Gemeinden Rheinbach, Swisttal, Wachtberg und Meckenheim – das sogenannte Mittelland – haben Fusionsgespräche geführt. Daran waren die Presbyterien inklusive der Pfarrpersonen und die hauptamtlich Mitarbeitenden beteiligt, wie Pfarrerin Ingeborg Dahl aus Meckenheim berichte. Die Auswertung der Rückmeldungen der Hauptamtlichen steht noch aus und soll vor den Sommerferien vorliegen. 

Im Oberland mit Bad Münstereifel, Flamersheim, Sophiengemeinde und Zülpich haben die Kirchengemeinden bereits den Absichtsbeschluss gefasst, sich zusammen zu schließen. Möglicher Fusionstermin ist der 1. Januar 2028, berichtete die Euskirchener Pfarrerin Judith Weichsel. Denn:„Wir schaffen es besser zusammen.“ Klar ist, dass die neue Gemeinde den Namen Sophiengemeinde haben soll. Gerade beginnt die Arbeitsphase mit neun verschiedenen Projektgruppen zu Themen wie Personal, Finanzen und Gemeindeleben.

Etwas anders sieht die Lage in Bad Godesberg aus. Hier hatte die Thomas-Kirchengemeinde Ende letzten Jahres beschlossen, selbstständig zu bleiben. Die übrigen drei, Erlöser-, Heiland- und Johannes-Kirchengemeinde, wollen frühestens zum Jahreswechsel 2027/2028 eine Gemeinde zu gründen, spätestens 2028/2029. Das Motto: „Ein Leib – eine Hoffnung – eine Gemeinde“. Eine Steuerungsgruppe leitet den Fusionsprozess. Ihr Vorsitzender ist Rüdiger Kloevekorn, der auch berichtete: „Wir peilen 2028 an, aber wir wollen uns nicht hetzen lassen.“

Kooperation mit Nachbarkirchenkreisen

Freuen sich über die Zusammenarbeit: Superintendentin Claudia Müller-Bück heißt Elisabeth von Tiesenhausen „offiziell“ willkommen. Foto: Uta Garbisch

Nun kann er gegründet werden: der „Evangelische Verwaltungsverband Rheinland-Mitte“. Aus den Nachbar-Kirchenkreisen Bonn und An Sieg und Rhein liegt bereits die Zustimmung vor. Jetzt hat auch die Kreissynode Bad Godesberg-Voreifel die Gründung einstimmig begrüßt. „Wir brauchen ein Reset“, unterstrich Rüdiger Kloevekorn vom Kreissynodalvorstand. Elisabeth von Tiesenhausen, Verwaltungsleiterin An Sieg und Rhein, und neuer Kopf des Ganzen informierte die Synodalen, welche Projekte und Prozesse nun kommen. Die gemeinsame Verwaltung der drei Kirchenkreise soll zum 1. Januar 2027 offiziell entstehen. Bereits jetzt kommt aus Siegburg Unterstützung. Der Hauptsitz der neuen Verwaltung wird dort sein, Bonn ein zweiter Standort. 

Tagung in Bonn

Die Kreissynode, die entscheidende Versammlung des Kirchenkreises, setzt sich aus Pfarrpersonen sowie den nichttheologischen Vertreter:innen der zwölf Gemeinden zusammen. Die Tagung am Samstag, 20. Juni 2026, fand erstmals im Haus der Evangelischen Kirche Bonn statt. Die Superintendent:innen der Nachbarkirchenkreise, Almut van Niekerk und Dietmar Pistorius, sprachen Grußworte. Das Schlusswort hielt Pfarrer Norbert Waschk aus Bad Godesberg. Es war seine letzte Kreissynode, da er im Herbst in Ruhestand geht. Die nächste Synode wird sich am 14. November in Wachtberg treffen.

Uta Garbisch