„Freiheit – wie großartig klingt dieses Wort!”

Im ökumenischen Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln predigte Wolfgang Thielmann anlässlich der  Dreikönigswallfahrt: Ein hochaktuelles Thema stand im Mittelpunkt: „Von der Freiheit“ wollte man sprechen im Rahmen der Dreikönigswallfahrt im Hohen Dom zu Köln. Den Gottesdienst feierten unter anderem Susanne Beuth, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte und ACK-Vorsitzende, Stadtdechant Robert Kleine und Erzpriester Konstantin Miron. Und eben Pastor Wolfgang Thielmann von der Heiland-Kirchengemeinde in Bonn-Mehlem.

Es war schon länger geplant, in diesem Jahr an die christliche Freiheits-Tradition zu erinnern, die nicht zuletzt mit Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ verbunden ist, und diese Tradition mit der Frage nach der Freiheit in unserer Zeit zu verbinden. Corona verlieh dem Vorhaben natürlich besondere Brisanz. Das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit spielt momentan eine alles bestimmende Rolle.

Journalist und Theologe Wolfgang Thielmann

Als Prediger für den Gottesdienst im Dom hatte man Wolfgang Thielmann gewinnen können. Der Journalist und Theologe war von 1999 bis 2010 Leiter des Ressorts Christ und Welt des Rheinischen Merkurs und von 2010 bis 2016 Redakteur im Ressort Christ&Welt bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. 2013 hatte Thielmann in einem Interview gesagt, dass für Christen die Freiheit immer wichtiger sein müsse als die Sicherheit.

Damals ging es um die Abhörpraktiken des amerikanischen Geheimdienstes. Man durfte also gespannt sein auf Thielmanns Auslegung von Galater 5,13ff, der dem Gottesdienst als Predigttext zugrunde lag. Darin heißt es: „Geschwister, ihr seid zur Freiheit berufen! Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen, sondern dient einander in Liebe.

Denn das ganze Gesetz ist in einem einzigen Wort zusammengefasst, in dem Gebot: ,Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst.‘ Wenn ihr jedoch ,wie wilde Tiere aufeinander losgeht‘, einander beißt und zerfleischt, dann passt nur auf! Sonst werdet ihr am Ende noch einer vom anderen aufgefressen.“

Freiheit

„Freiheit – wie großartig klingt dieses Wort! Gerade jetzt, wo uns die Corona-Pandemie Beschränkungen abverlangt! Wir kämpfen um das politische, das kulturelle, das kirchliche Leben. Wir leben unter Restriktionen und können uns nicht frei versammeln“, hob Thielmann an. „Es gibt Gerichte, die Demonstrationsverbote und Beschränkungen aufheben“, hielt er Verschwörungstheoretikern entgegen.

Der Prediger erinnerte an Martin Luther King und sein „Free at last“ und an das „Liberté, Égalité, Fraternité“ der französischen Revolution. Und: „Freiheit ist die große Erzählung der Bibel. Wo der Geist des Herrn ist, das ist Freiheit, sagt Paulus im zweiten Korintherbrief.“ Ob denn die Freiheit auch in den Kirchen zu Hause sei, fragten Thielmann. In der DDR seien Pfarrhäuser Orte der Freiheit gewesen. „Es hat sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt, dass die bürgerliche Freiheit immer auch gegen die Kirche erkämpft werden musste. Erst allmählich haben die Kirchen erkannt, dass die Freiheit der Menschen, die religiöse und die bürgerliche, aus dem Herzen der Botschaft der Bibel kommt.“

Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen”

Thielmann erinnerte an die Entstehungsgeschichte von Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Luther sei damals überzeugt gewesen, dass die Freiheit des Menschen ende, wenn es darum gehe, Gott zu begegnen. In einem Disput mit dem Reformator habe Erasmus von Rotterdam gesagt: „Der Mensch hat die Freiheit, sich Gott zuzuwenden. Wenn ich nicht durch meinen freien Willen an meiner Rechtfertigung mitwirken kann, was ist die Freiheit dann wert? Darin folgt ihm die katholische Lehre bis heute.“ Einig seien sich katholische und evangelische Kirche, dass Freiheit von Gott ausgeht und sich durch ihn ereignet.

„Luther intonierte seine Schrift von der Freiheit eines Christenmenschen mit zwei Thesen: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Und: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ In Jesus werde sichtbar, dass Gott die Menschen frei und unabhängig mache. Man gelte vor Gott, ohne seinen Nutzen nachweisen zu müssen. Aber Paulus weise auch darauf hin, dass die Freiheit nicht zur Selbstsucht missbraucht werden dürfe.

In Kirchen Freiheit erleben

„Die Freiheit, die Gott gibt, legt Liebe in unser Leben, denn Freiheit und Liebe gehen Hand in Hand.“ Das bedeute, dass die Freiheit, die Gott schenke, zu einer Freiheit in Beziehungen werde, eine kommunikative Freiheit. Immer wieder sei zu hören, dass religiöse Überzeugungen herhalten müssten, um Menschen die Freiheit zu nehmen und sie mit Diskriminierung, Gewalt und Terror heimzusuchen. Paulus Bild von den „wilden Tieren“ sei brandaktuell. „Lassen Sie uns allen Formen von Hass widerstehen und Koalitionen dagegen eingehen, besonders gegen den Hass, der sich auf Juden richtet, denn das sind wir ihnen um Gottes Willen schuldig“, forderte Thielmann und endete mit dem Appell: „Und lassen Sie uns nicht müde werden, daran mitzuwirken, dass man in Kirchen Freiheit erleben kann, Freiheit im Geist und in der Wahrheit, die uns unabhängig macht von Menschen und die uns mit Gott verbindet. Die uns befreit von der Sorge um uns selbst und in uns die Liebe weckt zu den Schwächsten.“

Text und Foto: Kirche-Koeln.de/gar

Geschrieben von Kirchenkreis am 06. Oktober 2020