Guten-Abend-Lieder

Das Wochenende ausklingen lassen und zur Ruhe kommen in der evangelischen Kirche in Euskirchen.

„Und nun haben Sie die Gelegenheit sich mit ihrem Nachbarn über ihre persönlichen Erinnerungen an Gute-Nacht-Lieder auszutauschen.“ Sonntagabend, kurz nach halb acht, seit einer halben Stunde wird in der evangelischen Kirche in Euskirchen Langschläfergottesdienst gefeiert. Jemand fängt an leise auf dem Klavier zu spielen. Die Gemeinde tuschelt. Anekdoten und Erinnerungen werden ausgetauscht. „Wie heißt noch mal dieses eine Lied?“ “Weißt du noch, damals……“ „Stimmt, das hatte ich schon ganz vergessen.“ Gesprächsfetzen in der dämmrigen Kirche. An der Kanzel hängt ein Mond, kein Pfarrer im Talar ist in Sicht und auf Orgelklänge wartet man vergebens. Dafür werden immer wieder Lieder auf dem Klavier oder der Gitarre angestimmt. Ein Mitglied des Vorbereitungsteams erzählt aus seiner Kindheit. Die Dunkelheit machte ihm Angst, vor allem wenn er nicht zu Hause in seiner gewohnten Umgebung einschlafen konnte. Da half es dann, wenn die Mutter noch ein Gute-Nacht-Lied vorsang und die Tür zum Nebenzimmer einen Spalt weit aufblieb, so dass ein Lichtschein ins Schlafzimmer fiel. Lieder machen Mut und geben Kraft, nicht nur den Kindern. Und schon wird das nächste Lied angestimmt. „Der Mond ist aufgegangen“. Stimmt, er hängt ja an der Kanzel, aber auch am Himmel ist die Sichel zu sehen. Nach einer Stunde Gottesdienst bleibt die Hälfte der Gemeinde noch. Im Foyer des Gemeindezentrums werden Brot, Käse, Wein und Wasser angeboten. Gespräche entwickeln und vertiefen sich. Das Wochenende klingt aus.

 

Langschläfergottesdienst – Was ist denn das? Die evangelische Kirchengemeinde in Euskirchen bietet – neben den normalen Sonntagsgottesdiensten um 10.00 Uhr – jeden zweiten Monat einen Langschläfergottesdienst an. Der Gottesdienst ist ein Angebot das Wochenende ausklingen zu lassen und zur Ruhe zu kommen. Das besondere ist zum einen der Termin, Sonntagabends um sieben Uhr, und zum anderen die Gestaltung. Anders als die üblichen Gottesdienste behandelt der Langschläfergottesdienst immer ein bestimmtes Thema und wird von einem rund 10-köpfigen Team vorbereitet und ausgeführt. Drei Mitglieder des Teams sind für neue Themenvorschläge verantwortlich. Die Ideen werden ins Plenum getragen und dort dann weitergesponnen oder auch wieder fallengelassen. Das Team trifft sich 2-mal vor jedem Gottesdienst mit einem Pfarrer zur Vorbereitung. Auch die musikalische Gestaltung unterscheidet sich von den herkömmlichen Gottesdiensten. Dort, wo sonst Orgel und Gesangbuch eingesetzt werden, sind hier Gitarre, Klavier und auch Saxophon gefragt. In den fünf Jahren, in denen der Langschläfergottesdienst angeboten wird, hat sich eine kleine Tradition entwickelt: Der Ablauf, einige Elemente und die Rollenverteilung sind bei jedem Gottesdienst gleich, so gibt es immer eine Phase der Stille und Zeit zum Nachdenken. Nach jedem Gottesdienst besteht die Möglichkeit zur Begegnung bei Brot, Käse, Wein und Wasser. Der nächste Langschläfergottesdienst mit dem Motto „Wie komme ich an?“ ist am 26. März.

 

 
 

 

Anna Rechmann /

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2006