„Hauch von lebendiger Urkirche“
Foto: Hans-Georg Levin
Sie hatte ein bisschen überlegt. Neun Monate lang. Doch jetzt wird Ulrike Bickelmann am 9. November in Wachtberg zur Prädikantin ordiniert. Sie ist dann auch berechtigt, im Gottesdienst das Abendmahl einzusetzen und zu taufen. Kirchliche Bestattungen und Trauungen kann sie ebenfalls übernehmen. Die Zurüstung beinhaltete neben Exegese, Homiletik und Hermeneutik auch Kasualien-Kurse und liturgische Präsenz.
Die Idee, sich zur Prädikantin ausbilden zu lassen, haben Pfarrer Günter Schmitz-Valadier und Pfarrerin Kathrin Müller, an sie herangetragen. Die Aufgabe hat sie interessiert. „Ich will in der Gemeinde nicht nur ein passives Mitglied sein, sondern an der Gestaltung des Gemeindelebens aktiv und vielfältig mitwirken. Das hat auch einen Hauch von lebendiger Urkirche.“ Aus beruflichen Gründen konnte sie die Ausbildung erst mit Beginn des Ruhestandes beginnen.
Die zweijährige Ausbildung zur Prädikantin sei eine sehr bereichernde Zeit. gewesen. Parallel dazu absolvierte sie die dreijährige Laien-Uni Theologie der Rheinischen Landeskirche. „Für mich ergänzen und bestärken sich die beiden Ausbildungsgänge ideal und ich bin froh, dass die Laien-Uni noch ein weiteres Jahr mein Leben begleitet“, so Ulrike Bickelmann.
Was sie am Prädikantinnen-Amt von Anfang an reizt und animiert, ist die Predigt. „Den Bibeltext lesen, erfassen, erspüren, die Vielfalt der Gedanken sammeln, den Schwerpunkt bestimmen und dann die mir wesentlichen Gedanken um diesen Schwerpunkt strukturieren und mit den passenden, verstärkenden Fürbitten abschließen.“ Spannend sei natürlich, wie die Gemeinde ihre Gottesdienste aufnimmt. „Ich freue mich, wenn ich an den Gesichtern ablesen kann, dass alle ganz dabei sind, und wenn ich an der Kirchentür entsprechendes Feedback bekomme.“
Ulrike Bickelmann (69) ist von Beruf Agraringenieurin und hat bis zu ihrem Ruhestand bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn gearbeitet. Dort war sie verantwortlich für die nationale und internationale Normungsarbeit. Sie übt die neue Aufgabe ehrenamtlich aus. Prädikantinnen und Prädikanten sind in der Evangelischen Kirche im Rheinland durch die Ordination den Pfarrern und Pfarrerinnen geistlich gleichgestellt. So können Gemeindemitglieder, die in anderen als theologischen Berufen tätig sind oder waren, die Vielfalt der Auslegung des Wortes Gottes gewährleisten und das gottesdienstliche Leben bereichern.
Voraussetzung dazu sind die Gabe der Wortverkündigung, eine ausreichende Allgemeinbildung und biblische Kenntnisse, Verständnis für theologische Fragen und eine aktive Teilnahme am kirchlichen Leben. Es sind Menschen, die die Seelsorge mit ihrer eigenen Lebenserfahrung verbinden.
Der Ordinationsgottesdienst mit Pfarrerin Kathrin Müller, zugleich zweite stellvertretende Superintendentin, beginnt am Sonntag, 9. November 2025, um 11 Uhr Gottesdienst im Gemeindehaus Wachtberg-Niederbachem, Bondorfer Straße 18.
Uta Garbisch