Geschlechtergerechtigkeit gefordert

Glaubwürdigkeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und keine Kürzungen ausschließlich zu Lasten von Frauen fordern der Frauenfachausschuss und die Frauenbeauftragte bei der Prioritätendiskussion. In einem Schreiben machen sie ihre Position deutlich.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Pfarrer und Pfarrerinnen,

als synodaler Fachausschuss, der sich um die Belange von Frauen und um das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche sorgt, möchten wir im Zusammenhang mit der Prioritätendiskussion auf folgende, besonders Frauen und Familien betreffende Aspekte hinweisen.

Kirche muss unseres Erachtens eine Vorreiterfunktion haben, wenn es in finanziell schwierigen Zeiten darum geht, Geschlechtergerechtigkeit und Familienförderung sowie die Fürsorgepflicht für Mitarbeitende nicht aus den Augen zu verlieren.

Für Ihre Diskussionen in Ausschüssen und Presbyterien bitten wir Sie folgende Punkte zu berücksichtigen:

1. Es ist nicht zu leugnen, dass gespart werden muss. Damit Kirche auch in den damit verbundenen Veränderungsprozessen glaubwürdig bleibt, muss sie als Anstellungsträger ihre Fürsorgepflicht den Mitarbeitenden gegenüber ernst nehmen. Rechtzeitige Information der Mitarbeitenden über anstehende Prozesse und persönliche Gespräche mit ihnen durch Presbyterien bzw. deren Vertreter sind unseres Erachtens unbedingt notwendig. Kirche sollte dem Anspruch gerecht werden, sozial kompetent zu handeln und die einzelne Person im Blick zu behalten.

2. Der Finanzdruck darf nicht dazu führen, Frauen vom Arbeitsmarkt zu drängen. Für Frauen ist es bei gleicher Qualifikation momentan viel schwerer als für Männer, überhaupt in eine Anstellung zu kommen. Auch wenn in Gemeinden traditionell viele Stellen Frauenarbeitsplätze sind, sind Frauen vielfach in wenig gesicherten Arbeitsfeldern beschäftigt; dennoch trägt ihr Gehalt wesentlich zum Unterhalt der Familie bei. Falls dies in Ihrer Gemeinde noch nicht geschehen ist, regen wir an, eine Bestandsaufnahme der Mitarbeitenden zu machen, bei der nach Geschlecht, Alter, Stellenprofil und Gehaltsstufe unterschieden wird.

3. Bedenken Sie bitte, dass Kürzungen, die den Etat oder das Gehalt betreffen, nicht ausschließlich zu Lasten von Frauen gehen. Insbesondere ist der soziale Hintergrund von alleinerziehenden Frauen zu berücksichtigen.

4. Von den Mitarbeitenden wird in Zukunft eine höhere zeitliche und örtliche Flexibilität erwartet, wenn sie in mehreren Gemeinden tätig sein sollen. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bitten wir Sie, größtmögliche zeitliche Gestaltungsräume für Frauen und Männer mit Familien zu eröffnen. Auch Väterzeiten sind wichtig!

5. Dass Kirche in Zukunft wieder verstärkt aufs Ehrenamt setzen will, beinhaltet sicherlich eine Chance für das Gemeindeleben. Wir erinnern Sie allerdings an die momentan bestehende Tendenz Ehrenamtlicher, sich nur für die Dauer eines Projektes oder für eine kurze überschaubare Zeit zu binden. Es gilt dafür sensibel zu sein, welche Arbeitsfelder durch kompetente Ehrenamtliche auf Dauer abgedeckt werden können und wo weiterhin Hauptamtlichkeit und Kontinuität erforderlich sind.

Dass Frauen und Männer gleichermaßen nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden, stellt Kirche immer wieder vor einen sozialethisch hohen Anspruch. Deshalb bitten wir Sie, bei den Diskussionen in den Arbeitskreisen, Ausschüssen und Presbyterien die Chancengleichheit von Männern und Frauen auch weiterhin zu fördern.

Mit freundlichen Grüßen

Siglinde Ostrzinski-Sachs (Vorsitzende des Fachausschusses für Frauenfragen)
Sabine Cornelissen (Frauenbeauftragte)

 

 

 
 

 

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2006