„Fünf Jahre sind lang und kurz“

Blick in die Telegrafenstraße in Bad Neuenahr - kurz nach der Hochwasserkatastrophe und heute. Quelle: EKiR / Marcel Kuß

Die Flutkatastrophe in der Region, die Menschen an Ahr und Erft am schwersten getroffen hat, jährt sich zum fünften Mal. In Rheinland-Pfalz starben bei der Flut 136 Menschen, fast alle im Ahrtal. Das verheerende Hochwasser im Juli 2021 hat Menschen das Leben genommen und materielle Schäden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht, […]

Die Flutkatastrophe in der Region, die Menschen an Ahr und Erft am schwersten getroffen hat, jährt sich zum fünften Mal. In Rheinland-Pfalz starben bei der Flut 136 Menschen, fast alle im Ahrtal.

Das verheerende Hochwasser im Juli 2021 hat Menschen das Leben genommen und materielle Schäden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht, daran erinnert die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) anlässlich des 5. Jahrestages. „Drei Tage im Juli 2021 haben das Schicksal tausender Menschen in den Hochwasserregionen einschneidend verändert. Ihre Wunden werden nie ganz verheilen“, sagt Kirsten Schwenke, Vorständin der Diakonie RWL. „Dank der großen Spendenbereitschaft konnten unsere mobilen Teams seitdem mehr als 25.000 Betroffene umfassend beraten sowie finanziell und psychosozial unterstützen.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe und die Diakonie RWL kooperieren in der Hochwasserhilfe unter dem Namen Diakonie Katastrophenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL). Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind nahezu alle eingegangenen Spendengelder in Höhe von 47,87 Millionen Euro ausgegeben bzw. fest verplant in noch laufende Projekte.

Im Blick auf die Wiederaufbauhilfe lässt sich Stand heute bezüglich Kirchen sagen, wie die Landeskirche mitteilt: Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bisher 29,4 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe für die Instandsetzung kirchlicher Gebäude auf rheinischem Kirchengebiet bewilligt. Mehr als die Hälfte der Fördergelder ist auch bereits an die betroffenen Kirchengemeinden ausgezahlt worden.

Geld heilt nicht alle Wunden. Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland erfuhr bei einem Besuch in Bad Neuenahr, dass viele Menschen dort am liebsten „alles weghaben wollen, was sie an die Flut erinnert“. Auch die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag sei keineswegs allen ein Bedürfnis.

Superintendentin beim Gedenkakt im Landtag dabei

Claudia Müller-Bück, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, sagt: „Wir haben große Hilfe erfahren. Und uns ist die Vernetzung der Helfenden vor Ort gelungen.“ Rolf Stahl, ihr Amtskollege vom Kirchenkreis Koblenz: „Fünf Jahre sind lang und kurz: Man sieht die Wunden noch deutlich. Und vieles ist nicht mehr, wie es mal war – und wird es auch nicht wieder sein. In der Psyche der Menschen ist noch vieles ganz frisch.“

Superintendentin Claudia Müller-Bück wird beim Gedenkakt am 14. Juli im NRW-Landtag in Düsseldorf eine überkonfessionelle Ansprache halten. Die weiteren Redner werden sein: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Landtagspräsident André Kuper.

Mit WDR Event kann man ab 16 Uhr live dabei sein: wdr.de/radio/wdr-event/teaser/event-gedenkstunde-ahrtalflut

Für den 15. Juli lädt die Superintendentin offen in die Maria-Magdalena-Kirche in Swisttal-Heimerzheim, Sebastianusweg 5-7, ein. Die Kirche wird von 10 Uhr an geöffnet sein – „wie in den Tagen und Wochen direkt nach der Flut“, so Müller-Bück. Wer kommt, kann einfach mit anderen reden, da sein, auf Wunsch vielleicht auch ein seelsorgliches Gespräch wahrnehmen. Um 17 Uhr wird die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Antje Menn, eine Andacht halten. Und auch danach wird die Kirche einfach noch bis circa 18.30 Uhr als Raum für Begegnung und Austausch geöffnet sein.

Anna Neumann/ekasur.de/gar