Gemeinsam gegen Gewalt, gemeinsam gegen Ausgrenzung

In einer gemeinsamen Erklärung setzen sich zwölf Godesberger Moscheevereine, Kirchengemeinden und Dialogpartner für Toleranz und gegen Gewalt ein.

„Als Christen und Muslime, die im interreligiösen Dialog in Bad Godesberg aktiv sind, erfüllen uns die Berichte über die Bedrohung durch terroristische Anschläge auch in Deutschland mit großer Besorgnis. Als Bürger dieses Landes sind wir gleichermaßen von dieser Bedrohung betroffen.

Wir Muslime können nur immer wieder betonen, dass diese Gewalt mit dem Islam in keiner Weise gerechtfertigt werden kann, sondern ihm diametral entgegensteht. Unser Glaube verbietet das Töten unschuldiger Menschen. So lesen wir im Koran, dass wer einen Menschen tötet, es wäre, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten (Sure 5,32). Deshalb werden wir auch weiterhin dagegen einschreiten, wenn zur Gewalt aufgerufen wird oder die Religion mißbraucht wird, um Menschen aufzuhetzen. Als gläubige Muslime, die sich für ihre Taten vor Gott verantworten müssen, wollen und können wir solche Handlungen nicht zulassen.

Die politische Entwicklung im Nahen Osten hat bei vielen in Deutschland, nicht zuletzt bei Muslimen und Christen, große Betroffenheit ausgelöst und ist Gegenstand vieler Gespräche. Etliche haben Familienangehörige oder Freunde unter den zivilen Opfern des Krieges zu beklagen. Wir sehen auch, dass Verantwortlichkeiten in dieser Situation unterschiedlich beurteilt werden. Um so deutlicher betonen wir, dass bei allen politischen Kontroversen, wo auch immer sie stattfinden, Terrorakte und Gewalttaten, die nur neue Opfer schaffen, niemals Mittel sein können, darauf zu reagieren. Vielmehr setzen wir uns für politische Lösungswege zum Frieden und zur Gerechtigkeit ein, sowohl im außenpolitischen Kontext, als auch im Zusammenleben in Deutschland.

Als Christen und Muslime wenden wir uns gegen Äußerungen, die geeignet sind, den Islam und damit die Muslime in unserem Land oder in der Welt unter Generalverdacht zu stellen, ebenso wie gegen solche, die pauschal Gesellschaften als gottlos und dekadent diffamieren. Vielmehr wollen wir in unserem Land dazu beitragen, dass das Vertrauen zwischen uns wachsen kann, Diskriminierungen von Menschen wegen ihres Glaubens abgebaut, Respekt und gegenseitige Anerkennung gefördert und Ängste aufgelöst werden. Darüber hinaus müssen besonders junge Menschen die reale Chance haben, sich als Teil dieser Gesellschaft zu fühlen und ihre Fähigkeiten einzubringen. Dies scheint uns langfristig der beste Weg, Radikalisierung und Flucht in extreme Ideologien zu vermeiden.

Gemeinsam stehen wir dafür ein, den Weg der Toleranz und gegenseitigen Anerkennung weiter miteinander zu gehen und auch in unseren Gemeinden und Moscheevereinen voranzubringen.“

 

 

Regelmäßig nehmen am Muslimisch-Christlicher Dialog Bad Godesberg teil:
AWO-Internationales Zentrum, DITIB Türkisch–Islamischer Kulturverein e.V., Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V., Ev.Heilandkirchengemeinde, Ev. Johanneskirchengemeinde, Gemeinschaftshauptschule im Schulzentrum Pennenfeld, König-Fahd-Akademie, Marokkanischer Kulturverein e.V., Katholische Grundschule Mehlem, Katholischer Seelsorgebezirk Godesberg-Süd, Referat für Multikulturelles der Stadt Bonn, Robert-Koch-Grundschule

Kontakt: Beate Sträter, Ev. Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel
53175 Bonn, Kennedyallee 113, Tel. 0228/30 787 18, Fax 0228/3078720, e-Mail: islamberatung-bgv@ekir.de

 

 
 

 

 

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Geschrieben von Pressereferat BGV am 15. Februar 2006